Flöhe – sie sind wieder da!

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Trotz der diffizilen Möglichkeiten der Bekämpfung von Flöhen sind diese Ektoparasiten bei ­vielen Hundehaltern noch immer ein Problem. Studien zeigen, dass bei nahezu jedem zweiten Hund mit einem Hautproblem, dessen Frauchen oder Herrchen einen Tierarzt aufsuchte, ­flohbedingte ­Ursachen vorliegen. Zudem können Flöhe aber auch als Überträger von Krankheiten für Hund und Mensch gefährlich werden. Anstatt mal hie und da ein Flohmittel anzuwenden, lässt sich das ­Problem nur durch ein wohlüberlegtes Management verlässlich in den Griff bekommen. Von ­selbständigen Behandlungsversuchen wird eher abgeraten, da sie das Problem durch sich ­entwickelnde ­Resistenzen eher fördern als lösen. Deshalb spielt der örtliche Tierarzt im Parasitenmanagement eine wichtige Rolle, weil er weiß, welches Mittel gerade in Ihrer Gegend verlässlicher wirkt als ein anderes. Zudem handelt es sich bei der Flohbekämpfung um einen Kampf, der gleichzeitig an ­mehreren Fronten zu führen ist, soll er nachhaltigen Erfolg bringen.

Dass Flöhe hoch und weit ­springen können, ist allgemein bekannt – weniger schon, wie hoch und wie weit. Was schätzen Sie? Nun, die Antwort gibt uns eine wissenschaftliche Studie, welche die Sprungkraft von Hundeflöhen (Ctenocephalides canis) und Katzenflöhen (Ctenocephalides felis felis) untersucht hat. Ort dieser spannenden Untersuchung war die Abteilung für Dermatologie und Parasitologie der Ecole Nationale Veterinaire (eine tierärztliche Hochschule) im französischen Toulouse. (Cadierguses 2000). Das Ergebnis der Sprung­weite der ungeliebten Parasiten kann sich in Bezug auf ihre Körperlänge von nur 1-2 mm sehen lassen. Die durchschnittliche Sprungweite betrug beim Katzenfloh 19,9 cm, während sie beim Hundefloh mit 30,4 cm signifikant weiter lag. Hinsichtlich der Sprung­höhe hatte ebenfalls der Hundefloh die Nase vorn, mit einer maximalen Höhe von 25 cm, ­während der Katzen­floh maximal 17 cm hoch springen konnte. Bei von Flöhen befallenen Hunden handelt es sich in rund 50% um Hundeflöhe, in 36% um Katzenflöhe und in 14% sind die Hunde von beiden Floharten befallen (Farkas 2009). Über die Häufigkeiten des Flohbefalls bei Hunden gibt es stark variierende Angaben, sie reichen von 27 bis 42% der Hunde, wobei der stärkste Flohbefall im August vorliegen soll (Beugnet 2010; Farkas 2009).  

Der Sprung zum Hundeblut
Die vorhin erwähnte ­Sprungweite des Flohs ist für ihn wichtig, um ­seinen Wirt zu erreichen, dessen Blut der Floh für seine Ernährung und Fortpflanzung benötigt. Und dabei lässt sich der Floh nicht Zeit, sondern schreitet mit seinem Stech- und Saugrüssel sofort zur Tat: Innerhalb der ersten 3 Minuten nach Besiedelung des Hundes genießt der Floh bereits seine erste Blutmahlzeit (Cadierguses 2001). Das unterstreicht auch die Bedeutung eines möglichst raschen Wirkungseintritts von floh­tötenden (adulticiden) Mitteln. Der Floh sollte also idealerweise erst gar nicht sein Mundwerkzeug einsetzen können. Das ist vor allem deshalb wichtig, um die sog. allergische Flohdermatitis, die ja erst infolge eines Flohbisses erfolgt, zu verhindern. Jedoch wirken – je nach Resistenzlage der lokalen Flohpopulation – nicht alle Flohmittel schon vor der ersten Blutmahlzeit des Flohs (Dryden 2009).

Folgen von Flohbefall
Obwohl es der erwachsene Floh ist, der durch seine Tätigkeit am Hund und die daraus resultierenden ­Folgen (Juckreiz, Flohspeicheldermatitis etc.) das Hauptproblem der Folgen in ­diesem Flohzirkus darstellt, ist für seine suffiziente Bekämpfung das Wissen um seinen Lebenszyklus von entscheidender Bedeutung. Denn die erwachsenen Flöhe selbst machen nämlich nur etwa 1-5 Prozent des Flohproblems aus. 50% der Floh­population befinden sich im Ei-Stadium, 35% sind Larven und 10% sind Puppen. Zu Recht kann man daher sagen, dass der adulte Floh nur die Spitze des Eisberges darstellt und nur eine ganzheitliche Sicht und Behandlung des Flohproblems nachhaltige Wirkung zeigt.

