Gefahr für Hund und Mensch:

0
1742

Herzwurm vor Besiedelung Österreichs?

Wie eine aktuell publizierte Studie der Veterinär­medizinischen Universität Wien vermutet, ist der als Herzwurm bekannte Parasit Dirofilaria ­immitis (siehe auch Artikel „Parasiten des Hundes“) kurz davor ­Österreich zu besiedeln. Hundehalter und Tierärzte ­sollten diese ­parasitäre Erkrankung nun auch dann in ­Betracht ­ziehen, wenn sich der betroffene Hund nicht in ­Südosteuropa (Urlaub oder Hundeimporte) ­aufgehalten hat.

Die Fadenwürmer Dirofilaria repens und Dirofilaria immitis stufte man in Österreich bis vor kurzem nur als unangenehme Reiseandenken ein. Eine Vorstudie der Vetmed­uni ­Vienna identifizierte heimische Stechmücken als Träger von Dirofilaria repens und gab damit den ersten Anhaltspunkt einer Ansiedlung in Ostösterreich. Auch der als Herzwurm bekannte Parasit Dirofilaria immitis steht kurz davor Österreich zu besiedeln. Dass die Parasiten trotzdem nur langsam sesshaft werden, liegt auch an der Hundehaltung in Österreich. Eine Studie fasst die Erkenntnisse nun zusammen.

Die bisher in Süd- und Osteuropa heimischen Fadenwürmer Dirofilaria repens und immitis, werden von Stechmücken primär auf Hunde übertragen. Im Hund reifen die Parasiten heran, paaren sich und gelangen wiederum durch Stech­mücken in den nächsten Wirt. „Diese ­Fadenwürmer befallen auch Menschen und Katzen. Sie können aber nur im Hund Nachkommen zeugen, die auf Stechmücken übertragen werden“, erklärt Studienleiter Hans-Peter ­Fuehrer vom Institut für Parasitologie der Vetmed­uni Vienna.

Unter die Haut oder mitten ins Herz
Ist ein Hund mit Dirofilaria repens infiziert, sammeln sich die erwachsenen Würmer in Hautknoten im Unterhautgewebe oder seltener im Auge. Die Hautknoten werden häufig falsch diagnostiziert und mit Tumoren verwechselt. Ähnliche Krankheitsbilder können in wenigen Fällen auch beim Menschen auftreten.

Der Herzwurm Dirofilaria immitis nistet sich dagegen im Herzen oder in der Lungenschlagader infizierter Hunde ein und ist damit schwer behandelbar. Beim Menschen kann es ebenfalls zu einer Erkrankung der Lunge und in Folge zu einer Verwechslung mit Tumoren kommen.

Die vom Wissenschaftsfond (FWF) geförderte Studie des Forschungsteams beschäftigt sich daher mit den Folgen einer Verbreitung der beiden ungewollten Krankheitserreger.

Dirofilaria repens angekommen, Dirofilaria immitis noch Tourist
Dirofilaria repens ist kein Unbekannter in Österreich. Schon 2012 wurde der Fadenwurm in Stechmücken im Burgenland nachgewiesen. Bis zu diesem Zeitpunkt ließen sich dokumentierte Infektionen hauptsächlich auf Auslandsreisen oder Hundeadoptionen zurückführen. „Eine Infektion mit dem Parasiten direkt in Österreich konnten wir zuvor vermuten, aber nicht belegen“, sagt Fuehrer. Der Nachweis in heimischen Stechmücken war allerdings der erste Anhaltspunkt, dass sich Dirofilaria repens bereits im Land etabliert hat oder bis dato übersehen wurde. Neue Infektionen könnten somit auch direkt in Österreich verursacht worden sein.

Dieser Nachweis steht für den Herz­wurm Dirofilaria immitis noch aus. Bestätigte Infektionen waren bisher Auslandsaufenthalten geschuldet. In den unmittelbaren Nachbarländern wie der Slowakei oder Ungarn siedelte sich allerdings auch der Herzwurm im Fahrwasser von Dirofilaria repens beständig an. „Bedenkt man, dass der Herzwurm bisher in den meisten Fällen den Spuren von Dirofilaria repens folgte, scheint sein Wechsel vom Touristen zum Dauergast bei uns nur eine Frage der Zeit“, folgert Fuehrer.

Vom südlichen Nachbarn zum Dauergast im Norden
Es wird vermutet, dass sich das Verbreitungsgebiet der Fadenwürmer aufgrund von Klimaveränderungen kontinuierlich von Süd- bzw. Osteuropa weiter in den Norden ausdehnt. Diese Entwicklung wird vor allem in Ländern mit vielen streunenden Hunden oder Hunden, die sich permanent im Freien aufhalten, begünstigt. „In Österreich halten sich dagegen die meisten Hunde häufig in geschlossenen Räumen auf. Somit wird es den beiden Fadenwürmern erschwert, sich zu etablieren“, so Fuehrer. Der häufigere Nachweis der Parasiten stellt jedoch eine Warnung für die Forscher, die Tier- und die Humanmediziner dar. Daher nennt Fuehrer auch die gemeinsame Arbeit mit der Medizinischen Universität Wien an dieser Studie einen wichtigen Faktor.

Damit man dem Trend der Ansiedlung entgegenwirken kann, müssen recht­zeitig Maßnahmen ergriffen werden. „In erster Linie muss das Monitoring von Stechmücken und Wildtieren ­kontinuierlich und flächendeckender ausgeführt werden“, stellt Fuehrer klar.

Neuinfektionen kann man auch durch Stechmücken-abwehrende Mittel ent­gegenwirken. Wichtig ist aber vor allem die richtige und frühzeitige Diagnose bei Befall mit Dirofilaria repens und Dirofilaria immitis. „Sowohl im veterinär- als auch humanmedizinischen Bereich sollten Dirofilarien als mögliche Auslöser einer Krankheit ernst genommen und in die Diagnose ­miteinbezogen werden“, empfiehlt Fuehrer. Dies garantiert die rechtzeitige Behandlung von infizierten Patienten durch spezielle anti-parasitäre Medikamente oder durch das ­chirurgische Entfernen der Haut­knoten im Fall von Dirofilaria repens.

WUFF-Information
Literaturquellen
Peter Fuehrer, Herbert Auer, ­Michael Leschnik, Katja Silbermayr, ­Georg ­Duscher und Anja Joachim. ­Dirofilaria in Humans, Dogs, and Vectors in Austria (1978–2014) – From Imported Pathogens to the ­Endemicity of Dirofilaria repens. PLoS Negl Trop Dis 2016,10(5). Open access: http://dx.doi.org/10.1371/journal.pntd.0004547

Pdf zu diesem Artikel: Herzwurm

 

TEILEN
Vorheriger ArtikelBuchtipps WUFF 09/16
Nächster ArtikelTipps & Trends

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT