Hündin kastrieren: Ja oder nein?

Das Problem:
Liebes WUFF-Team!
Vorerst möchte ich sagen, daß ich eine sehr begeisterte Wuffleserin bin und mich auf jedes neue Heft freue. Ich stehe nun vor der Entscheidung, meine Berner-Sennenhündin kastrieren zu lassen, weiß aber nicht, ob das eine richtige Entscheidung ist. Könnte es bei so einer Operation Komplikationen geben? Oder verändert der Hund sein Wesen? Vielleicht können Sie mir bei diesen Fragen behilflich sein.
Denise Leimüller

A. Univ.-Prof. Dr. Hermann Bubna-Littitz, Veterinär-medizinische Universität Wien, antwortet:
Sehr geehrte Frau Leimüller!
In Beantwortung Ihrer Anfrage zur Auswirkung der Kastration der Hündin möchte ich wie folgt antworten:
Das Operationsrisiko bei der gesunden Hündin ist als gering einzustufen, da es sich um eine Routineoperation handelt.
Als erstes sollten Sie sich selbst die Frage stellen, aus welchen Gründen die Berner Sennenhündin kastriert werden soll:

Welche Gründe?
Sind die Begleiterscheinungen der Läufigkeit unerwünscht (Ausfluss, Belästigung durch fremde Rüden usw.) oder sind Verhaltensprobleme die Ursache? Zur Verminderung aggressiven Verhaltens ist die Kastration bei der Hündin nur bedingt in speziellen Fällen (exakte Diagnose erforderlich) geeignet.
Die Möglichkeit, Verhaltensprobleme durch die Kastration lösen zu können, wird zumeist sowohl bei der Hündin als auch beim Rüden, überschätzt.
Erfolgt die Kastration vor der ersten Läufigkeit, so sinkt das Risiko, an einem Mammatumor zu erkranken, auf ein Siebentel der nichtkastrierten Hündinnen.

Operationsrisiko und Komplikationen
– Das Operationsrisiko bei der gesunden Hündin ist als gering einzustufen, da es sich um eine Routineoperation handelt.
– Bei der Hündin wird nach der Kastration in manchen Fällen ein Auftreten von Aggressivität oder eine Steigerung der ursprünglichen Aggressivität beobachtet. 
– Bei kastrierten Hündinnen kommt es zu einer Steigerung des Appetits. Dies muß bei der Fütterung beachtet werden, da die Hunde ansonst übergewichtig werden. 
– Bei Hündinnen kann nach einer Kastration Harninkontinenz  (Harnträufeln) auftreten. Dies ist bei Tieren mit einem Körpergewicht von unter 20 kg in 10 % der Fall und bei Tieren mit mehr als 20 kg in 30%. Dieses Harnträufeln muß dann medikamentös behandelt werden. 
– Auch Haarausfall, beidseitig im Flankenbereich, wird als Folge der Operation beschrieben. Dieser Haarausfall ist besonders auffallend bei kurzhaarigen Hunden. Bei langhaarigen Hunden mit glänzendem Deckhaar (z.B. Irish Setter) kann vermehrtes Wachstum der Wollhaare auftreten („Welpenfell”).

In Ihrem Fall sollte man also sehr wohl überlegen, ob eine Indikation für die Kastration der Hündin gegeben ist, da das Risiko für eine Inkontinenz mit 30% relativ hoch ist.

Wegen der Läufigkeit?
Sind es nur die Begleiterscheinungen der Läufigkeit, die Sie die Kastration erwägen lassen, so rate ich von der Kastration ab. Die langfristige Verhinderung der Läufigkeit mit Progestagenen sollte, wenn überhaupt, erst nach der zweiten Läufigkeit erfolgen. Als Komplikationen werden Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sowie Entzündungen der Gebärmutter genannt. Letztere führen dann schlussendlich wieder zur  Kastration (Ovariohysterektomie = Entfernung der Gebärmutter und Ovarien), sodass dies meiner Ansicht nach keine echte Alternative zur Kastration darstellt.

Problemverhalten?
Spielen bei Ihren Überlegungen Verhaltensprobleme der Hündin eine Rolle, so sollte eine genaue Analyse dieser erfolgen, um die Möglichkeiten der Verhaltenstherapie ausschöpfen zu können. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung ( Tel.: 01/250 77-4504, e-mail:  hermann.Bubna@vu-wien.ac.at).

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