Gut vorbereitet durch den Herbst und Winter

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Jetzt beginnt die kältere Jahreszeit und viele Hundehalter stellen sich die Frage: Wie kann ich meinen Hund, der an Bandscheibenschäden, Spondylose und anderen Krank­heiten des Bewegungsapparates leidet und dadurch beeinträchtigt ist, auf das nasskalte Wetter vorbereiten und was kann ich konkret tun, damit die Gassi-Runden für den Hund angenehmer sind? Wir fragten dazu Hundephysiotherapeutin Kornelia Rauhut aus Hoyerswerda.

WUFF: Welche Krankheiten des Bewegungsapparates können dem Hund in der kälteren Jahreszeit zu schaffen machen?

Rauhut: Im Allgemeinen kann man sagen, dass alle Krankheiten des Bewegungsapparates dem Hund in dieser ­Jahreszeit zu schaffen machen. Denn jede dieser Krankheiten schränkt den Hund in der Bewegung ein, welche jedoch in dieser Zeit unverzichtbar ist, damit sich der Hund mit seiner Bewegung warm hält. Es gibt ­verschiedene Einteilungen der Krankheiten am Bewegungsapparat. Da gibt es Wachstums- und Entwicklungsstörungen wie Osteochondrose (Knorpelverdickung im Gelenk, dadurch werden die unteren Schichten der Gelenkknorpel nicht mehr versorgt und sterben ab), Dysplasien wie Hüftdysplasie und Ellenbogendysplasie, welche ja sicherlich die bekanntesten sind. Aber auch die Calvé-Legg-Perthes-Krankheit zählt dazu. Hierbei stirbt der obere Teil des Oberschenkelknochens ab. Dann haben wir noch die Erkrankungen der Bänder, Sehnen und Muskeln, ganz klassisch die Sehnenentzündung, Knochenbrüche und degenerative Gelenkserkrankungen, wie Arthritis, rheumatische Arthritis und die Arthrose, welche nicht nur bei alten Hunden auftritt. Und zum Schluss wären noch die verschiedenen Wirbelsäulenerkrankungen, wie Bandscheibenvorfälle, Spondylosen, Wirbelfrakturen und Wirbelluxationen (kommt häufiger vor als man denken möchte), Exostosen (Zubildung von kompakter Knochen­substanz), Ödeme (Wasseransamm­lungen) und Tumore.

WUFF: Warum sind Reize wie Kälte und Nässe bei verschiedenen Krankheiten mitunter so schmerzvoll und schränken den Hund in seinem Bewegungsablauf stark ein?

Rauhut: Das lässt sich nicht so leicht beantworten. Aber einige Experten sehen Zusammenhänge zwischen der Schmerz-Intensität und plötzlichen Wetteränderungen vom Hoch- zum Tiefdruckgebiet, die mit abnehmender Temperatur, hoher Luftfeuchtigkeit und sinkendem Luftdruck einhergehen. Aus welchem Grund Kälte und Nässe den Gelenken zusetzen, ist wissenschaftlich noch nicht belegt. Es gibt Vermutungen, dass Wetterumschwünge zum einen die Schmerzrezeptoren reizen und zum anderen entzündete Gelenke bei abnehmendem Luftdruck anschwellen können. Witterungseinflüsse rufen zwar keine konkreten Erkrankungen hervor, greifen den Körper aber an bereits geschwächten Stellen an.

WUFF: Der betroffene Hund muss ja trotzdem raus. Wie kann ich ­meinen kranken Hund auf bevorstehende ­Gassi-Gänge am besten vorbereiten, um es dem Tier so angenehm wie möglich zu machen?

Rauhut: Das kommt ganz auf das Krankheitsbild und auf die bevorstehende Länge der Gassirunde an. Geht der Hundehalter nur eine kleine Runde, weil entweder das Wetter so schlecht ist oder der Hund nicht weiter gehen kann, dann empfehle ich ihn in einen Hundemantel zu stecken und loszulaufen. Und im Anschluss daheim ihm einen trockenen, warmen und kuschligen Platz anzubieten. Sollte der Hund nass sein, dann empfehle ich ihn nach dem Gassi-Gang noch gut trocken zu reiben, manche Hunde lassen sich auch trocken ­föhnen. Bliebe der Hund daheim nämlich nass und wird noch so auf seinen Platz geschickt, ist er nicht in der Lage sich nach dem kalten Wetter aufzuwärmen und muss dazu auch noch auf einem nass werdenden Platz liegen, wobei er mög­licherweise noch eine Blasen­entzündung dazu bekommen könnte.

Fällt die Gassi-Runde etwas länger aus, ist es ratsam, den Hund am Anfang aufzuwärmen, quasi wie beim Sport. Das klingt jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber dadurch werden seine Muskeln schneller erwärmt. Es reicht, wenn der Hundehalter verschiedene Tempos anläuft, zwischendurch kleine Stopps einlegt und den Hund vielleicht im Zick Zack und/oder in Form von 8-ern durch die Beine führt. Das lockert gleichzeitig die Wirbelsäule des Hundes. Fährt man mit dem Auto zur Gassistrecke, kann man ihm für die Hin- und Rückfahrt auch einen Mantel anziehen, und wichtig ist es auch, dass man ihn nicht aus dem Auto springen lässt, sondern entweder ihn raus hebt oder, wer hat, eine Rampe nutzt. Somit lassen sich Zerrungen, Luxationen (Gelenkverletzungen) und Verstauchungen im Vorfeld beim Hund vermeiden. Auf dem Rückweg kann der Hund sich dann austrudeln, und im Auto sollte ein Handtuch zum Trockenreiben parat liegen.

