Happy Hund & happy Mensch

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2016

Den Vierbeiner in den Alltag integrieren

Ob im Café oder auf dem Weg ins Büro – mit der richtigen Kommunikation und der passenden Vorbereitung meistern Hund und Halter auch den modernen Alltag als eingespieltes Team.

Ich weiß aus meiner langjährigen Erfahrung, wie schwer sich viele Menschen damit tun, den »Verantwortlichen« rauszukehren. Was meiner Meinung nach daran liegt, dass diese Rolle in unseren Köpfen tendenziell eher negativ besetzt ist. Dabei ist ein guter Anführer doch genau das Gegenteil. Auch in einer Hundefamilie ist nicht automatisch derjenige der Verantwortliche, der am stärksten, größten, lautesten oder furchterregendsten ist. Denn aufpassen oder potenzielle Feinde vertreiben, das kann auch ein anderer. Viel wichtiger ist, Ruhe in die Familie zu bringen, Streit zu schlichten und so für ein Umfeld zu sorgen, in dem sich alle sicher fühlen.

Denn nur dann kann jeder einzelne die Aufgabe erledigen, die das Fortbestehen der Familie sichert. Und vor allem fühlt sich nur dann jedes einzelne Mitglied wohl in seiner Haut und kann, wenn man das so sagen will, glücklich sein. So viele Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen erfordert vom Verantwortlichen vor allem ein großes Maß an innerer Ruhe und Gelassenheit. Sie ist es, die für Stabilität sorgt. Ein nervöses, ängstliches oder aufgeregtes Familienoberhaupt hätte ganz schnell auch eine nervöse, ängstliche oder aufgeregte Truppe hinter sich. Und in so einem Klima ist alles andere als ein entspanntes Leben möglich.

Souveräner Mensch, souveräner Hund
Auch Ihr Hund braucht so ein sicheres System. Damit Ihr Hund nicht die Orientierung verliert, braucht er einen Verantwortlichen. Und das sind Sie! Sie tragen die Verantwortung für ihn und müssen ihm zeigen, wo es im Alltag langgeht. Genauer gesagt: Wo es in Ihrem Menschenleben langgeht. Schließlich soll sich Ihr Hund optimal daran anpassen. Nur dann gibt es in Zukunft keine Probleme – weder unter Ihnen beiden noch mit anderen Hunden und bei Menschen. Ich finde nämlich, man darf nie vergessen, dass andere vielleicht Verhaltensweisen stören, über die man selbst eventuell hinwegsehen und die man tolerieren würde. Aus Liebe zu seinem Hund. Womit ich, ohne es beabsichtigt zu haben, schon bei einem weiteren Missverständnis bin: Leider verhalten Menschen sich aus Liebe nämlich sehr oft so, dass der Hund sich gar nicht wohlfühlt. Wenn Hunde ständig machen dürfen, was sie wollen und es keine festen Regeln gibt, wenn man ihnen ständig alles nachsieht, fühlen sie sich nicht geliebt, sondern verunsichert. Denn so ein »zügelloses« Leben ist eben genau das Gegenteil von dem, was ihrer Natur entspricht. Hunde brauchen feste Strukturen und Konstanten, an denen sie sich orientieren können. Nur dann fühlen sie sich wohl.

Verantwortung zu übernehmen heißt nicht, dass man sich herrisch aufführen und herumschreien muss, während alle anderen kuschen. Wer sich so verhält, würde das eben angesprochene schlechte Image nur bestätigen. Meiner Meinung nach sollte, wer Verantwortung trägt, lieber mit gutem Beispiel vorangehen. Ich habe nämlich noch nie erlebt, dass ein souveräner Hundehalter ernsthafte Probleme mit seinem Vierbeiner hat. Wenn der Mensch sicher, ruhig und gelassen ist, ist es der Hund automatisch auch. Genauso wie ein kleines Kind. Gelassenheit bedeutet, auf seinem Standpunkt zu bestehen, ihn aber nicht ungeduldig einzufordern, sondern eine Atmosphäre zu schaffen, die den Bedürfnissen und den Möglichkeiten eines Hundes gerecht wird. Hunde brauchen Strukturen und Regeln, an denen sie sich orientieren können. Und sie brauchen Menschen mit Intuition und viel Bauchgefühl, die sie ihnen art- und alters-gerecht vermitteln. Auch hierin ähneln sie Menschenkindern.

Die wichtigste Charaktereigenschaft, die ein Hundehalter braucht, ist Souveränität. Das wichtigste Gefühl: Intuition.

Das Allererste und Wichtigste bei der Hundeerziehung ist also, selbst ein gewisses Maß an Souveränität an den Tag zu legen. Sich nicht ablenken zu lassen und bei der Sache zu sein. Denn wenn der Hund die meiste Zeit über das Gefühl hat, dass Sie sich um ganz andere Dinge kümmern als um ihn, verunsichert ihn das. Er muss dann ständig abchecken, was geht, und kann sich nicht auf die Dinge konzentrieren, die wirklich wichtig sind.

Ein Hund , der sich bei Ihnen nicht sicher fühlt, kann nicht lernen, was Sie von ihm wollen. Sie können mit ihm dann bis zum Umfallen irgendwelche Dinge üben, es wird nicht das gewünschte Ergebnis bringen. Lernen gelingt nur dann, wenn es in den Alltag integriert wird. Wenn sich der Hund abschauen kann, wie das Leben »funktioniert«. Dazu aber muss klar sein, welche Rolle ihm in der Familie zugedacht ist, welchen Platz er einnehmen soll. Anderenfalls ist er viel zu viel damit beschäftigt, selbst für ein Umfeld zu sorgen, in dem er sich einigermaßen entspannen kann. Damit aber erreicht er leider genau das Gegenteil: Er wird immer unentspannter. Sicher eine der schlechtesten Voraussetzungen fürs Lernen. Ihr Hund bringt alles mit. Sie müssen nur seine natürlichen Instinkte »füttern«, vor allem sein Bedürfnis nach Sicherheit erfüllen und die Verantwortung bzw. Führung übernehmen. Und damit die Bindung immer mehr zu stärken und Ihrem Hund klarzumachen: Du gehörst zu mir. Und ich zu dir. Ihr Hund fühlt sich wohl, weil er sich bei Ihnen sicher fühlt.

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José Arce ist Mensch-Hund-Therapeut. Er will die Verbindung zwischen Mensch und Hund wieder herstellen. José Arce sieht seine Aufgabe darin, Türen zu einem besseren Miteinander zu öffnen und einen entspannten und friedvollen Alltag mit dem geliebten Haustier zu ermöglichen. Der Weg zu einer echten Beziehung zum Hund führt für ihn über die Instinkte – die des Hundes, aber auch die des Menschen. Vielen Lesern ist er durch seine Bücher bekannt: • Meine 5 Geheimnisse für eine glückliche Mensch-Hund-Beziehung • José Arce‘s Praxisbuch • José Arce‘s Welpenbuch Erschienen im Gräfe & Unzer Verlag Weitere Informationen unter: José Arce & Team +34 600 011101 www.jose-arce.com

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