Gib Laut – Leserbriefe WUFF 12/2018

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Mein Hund wurde erkannt …
(Zum Artikel „#wuffpauli – Redaktionshund Pauli auf Instagram“ in WUFF 11/2018)
Ich wollte euch eine kurze Geschichte erzählen, einfach weil es so nett war:
In der Hundeauslaufzone Wr. Neustadt begegnete mir und Buddy eine junge Frau und sagte ganz begeistert: „Jö, das ist eine Amerikanische Bulldogge, oder?“. Ich war doch eher überrascht, denn üblicherweise lautet die Frage: „Was ist das für eine Rasse?“ Oder: „Was ist denn da alles drin?“, denn selten erkennt jemand diese Rasse als die tatsächliche. Die meisten haben davon noch nie gehört. Sie erklärte darauf ganz stolz, sie hätte vor Kurzem einen Artikel im WUFF gelesen und seither wisse sie das! Ich musste natürlich schmunzeln und erzählte, das ist ja nett, weil Buddy der (einzige) Bruder von Pauli ist. Sie war daraufhin ganz erstaunt, dass es den „Redaktionshund Pauli“ also „tatsächlich gibt“. Da war sie gleich eine noch zufriedenere Leserin. Kurz: Ihr habt damit offenbar gute Arbeit geleistet und eure Artikel kommen bei den Menschen auch wirklich an. Das finde ich eine gute Sache, ist heute nicht mehr selbstverständlich, und ihr habt damit auch eine neugierige neue Leserin in mir gefunden. Wir werden wohl ab sofort auch WUFF im Haus haben.
Also: weiter so und Alles Gute!
Tanja Bauer

Den Hund lesen können
(Zum aktuellen Beißvorfall mit einem Rottweiler in Wien)
Soeben habe ich von einer neuerlichen Beißattacke auf ein Kind gelesen. Ich schätze Ihr Magazin sehr und denke, es wäre die richtige Plattform, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Wichtig ist, dass Hundehalter ihren Hund „lesen“ können, also die Hundesprache verstehen. Sie müssen wissen, wie sich ein Hund bei einer Irritation verhält. Ist seine Aggressionsschwelle hoch? Dann wird er vielleicht an der Leine vorpreschen und bedrohlich bellen. Das wäre ganz normales Verhalten. Bei einer niedrigen Aggressionsschwelle kann es ohne vorherige Warnung zum Angriff kommen. Ganz unabhängig von der Rasse. „Kampfhund“ ist für mich kein Thema, jeder Hund kann gefährlich werden – wenn die Haltung nicht ok ist. Ich habe seit 18 Jahren Hunde. Jetzt schon den zweiten Labrador. Eine sehr sensible Hündin, mit der ich seit vier Jahren Dummyarbeit mache. Dabei wird mit Stimme, Pfeife und Handzeichen trainiert. Und jetzt kommt‘s: Sie beobachtet Menschen ganz genau und schaut auf die Hände. Wenn jemand „herumfuchtelt“ wird sie nervös und verwarnt mit tiefem Bellton. Der Angriff auf das Kleinkind, das mit den Großeltern unterwegs war, ist natürlich tragisch. Der Hund hat beobachtet, dass die Großeltern „Engel flieg“ gespielt haben und das Kind dabei unnatürlich bewegt haben. Die Unachtsamkeit der (betrunkenen) Halterin hat dann zu dem furchtbaren Angriff geführt. Wenn sie ihren Hund gut gekannt hätte, dann hätte sie um seine Reaktion in irritierenden Situationen gewusst und einen Beißkorb anbringen müssen. Viele Leute halten einen Hund und machen sich nicht die Mühe, sich diesbezüglich weiterzubilden. Mit Futter und Spaziergang allein ist es nicht getan. Außerdem sollten die Menschen begreifen, dass sie einen fremden Hund nicht streicheln und sich schon gar nicht über seinen Kopf beugen sollen. Bedrohung!
Annelie Bauer

Die Akte Rottweiler – oder: wie eine Wiener Tierschutzstadträtin Hundehalter seit Jahren diskriminiert
(Zum aktuellen Beißvorfall mit einem Rottweiler in Wien)
Eine etwas reißerische Überschrift, das muss ich zugeben, aber wenn‘s hilft, dass auch nur ein paar Menschen den Text lesen, darüber nachdenken und dann handeln, statt sich weiterhin als Menschen zweiter Klasse behandeln zu lassen, dann hat dieser Titel sein Ziel erreicht.

