Geschichten aus dem Tierheim

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Hera – sieben Jahre Pech
Hera sitzt hinter Gittern. Das ist schlimm, besonders wenn hund ganz unschuldig ist, denn ausgefressen hat Hera nichts. Sie sitzt, weil sie für die Sünden ihrer Vorbesitzer büßen muß. Zwar ist es im Tierheim Krems, wo die Betreuung sehr liebevoll ist, schöner als anderswo. Doch mit einem liebevollen Zuhause kann das beste Tierheim nicht mithalten.
Als die siebenjährige Rottihündin vor sechs Monaten mit ihrem jungen Frauchen plus ebenso „grünem“ Ehemann in der Eingangshalle des Tierheimes stand, hatte sie bereits viel Unerfreuliches durchlebt. Nachweislich zwei Vorbesitzer, ehe sie bei dem jungen Pärchen landete – und danach nur Unruhe. Hera war tagsüber viel zu lange eingesperrt, sprang in ihrer Verzweiflung aus dem Fenster, verbellte Leute und Hunde, die Leute fürchteten sich, die unsteten Besitzer wurden mehrfach angezeigt. Ein fast handtellergroßes Geschwür auf dem Rücken blieb monatelang unbehandelt. Hera magerte zusehends ab, ihr Fell wurde stumpf.

Zur Ruhe kommen
Die ersten Wochen im Heim verbrachte Hera damit, zur Ruhe zu kommen und an Gewicht zuzulegen. Die Geschwulst wurde operiert, Hera gleichzeitig kastriert. Die Hündin begann langsam aufzublühen. Wir haben kaum einen schmusigeren Rotti kennengelernt.
Nach der Präsentation in einer Fernsehsendung schien das verdiente Happy End greifbar nahe. Herr Helmut H. aus Graz wollte die Hündin für immer bei sich aufnehmen. Wir brachten Hera selbst in die steiermärkische Hauptstadt und freuten uns. Zu früh. Nach drei Wochen klagte Helmut H. darüber, dass sich Hera beim nächtlichen Gassigehen angeblich fürchte. Das störe ihn so sehr, dass er sie zurückgeben wolle.

Wieder abgeschoben
Wir sagten Herrn H. zu, die Hündin umgehend zurückzunehmen. Als Hera zum vereinbarten Termin nicht bei uns auftauchte, riefen wir besorgt bei Herrn H. an. Der versicherte uns plötzlich überschwänglich, es hätten sich alle Probleme in Luft gelöst und er und seine Partnerin würden Hera niemals mehr hergeben. In Wahrheit hatte Helmut H. die Rottihündin jedoch der Einfachheit halber im Grazer Tierheim Arche Noah abgeliefert. Dort gab er an, dass er derzeit keine Wohnung hätte und Hera nur vorübergehend in Pension geben wolle. Woher Hera kam, verschwieg er. Wir haben Hera wieder zu uns nach Krems geholt. Helmut H. hat sich bis heute nicht mehr bei uns gemeldet.

Bea: Mit elf Jahren rausgeschmissen
Charisma ist etwas, das kann man nicht lernen. Es ist angeboren, bei Menschen wie bei Hunden. Bea ist ein charismatischer Hund. Sie war schon ein ungewöhnliches Mädel, als sie vor vielen Jahren als Findling zu uns kam. Sie konnte klettern wie eine Katze, balancierte wie eine Seiltänzerin hoch über den Gehegen – und sie liebte alle Menschen. Andere Hunde weniger, und kein Zaun war ihr zu hoch, um mit Bracken-Macho Cäsar eine „Stänkerei“ anzufangen. Eine wirklich starke Lady! Ein Jahr wartete die vierbeinige Akrobatin bei uns, ehe sich ein junges Ehepaar in sie verliebte. Acht Jahre vergingen. Da tauchte Beas Frauchen plötzlich auf, um die mittlerweile elfjährige Hündin wieder bei uns abzuliefern. Gründe wusste sie viele. Bea springe über den Zaun, Bea zerbeiße Sachen, Bea laufe davon. Wir beratschlagten fieberhaft, um Bea´s Zuhause zu retten. Wir spürten, dass die aufgezählten Untaten nicht der wahre Grund sein konnten. Warum sollte Bea nach acht gemeinsamen Jahren ganz plötzlich nicht mehr zu ertragen sein? Wir boten an, sie zu trainieren. Bea blieb erstmal bei uns. Ihre Besitzern bestand auf einer „Auszeit“.

Nicht unterzukriegen
Wir gewöhnten Bea an das Halti, brachten ihr bei, die Flugbox als vorübergehenden Aufenthalt zu akzeptieren und anstandslos an anderen Hunden vorbeizugehen. Bea wurde wieder abgeholt. Doch schon nach wenigen Wochen stand fest, dass ihre Besitzerin sie aus persönlichen Gründen nicht mehr haben wollte. Überredungsversuche machen in solchen Situationen keinen Sinn, und wir haben Bea wortlos bei uns aufgenommen. Sie ist noch immer topfit und durchtrainiert wie ein Spitzensportler. Sie apportiert noch immer leidenschaftlich Stöckchen und ist kaum müde zu kriegen. Sie ist tapfer.
Vor einer Woche standen Ex-Frauchen plus Ehemann plötzlich vor dem Tierheim. Hatten sie ihren Entschluss bereut und waren da, um Bea reuig heimzuholen? Gefehlt. Uns blieben einfach die Worte weg, als wir ihr Anliegen hörten. Sie hatten einfach nur Lust gehabt, Bea zu sehen. Wieviel Schmerz es der alten Hündin bereiten würde, alte Wunden wieder aufzureißen, war ihnen egal. Natürlich haben wir beide wieder weggeschickt.
Ob und wann wir ein neues Zuhause für Bea finden, wissen wir nicht. Wir hoffen nur, dass es noch passiert. 

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