Flöhe springen hoch und weit

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Trotz der vielfältigen Möglichkeiten der Bekämpfung von Flöhen sind diese Ektoparasiten, die im Vergleich zu ihrer Körperlänge unglaublich hoch und weit springen können, bei vielen Hunde­­haltern noch immer ein Problem. Studien zeigen, dass bei nahezu jedem zweiten Hund mit einem Hautproblem, dessen Frauchen oder Herrchen einen Tierarzt aufsuchen, flohbedingte Ursachen vorliegen. Prinzipiell sollte der örtliche Tierarzt im Parasitenmanagement eine wichtige Rolle spielen, weil er die Resistenzen kennt und weiß, welches Mittel gerade in Ihrer Gegend ­verlässlicher wirkt als ein anderes.

Bei Hunden, die von Flöhen befallen sind, handelt es sich in rund 50% um Hundeflöhe (Ctenocephalides canis), in 36% um Katzenflöhe (Ctenocephalides felis felis) und in 14% sind die Hunde von beiden Floharten befallen (Farkas 2009). Die Sprungkraft der Flöhe ist legendär, wobei es zwischen den beiden Flohpopulationen jedoch einen Unterschied gibt, wie eine wissenschaftliche Studie aus der tierärztlichen Hochschule von Toulouse festgestellt hat (Cadierguses 2000). Demnach beträgt die Sprungweite von Katzenflöhen durchschnittlich 19,9 cm und bei Hundeflöhen 30,4 cm. Auch bei der Sprunghöhe hatte der Hundefloh die Nase vorn, mit einer maximalen Höhe von 25 cm, während der Katzenfloh maximal 17 cm hoch springen konnte. Bei einer Körperlänge von 1-2 mm eine unglaubliche Leistung, die aber erforderlich ist, damit der Floh seinen Wirt erreicht, dessen Blut er für seine Ernährung und Fortpflanzung benötigt.

Er kann also weit und hoch springen und lässt sich, sobald er den Hund erreicht hat, auch da keine Zeit, sondern schreitet mit seinem Stech- und Saugrüssel sofort zur Tat: Innerhalb der ersten 3 Minuten nach Besiedelung des Hundes genießt der Floh bereits seine erste Blutmahlzeit ­(Cadierguses 2001). Das unterstreicht auch die Bedeutung eines möglichst ­raschen Wirkungseintritts von flohtötenden (adulticiden) Mitteln. Der Floh sollte also idealerweise erst gar nicht sein Mundwerkzeug einsetzen können. Das ist vor allem deshalb wichtig, um die sog. allergische Flohdermatitis, die ja erst infolge eines Flohbisses erfolgt, zu verhindern. Jedoch wirken – je nach Resistenzlage der lokalen Flohpopulation – nicht alle Flohmittel schon vor der ersten Blutmahlzeit des Flohs (Dryden 2009).

Die Verteilung des Flohs auf Hund und Umgebung
Rund zwei Drittel der Flöhe befinden sich am Rücken des Hundes, etwa ein Drittel auf der Kruppe und nur wenige am Ohr, wie eine polnische Studie nachgewiesen hat (Rudzinska 1996). Zu beachten ist dabei jedoch, dass die auf dem Hund ­lebenden und Blut saugenden erwachsenen Flöhe gerade mal 5% der gesamten Flohpopulation ausmachen, zu der auch die Floheier (50%), Larven (35%) und Puppen (10%) gehören (Sousa 2003). Alle diese befinden sich im häuslichen Umfeld des Hundes, v.a. bei seinen Ruheplätzen. Am wirksamsten im Kampf gegen den Floh ist daher ein ­integriertes Flohmanagement, das auf einem ­Verständnis der Biologie des Flohs und seines Lebenszyklus basiert, d.h. damit einerseits den Hund (Floh­mittel) und andererseits seine unmittelbare Umgebung (Staubsaugen, Aufwaschen, ggf. Hundewäsche waschen) betrifft. Gerade bei den Flohpräparaten hat sich in den letzten 10 Jahren viel getan, sie unterscheiden sich je nach ihrem Ansatzpunkt im Lebens­­­zyklus des Flohs. Neben ­Adulticiden ­(töten den Floh in Form eines ­Kontaktgiftes) gibt es sog. Wachstumsregulatoren, welche die für die Entwicklung des Flohs nötige Chitinproduktion im Ei- und im Larvenstadium hemmen. So können einerseits aus den Eiern keine Larven mehr werden und andererseits können sich bereits vorhandene Larven nicht zu Flöhen häuten. Eine weitere Stoffklasse sind Entwicklungshemmer, die den Floh und die Flohlarven töten. Zunehmend werden in Flohmitteln mehrere Substanzen mit diesen unterschiedlichen Angriffspunkten kombiniert. Auf alle Fälle ist jedoch immer auch eine Umgebungsbehandlung erforderlich, um wirklich alle Stadien radikal auszurotten.

Nicht nur kosmetische ­Flohbekämpfung!
Auch wenn Zoofachgeschäfte eine große Auswahl an Flohmitteln anbieten und Hundehalter mal dies, mal das andere „ausprobieren“, so ist dennoch der Besuch beim örtlichen Tierarzt vorzuziehen, um das Problem nachhaltig zu lösen. Der Grund sind die schon erwähnten Resistenzen, die Flöhe gegen Flohmittel entwickeln können (durchaus vergleichbar den bekannten Antibiotikaresistenzen von Bakterien). Weil der lokale Tierarzt üblicherweise diese Resistenzen kennt, die je nach Region unterschiedlich sein können, sind seine Empfehlungen meist von großer Bedeutung.

Floh trotz Flohmittels?
Neben diesen Flohresistenzen werden in einer Studie (Coles 2014) als häufigere Ursache des Versagens einer Flohbekämpfung ihre nicht sachgemäße Durchführung genannt, wozu vor allem auch das Fehlen einer Umgebungsbehandlung und/oder natürlich auch das Nicht-­Mitbehandeln aller anderen Haustiere, so vorhanden, gehört. Auch häufiges Baden und Schwimmen des Hundes kann die Wirksamkeit mancher Flohmittel reduzieren. Und schließlich kann ein sehr hoher Flohbefallsdruck durch Kontakt des Hundes mit anderen flohbefallenen Tieren (bspw. Hunden, Katzen, Igel) dazu führen, dass trotz Wirksamkeit des Flohmittels immer wieder einmal ein Floh im Fell zu finden ist.

Literaturquellen

• Cadierguses et al., A comparison of jump performances of the dog flea, Ctenocephalides canis and the cat flea, Ctenocephalides felis felis, Vet Parasitol. 2000; 92(3):239-241
• R. Farkas et al., Prevalence of flea infestation in dogs and cats in Hungary combined with a survey of owner awareness. Med Vet Entomology 2009;23:187-194
• Cadierguses et al., First blood meal of of Ctenocephalides canis on dogs: time to initiation of feeding and duration. J Parasitol. 2001;87(1):214-215
• M.W. Dryden, flea and tick control in the 21st century: challenges and opportunities, Vet. Dermatology 2009 20:435-440
• T.B. Coles, M.W. Dryden. Insecticide/acaricide resistance in fleas and ticks infesting dogs and cats. Parasites & Vectors, 2014;7:8-18

Pdf zu diesem Artikel: floehe_0418

 

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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