Hund Allein zu Hause? Allein bleiben ohne Jammer und Trübsal

0
2045

Hunde sind echte Gesellschaftstiere. An der Seite des Menschen ist es für sie aber ab und zu notwendig, dass sie auch alleine bleiben. Aber was tun, wenn der Hund damit so gar nicht zurechtkommt?

Das Bedürfnis des Hundes nach Gesellschaft ist tief verankert. Der Urinstinkt, dass nur ein Rudel dem Individuum Schutz, Geborgenheit und Überlebenssicherheit bietet, lebt noch in jedem Hund – selbst nach über 10.000 Jahren an der Seite des Menschen. Egal ob Chihuahua oder Deutsche Dogge – jede Rasse hat dieses Wolfserbe noch in sich. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass es für die meisten Hunde Stress bedeutet, wenn sie von ihrer Vertrauensperson getrennt sind. Der Hund ist allein und weiß natürlich nicht, dass er dies nur für wenige Minuten oder Stunden sein wird.

Hunde kennen keine Uhr
Sofern Ihr Hund nicht gelernt hat, auf der Küchenuhr die Zeit abzulesen und diese dann auch richtig zu deuten, dann hat er auch keine Ahnung, wie lange er alleine war. Fakt ist jedoch, dass Hunde – wie Menschen – eine innere Uhr haben. Diese innere Uhr wird vom Tag-/Nachtrhythmus gesteuert und von den Gewohnheiten des Halters. Der Hund weiß, wenn Frauchen/Herrchen morgens aufsteht, dass es dann nach draußen geht, oder dass es abends – wenn es draußen dunkel wird – Futter gibt. Er weiß aber nicht, wie viele Stunden dazwischen liegen. Die Einteilung der Zeit in Stunden, Minuten, Sekunden kennen nur Menschen, und dies auch nur deshalb, weil wir Uhren haben – ohne Uhr könnten auch wir nur sehr ungenau vergangene Zeit schätzen.

Das Zeitempfinden wird nämlich durch die Art der Beschäftigung gesteuert: Beschäftigen wir uns mit einer interessanten Aufgabe, vergeht eine Stunde wie im Flug. Ist uns langweilig – etwa im Wartezimmer beim Arzt –, kommen uns 15 Minuten wie eine Stunde vor. Und es ist anzunehmen, dass ein Hund in ähnlicher Art ein Zeitempfinden hat: Je langweiliger/unausgelasteter/unentspannter ein Hund während der Zeit ist, in der er alleine ist, umso länger wird sie ihm vorkommen – und umso höher wird der Stresspegel mit all seinen negativen Auswirkungen sein. Somit ist klar: Das Alleinbleiben kann der Hund nicht durch Alleinbleiben lernen, etwa nach dem Motto »Er wird sich schon daran gewöhnen.« Man muss ihm die Zeit allein interessant, schmackhaft oder entspannend gestalten und ihn in kleinen Schritten bzw. durch Training an diese Situation heranführen. Nur dann wird er das Alleinsein mit etwas Angenehmem verbinden und nicht während der Abwesenheit seines Menschen die Wohnungseinrichtung zerstören, zum Ärger der Nachbarn ein Heul- bzw. Bellkonzert veranstalten, in der Wohnung Urin oder Kot absetzen oder ruhelos und aufgelöst durch die Wohnung wandern und nicht zur Ruhe kommen.

Verschiedene Trainingsansätze
»Die drei Hauptgründe, warum ein Hund nicht alleine bleiben kann, sind Trennungsangst, Langeweile und Kontrollverlust. Von den Haltern wird oft nicht erkannt, dass ihr Hund ein Kontrollfreak ist, der Stress bekommt, wenn der Besitzer ohne ihn das Zuhause verlässt und der Hund somit die Kontrolle über ihn verliert. Viele Hunde glauben, dass ihre Halter ohne Kontrolle durch sie nicht überlebensfähig sind. Das ist ein bekanntes, aber von vielen Haltern oft übersehenes Problem, das sich nicht nur darin zeigt, dass der Hund nicht alleine bleiben kann«, erklärt Hundetrainerin Kathrin Ederer aus Mattersburg im Burgenland. Deshalb sei es in erster Konsequenz wichtig zu klären, warum der Hund nicht alleine bleiben kann. Denn daran orientiere sich das Training.

