„Geht nicht" gibt´s nicht …

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Wie das so ist im Leben: Sabine Waltl aus Wien lernte Typografikerin (Schriftsetzerin), die Arbeit machte ihr Spaß, sie hatte große Lebenspläne. Verliebt – und mit 22 Jahren kam Sohn Kevin zur Welt. 8 Monate später war die junge Mutter Alleinerzieherin. Sabine über diese Zeit: „Er konnte einfach keine Verantwortung übernehmen, ich kam mir vor, als hätte ich zwei Kinder …" Die Pläne waren andere gewesen: „Das war eine große Umstellung in meinem Leben. Mit Jobs sah es schlecht aus, nach der Karenzzeit und als Alleinerzieherin war das wirklich nicht einfach. Um gute Mutter zu sein, sollte man viel Zeit mit seinem Kind verbringen, andererseits muss man Geld verdienen, denn ein Kind gibt sich ja nicht nur mit Liebe zufrieden".

Von Kellnerin bis Visagistin
So begann Sabine zu jobben. Sie war Kellnerin, Sekretärin, arbeitete im Außendienst als Anzeigenberaterin, dann als Nageldesignerin und als Visagistin, teilweise auch in ihrem angestammten Beruf als Typografikerin. Die unterschiedlichen Jobs zeugen von Sabines großer Flexibilität. Im Lebenslauf werde das aber oft anders interpretiert, sagt Sabine: „Da heißt es, ich sei der typische ‘Job-Hopper’ – die Arbeitsaussichten sind daher sehr begrenzt. Ich weiß ja nicht, wie es die Supermamas alle schaffen, einen tollen Job mit Karriereaussichten zu bewältigen und dabei noch gute Mutter zu sein. Also ich denke mir, das ist eine große Lüge, das funktioniert so nicht. Zumindest nicht für Otto-Normalverbraucher." Und so beschloss Sabine, den Beruf vorerst mal zugunsten des Kindes zurückzustellen, „in der Hoffnung, wenn Kevin größer ist, noch mal eine Chance zu bekommen".

Die große Chance
Heute ist Sabine 36 Jahre, alleinerziehende Mutter eines 13-jährigen Sohnes und Frauchen dreier Hunde und zweier Katzen. Und so wie es aussieht, hat sie nun ihre große Chance. Die verdankt sie ihrem Glauben an sich selbst und ihrer Idee sowie ihrer offensichtlichen Kämpfernatur. Sabine hat eine Firma gegründet, mit der sie ein innovatives Produkt vertreibt, ein Wechsel-Hundehalsband. So wie die meisten großen Ideen, ist auch Sabines Idee so einfach wie sensationell: Ein Grundhalsband, auf dem mit Druckknöpfen eine auswechselbare Applikation befestigt werden kann, je nach Stimmung, Wetter, Jahreszeit oder aus welchen Gründen auch immer. Die Anwendungsmöglichkeiten sind schlichtweg unbegrenzt.

Was auf den ersten Blick sehr einfach klingt, war jedoch alles andere als leicht. Begonnen hatte es im Frühjahr 2005 in der Hundezone bei der Prater Hauptallee in Wien. Hündin Emelie hatte ihr Halsband verloren. Das neue sollte etwas Besonderes sein. Die üblichen Halsbänder gefielen Sabine nicht, und Designer-Halsbänder waren zu teuer, außerdem würde man sich daran bald satt sehen.

Die erste Idee
Sabine wollte sich Emelies Halsband nach ihren Vorstellungen bei einer Ledermanufaktur in ihrer Nähe herstellen lassen. Mit einer Skizze ging sie hin. Das Ergebnis beschreibt Sabine knapp: „Na, was soll ich sagen – sündhaft teuer." Doch dürfte hier der Beginn von Sabines Idee liegen. Denn bei der Internet-Recherche nach einer Firma, die ihren Halsband-Entwurf verwirklichen könne, dachte sie auch daran, dies gleich in Serie produzieren zu lassen. Heute sieht Sabine das so: „Es war nichts Besonderes, eben nur ein nettes Design für ein Lederhalsband und eine Möglichkeit, aus der Arbeitslosigkeit auszusteigen".

