Hat der Rassehund noch Zukunft?

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Einführung

von WUFF-Herausgeber Dr. Hans Mosser

Die meisten großen europäischen Hundeverbände haben es bislang versäumt, im eigenen Haus „aufzuräumen". Ob das nun die Korrektur von falsch gesetzten Zuchtzielen betrifft, die durch die exzessive Übertreibung körperlicher (und wesensmäßiger) Merkmale einzelner Rassen für die jeweiligen Hunde eine lebenslange Behinderung, wenn nicht Qual, bedeutet, oder aber ob es sich dabei um das Verbot des Kupierens von Ohren und Ruten handelt. In den meisten Ländern war es der Staat, der hier gesetzgeberisch eingegriffen hat. Damit haben sich aber die großen Hundeverbände in vielen Bereichen das Gesetz des Handelns aus der Hand nehmen lassen und in Wahrheit an Kompetenz eingebüßt. Nämlich an politischer Kompetenz, an Tierschutzkompetenz und an strategischer Kompetenz der Rassehundezucht. Eigentlich traurig, entsprechen diese Aufgaben doch dem ureigensten Sinn eines Hundezuchtvereins.

Wenn Dr. Hans Räber daher schon 1997 in WUFF schrieb, dass der Rassehund politisch unter Beschuss komme, so ist diese Voraussage mittlerweile eingetroffen. Die beiden Resolutionen des Europarates – über chirurgische Eingriffe an und über die Zucht von Heimtieren (vollständig publiziert in der Ausgabe WUFF Feb. 1996) – dürften von allen „verschlafen" worden sein. Dass in den darauf folgenden 10 Jahren die Politik beispielsweise das Kupieren von Ohren und Ruten der Hunde in Österreich, Deutschland und der Schweiz verboten hat, und nicht die Hundezuchtverbände, beweist deren Untätigkeit und Fehleinschätzung der Situation. Dabei geht es nicht nur um das Kupieren!

Das seit 2005 gültige österreichische Bundestierschutzgesetz erkärt es darüberhinaus u.a. für illegal, Hunde mit Stachelhalsband und Elektroreizgeräten auszubilden, sowie „Qualzuchten" zu züchten oder zu erwerben. (Genauer Gesetzeswortlaut s. WUFF Juli 2004, S. 4 ff.) Ähnliche Bestrebungen sind auch in Deutschland und der Schweiz im Gange, in Übereinstimmung mit den erwähnten Europarat-Konventionen. In diesen werden konkret zahlreiche Rassen als Qualzuchten dargestellt, wie beispielsweise Boston Terrier, Shar Pei , English Cocker Spaniel, Mops, Boxer, Bulldog, Da-ckel, Chihuahua und viele andere.

Was ist seit der Publikation der Europarat-Konventionen, deren Umsetzung zu erwarten war und ist, bei den Hundezuchtverbänden passiert? Sind die abnorm vorgewölbten Augen des Mopses zuchtstrategisch beeinflusst worden, indem man wieder eine etwas längere Nase betont? Oder die völlig abnormen Kieferverhältnisse und andere Qualzuchtmerkmale bei der englischen Bulldogge? Nein, nichts sei in den offiziellen Verbänden passiert, kritisieren viele Hundeexperten.

Mit dieser WUFF-Ausgabe beginnt ein dreiteiliger Artikel, der anhand vieler Beispiele die Veränderungen in der Rassehundezucht zeigt, wie sie leider nicht immer zum Vorteil der Hunde geschehen sind. Es handelt sich bei dem Artikel um den (bildmäßig und mit redaktionellen Ergänzungen) aktualisierten Nachdruck einer WUFF-Serie aus 1997 von Dr. Hans Räber, zu dem wir uns aus drei Gründen entschlossen haben.

Erstens hatten wir vor 9 Jahren naturgemäß noch eine kleinere Leserschaft als heute, sodass anzunehmen ist, dass Sie diesen seinerzeit in und außerhalb der Rassehundeszene heftigst diskutierten Artikel vielleicht noch nicht kennen. Andererseits haben im Laufe der Zeit immer wieder Leser geschrieben, dass sie gerne diese Ausgaben nachbestellt hätten, da das Thema noch immer brennend ist, die Ausgaben aber mittlerweile vergriffen sind. Und schließlich wollen wir damit auch Dr. Hans Räber, den großen Schweizer Kynologen, würdigen und ehren für sein kynologisches Lebenswerk, in dem er stets sachlich und unabhängig von Vereinen und Verbänden kritisch für die Hunde eingetreten ist.