Welches Training für Ihren Hund das Richtige ist, hängt von Ihrem Hund, von Ihnen und den jeweiligen Umständen ab. Daher besprechen Sie das am besten mit einem qualifizierten Hundetrainer. Er oder sie wird dann gemeinsam mit Ihnen einen Trainingsplan erstellen, der mit Sicherheit sehr viel Konsequenz, Zeit und Einfühlungsvermögen von Ihnen verlangen wird. Welche Möglichkeiten es gibt und wie so ein Training aussehen kann, beschreibt Hunde-Körpersprache-Expertin und WUFF-Autorin Sarah Kautz von SmartCommunication (http://www.Smart-Communication.at) in ihrem Artikel »Hund allein zu Hause …« in der WUFF-Ausgabe 3/2018 (nachzulesen unter http://www.wuff.eu) ausführlich und gut. Sie stellt dort auch ihre Methode des NLP-Trainings (Neurolinguistisches Programmieren) vor – ein weiterer guter Ansatz, den Hund auf entspannte Stunden als Single vorzubereiten.

»Eine Technik des NLP nennt sich ,Anker‘. Beim Menschen besteht die Technik im Wesentlichen darin, ein Gefühl, z.B. Begeisterung, jederzeit abrufbar zu machen. Berühren wir uns beispielsweise jedes Mal in einem Zustand der Begeisterung am Handgelenk, wird unser Gehirn mit der Zeit lernen, jedes Mal einen Zustand der Begeisterung herbeizuführen, wenn wir unser Handgelenk berühren. Haben wir nun einen solchen Anker gesetzt und durch viele Wiederholungen gefestigt, brauchen wir z.B. beim Autofahren, wenn wir langsam müde werden, nur unser Handgelenk zu berühren, um unserem Gehirn mitzuteilen, dass es Zeit ist für freudige Begeisterung. Durch diese Einsicht des NLP, dass wir unseren inneren Zustand ,ankern‘ und damit steuern können, können wir – abgewandelt – auch unseren Hunden eine zusätzliche Hilfestellung bieten, um das Alleinebleiben noch einfacher und angenehmer zu gestalten«, erklärt Kautz das NLP-Training in ihrem WUFF-Artikel.

Was noch helfen kann
Ein Training ist – wie bereits erwähnt – sehr zeitaufwändig, sollte aber auf jeden Fall in Angriff genommen werden, um langfristig sicherzustellen, dass der Hund mit dem Alleinbleiben keine Probleme hat. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten, die Sie – nach Rücksprache mit Ihrem Hundetrainer – begleitend zum Training oder im Alleingang anwenden können und die vielleicht schon ein kleiner oder sogar ein großer Schritt in Richtung »entspannter Hund allein zu Hause«sind.

Rückzugsort schaffen: Hunde sind Höhlenbewohner – auch das haben sie mit ihrem Vorfahren, dem Wolf, gemeinsam. So eine Höhle können Sie mit einer Hundebox schaffen. Vielen Hunden hilft es, wenn sie einen Rückzugsort haben, der ihnen Sicherheit bietet. Vor allem jenen, die, wenn sie alleine sind, ruhelos durch die Wohnung wandern, kann so eine sichere Höhle helfen – die Box schirmt sie etwas von der Umwelt ab und verkleinert das Terrain, das sie kontrollieren müssen. Am besten stellen Sie diese Box in ein Zimmer, in dem Sie sich in der Regel nicht ständig aufhalten, wie z.B. im Badezimmer oder im Schlafzimmer.
Die Box sollte als Lieblingsplatz etabliert werden – dort bekommt der Hund sein Lieblingsspielzeug, seine Lieblingsdecke und/oder sein Futter. Üben Sie dann, Ihren Hund immer wieder in die Box zu schicken, während Sie in einem anderen Raum sind. Bleibt der Hund brav in seiner Box, auch wenn Sie sich in der Wohnung bewegen, dann können Sie die Anforderung steigern.

Gut wäre es jetzt, eine Webcam o.ä. im Zimmer mit der Box zu installieren, damit Sie Ihren Hund auch bei geschlossener Tür beobachten können. Denn als nächstes soll der Hund lernen, auch bei geschlossener Zimmertür entspannt in seiner Box liegen zu bleiben. Im Idealfall öffnen Sie nach einer kurzen Zeit die Zimmertüre und der Hund bleibt in seiner Box liegen, und Sie können ihn zu sich rufen oder in der Box mit Streicheleinheiten/Futter für sein vorbildliches Verhalten loben.

Das Wichtigste bei dieser Übung ist das richtige Timing: Ist der Hund schon aufgestanden, ist der richtige Moment verpasst, um sein Liegenbleiben in der Box zu belohnen. Ist das der Fall, schicken Sie ihn wieder in die Box (loben!), verlassen das Zimmer und schließen die Türe – und beginnen von vorne. Auch wenn es Ihnen lächerlich erscheint, zehn Sekunden (oder noch weniger) reichen für den Anfang! Diese zehn Sekunden sind für den Hund wie eine Ewigkeit.

