Grenada: Feine Düfte für Menschen- und Hundenasen

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Grenada ist ein Paradies, und ganz besonders für Gewürz-Fans und Schokolade-Liebhaber.  Familie Feichter mit Yorkshire Terrier-Hündin Kika war dort, wo die betörendsten Düfte den Aufenthalt verzaubern.

Die 344 km2 kleine Insel Grenada mit ihren rund 90.000 Einwohnern gehört zu den ­Niederländischen Antillen und liegt etwa 200 km nordöstlich der Küste Venezuelas zwischen dem Atlantik und der Karibik. ­Eigentlich ist sie, zusammen mit mehreren kleineren Inseln, Teil eines ganzen Inselstaates.

Hauptstadt von Grenada ist St. George’s und das Staatsoberhaupt ist eine echte Königin, genauer gesagt: die Queen herself: Queen Elisabeth II., denn Grenada gehört dem Commonwealth of Nations an.  Die Insel ist sehr fruchtbar, was daran liegt, dass sie vulkanischen Ursprungs ist. Weil das Klima in diesen Breitengraden tropisch ist, war es für uns nicht überraschend, was hier alles wächst, vor allem an würzigen Zutaten für die Küche: Gewürznelken, Ingwer, Zimt und – besonders wichtig – eine kleine, braune Nuss, die so bedeutend ist für Grenada, dass die Menschen sie sogar auf ihrer Flagge abgebildet haben: die Muskatnuss. 20 % des gesamten Weltverbrauchs dieses köst­lichen Gewürzes stammen von hier. Damit ist die Insel nach I­ndonesien der zweitgrößte Exporteur von Muskatnüssen.
Ein paar davon haben wir übrigens mit auf die weitere Reise genommen.

Feine Düfte für die Hunde- und ­Menschennasen
Wegen Kikas feinem Näschen ist Grenada mit seinen un­zähligen Gewürzplantagen und den von dort aus­strömenden Düften für sie so etwas wie das Hunde-Wanderparadies schlechthin. Während mein Mann und ich uns beim Spazieren durch die Insel an Wanderkarten und Straßennamen halten, sucht Kika sich ihre Routen nach den verschiedenen Gewürzaromen aus: Die Nelken-Tour, mit ihrem stark-süßlichen Geruch, beim Biss in das getrocknete Gewürz verwandelt sich der Geruch in ein scharfes ­Brennen, die Zimt-Strecke mit dem süßen Duft des ­würzigen Holzes oder die fein aromatische und leicht-bittere Muskat-Wanderung.

Auf einer unserer Querfeldein-Touren durch ­Grenada sind wir mitten im urwüchsigen Regenwald auf ein ­buntes ­Häuschen gestoßen. Magisch-betörende Essenzen schwebten uns entgegen und verstärkten sich zu einem bitter-süßen Kitzel auf der Zunge. Kika bellte und schien uns darum zu betteln, den Ursprung dieses intensiven Aromas zu erforschen. So betraten wir gemeinsam die „Grenada Chocolate Company Ltd.“, gegründet 1999 von einem New Yorker Aussteiger namens Mott Green und dem Einheimischen Edmond Brown, der eine bunte Mütze trägt, unter der lustig-geflochtene Zöpfe heraus baumeln. Er ist ein Rastafari, und seine Haut ist so braun wie der Kakao, den er in einer großen Mühle mahlt.

Wir durften Mott, Edmond und ihren Kollegen bei ihrer Arbeit als Chocolatiers zusehen. Die Männer sind sehr stolz auf ihr Produkt. Anstatt die Kakaobohnen zu mahlen und den wertvollen Rohstoff billig zu exportieren, produzieren sie doch gleich lieber selbst ihre eigene köstliche Schokolade. Und die schmeckt wirklich ziemlich gut, wie wir uns selbst überzeugen durften. Die Kakaobohnen bekommen die Chocolatiers von Grenada von Bauern, die ­biologische Landwirtschaft betreiben. So wandert am Ende des ­Herstellungsprozesses eine leckere Bio-Schokolade ins Stanniolpapier der „Grenada Chocolate Company Ltd.“, die sogar eine Silbermedaille bei einem internationalen Wettbewerb errungen hat.

Ich stelle mir vor, wie es wohl wäre, wenn Kika in den Topf mit dem frisch gemahlenen Kakao springen würde, den sie so neugierig mustert, und wie sie sich darin herumwälzen und ihr Fell und Näschen mit dem braunen, bitter-süßen Pulver pudern würde. Wahrscheinlich fragt sie sich gerade: „Was würden wohl Frauchen und Herrchen dazu sagen? Seht doch mal her, mein neuer Look: Ich habe mir das Fell mit dem Farbton „Kakao à la Grenada“ gefärbt!“ Wir wären wohl nicht sehr glücklich darüber, und Mott, Edmond und ihre Kollegen noch viel weniger.

Rund um das bunte Haus der „Company“ wachsen Kakaobäume, in deren Schatten wir gemütlich herum spazieren, während Kika aufgeregt zwischen den Blumen hin und her läuft. Die Früchte der Kakaobäume erinnern ein wenig an Muskatnüsse, nur dass sie viel größer sind, ungefähr so groß und oval wie Rugby-Bälle. Das Fruchtfleisch, in das die Kakaobohnen eingebettet sind, ist weiß und duftet köstlich. Edmond erklärt uns die verschiedenen Verarbeitungs­schritte, während Kika ihm neugierig dabei zusieht: „Die Bohnen werden in einer Hütte gelagert und dort mit ­Bananenblättern zugedeckt, damit sie fermentieren können. Erst durch diesen Vorgang verlieren sie viele Bitterstoffe und gewinnen ihren köstlichen Geruch und Geschmack. Nach ungefähr einer Woche werden sie ins Freie getragen, wo sie auf großen Tischen ausgebreitet werden, damit sie in der Sonne trocknen können.“

Übrigens, weil wir uns gerade in den Tropen befinden: ­Unsere Kika hat furchtbare Angst vor Hurricanes. Das sind tropische Wirbelstürme, die so stark sind, dass sie alles mit sich fort reißen, was sich ihnen in den Weg stellt: Bäume, Autos, ja, sogar Häuser. Da hätte ein kleiner Yorkie wie Kika wohl keine Chance. Seit dem Jahr 2004 haben zwei solcher Wirbelstürme die Insel Grenada heimgesucht: 2004 war dies Ivan (wahrscheinlich und wohl auch zu Recht nach Ivan dem Schrecklichen benannt) und ein knappes Jahr später Emily. Diese beiden Hurricanes haben vor allem die Landwirtschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen, aber auch viele Häuser zerstört oder schwer beschädigt, wie wir noch mancherorts feststellen konnten. Dennoch – die Düfte Grenadas betören weiterhin Menschen- und Hundenasen.

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