Integrierte Flohbehandlung
Am wirksamsten im Kampf gegen den Floh ist daher ein integriertes Floh­management, das auf einem Verständnis der Biologie des Flohs und seines Lebenszyklus basiert, d.h. damit einerseits den Hund (Floh­mittel) und andererseits seine unmittelbare Umgebung (Staubsaugen, Aufwaschen, ggf. Hundewäsche waschen) betrifft. Gerade bei den Flohpräparaten hat sich in den letzten 10-20 Jahren viel getan, sie unterscheiden sich je nach ihrem Ansatzpunkt im Lebenszyklus des Flohs. Neben Adulticiden (töten den Floh in Form eines Kontaktgiftes) gibt es sog. Wachstumsregulatoren, ­welche die für die Entwicklung des Flohs nötige Chitinproduktion im Ei- und im Larvenstadium hemmen. So können einerseits  aus den Eiern keine Larven mehr werden und andererseits ­können sich bereits vorhandene Larven nicht zu Flöhen häuten. Eine weitere Stoffklasse sind Entwicklungshemmer, die den Floh und die Flohlarven töten. Zu­nehmend werden in Flohmitteln mehrere Substanzen mit diesen unterschiedlichen Angriffspunkten kombiniert. Auf alle Fälle ist jedoch immer auch eine Umgebungsbehandlung erforderlich, um wirklich alle ­Stadien radikal auszurotten.

Nicht nur kosmetische ­Floh­bekämpfung!
Auch wenn Zoofachgeschäfte eine große Auswahl an Flohmitteln anbieten und Hundehalter mal dies, mal das andere „ausprobieren“, so ist dennoch der Besuch beim örtlichen Tierarzt vorzuziehen, um das Problem nachhaltig zu lösen. Der Grund sind die schon erwähnten Resistenzen, die Flohpopulationen gegen Flohmittel entwickeln können (durchaus vergleichbar mit den bekannten Antibiotika­resistenzen von Bakterien). Weil der lokale Tierarzt üblicherweise diese Resistenzen kennt, die je nach Region unterschiedlich sein können, sind seine Empfehlungen meist von großer Bedeutung.

Floh trotz Flohmittel?
Neben diesen Flohresistenzen werden in einer aktuellen Studie (Coles 2014) als häufigere Ursache des Versagens einer Flohbekämpfung ihre nicht sachgemäße Durchführung genannt (siehe Produktinformationen), wozu vor allem auch das Fehlen einer Umgebungsbehandlung und/oder natürlich auch das Nicht-Behandeln aller anderen Haustiere, so vorhanden, gehört. Auch häufiges Baden und Schwimmen des Hundes kann die Wirksamkeit mancher Flohmittel reduzieren. Und schließlich kann ein sehr hoher Flohbefallsdruck durch Kontakt des ­Hundes mit anderen flohbefallenen Tieren (bspw. Hunden, Katzen, Igel) dazu führen, dass trotz Wirksamkeit des Flohmittels immer wieder einmal ein Floh im Fell zu finden ist.

Alternative Methoden?
Es gibt eine große Reihe an alterna­tiven Methoden, die zur Floh­bekämpfung angeboten werden, wie bspw. Bernstein, Knoblauch, Zitronensaft oder sonstiges. Wenn ­Hundehalter auf solche Mittel ­schwören, werden sie sicher einen Grund dafür haben. Da es aber ­keine Studien über die Wirksamkeit ­dieser Mittel gibt, lassen sich ­solche ­Empfehlungen auch nicht verallgemeinern. Will man unbedingt solche Methoden anwenden, dann empfiehlt es sich, dies zeitlich befristet zu tun, um nicht allzu viel Zeit zu verlieren, die der explosionsartigen Vermehrung der Flöhe nützt, sollte das Mittel nicht so wirken wie gewünscht.  

Welche Erfahrungen haben Sie mit Flohmitteln? Schreiben Sie an WUFF!

INFORMATION

Diagnostik des Flohbefalls

  • Juckreiz des Hundes
  • Sichtbare Hautveränderungen (z.B. Ekzeme)
  • Flöhe im Haarkleid des Hundes
  • Flohkot (kleine rötliche ­wurstförmige Partikel)
  • Floheier (weiß, 0,5 mm groß)

Applikationsformen

Im Handel werden verschiedene Applikationsformen angeboten. Was am besten zu Haarkleid, Rasse und Lebensgewohnheiten Ihres Hundes passt, weiß zumeist der Tierarzt.

  • Spot on (Flüssigkeit, die meist im Nackenbereich aufgetragen wird)
  • Halsband
  • Spray
  • Tablette

LITERATUR

In der Reihenfolge ihrer ­Erwähnung im Text:

  • Cadierguses et al., A comparison of jump performances of the dog flea, Ctenocephalides canis and the cat flea, Ctenocephalides felis felis, Vet Parasitol. 2000; 92(3):239-241
  • R. Farkas et al., Prevalence of flea infestation in dogs and cats in Hungary combined with a survey of owner awareness. Med Vet Entomology 2009;23:187-194
  • F. Beugnet, M. Franc, Results of a European multicentric field efficacy study of Fipronil-(S) Methoprene combination on flea infestation of dogs and cats during summer 2009. Parasite 2010;17:337-342
  • Cadierguses et al., First blood meal of of Ctenocephalides canis on dogs: time to initiation of feeding and duration. J Parasitol. 2001;87(1):214-215
  • M.W. Dryden, flea and tick control in the 21st century: challenges and opportunities, Vet. Dermatology 2009 20:435-440
  • T.B. Coles, M.W. Dryden. ­Insecticide/acaricide resistance in fleas and ticks infesting dogs and cats. Parasites & Vectors, 2014;7:8-18

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