„Wer es nicht der Mühe wert findet, bessere Zeiten herbei zu führen, der ist auch nicht gut genug für bessere Zeiten"

Jeremias Gotthelf

Rassenwandel und falsch gesetzte Zuchtziele

Bildmässig aktualisierter Nachdruck der dreiteiligen WUFF-Serie von Dr. Hans Räber

Es kann und darf nicht abgestritten werden, dass die politischen Forderungen nach Einflussnahme in die Rassehundezucht ihre Ursachen haben und dass wir ihnen begegnen müssen. Aber ihnen mit der gleichen sektiererischen Unvernunft und Arroganz zu begegnen, wie sie oft erhoben werden, führt zu nichts. Als unvernünftig betrachte ich z.B., wenn der Finnische Kennelklub zur Eindämmung genetisch bedingter Defekte die Eintragung von Würfen aus Linienzuchten verweigert. Oder wenn an einer – von der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich einberufenen Tagung – ein Referent zu wiederholtem Male für eine weitgehende Durchmischung der Rassen plädiert, so schüttet man das Kind mit dem Bade aus. Es ist Mode geworden, die Bedürfnisse des Haushundes an den Bedürfnissen des Wolfes zu messen, und man vergisst dabei, dass auch wir kein Bedürfnis haben, noch gleich zu leben, wie der Neandertaler gelebt hat. In unserer asphaltierten Welt lebt nun eben auch der Hund in einer völlig anderen Umwelt als Urvater Wolf.

Geschichtlicher Rückblick
Bevor wir die anstehenden Probleme bei einigen Rassen aufzeigen, werfen wir einen kurzen Blick in die Vergangenheit. Die ersten Kontakte zwischen Mensch und Wolf, die schließlich zur Domestikation des Wolfes führten, fanden in der Mittleren Steinzeit vor 14.000 bis 15.000 Jahren statt. Genau lässt sich der Zeitpunkt nicht festlegen, weil Canidenschädel – häufig sind es auch nur Bruchstücke von solchen -, die im Abfall menschlicher Lagerstätten gefunden wurden, oft eine klare Scheidung in Haus- oder Wildtier nicht erkennen lassen. In der Frage nach dem wilden Urahn des Haushundes lassen neueste molekularbiologische Untersuchungen und die Forschungen der Ethologen über das Sozialverhalten von Wolf und Hund fast zwingend den Schluss zu, dass der Haushund eine Unterart des Grauwolfes sein muss.

Aus dem Wolf wird der Hund
So wenig wir über Ort und Zeit des Domestikationsbeginns wissen, so wenig wissen wir, aus welchen Gründen dieser für Mensch und Hund so folgenschwere Kontakt stattgefunden hat. Wirtschaftliche Überlegungen des Menschen konnten jedenfalls keine Rolle gespielt haben, denn der Mensch konnte ja nicht wissen, wozu ihm der zum Hund gewordene Wolf dereinst dienen könnte. Vermutlich waren es kultisch-magische Vorstellungen, die dazu den Anlass gaben. Auf derartige Beziehungen deuten die vielen Wolfsmärchen hin, in denen der Wolf stets das Böse verkörpert; andererseits hat Hitler seinen Befehlsstand in Ostpreußen nicht zufällig „Wolfsschanze" genannt, denn der Wolf war in der Mythologie der nordischen Völker der Herr der Wildnis.

Vermutlich hat auch das von Lorenz beschriebene „Kindchenschema" des jungen Wolfes bewirkt, dass eine Frau einen verwaisten Wolfswelpen an die Brust genommen hat, wie uns eine in Tlatilco (Mexiko) gefundene, um 3.700 v.Chr. entstandene Statue (Abb.) zeigt. Dass solches noch heute vorkommt, zeigt das Bild einer jungen Frau des Yanomani-Stammes im Amazonasgebiet (Abb.). So hat der (2001 verstorbene, Anm.) Wolfforscher Erik Zimen einmal gesagt, die Frauen hätten den Wolf zum Hund gemacht (s. Dr. Erik Zimen, „Der Wolf: Seine Domestikation durch eine Frau", in WUFF Feb. 1996, S. 22 ff.).