Worum geht es eigentlich?
Leicht erklärt, der neueste Beißvorfall in Wien, ein Rottweiler beißt einem 17-monatigen Kind in den Kopf (Anm.: Das Kind stirbt später im Krankenhaus). Geführt wurde dieser Rottweiler (der mit seiner Besitzerin übrigens den verpflichtenden Hundeführschein bestanden hat) von seiner alkoholisierten Eigentümerin. Der Hund wurde eingezogen und sitzt jetzt – welch Wunder – im Tierheim, für dessen Bau sich oben erwähnte Stadträtin feiern ließ. Vermittelt werden könne der Hund nicht mehr. Was soll denn dann mit ihm passieren? Natürlich, die absoluten Optimisten unter den Lesern werden jetzt sagen: Na ganz einfach, der junge Hund wird jetzt die nächsten 10 bis 12 Jahre in dem Tierheim bleiben und dort ein tolles Leben führen. Die Realisten – ich zähle zu diesen – sagen: Ist doch klar, der sitzt im Tierheim der Sima (Anm.: = die erwähnte Stadträtin), die vordergründig zwar Hundefreundin ist, gewisse Hunde aber als Kampfhunde betitelt und diese aus Wien draußen haben will, was wird also passieren? Man wird warten, bis sich die Aufregung um diesen Hund gelegt hat, und dann wird man ihn einschläfern. Still und heimlich und niemand wird davon erfahren – außer ein Tierheimmitarbeiter plaudert irgendwann einmal. Und glauben Sie mir, Frau Sima, irgendwann plaudern auch Tierheimmitarbeiter.

Sie maßen sich an, über das Leben eines jungen Hundes zu urteilen, weil seine Halterin versagt hat, mit der Begründung: Wien muss für Kinder sicherer werden. Welch Paradoxum, dass gewisse Stadtteile Wiens schon lange nicht mehr sicher sind (und das liegt nicht an den Hunden). Warum steigt in Wien die Anzahl der Menschen mit Waffenpass? Der Menschen mit E-Schockern? Wegen der Hunde? Erzählen Sie mir also bitte nicht, dadurch, dass man Hunde in gewisse Schubladen (Kampfhunde) steckt, macht man eine Stadt sicherer. Ihre Gesetzgebung hat versagt – mehrmals versagt, diese Gesetzgebung wurde elfmal (!!) bisher nachgebessert. Mit welchem Ergebnis? Sie haben wieder versagt. Genau, Frau Sima, SIE haben versagt, weil Sie nicht einsehen wollen, dass gegen menschliches Fehlverhalten bzw. menschliches Versagen keine Kampfhunde-Gesetzgebung hilft, denn, wie die Worte schon sagen, es ist MENSCHLICHES Versagen, das zu diesen Vorfällen führt.

Sie wiederum bestrafen die Hunde, die zu dem wurden, was Menschen aus ihnen gemacht haben. Nur, solange Sie nicht begreifen (wollen), dass sämtliche Ihrer Gesetzgebungen nicht helfen, sobald Menschen involviert sind, so lange wird sich auch nichts ändern. Es ist allgemein bekannt, dass Sie gewisse Rassen nicht mögen, da helfen auch keine netten Fotos mit Ihnen und süßen Staff-Welpen. Als Tierschutzstadträtin absolut enttäuschend – Sie diskriminieren Hunde und ihre Halter, ohne sie zu kennen. Die Zeit der Sippenhaftung ist vorbei – schon lange vorbei, das sollte auch bis zu Ihnen durchgedrungen sein.

Ihre Gesetzgebungen sind eine Farce, die den Bürger vordergründig beruhigen soll – ein Umdenken wäre schon längst angebracht. Betrachten Sie diese Hunde und ihre Halter endlich als Individuen, denn das sind sie – das sind wir alle – einzigartig, mit Fehlern, mit Kanten und mit Ecken. Und davon haben auch Sie einige, Frau Sima.
Birgit Stuck

Anmerkung der Redaktion: Die Verfasserin des Leserbriefes sollte leider Recht behalten. Wir haben kurz vor Redaktionsschluss erfahren, dass der erwähnte Rottweiler eingeschläfert wurde.

Pdf zu diesem Artikel: leserbriefe_1218

 

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