Im Laufe des Trainings verlängern Sie langsam, aber kontinuierlich die Zeit, in der Ihr Hund bei geschlossener Zimmertüre in seiner Box bleiben soll. Eine Stunde und länger sind kein Problem mehr? Dann ist es Zeit, den nächsten Schritt zu wagen: Sie verlassen die Wohnung. Wieder nur kurz und den Hund via Webcam auf dem Smartphone im Auge behaltend. Reagiert der Hund gar nicht, dann haben Sie es geschafft – und können stolz auf sich und Ihren Vierbeiner sein!

Für Beschäftigung sorgen: Hunden, bei denen die Alleinbleiben-Phobie noch nicht so ausgeprägt ist, kann es auch helfen, sie durchgehend zu beschäftigen. Der Markt bietet dazu mittlerweile eine große Auswahl an selbstbelohnendem Intelligenz- und Beschäftigungsspielzeug oder Kauartikeln. Auch ein programmierbarer Futterautomat kann hier gute Dienste leisten. Der Futterautomat kann so programmiert werden, dass er z. B. alle zehn Minuten ein paar Leckerlis ausspuckt, was den Hund ablenkt und das Alleinsein sogar schmackhaft machen kann.
Für ausreichend Bewegung sorgen: Bei Hunden, die dazu neigen, während ihrer Zeit allein zu Hause die Inneneinrichtung »umzugestalten«, hilft es oft schon, wenn sie, bevor sie allein gelassen werden, so richtig ausgepowert werden. Wieder zu Hause wird sich der Hund müde, aber zufrieden, freiwillig in seine Box kuscheln – und vielleicht sogar die ganze Zeit, in der er alleine ist, verschlafen – anstatt der Wohnung einen neuen Look zu verpassen.

Eine entspannte Atmosphäre schaffen: Sie hören gerne Musik oder Hörbücher? Oder bei Ihnen läuft im Hintergrund immer der Fernseher? Dann ist das für Ihren Hund eine Geräuschkulisse, die für ihn alltäglich ist und Entspannung bedeutet. Probieren Sie einfach aus, den Fernseher laufen zu lassen oder Ihre Lieblingsmusik oder ein Hörbuch einzuschalten, wenn Sie die Wohnung verlassen. Vielleicht reicht das schon, um Ihrem Vierbeiner das Alleinsein angenehmer zu gestalten.

Wenn alles nichts hilft,
… hilft der Tiersitter. Wenn Sie Ihren Hund nur selten allein lassen müssen und/oder das Training nicht so wirklich fruchtet, dann gibt es immer noch die Möglichkeit, Ihren Hund in eine Tierpension zu bringen oder einem Tiersitter anzuvertrauen. In manchen Fällen kann dies für beide – Hund und Halter – die beste Lösung sein. Vorausgesetzt Sie finden eine geeignete Tierpension (siehe WUFF-Special Urlaub/2019) bzw. einen liebevollen Tiersitter. Diese Lösung hätte außerdem den Vorteil, dass Sie auch gleich jemanden zur Hand haben, sollten Sie einmal krank werden oder in den Urlaub fahren wollen.

Zum Schluss noch zwei wichtige Tipps von Kathrin Ederer: »Vergessen Sie bitte nie, Ihrem Hund ausreichend frisches Wasser zur Verfügung zu stellen und entfernen Sie alle in Frage kommenden Verletzungsmöglichkeiten, bevor Sie Ihren Hund alleine lassen. Auch wenn Ihr Hund schon gut alleine bleiben kann, ein Reiz von außen, ein Klingeln an der Tür kann ihn aus seinem ruhigen Zustand herausreißen, und dann sollte er sich nirgends verletzen können.«

Tipps zum Alleinbleiben

Im Folgenden eine kurze stichwortartige Zusammenfassung der im Artikel ausführlich beschriebenen Möglichkeiten, um Ihrem Hund das Alleinebleiben zu erleichtern. Welche Maßnahmen am besten sind, hängt vom Hund, von Ihnen und der Situation ab.

• Angenehme Gefühle »ankern«
• Einen Rückzugsort schaffen
• Für Beschäftigung sorgen
• Vor dem Alleinbleiben ausreichend Bewegung
• Eine entspannte Atmosphäre schaffen (Musik, TV, Radio?)
• Hundepension oder Hundesitter

Pdf zu diesem Artikel: alleinebleiben

 

TEILEN
Vorheriger ArtikelWUFF-Test: Ledlenser LED-Lampen im Test
Nächster ArtikelHappy Hund & happy Mensch
Martina Bartl ist erfahrene Hunde- und Pferdehalterin und seit rund 15 Jahren Journalistin. Sie hat sich auf die Fachgebiete Pferde & Reiten und auf Hunde spezialisiert.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT