Herzliche Ernährung …

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Das Thema „Herz und Ernährung“ ist aus mehreren Gründen sehr ­wichtig: Einerseits treten chronische Herzerkrankungen beim Hund immer häufiger auf, andererseits sind Hund und Halter hinsichtlich der Lebensqualität dadurch in hohem Maße eingeschränkt, der positive Einfluss einer gezielten Ernährung auf das  Herz ist aber wissenschaftlich dokumentiert. Wir können also etwas tun …

Die Erkenntnis, dass die Ernährung einen entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit hat, ist in den letzten Jahrzehnten Allgemeinwissen geworden. Zu viel, zu fett, zu süß – wer kennt sie nicht, die Warnungen der Ärzte und Ernährungsberater? Tatsächlich gehören Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems beim Menschen zu den ­häufigsten Todesursachen in den westlichen Gesellschaften, und dass die Ernährungsweise hier einen maßgeblichen Einfluss hat, ist ­wissenschaftlich unbestritten. Aber auch bei unseren Hunden treten Herzerkrankungen, v.a. die chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz), immer häufiger auf. In den frühen 1990er Jahren litten 11% aller Hunde daran (Buchanan 1992), die Tendenz ist seither deutlich steigend. Und Schäden an den Herzklappen, die dann wiederum Ursache für eine chronische Herzschwäche werden können, finden sich mit zunehmendem Alter der Hunde immer häufiger: In der Altersgruppe der 5- bis 8-jährigen Vierbeiner bei rund 10%, bei den 9- bis 12-Jährigen schon bei bis zu 25%, und bei den über 13 Jahre alten Hunden ist gut ein Drittel davon betroffen (Sisson 2002).

Die Einschränkung der Lebensqualität ihrer Vierbeiner, die an einer chronischen Herzerkrankung leiden, hat für Hundehalter eine so entscheidende Bedeutung, dass sie für die Verbes­serung seiner Lebensqualität sogar eine bis zu 6 Monate kürzere Lebensdauer ihres Tieres in Kauf nehmen würden, wie eine Studie nachweist (Oyama 2008).

Symptome der chronischen ­Herzschwäche
Auf die verschiedenen Herzerkrankungen, seien sie durch Veränderungen des Herzmuskels oder der Herzklappen bedingt, kann hier nicht näher eingegangen werden. Für uns bedeutsam ist aber, dass die meisten Herzerkrankungen letztlich mehr oder weniger zu einer chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen. Diese hat je nach dem Grad ihrer Ausprägung große Auswirkungen auf die Befindlichkeit und Lebensqualität des Hundes und damit auch seines Halters.

In einer US-amerikanischen Studie (Mallery 1999) wurde untersucht, welche Symptome einer chronischen Herzschwäche seines Hundes die Entscheidung des Hundehalters beeinflussen, ihn einschläfern zu lassen. Am häufigsten wurden dabei Gewichtsverlust mit Schwäche und körperlicher Auszehrung sowie die Symptome Husten, Atemnot und Wasser im Bauch angegeben. Und das sind auch schon die wesentlichen Symptome einer Herzschwäche, welcher Ursache auch immer.

Ursächlich dafür sind einerseits die Verminderung der Pumpfunktion des Herzens – daraus folgt eine chronische Mangelversorgung des gesamten Körpers mit Sauerstoff – und andererseits die Verschlechterung der „Saugfunktion“ des Herzens, was zu einem Rückstau des Blutes in vorgeschaltete Organe führt. Folge des Rückstaus aus dem linken Herzanteil ist Wasser in der Lunge (Husten, Atemnot bis hin zu einem lebens­bedrohlichen Lungenödem). Staut sich das Blut aus dem rechten Herzanteil zurück, dann vergrößern sich Leber und Milz, stauen sich die Venen des Magen-Darm-Trakts (Appetitlosigkeit, Übelkeit) und tritt die sog. „Bauchwassersucht“ (Ascites) auf. All das führt dann letztlich zur Aus­zehrung (Kachexie) des Hundes.

Wenn dann im weiteren Verlauf der Erkrankung der Hund sich – trotz fachgerechter medikamentöser Herztherapie – nachts nicht mehr hinlegen will oder kann, weil dies seine Atemnot verstärkt, und er auch im Stehen sichtbar Probleme mit der Atmung hat, dann ist es Zeit daran zu denken, seinen Liebling zu erlösen, sagen Tierärzte. Diesen Zeitpunkt wollen wir aber möglichst lange hinauszögern, also die Lebensdauer des Hundes verlängern und gleichzeitig seine Lebensqualität erhöhen.

Was kann man tun?
Wie eingangs erwähnt, hat die ­richtige Ernährung positiven Einfluss auf das Herz und seine Funktion. Nicht umsonst sprechen Mediziner von einer „kardioprotektiven“ (also das Herz schützenden) Ernährung und empfehlen dafür die Einnahme bestimmter Substanzen, für welche eine positive Wirkung auf das Herz wissenschaftlich nachgewiesen ist. Vor allem bei Herzerkrankungen ­sollten sie schon im frühesten Stadium gegeben werden, um deren Fortschreiten zu verhindern oder wenigstens zu verlangsamen. Das bedeutet aber auch, dass die Herzerkrankung möglichst früh diagnostiziert werden muss, am besten beim jährlichen Tierarzt-Check. Welches sind nun die Substanzen, für die ein die Herzfunktion fördernder Effekt wissenschaftlich nachgewiesen ist?