Verschiedentlich haben neolithische Künstler Jagdszenen auf Felsen gemalt oder geritzt. Diese ersten Hundedarstellungen im nördlichen Europa lassen keine eigentliche Hunderasse erkennen. Die Materialien, derer sich die Zeichner bedienen mussten, ließen eine detaillierte Darstellung auch gar nicht zu. So sagen die Felszeichnungen auf Bohuslän in Schweden nicht viel aus. Die Historiker sind sich nicht einig, ob es sich hier überhaupt um Hunde oder um jagdbares Wild handelt, zumal eines der Tiere deutlich einen Pfeil im Rücken hat. Hat der Jäger versehentlich auf seinen Hund geschossen? Solches soll dem Vernehmen nach auch heute noch bisweilen vorkommen!

Genetische Variabilität des Wolfes
Die erbliche Variabilität des Wolfes war sicher schon zu Beginn der Domestikation recht groß, doch hatten die meisten Abweichungen vom Mittelwert der Art einen negativen Selektionswert, so dass sie wieder verschwanden. Der Genpool der Art blieb über weite Zeiträume hinweg mehr oder weniger stabil. Vom Wolf kennen wir heute 12 Unterarten, die sich in Größe und Farbe unterscheiden. Die großen nordischen Wölfe erreichen Körpergewichte bis zu 60 kg, die südlichen nur rund 15 kg. Auch in Bezug auf die Fellfärbung sind Wölfe recht variabel, sie reicht von rein Weiß über alle möglichen Schattierungen von Braun und Grau bis zu rein Schwarz. Der Wolf kannte wenige natürliche Feinde, zudem ist er flink genug, um sich etwaigen Feinden durch die Flucht zu entziehen. Im Rudelverband ist er jedoch stark genug, um sich wirksam zur Wehr setzen zu können. Eine Selektion auf eine eigentliche Tarnfarbe war für ihn daher stammesgeschichtlich nie überlebenswichtig.

Seit wann gelenkte Hundezucht?
Wann der Mensch mit einer gelenkten Hundezucht begann, wissen wir nicht. Denkbar ist, dass schon der mesolithische Jägernomade nur diejenigen gezähmten Wölfe zur Zucht zuließ, die sich am besten in die menschliche Horde eingefügt hatten. Denkbar ist auch, dass er aus rein ökonomischen Gründen den kleinsten Tieren den Vorzug gab. Jedenfalls sind alle prähistorischen Hunde kleiner als ihre wilden Ahnen. Eine Zeichnung (Abb.), vor rund 5.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung von einem Jäger im Tassili-Gebirge in Algerien auf eine Felswand gemalt, zeigt einen ringelschwänzigen Hund, der eine Spur verfolgt. Die gleiche Form des Hundes (Abb.) streunt noch heute als rasseloser Paria in Nordafrika in den menschlichen Siedlungen herum.

Freude an Übertreibung
Die Ringelrute ist offensichtlich ein sehr altes Domestikationsmerkmal. Sie tritt auch heute immer wieder da auf, wo sie durchaus unerwünscht ist. Eine Felszeichnung (Abb.), vor 5.000 oder 6.000 Jahren im Tassiligebirge entstanden, ist in zweifacher Hinsicht interessant. Einmal zeigt es, dass der Mensch offenbar schon damals Freude an der Übertreibung körperlicher Merkmale hatte, eine Freude, die dann im Laufe der Zeit etlichen Hunderassen zum Verhängnis geworden ist. Zum Zweiten zeigt es, dass es sich hier um einen rauhaarigen Hund handeln muss, also bereits eine wesentliche Veränderung des Haarkleides stattgefunden hat.

Rassehundezucht im alten Ägypten
Eine deutliche Rassehundezucht betrieben dann die Ägypter. Abbildungen in ägyptischen Königsgräbern aus den Jahren 3.600 – 3.500 v. Chr. zeigen eine Form des Haushundes, die sich bis heute fast unverändert rund um das Mittelmeer erhalten hat (Abb.). Neben dem stehohrigen Tesem züchteten die Ägypter zeitweise auch einen kleineren, hängeohrigen Hund vom Typ unserer Bracken.

