Gib Laut – Leserbriefe WUFF 10/2017

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Ein kleiner Kreis, der mein Leben unglaublich erleichtert
(Zum Artikel „Longieren“ in WUFF 7/2017, S. 50 ff)

Ich habe das interaktive Longieren für meinen Hund als Lösungsweg zum Umgang mit Reizen, die Stress erzeugen, vor einem Jahr entdeckt. Wir haben nach kurzer Zeit schon so große Fortschritte erreicht, diese hätte ich mir vorher niemals erträumen können. Das Thema Impulskontrolle ist für mich zum A und O in der Hundeerziehung geworden. Wenn vor einem Jahr irgendwo ein Ball, Dummy oder Anderweitiges flog, rollte bzw. nur in Sichtweite war, konnte ich ihn nicht mehr „erreichen“. Als ich mich diesem persönlich unlösbaren Problem stellte, reichte es, wenn die Trainerin in der Mitte des Kreises einen Ball ruhig in der Hand hielt. Ich wurde unsichtbar und für ihn zählte nur mehr dieser für ihn so interessante Reiz. Heute, nach nur kurzer Zeit, können drei Personen im Kreis Fußball spielen und er hat nur mehr Augen für mich. Erst über das Gehen im Kreis lernte mein Hund Strategien zu entwickeln, wie er mit den verschiedenen Situationen und damit ausgesetzten Reizen besser umgehen kann. Es war kein harter Weg und ich trainierte nicht jede Woche. Das Training verlief überraschend einfach und macht nebenbei noch Riesenspaß. Wir fuhren immer mit einem Erfolgserlebnis nach Hause. Die Außenreize wurden langsam gesteigert und wir blickten motiviert und neugierig, was wohl dieses Mal für eine neue Herausforderung auf uns wartet, zum nächsten Training. Mir war auch nicht bewusst, wie sich die positiven Effekte des Longierens automatisch auf den Alltag verlagern. Im Hunde­sport wird ja nicht nur mit Futter bestätigt, oft fliegen motivierende Gegenstände. Vor einem Jahr fehlte mir während dieser Sequenzen der Zugang zu meinem Hund. Heute beachtet er diese Reize nicht mehr, weil er gelernt hat damit umzugehen. Ich kann nur jedem empfehlen: Probiert es aus! Auch wenn man selber denkt, dieses oder jenes Problem bei seinem Hund ist hoffnungslos und unlösbar, weil man schon alles probiert hat, und am Ende findet man sich einfach ab und lebt damit. Ich dachte das auch und wurde zum Glück eines Besseren belehrt.
Cornelia Kocher

„Hund ist Hund“ in Köln war toll

„Hund ist Hund“ auf dem ­Kölner Heumarkt war ein ­traumhafter Tag, wäre denn das Thema nicht so eine unsinnige Gesetzgebung! Viele Hundert Hundehalter kamen zum Global Run nach Köln – auch Dank der Vorankündigung in der WUFF! Menschen kamen mit und ohne Hund auf den Kölner Heumarkt. Alle haben gezeigt, dass Hund einfach Hund ist, egal in welchem Fell und in welche Rasse er hinein­geboren wurde. Viele Hundehalter mit „Nicht-Listenhunden“ haben sich solidarisch gezeigt und sind mitgelaufen – das war einfach toll. Ich freue mich schon auf den 14.07.2018 (12.00–17:00 Uhr auf dem Kölner Heumarkt) – wenn es ­wieder heißt: „Hund ist Hund“!
Alexandra Ronsiek

„Der tut nix-Egoisten“ und Kleinhundehochheber …
(Zum Artikel „Blogger-Special: Die kleinen Racker“ in WUFF 6/2017, S. 40 ff)

