Hard Dog Race: Trotz Gehbehinderung voll dabei

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Hard Dog Race ist ein Hindernislauf, den Hund und Halter als Paar absolvieren müssen. Um an den Rennen teilzunehmen, braucht weder der Hund noch der Halter spezielle Vorkenntnisse. Ziel aller Events ist es, Hunden sowie Haltern unter dem Motto »Sechs Beine, zwei Herzen, ein Stolz« ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Ramona Kirsche und ihr Hund Seppel waren definitiv eines der Highlights beim diesjährigen Hard Dog Race in Tschechien. Warum? Sie hat sich nach einer Querschnittslähmung nicht nur zurück ins Leben, sondern bis auf die HDR-Strecke gekämpft. Isabell Woltmann vom Hard Dog Race-Team Germany hat ihr ein paar Fragen gestellt.

HDR: Liebe Ramona, du hast im wahrsten Sinne des Wortes die Strecke in Tschechien gerockt und unser Herz höherschlagen lassen. Wir würden unsere Begeisterung total gern mit den Menschen teilen und ein kleines Interview mit dir machen. Hast du Lust?
Ramona: Na klar! Was wollt ihr wissen?

HDR: Du hast zwei Hunde: Seppel und Kuni. Gemeinsam seid ihr das Kirsche-Chaos-Team. Warum genau bezeichnest du euch als Chaos Team?
Ramona: Ich habe mich nach einer Querschnittslähmung im Alter von 23 Jahren durch die Erkrankung »Systemischer Lupus Erythematodes« zurück in ein selbstständiges Leben gekämpft und bin beim Erreichen meiner Ziele oft unübliche Wege gegangen. Ich habe Vieles anders gemacht, als man es von mir erwartet hat. So habe ich einige Menschen in meinem Umfeld oft überrascht, was alles möglich ist, auch wenn keiner daran glaubt. Im Hundesport hat sich dies sehr deutlich gezeigt und Chaos mit ganz viel Spaß war immer Programm. Der Name Chaos-Team hat sich daher irgendwann selbstständig etabliert und ich habe ihn angenommen, da er die ungeraden Wege meines Lebens gut beschreibt.

HDR: Macht ihr noch anderen Hundesport? Wenn ja, seit wann?
Ramona: Ich bin im Jahr 2012 durch Zufall auf einen Hundeplatz im Leipziger Land geraten. Dort wurde von mir und meinem Hund Whisky (auch Seppel genannt, inzwischen 14 Jahre alt) einfach mal NICHTS erwartet. Dies hat meinen Ehrgeiz angespornt und wir haben zusammen die Begleithundeprüfung abgelegt. Im Laufe der Zeit und bei anderen Hundesportvereinen habe ich das Obedience und Rallye-Obedience entdeckt und dort meine Leidenschaft gefunden. Mit Whisky zusammen bin ich innerhalb eines Jahres Sachsen-Meister im Rallye-Obedience geworden, wir haben im Obedience die Klassen Beginner, 1 und 2 sehr erfolgreich absolviert und haben 2019 die Stöberprüfung 1 mit Vorzüglich bestanden. Mein Border Collie John Ross (genannt Kuni, 3 Jahre) hat 2018 einen kleinen Einblick ins Hüten von Schafen bekommen, 2019 ebenfalls alle vier Klassen im Rallye-Obedience erfolgreich absolviert und dieses Jahr die Begleithundeprüfung und die Obedience Beginner-Prüfung absolviert.

HDR: Wie bist du auf die Idee gekommen, am Hard Dog Race teilzunehmen?
Ramona: Ich habe 2019 in Peckfitz das erste Mal ein Hard Dog Race als Zuschauer miterlebt. Damals ist ein fremder Läufer mit meinem Border Collie Kuni gestartet. Die Atmosphäre hat mich so mitgerissen, dass ich bereits am selben Tag den Plan geschmiedet habe, selbst teilzunehmen. Mein Plan ließ sich leider aufgrund der Pandemie nicht so umsetzen wie gedacht. Dabei war vom ärztlichen Attest, über eine Begleitperson und ein ganzes Team, das mit mir gemeinsam laufen wollte, alles organisiert. Da mein Hund Whisky schon ein stattliches Alter hat, konnte und wollte ich nicht bis zum nächsten Hard Dog Race in Deutschland in 2021 warten und habe entgegen aller Vernunft beschlossen, ganz allein zum Rennen nach Opatov/Tschechien zu fahren. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens!

HDR: Das klingt fast ein bisschen verrückt. So langsam verstehen wir den »Chaos-Team«-Namen. Was nimmst du vom Rennen mit? Wie hast du dich gefühlt?
Ramona: Ich bin überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Hard Dog Race-Gemeinde. Ich wünsche jedem Einzelnen dieses Erlebnis für sich selbst erfahren zu können und den Mut zu haben, es auszuprobieren. Ich war so glücklich und bin unendlich stolz auf meinen Hund. Das Adrenalin habe ich bis zum Schluss ausgekostet.

HDR: Das klingt toll, Ramona! Gibt es ein neues Ziel für das Kirsche-Chaos-Team?
Ramona: Aber klar! Mit Kuni möchte ich die Obedience Klasse 1 mit Qualifikation für das nächste Level absolvieren und noch eine weitere Unterordnungsprüfung aus dem Gebrauchshundesport erfolgreich laufen. Mit Whisky wünsche ich mir, meinen ursprünglichen Plan fürs Hard Dog Race Rennen nächstes Jahr in Peckfitz umsetzen zu können. Und dann mit den Teams meiner Hundegruppe und mit vielen Freunden, die ich bereits begeistern konnte, gemeinsam durchs Ziel zu laufen und einen fantastischen Tag beim HDR in Peckfitz verbringen zu können.

HDR: Danke für deine Zeit und deine Offenheit. Wir freuen uns schon sehr auf euch in 2021 bei uns in Peckfitz!

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