WUFF: Apropos Mantel als Wärme­speicher: Worauf sollte der Hundehalter achten, wenn er einen Mantel für seinen Hund kauft? Und wie halte ich am besten die Gelenke des Hundes beim Laufen warm?

Rauhut: Der Hundemantel sollte in erster Linie sehr gut passen, den Rücken und, besonders bei kurzhaarigen Hunderassen, auch die Oberschenkelmuskulatur bedecken. Dabei sollte er nirgends zu eng anliegen, damit es zu keinen Scheuerstellen auf der Haut führt. Am Hals sollte der Mantel nicht einengen, der Hund sollte ungehindert den Kopf bewegen können, ohne dass die Luftröhre eingedrückt wird. Ebenso sollte der Bauchlatz, falls vorhanden, nicht an den Achseln scheuern. Und an der Brust muss so viel Freiraum sein, dass der Hund seine Vorderbeine ungehindert nach vorn bewegen kann. Selbstverständlich sollte beim Rüden gewährleistet sein, dass er ungehindert Urin absetzen kann. Es gibt verschiedene Ausführungen von Hundemänteln, die Einen dienen nur der Wärme, andere halten auch Nässe und Kälte ab. Bei Schnee kann ein Mantel, der auch den Beinbereich einschließt, sinnvoll sein, damit der Hund vor der Bildung von Schneeklümpchen geschützt ist, jedoch sollte dieser wasserabweisend sein. Denn ein Mantel aus Fleece ist bei Schnee auch irgendwann nass! Kann der Hund längere Strecken laufen, dann sollte man den Hundemantel lieber nicht anziehen, ansonsten besteht die Gefahr, dass der Hund unter dem Mantel „kocht“. Des­wegen rate ich, in regelmäßigen Abständen eine Hand unter den Mantel zu schieben, um die Temperatur zu überprüfen.

Und man sollte bedenken, dass der Hund mit Hundemantel für seine Artgenossen anders aussieht und damit auch seine eigenen ­Kommunikationsmöglichkeiten eingeschränkt sind, dies kann zu Missverständnissen in der innerartlichen Kommunikation führen. Und nun zu den Gelenken: In der Regel bleiben sie beim Laufen warm. Man kann aber, bevor man los läuft, zuhause kleine Wärmepads für ein paar Minuten auf das betroffene Gelenk legen, so wird der Hund draußen einen besseren Start haben, weil die Gelenke schon im Vorfeld besser durchblutet werden.

WUFF: Es gibt ja auch ein vielfältiges Angebot von Hundeschuhen. In welchen Fällen raten Sie als Physiotherapeutin ­davon ab? Und brauchen Hunde eigentlich warme Pfoten?

Rauhut: Ja, die Hundeschuhe, das ist ein Thema für sich …! Ich sage mal lieber, wann ich Hundeschuhe konkret empfehle: Wenn der Hund ganz rissige Ballen hat, wenn man in der Stadt wohnt und im Winter die Gehwege gesalzen sind, oder wenn der Hund am Ballen verletzt ist, weil er zum Beispiel in eine ­Scherbe getreten ist. Ansonsten braucht der Hund keine Schuhe! Auch die Pfötchen werden beim Laufen erwärmt, und wie oben schon erwähnt, wenn der Hund nicht weit laufen kann, ist es wichtig ihn daheim gut aufzuwärmen. Und oftmals empfinden Hunde Schuhe als ­absoluten Störfaktor und laufen damit noch schlechter als ohne.

WUFF: Letztlich ist es sicher auch ­wichtig, wie der Hund vor seiner Krankheit „bewegt“ wurde, um den Alltag dem kranken Tier anpassen zu können, richtig?

Rauhut: Ganz genau. Ich selbst habe einen Hund, welcher zehn Jahre alt ist und Cauda Equina (Wirbelsäulenerkrankung) hat, und wir gehen mindestens zweimal in der Woche eine bis zu dreistündige Runde, welche eine Strecke ­jeweils von über zehn Kilometern beträgt. Ansonsten gehen wir zwischen fünf bis acht Kilometer am Tag und zusätzlich eine Früh- und Abendrunde. Mein Hund hat aber auch sein ganzes Leben lang trainiert. Würde ich nun weniger gehen, würde er wahrscheinlich viel Unfug vor lauter Langeweile anstellen. Wie Sie sehen, ist das jeweils eine Einzelfallentscheidung. Ein Hund, der schon immer mit wenig und kurzen Gassirunden auskam, wird im Krankheitsfall noch weniger gehen wollen. Aber ein Sport- bzw. Arbeitshund braucht dennoch seinen Auslauf und ­seine Beschäftigung. Sicherlich – wenn er zum Beispiel einen akuten arthritischen Schub hat, wird er auch keine langen Strecken laufen wollen.

Abschließend hätte ich noch eine Botschaft: Ich fände es schön, wenn man seinen Hund gut kennt, ihn lesen lernt. Wenn man weiß, was er mag und was er nicht mag. Wenn man ihn geistig und körperlich auslastet und der Hund dadurch entspannt durch sein Leben läuft. Denn wenn man seinen Hund gut kennt, erkennt man frühzeitig ent­stehende Krankheiten oder Fehlstellungen und kann dadurch entsprechend schnell reagieren.

Pdf zu diesem Artikel: gut_durch_den_winter

 

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