Tatsächlich fand Sabine über das Internet eine Firma in Asien, wo man ihren Entwurf in Serie fertigen könne. Sabine fühlte sich schon begeistert als selbständige Unternehmerin, die mit großem Erfolg ihre schönen Hundehalsbänder verkauft. Sabine: „Da muss ich heute noch lachen, wenn ich an meine Euphorie denke, wie dumm man doch sein kann." Was war passiert? Als nach Wochen Sabine ein Foto des Prototyps ihrer Halsbandidee gemailt bekam, starrte sie ungläubig auf den Bildschirm: „Ich konnte es echt nicht fassen, dass man für so ein katastrophales Produkt Wochen benötigte."

Der Mann von der Fernwärme
Es sind im Leben immer wieder diese kleinen Zufälle, die sich später als die großen Richtungsänderer entpuppen. Wie die Bitte von Sabines Mutter, ob ihre Tochter nicht bei ihr zu Hause auf den Mann von der Fernwärme warten könne. Dann müsse sich die Mutter von ihrem Job nicht extra frei nehmen, und Sabine „hatte leider eh nix zu tun", weil noch immer arbeitslos. Noch frustriert von ihrer ersten Niederlage, blätterte sie in der Wohnung ihrer Mutter in einem Modekatalog und dachte sich, wie viele Möglichkeiten es für Menschen doch gebe, sich zu stylen, während es für Hunde immer dasselbe sei. Dann blieb ihr Blick auf einer Wendejacke hängen: „Warum gibt es für Menschen Wendejacken, und warum gibt es für Hunde keine Halsbänder, die man verändern kann?" Aus ihren Gedanken läutete sie dann plötzlich der Mann von der Fernwärme.

Eine Kämpfernatur
Zuhause folgten dann schlaflose Nächte. „Immer wieder dieser Gedanke: ein Halsband, das man irgendwie verändern könnte", erzählt Sabine, „in meinen Träumen war ich schon fleißig am Skizzieren." Mit dem Zeichenblock unterm Arm ging Sabine wieder zu der Ledermanufaktur. Und wieder kassierte sie eine Abfuhr. Die Idee wäre ja sehr nett, aber es sei unmöglich, sie umzusetzen, und selbst wenn, wäre das Produkt unverkäuflich, weil zu teuer", beschied man ihr mitleidig lächelnd. Und so ging Sabine mit ihrer Skizze und einer großen Portion Selbstzweifel wieder nach Hause. Und wieder wollte sie nicht aufgeben, wie sie sagt: „Eines hat der Gute nämlich nicht bedacht, dass ich eine Kämpfernatur bin."

Beim Arbeitsmarktservice
Nun ging Sabine mit ihrer Geschäftsidee zum Arbeitsmarktservice (AMS): „Da kam ich aber an eine nicht so freundliche Beraterin, die mir überhaupt nicht geholfen hat, sondern meinte, ich solle mir einfach einen Job suchen. Na, witzig habe ich das nicht gefunden." Aber der Zufall half Sabine weiter. Beim nächsten AMS-Termin war ihre Beraterin krank, und deren Vertretung gab ihr die nötigen Informationen für das „Unternehmensgründungs-Programm" (UGP), welches das AMS anbietet. Also auf zum UGP. Dort fand man Sabines Idee und das vorgelegte Geschäftskonzept realistisch und begleitete sie mit Kursen, Adressen und Gesprächen auf ihrem neuen Berufsweg.

Monate vergingen – und das Hundehalsband war noch immer nicht marktfähig. Sabine entwarf einen Prototyp nach dem anderen. Glücklich war sie in dieser Zeit nicht: „Die Ledermanufaktur hat meine Vorschläge eher schlecht als recht umgesetzt. Na, was soll ich sagen, ich war schon nahe dran alles hinzuschmeißen, aber dafür war ich andererseits schon zu weit. Doch war das Halsband noch lange nicht perfekt."

Sabine investierte weitere Monate und weiteres Geld in ihr Projekt, belegte Kurse und musste auch ihre Bank überzeugen, dass sie ihr weiteres Vorhaben auch umsetzen könne. Und obwohl auch Sabines Mutter sie unterstützte, wohl fühlte sie sich nicht: „Manchmal hatte ich schon große Bedenken. Wenn das alles noch schief geht, kann ich mir ein ‘one-way-ticket’ besorgen." Alles lief zäh, und Sabine gewann allmählich den Eindruck, dass man sie in der Ledermanufaktur eher behindere. So entschloss sie sich, nach einer anderen Firma zu suchen – und dann ging es Schlag auf Schlag.