Extreme Variabilität des Hundes
Von Tieren, die in geschichtlicher Zeit domestiziert worden sind (Labormäuse, Goldhamster, Meerschweinchen, Wellensittiche), wissen wir, dass ab der 30. Gefangenschaftsgeneration das Erbgefüge instabil wird und mehr und mehr Mutationen auftreten, die nun unter der Obhut des Menschen weiter vererbt werden können. Beim Haushund hat diese Variabilität ein Ausmaß erreicht, das den Rahmen der Unterart schon fast sprengt. Kein Zoologe würde zwei Wildtiere mit derart unterschiedlichen Schädelformen der gleichen Unterart zuordnen. Auch da, wo die Körpergrößen noch weitgehend übereinstimmen, wie beim Zwergschnauzer, Zwergpinscher, Boston Terrier und Mops (Abb.), können die Schädel recht unterschiedlich geformt sein.

Erstmals „Reine Rassehundezucht" im Mittelalter
„Panta Rhei" – alles fließt, alles ist ewiges Werden – ist ein Heraklit zugeschriebener Grundsatz. Dieser trifft auch auf die Zucht von Rassehunden zu. Die ersten, die von „reinen Rassen" sprachen, waren die adeligen Jäger im Frühmittelalter. Von „reiner Rasse" war für sie ein Hund, der eine einmal aufgenommene Spur sicher hielt und sich nicht durch andere Spuren ablenken ließ, oder der geschickt und schnell genug war, um einen flüchtenden Hasen zu fangen. Solche Hunde genossen ein hohes Ansehen. Weil sie häufig zur Zucht verwendet wurden und die adeligen Jäger auch vor engster Inzucht nicht zurückschreckten, vererbten diese Hunde neben ihrer Gebrauchstüchtigkeit auch körperliche Merkmale. So entstanden hinter den dicken Mauern der Schlösser und Klöster mehr oder weniger von einander abgrenzbare Rassen, wie z.B. die berühmten Hubertushunde oder die Chiens gris du Roi.

Lange Ohren – gute Nase?
Mitgeholfen zur Bildung von Rassen hat sicher auch die Meinung der damaligen Jäger, bestimmte körperliche Merkmale seien mit bestimmten Leistungen gekoppelt, so etwa lange Hängeohren mit einer besonders guten Nasenleistung. Solche Meinungen wirkten bis in die Neuzeit nach. Beim Beginn der Reinzucht des Berner Sennenhundes wurde lange und ernsthaft darüber diskutiert, ob nicht die Spaltnase als Merkmal besonderer Wachsamkeit in den Standard des Berner Sennenhundes aufgenommen werden sollte. Den letzten dieser „Spaltnäsler" (Abb.) traf ich in den fünfziger Jahren noch im Tierheim in Bem. Wir lächeln heute über solche Ansichten, aber ein spanischer Vorstehhund, der Navarro, wird heute noch mit einer Spaltnase gezüchtet, weil die Jäger der Meinung sind, ein solcher Hund erbringe eine besonders gute Nasenleistung.

Gebrauchszweck tritt in den Hintergrund
Wurden während Jahrhunderten Hunde fast ausschließlich im Hinblick auf ihre Verwendbarkeit gezüchtet – auch Zwerghunde, die den feinen Damen die Flöhe im Bett wegfangen mussten –, so setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts in England eine neue Entwicklung ein. Der Gebrauchszweck trat bei vielen ehemaligen Gebrauchshunden mehr und mehr in den Hintergrund, und dem äußeren Erscheinungsbild wurde große Bedeutung zugemessen. Zwar sagte noch der Rittmeister v. Stephanitz, der Begründer der Zucht des modernen Deutschen Schäferhundes, „ein guter Hund kann keine schlechte Farbe haben", aber das hinderte ihn nicht, andererseits zu erklären, ein weißer Schäferhund sehe „blöde" aus, und diese Meinung war mit ein Grund für die Streichung der weißen Farbe aus dem Standard der Schäferhunde.