Da nun schon mehrere Ausgaben lang die Themen „Der tut nix“ und „­Kleine Hunde hochheben“ die Gemüter ­erhitzen, möchte ich nun doch auch von meinen Erfahrungen erzählen. Unser erster Hund kam aus dem Tierschutz, Doggenmix, 45 kg, Vorgeschichte unbekannt und enorm aggressiv gegenüber Artgenossen. Im Einzeltraining und später in der Hundeschule haben wir viel Zeit, Nerven und Geld investiert, um ihm beizubringen, mit ausreichend Abstand ruhig an anderen Hunden vorbeizugehen. Begegnungen mit Hunden von „Der tut nix-Egoisten“ wie Herrn Moll (Blogger Heft 6/17) haben uns im Training regelmäßig um Monate zurückgeworfen. Unser aktueller Hund ist ebenfalls ein großer Rüde aus dem Tierschutz, diesmal aus schlechter Haltung. Souverän aber letztlich desinteressiert im Umgang mit Hunden fürchtet er sich vor fremden Menschen. Wir sind also auch mit diesem Hund nicht ­automatisch am Kennenlernen jedes Mensch/Hund-Teams interessiert, das wir treffen. Schlecht sozialisierte ­Hunde? Kein angeborenes Verhalten (Zitat Liane Rauch, Heft 6/17)? Stimmt – ich sag’s den Vorbesitzern, falls ich sie kennenlerne …
Ob das Hochheben kleiner Hunde sinnvoll ist, kann man diskutieren, geht aber letztlich nur den Halter etwas an. Fakt ist, dass viele Menschen ihre ­Hunde völlig falsch ein- bzw. unterschätzen. Viele „Der will nur spielen“-Hunde sind in Wahrheit längst im Jagd- oder Mobbingmodus. Ich kann die Ängste der Kleinhundehalter verstehen. Allerdings wünsche ich mir, dass diese ein bisschen darauf achten, dass ihre Zwerge andere nicht anpöbeln, denn meiner Erfahrung nach wird von großen Hunden grundsätzlich erwartet, dass sie sich nicht provozieren lassen, und sie gelten beim Zurückmotzen schnell als gefährlich. Mein Vorschlag an alle „Der tut nix“-Halter: Bringt euren Hunden einen zuverlässigen Abruf bei, dann kann man vorher klären, ob ein Kontakt erwünscht ist. Wenn man den eigenen Hund erzieht, muss man keinem fremden Menschen die eigene Meinung als einzig richtige aufdrängen, indem man ihm mitteilt, dass er beim Hochheben oder Ausweichen einen Fehler macht.
Tamara Spanblöchl

Manchmal wirkt ein Hund Wunder
(Zum Thema „Hunde als Therapeuten“)

Gern gehe ich mit unseren Hunden gleich hinter dem Haus in den Volkspark. Das ist ein reichlich verwilderter Park, „naturbelassen“, wie es heißt, mit großen Buchen, freien Flächen und immer wieder Blick auf die Förde. ­Mitten im Park ist eine Jugendherberge und nicht weit davon befindet sich ein großer Sportplatz. Als ich nun vergangene Woche in den Park einbog, hörte ich lautes Schlagen gegen Holz, das ich zunächst für Holzfällerarbeiten hielt. Bald erkannte ich aber eine Gruppe Jugendlicher, welche auf dem Weg standen, und ein junges Mädchen mit grellgrüner Punkfrisur, welches mit einem dicken Ast auf einen Baum einschlug. Ich blieb stehen und fragte, was das denn werden solle. Ein Junge schälte sich aus der Gruppe heraus und berichtete mir, dass das Punkmädchen sich abreagieren müsse und alle seien mitgekommen, damit nicht Schlimmes passiere. Ich zog innerlich den Hut vor diesen so umsichtigen und verständnisvollen Jugendlichen. Inzwischen hatte das Punkmädchen den dicken Ast beiseite gelegt, kam den kleinen Hang zu uns herunter, hockte sich neben unsere wollige Dieuwke und streckte vorsichtig die Hand aus. Dieuwke ließ sich streicheln, Afra ging ebenfalls zu der Gruppe. Die Aggression war wie weggefegt und wir unterhielten uns noch ein wenig über Hunde und den Umgang mit Ärger. Was für ein therapeutischer Effekt!
Jutta Grund

Pdf zu diesem Artikel: leserbriefe_10_2017

 

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