Neustart
Sabine fand eine Spezialfirma für Lederverarbeitung – und deren Leiter war sogar Hundefreund! Mit einer langen Liste, wie es besser sein sollte, schickte sie ihren Prototyp, den ihr die andere Manufaktur nicht nach ihren Vorstellungen herstellen konnte (oder wollte), an die neue Firma. Schlechter könnte es nicht werden, dachte sie. Und nach Wochen klopfte der Postbotean die Tür und brachte ein Päckchen. Sabine: „Den Moment werde ich nie vergessen, ich traute mich gar nicht hineinzuschauen. Denn wäre auch diese Firma mit dem Produkt nicht weiter gekommen, wäre es für mein Projekt das Aus gewesen. Nach Monaten intensiver Bemühungen und finanzieller Investitionen wäre es einfach aus gewesen."

Obwohl aufgeregt und nervös, öffnete Sabine das Paket langsam und vorsichtig. Fast ängstlich schielte sie zunächst nur von der Seite in das Päckchen. Doch das, was da herausblitzte, war die Erfüllung all’ ihrer Hoffnungen. Sabine erinnert sich: „Da wusste ich, die haben es geschafft. Schnell riss ich das ganze Paket auf, nahm das Halsband heraus und jubelte! Ja, sie haben es tatsächlich geschafft, es war für mich wie Weihnachten und Ostern an einem Tag, es würde weitergehen, die Idee lebt …" Und nach einigen Monaten war das Wechsel-Hundehalsband marktfähig – ein qualitativ hochwertiges Produkt, das in Handarbeit hergestellt wird. „Nach einem Jahr war es eine eher schwere Geburt", findet Sabine heute, „aber the baby was born! Jetzt kann ich den Hundeliebhabern ein unvergleichbares Produkt anbieten!" (siehe Kasten)

Harte Arbeit, Rückschläge, und ständig zwischen Hoffen und Bangen, sagt Sabine heute: „Ich habe viel gelernt in dieser Zeit. Auch dass man sich selber mehr vertrauen muss. Wenn man 100%ig hinter etwas steht, gibt es immer Wege es umzusetzen, auch wenn man es zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß. Ich habe mir einen Leitsatz zugelegt: ‘Geht nicht’ gibt´s nicht!"


WUFF VORGESTELLT


Das „Wechsel-Hundehalsband": Der EYECATCHER für Ihren Vierbeiner!

Wie aus einer Idee ein innovatives marktfähiges Produkt entstehen kann, beweist Sabine Waltl aus Wien mit ihrem Wechsel-Hundehalsband. Nach anfänglichen Rückschlägen und Niederlagen gründete sie die Firma „Eyecatcher", ließ sich Idee und Marke patentrechtlich schützen und bietet Hundehaltern nun ein nach deren Wünschen maßgeschneidertes handgefertigtes Produkt an.

Auch wenn es äußerlich nicht erkennbar ist, so besteht das Wechsel-Hundehalsband aus zwei Teilen: Der eine ist das Grundhalsband aus sehr weichem Rindnappa, in dem die Applikation eingebettet ist. Der zweite Teil ist die wechselbare Applikation, die mittels Druckknöpfen auf dem Grundhalsband befestigt wird.

Jedem Hund sein individuelles Halsband!
Während das „Grundhalsband" stets gleich bleibt, lässt sich die Applikation nach den unterschiedlichsten Vorstellungen kreieren. Manche Hundehalter lassen sich mehrere Applikationen anfertigen, damit beispielsweise Wuffis Halsband zu Frauchens unterschiedlicher Kleidung, zur Stimmung, zur Jahreszeit oder zum jeweiligen Festtag passt. Der Anwendbarkeit dieses Konzeptes sind keine Grenzen gesetzt. Sicher ist darüber hinaus, dass ein solch individuelles Halsband der ohnehin schon großen Kommunikationsbereitschaft von Hundehaltern beim Gassigehen noch weiter förderlich ist. Sabine Waltls Motto ist „‘Geht nicht’ gibt´s nicht". Nehmen Sie die Jungunternehmerin beim Wort: Alles sollte möglich sein. Ob Stoff oder Leder, ob Sie ein verrücktes Design oder eher etwas Schlichtes wählen, Sabines Firma ist stets bemüht, neue Farben und Designs in die Produktion aufzunehmen.

• Info: Sabine Waltl – eyecatcher Handel + Design
• Tel. 01/925 35 73
office@eyecatcher-design.at
http://www.eyecatcher-design.at


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