Ernährung bei ­Herzerkrankungen: Wenig Salz, viel Eiweiß und ­wirksame Ergänzungsstoffe
Natürlich steht die tierärztliche ­Therapie bei Herzerkrankungen an erster Stelle. Zusätzlich wird auch eine Umstellung der Ernährung des Hundes empfohlen, darunter vor allem eine Einschränkung des Salzgehaltes. Der Grund liegt in der „Wasserbindungs­fähigkeit“ des Salzes, was zu einer Vermehrung des Wassergehaltes im Organismus führt. Dies bedeutet ­wiederum eine vermehrte Belastung des ohnehin schon geschwächten Herzens und damit verbundene Wassereinlagerungen in den verschiedensten Körpergeweben und Organen, mit daraus resultierender Einschränkung deren Funktionen.

Während man früher bei Herz­erkrankungen auch eine Reduktion der Eiweißzufuhr empfahl, weiß man durch wissenschaftliche Untersuchungen heute, dass das Gegenteil der Fall ist. Gerade die zu Auszehrung neigenden herzkranken Hunde benötigen hochwertiges leicht verdauliches Eiweiß und eine hohe Energie­zufuhr! Zudem müssen durch die Herzkrankheit verursachte Störungen im Mineralhaushalt des Hundes (v.a. Kalium und Magnesium) ausgeglichen werden.

Schon 1989 stellten Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen einem Carnitin-Mangel und Herzerkrankungen bei Hunden fest und betonten den Zusammenhang mit der Ernährung. Und man bemerkte, dass ein entsprechendes „Ernährungsmanagement“ schon beim gesund wirkenden, subklinischen Patienten (d.h. im frühesten Stadium der Herzerkrankung) dazu beitragen kann, Krankheitssyptome hintanzuhalten bzw. zu verzögern, die Lebensqualität des Hundes zu verbessern und seine Lebensdauer zu verlängern (Hamlin 1989; Markham 1989).

In den folgenden Jahren wurden neben Carnitin weitere Substanzen untersucht und ihr günstiger Einfluss auf das Herz und auf Herzkrankheiten nachgewiesen, darunter die Amino­säuren  Arginin und Taurin, Antioxidanzien, zu denen man auch die Omega-3-Fettsäuren zählt. Die ­wichtigsten Substanzen sind im ­Folgenden kurz beschrieben.

Carnitin
Carnitin wird aus den beiden Aminosäuren Methionin und Lysin gebildet und ist für die Energieproduktion der Muskelzellen (eben auch der Herzmuskelzellen!) und für den Fettstoffwechsel von großer Bedeutung. Da bei Herzerkrankungen die Konzentration des Carnitins verringert sein kann, kann die Zufuhr von Carnitin zu einer Verbesserung der Herzmuskelfunktion beitragen. Carnitin findet sich normalerweise in hohen Konzentrationen in der Herz- und Skelettmuskulatur, also in rotem Fleisch, insbesondere in Schaf- und Lammfleisch. Weißes Fleisch wie bspw. Geflügelfleisch dagegen ist carnitinärmer. Carnitin lässt sich heute auch schon biotechnologisch herstellen.

Arginin und Taurin sowie ­Antioxidanzien
Arginin und Taurin sind ­Aminosäuren, die positiv auf die Herzfunktion ­wirken. Bei Herzschwäche fördern sie die Kontraktionsfähigkeit des Herzens und damit die Pumpwirkung (Elizarova 1993; Kittleson 1997; Gompf 2005). Zudem verfügt vor allem Taurin auch über ausgeprägte antioxidante Wirkung im Körper. Auch andere Antioxidanzien wie Vitamine (A, C und E), Koenzym Q10, Glutathion, Flavonoide und Polyphenole haben in diesem Zusammenhang Bedeutung (H. Mosser, Heilung durch Ernährung: Antioxidanzien, WUFF 12/2008).

Omega-3-Fettsäuren
Über die Omega-3-Fettsäuren (EPA, Eicosapentensäure und DHA, Docosahexensäure) habe ich an anderer Stelle bereits sehr ausführlich berichtet und Literatur zitiert (H. Mosser, Heilung durch Ernährung: Omega-3-Fett­säuren, WUFF 11/2008). Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit (Freeman 2010) bestätigt neuerlich den günstigen Einfluss dieser Fettsäuren nicht nur in der Vorbeugung, sondern auch auf bereits bestehende Herzerkrankungen. Demnach werden dadurch der Energiestoffwechsel des Herzmuskels verbessert sowie Herz­frequenz, Blutdruck und Immun­system günstig beeinflusst.

Zusammenfassung
Herzerkrankungen treten bei Hunden immer häufiger auf, dies insbesondere, je älter sie sind. Neben der entsprechenden tierärztlichen Therapie ist die große Rolle der Ernährung wissenschaftlich unbestritten. Prof. Lisa Freeman von der veterimärme­dizinisch renommierten Tufts University in North Grafton (US Bundesstaat Massachussetts) gehört zu den führenden Forschern auf diesem Gebiet. Nach einer persönlichen Diskussion mit der Wissenschaftlerin kann ich für WUFF-Leser die aktuelle Situation im Bereich „Herz und Ernährung“  folgendermaßen zusammenfassen:

Während man früher bei Herzerkrankungen der Hunde lediglich den Salzgehalt der Nahrung reduzierte, wissen wir heute durch wissenschaftliche Studien, dass daneben auch bestimmte Nahrungsbestandteile den Verlauf von Herzerkrankungen günstig beeinflussen können. So haben einerseits die Aminosäuren Arginin und Taurin positive Effekte auf das Herz, ebenso wie das aus zwei Aminosäuren ­aufgebaute Carnitin, und andererseits wurde nachgewiesen, dass Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA) und ­verschiedene Antioxidanzien sogar spezifische pharmakologische ­Wirkungen bei Herzerkrankungen entfalten können.

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