Frühwarnhunde – Mein Leben als Epileptikerin!

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Alltagsgeschichte

„Es gibt Situationen im Leben, die möchte man nicht ­er­leben, aber dringend überleben!“ (Zitat Ines Frank) Als ­Epileptikerin hat Ines Frank ihre Hunde als ­Frühwarnhunde ausgebildet, die ihr das Leben mit der Krankheit enorm ­erleichtern – und bereits einmal das Leben gerettet haben.

Nach einer schwierigen ­Operation im Jahr 2000, die an meiner Halswirbelsäule durchgeführt werden musste, fing mein Leiden an. Epilepsie wird im Deutschen auch als „Krampfleiden“ oder „Fallsucht“ bezeichnet. Erkrankte Menschen leiden unter plötzlich auftretenden Krampfanfällen (Grand mal), die in Häufigkeit und Intensität in unterschiedlichster Weise auftreten. Kurze Absencen ohne Sturz sind ebenso möglich wie große Anfälle mit Bewusstseinsverlust, Sturz und heftiger Verkrampfung, die gegebenenfalls dringend ärztliche Hilfe erfordern.

So erging es auch mir, als ich vor mehr als 17 Jahren nach einer Operation an Epilepsie erkrankte. Jeder oder Jede, die an dieser Erkrankung leidet, weiß, ­welche Einschränkungen und Umstellungen das für das weitere Leben bedeutet. Noch schlimmer als die Stürze und Krämpfe waren mein Rückzugsverhalten in der Gesellschaft und mein ständig schrumpfendes Selbstwert­gefühl durch den Kontrollverlust. Auch die Reaktionen der Menschen im Umfeld nach einem Anfall machten mein Leben nicht einfacher. Sätze wie: “Die ist doch betrunken, ist das eine Geistesgestörtheit” oder nur die nackte Angst in deren Augen zu sehen, machten mir das Leben sehr schwer. Da mein Mann und ich schon lange Zeit Rettungshunde ausbilden, kam vor neun Jahren ein Welpe namens ­Amaroq (Ein Mali-­Schäferhund-Mix, Roq gerufen) zu uns. Eigentlich, um wieder als Rettungshund ausgebildet zu werden. Schon als Welpe und Junghund, zeigte Roq ­verändertes Verhalten bei meinen Anfällen. Da mein Mann alle Verhaltensmerkmale registriert und dokumentiert, erkannte er sofort das Potenzial eines Frühwarnhundes und bestätigte Amaroqs Verhalten positiv. Natürlich lag jetzt die Ausbildung eines Epilepsiehundes im Fokus. Heute ist für mich unser Hund Amaroq nicht nur ein Hund, der mich beruhigt und mich zwingt mit ihm Gassi zu gehen, sondern ein Nothelfer, Lebensretter und wichtiger Bestandteil meines Lebens. Er zeigt mir schon vorher Krampfleiden an, so dass ich noch die Möglichkeit habe mir einen sicheren Ort zu suchen, um mich vor ­eventuellen Stürzen zu schützen. Amaroq holt Hilfe, wenn jemand von unserer Familie in der Nähe ist, und bleibt bei mir und schützt mich, wenn wir alleine sind. Noch nie hatte ich einen Kratzer oder gar eine Wunde von meinem vierbeinigen Partner. Mein Leben hat sich durch Amaroq grund­legend zum Positiven gewendet.

Da wir uns nicht nur um Tierschutz kümmern sondern ihn leben, nahmen wir im Jahr 2010 einen weiteren Welpen auf. Searchy war erst 10 Tage alt und in einem Müllsack mit weiteren Geschwistern im Wald ausgesetzt. Als Searchy ein Jahr alt wurde, bildete mein Mann diese Hündin zum Notfallhund aus. Das bedeutet, wenn ich mit Searchy spazieren gehe und überraschend einen Grand mal bekomme, läuft Searchy zu Menschen, um Hilfe zu holen. Das macht sie auch sehr zuverlässig.

Unsere dritte Hündin Shenan hat mein Mann in weiser Voraussicht auf das Alter von Amaroq zu uns nach Hause geholt. Shenan, eine sensible Schäferhündin, lernte sehr schnell, epileptische Anfälle vorab anzuzeigen. Amaroq zeigte Shenan die Grundlagen und mein Mann konditionierte und bestätigte ihr Verhalten. Nun wechseln sich beide Hunde ab, um mich zu beschützen.

Hierzu eine kleine Geschichte, die mein Leben gerettet hat: Eines Tages litt ich an großen Muskelkrämpfen und beschloss ein entspannendes Bad zu nehmen. Beide Hunde waren an diesem Tag sehr unruhig. Natürlich hätte ich auf meine Hunde hören und schon gar nicht erst in die Wanne steigen sollen. Da passierte es, ich bekam einen ­großen epileptischen Anfall. Das Nächste an was ich mich erinnern kann ist, dass beide Hunde im warmen Badewasser standen und mich über Wasser gehalten haben. Ob Sie es glauben oder nicht – sie haben mir das Leben gerettet! Das ist nur eine von vielen Taten, die mich überzeugt haben, dass Hunde sehr wohl denkende und fühlende Lebewesen sind, für die ich mich nur jeden Tag bedanken kann.

Ganz herzlich bedanken möchte ich mich auch bei meinem Mann Dietmar Frank und seinen Trainern von 6Feet, die mich jederzeit unterstützen und die Ausbildung unserer Hunde weiter ermöglichen.

Wie machen das die Hunde nur?
Da Hunde in ihrer Wahrnehmungs­fähigkeit uns Menschen weit überlegen sind, ist es ihnen nicht selten möglich, nahende Anfälle bereits im Vorfeld wahrzunehmen. Ihr ausgeprägter Geruchssinn ermöglicht es ihnen, Veränderungen im Stoffwechsel des Menschen zu erkennen, auch solche, die bereits vor einem Anfall stattfinden. Über diese olfaktorischen Fähigkeiten hinaus sind sie hervorragende Be­obachter und in der Lage, auch minimale Verhaltensänderungen, beispielsweise einen veränderten Muskeltonus festzustellen. Hunde, die eine enge Bindung an ihre Menschen haben, entwickeln oft Verhaltensweisen, die die drohende Gefahr signalisieren. Besitzt der Mensch die nötige Beobachtungsfähigkeit, Sensibilität und Vertrauen zu seinem Hund, kann er sich durch den „Warnhinweis“ evtl. in eine sichere Position begeben und so vielleicht einen Sturz verhindern.

„Wenn Du lernst, Deinen Hund zu ­verstehen, öffnen sich Dir Türen und Fenster, die Dir sonst verschlossen ­bleiben.“ (Zitat Dietmar Frank)

Wo ist Ihre Alltagsgeschichte?

Werden Sie Teil dieser unterhalt­samen Serie und schreiben Sie uns Ihre Alltagsgeschichte mit Ihrem Hund. Ganz wichtig: Mindestens fünf Fotos in Originalgröße (also nicht verkleinert) schicken.

Pdf zu diesem Artikel: fruehwarnhunde

 

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