Die Hunde wurden nun genau beschrieben, wobei in der Regel ein einzelner Hund, den man als Prototyp der Rasse betrachtete, Modell für die Abfassung des Standards stand. Anfänglich wurden die Standards von den Richtern noch sehr extensiv ausgelegt. Es konnte durchaus vorkommen, dass ein Hund bei der gleichen Ausstellung als Vertreter zweier Rassen einen Siegertitel gewinnen konnte. Doch das änderte sich relativ schnell. Der Spielraum der Richter wurde eingeengt, und in etlichen Fällen fand eine Überbetonung spezifischer Rassemerkmale statt.

Streng nach dem Rassestandard?
Wie rasch sich das Aussehen einer Rasse ändern kann, sehen wir zur Zeit am Beispiel des Zwergschnauzers: Der Standard beschreibt immer noch einen Hund, der anatomisch einwandfrei gebaut ist, der ein harsches, pflegeleichtes Rauhaar hat und eine über den ganzen Körper möglichst gleichmäßig verteilte Salz- und Pfefferfarbe. Innerhalb kurzer Zeit haben die Engländer und vor allem die Amerikaner aus diesem Schnauzer eine völlig andere Rasse geformt, die nun auch auf dem Kontinent mehr und mehr in Erscheinung tritt. Grotesk wird dann die Sache, wenn ein solcher Hund Internationaler Champion wird, also von mindestens drei Richtern an vier verschiedenen Ausstellungen als der beste seiner Rasse bezeichnet wird, und die Richter behaupten, sie hätten streng nach dem Standard gerichtet!

Ein anderes Beispiel ist der Bedlington Terrier. Im Jahre 1905 hat Richard Strebel den Bedlington Terrier als einen ziemlich flachrückigen Hund dargestellt (Abb. oben). Der heutige Bedlington fällt durch seinen bogenförmigen Rücken und seine Kopfform auf (Abb. unten), wobei man freilich sagen muss, dass der „Schäfchenkopf" weit mehr durch den Coiffeur als durch die Anatomie bestimmt wird. Die bei einigen Bedlington Terrier-Zuchten aufgetretene Kupferspeicherkrankheit hat freilich mit der veränderten Anatomie nichts zu tun, wohl aber mit einer falschen Zuchtauslese, in der der Siegertitel eines Hundes wichtiger war als seine Gesundheit.

In der nächsten Ausgabe von WUFF lesen und sehen Sie zahlreiche weitere Beispiele, die zeigen, wie sich Hunderassen im Laufe der Zeit durch Überbetonung spezieller äußerer Merkmale und geänderter Prioritäten in den Zuchtzielen verändert hat. Dies geschieht nicht, um einzelne Rassen zu diskriminieren, sondern vielmehr aus der Sorge um die Zukunft des Rassehundes.

WUFF HINTERGRUND

Was ist eine Rasse?
A. Brehm unterscheidet in seinem „Tierleben" (Ausgabe 1915) beim Wolf noch verschiedene Lokalrassen; doch seit dem internationalen Zoologenkongress von 1898 hat sich die Bezeichnung „Unterart" durchgesetzt, und der Begriff „Rasse" wird nur noch für Haustiere verwendet.

Unterart oder Rasse?
Unterarten sind durch natürliche Änderungen im Genpool einer Wildtierart entstandene Varianten, die durch die aufgetretene Änderung sich neue „ökologische Nischen" erschließen konnten und deshalb nicht einer natürlichen Selektion zum Opfer fielen; Rassen jedoch sind vom Menschen auf Grund von Mutationen und Neukombinationen geschaffene Varianten innerhalb einer Unterart, die einer natürlichen Selektion nicht mehr unterliegen.

Menschliche Selektion
Nussbaumer und Huber (1983) definieren den heute allgemein gültigen Rassenbegriff wie folgt: „Eine Hunderasse wird als Gruppe von Hundeindividuen definiert, die durch gerichtete menschliche Selektion auf ein gestelltes Endziel (Standard) in Bezug auf morphologische Merkmale, Leistungsfähigkeit und Psyche während mehrerer registrierter Generationen gezüchtet worden sind. Am Ende soll für möglichst viele Merkmale Reinerbigkeit (Homozygotie) erreicht werden, so dass sich die Rasseangehörigen durch den Besitz bestimmter Eigenschaften von den anderen Rassen unterscheiden und diese Eigenschaften auf ihre Nachkommen vererben."

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