Gib Laut – Leserbriefe WUFF 3/2017

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Die geschenkte Zeit …
(Für meinen Hund „Fyran“)
Es gibt in jedem Leben einschneidende Momente, die einen zutiefst berühren, zum Nachdenken animieren und vielleicht auch den einen oder anderen zum Umdenken anregen. Und genau von solch einem Augenblick/Ereignis möchte ich hier berichten. Als wir an einem Abend von Freunden zurückkehrten, hatte sich unser 10-jähriger Langstockhaarschäferhund Fyran im Haus übergeben. Die darauffolgende Nacht verbrachte ich auf dem Sofa, direkt neben seinem Korb. Er war ausgesprochen unruhig und wollte sich nicht hinlegen. Früh morgens rief ich unseren Tierarzt an, ein sofort durchgeführtes Röntgen zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ein Tumor im Leber-Milzbereich. (Unser vor 6 Jahren verstorbener Ferrox war an einem geplatzten Milztumor gestorben.) Eine direkt eingeleitete Not-OP rettete mein Herz auf vier Pfoten. (Leberlappen und Milz entfernt, Bluttransfusionen etc.)

Ich nahm mir sofort Urlaub, um bei ihm zu sein, wenn wir ihn Tags darauf aus der Klinik abholten. Wie viel mir mein vierbeiniger Wuschel bedeutet, wusste ich auch schon vorher, doch jetzt erst ist mir bewusst geworden, wie schnell alles vorbei sein kann. Wir versuchen seither, die gewonnene Zeit ausgesprochen intensiv zu nutzen, wie lange, das weiß niemand. Ich habe von meinem Vierbeiner gelernt, im Jetzt zu leben und mir nicht ständig über die Zukunft und über „das Morgen“ Gedanken zu machen. Hoffentlich haben wir mit Fyran noch eine schöne und gesunde Zeit, und ein Blick aus seinen treuen Augen sagt mir DANKE! Aber auch ich möchte DANKE sagen für die schöne, gemeinsame Zeit, mein treuer Freund!
Dein Frauchen Manuela
Über das Dobermann-Porträt erstaunt
(Zum Artikel „Der Dobermann – Temperamentvoll und sensibel“ in WUFF 2/2017, S. 26 ff)
Mit Erstaunen las ich, dass Österreich auch im Bezug auf die Dobermann-Gesundheit die vielgerühmte Insel der ­Seligen sein soll. In Deutschland widerlegte zum Beispiel schon im Jahr 2010 eine groß ­angelegte Studie der LM-Universität München die angeblich tadellose (genetische) Gesundheit des Dobermanns. Der Studie zufolge ist in etwa jeder zweite deutsche Dobermann von der Herzerkrankung DCM betroffen. Im übrigen wurde dieses Thema auch im Rassehundezucht-Report von Martin Rütter behandelt – dabei ging es um Hunde aus regulären deutschen Zuchten, also keine „Hinterhof-Zuchten“. Vorletztes Jahr war ich regelmäßig mit einem mir anvertrauten ca. 8-jährigen Dobermann bei diversen Untersuchungen. Er war ein Tierheim-Hund mit unbekannter Vorgeschichte und hatte definitiv keine DCM. Komischerweise hörte ich von mehreren Tierärzten im Zuge der Gespräche, dass Dobermänner für DCM anfällig wären und dass dies keinesfalls nur die amerikanischen Dobermänner beträfe, wie es in hiesigen Züchterkreisen immer wieder gerne behauptet wird. Gerade als langjährige WUFF-Abonnentin finde ich es befremdlich, dass ausgerechnet in Ihrem kritischen ­Magazin dem deutschen und österreichischen Dobermannklub so unkritisch Rosen gestreut werden.
Helma Sieber
Anmerkung der Redaktion: In der nächsten Ausgabe erscheint ein Artikel zum Thema Dobermann-Kardiomyopathie.
Dobermann: Kardiomyopathie-Misere hausgemacht …?
(Zum Artikel „Der Dobermann – Temperamentvoll und sensibel“ in WUFF 2/2017, S. 26 ff)
Als langjährige Liebhaberin und Züchterin von Deutschen Pinschern (= Mittelschlagpinschern) war ich von Beginn an auch am „großen Bruder“ der Pinscher, dem Dobermann, interessiert. Seine Geschichte und Rasseentwicklung beobachte ich nun seit gut 20 Jahren. Bereits 2003 war ich von einer Dobermannzüchterin zu einer Fortbildung mit Dr. Wess (Kardiologe und Privatdozent an der LMU München) eingeladen worden. Seither sind die Studien um die Dobermann-Kardio­myopathie fortgesetzt worden und es gibt wissenschaftliche Ergebnisse, die besorgniserregend sind. Inzwischen ist er­­wiesen, dass bereits jeder 2. Dobermann in Deutschland von dieser genetischen Krankheit betroffen ist und im Laufe seines Lebens daran erkranken wird. In Kanada und den USA sind die Befallsraten sehr ähnlich. Mehr dazu: http://www.tierkardiologie.lmu.de/studenten/dobermann_kardiomyopathie.html. Da es durchaus Mittel und Wege gibt, dieser wundervollen Rasse aus der Misere zu helfen und dadurch die stark zurückgegangenen Welpenzahlen wieder anzukurbeln, ist es völlig unverständlich, dass insbesondere der deutsche Dobermannverein (aber auch der VDH) immer noch nicht den entsprechenden wissenschaftlichen Erkenntnissen ins Auge sehen und die Probleme angehen will. Diese Dobermann-Probleme könnten in zwei Schritten angegangen werden:
1. Zuchtausschluss aller erkrankten Hunde auf der Grund­lage entsprechender kardiologischer Untersuchungen in den ersten 8 Lebensjahren. Das könnte dazu führen, dass in der Dobermann-Zucht-Population ca. die Hälfte der Hunde verloren ginge.
2. Deshalb sollten zur gleichzeitigen Vergrößerung des Genpools eine bzw. mehrere Einkreuzungen einer verwandten Rasse durchgeführt werden. Solche Einkreuzungen sollten mit Hilfe erfahrener Populationsgenetiker durchgeführt werden.
Die Welpenstatistik des Dobermanns ist seit Jahren rückläufig, dies kann nicht allein mit dem an sich vernünftigen Kupierverbot begründet werden. Trotzdem wollen die Entscheidungsträger im deutschen Dobermannverein offenbar diese alarmierenden Gesundheitsprobleme nicht wahrnehmen und nicht angehen. Ein Jammer für diese weltweit bekannte und beliebte deutsche Hunderasse!
Gisela Kemper
http://www.von-der-keltenschanze.de

Pdf zu diesem Artikel: leserbriefe_0317

 

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