Hunde auf der Pferde-Show

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Nach unserem aufregenden Cattledrive und den vielen Tagen in freier Natur (siehe letzte Ausgabe von WUFF), zieht es uns doch wieder einmal in eine Stadt, genauer gesagt, nach Santa Fe, einer aussergewöhnlichen Hauptstadt.
Die Häuser hier sind fast alle im Adobe-Baustil errichtet. Das sind luftgetrocknete Lehmziegel, und durch das Sonnenlicht und die rote Farbe der Ziegel, strahlt diese Stadt eine heimelige Atmosphäre aus. Hier leben sehr viele Künstler und fast an jeder Strassenecke kann man Schmuck, Bilder, aber auch unmöglichen Kitsch entdecken. 
Nachdem wir zwei Tage hier verbringen, mit den Wuffis an der Leine durch die Stadt ziehen, Rodos mit Gewalt davon abhalten, auf diverse Kunstgegenstände zu pinkeln, da seiner Meinung nach, alles, was auf der Strasse ist, markiert gehört, packen wir wieder unser Sachen, fest davon überzeugt, dass Hundehaltung am Land wirklich einfacher ist, als in der Stadt. Also machen wir uns wieder langsam auf den Rückweg, durchqueren ganz schnell Albuquerque, kommen durch grosse Indianerreservate und überqueren nach Gallup wieder die Grenze zu Arizona.

Bei Kanadiern „eingeschleimt“
In der Nähe des Petrified Forest Nationalparks finden wir einen netten, kleinen Campingplatz, der nur wenig belegt ist und so können wir die Hunde ein wenig die Gegend erkunden lassen. Nicht lange und sie haben sich wieder einmal bei unseren Nachbarn eingeschleimt, einer Familie aus Kanada. Die zwei Söhne schmeissen Bonita Stöckchen, bis sie todmüde angekrochen kommt, einfach vor dem Zelt umfällt und sofort einschläft.
Gleich in der Früh bauen wir unser Zelt ab, um noch diesen Nationalpark zu besuchen. Vor 200 Millionen Jahren gab es hier ein Sumpfgebiet und bis zu 70 Meter hohe Bäume, doch nach Vulkanausbrüchen versank die Region in Asche und die Bäume versteinerten. Der Anblick dieser steinernen Pflanzen ist schaurig und ich habe wieder einmal das Gefühl, wie kurz doch so ein Menschenleben ist im Gegensatz zu diesen Millionen Jahren alten Naturwundern. Zwei Tage später sind wir wieder auf der Ranch, die Wuffis sind recht erschöpft, aber freuen sich, zuhause zu sein.

Hunde im Mittelpunkt
Inzwischen gibt es viele Gäste auf der Ranch, fast alle Zimmer sind ausgebucht und unsere Wuffis stehen gleich im Mittelpunkt. Habe ich sie früher noch im Haus eingesperrt, wenn ich einmal fortgefahren bin, lasse ich sie inzwischen draussen, weil sich immer jemand um sie kümmert. Auch abends, wenn ich schlafen gehen will, muss ich laut pfeifen, dann geht irgendwo eine Türe auf  und die zwei Streuner kommen aus einem Zimmer geschlüpft.

Quarterhorse Show
An einem Wochenende fragt mich Conny, der Chef der Ranch, ob ich auf eine Quarter-Horse-Show mitfahren möchte. Sie findet in Sonoita statt, nur eine halbe Stunde von der Ranch entfernt gelegen. Begeistert stimme ich zu, endlich einmal in Wirklichkeit sehen, was ich bisher nur von Videos kannte. So eine Show ist für Westernreiter dasselbe, wie für Englisch-Reiter ein Turnier, das gibt es zwar auch in Österreich, aber die Leute, die hier teilnehmen, sind grösstenteils echte Cowboys und ich bin schon sehr auf die Stimmung und das Ambiente gespannt. Auch die Wuffis dürfen mit, denn Conny erklärt mir, dass fast jeder Teilnehmer einen Hund hat, allerdings müssen sie an der Leine bleiben.

Team-Roping
So fahren wir recht früh los, und als wir ankommen, ist der erste Bewerb schon im Gange, das „Team-Roping“. Hier starten zwei Reiter gleichzeitig mit einem Rind aus einer Box, der erste Reiter versucht aus vollem Galopp der Kuh oder dem Stier das Lasso um den Hals zu werfen und hat er es, dann wendet er nach links ab, während der zweite Reiter sein Lasso dem Tier um die Hinterbeine schwingt. So gefesselt, fällt das arme Rind um. Nebenbei läuft auch noch die Zeit mit. Das ganze geht sehr rasant und ist daher für den Zuseher spannend.

Tierquälerei mit Kälbern und Rindern
Doch nach einigen Kuhfängen entschliesse ich mich, mir die Beine zu vertreten. Rodos und Bonita stehen nur unwillig auf, da die Sonne heiss brennt und sie einen der wenigen Schattenplätze ergattert haben. Wir schlendern bei den Kühen und Stieren vorbei, die eng aneinander gepfercht in den Gattern stehen. Ich bin schockiert, wie mager diese armen Dinger sind, aber ich werde darüber aufgeklärt, dass das eine mexikanische Rasse sei, die nicht dicker würden. Auch sind diese Tiere mit Brandzeichen übersät, wobei manche aufgebrochen sind und ich blutige und entzündete Haut sehe. Eines der Rinder blutet sogar aus dem Maul. Ob es sich wohl auf die Zunge gebissen hat? Mein Magen rebelliert etwas, nicht nur durch den Gestank hier und so gehe ich lieber weiter, inzwischen schon wissend, dass ich, als Europäer, immer übertriebene Tierschutzgedanken habe …

Pferde-Toupet
In einer anderen Arena beginnt gerade ein Pleasure-Bewerb. Neugierig komme ich näher, die Wuffis im Schlepptau. Ich glaube, meinen Augen nicht zu trauen. Diese Pferde hier haben kein einziges, abstehendes Haar mehr auf ihrem Kopf, keine Tasthaare am Maul, die Ohren völlig ausrasiert, keinen Behang auf den Beinen, nichts. Die Hufe sind lackiert und Leute hüpfen um die Tiere herum und sprühen sie mit stinkendem Zeug ein. Neben den Pferden stehen grössenteils Frauen, klein und herausgeputzt, wie Barbiepuppen, die Sättel und Zaumzeuge blinken im Sonnenlicht, sie sind über und über mit Silber beschlagen. Ein Mann, der gerade sein Pferd aufwärmt, versucht es rückwärts zu richten, auf einmal steigt es auf seinen eigenen Schweif und ich glaube, nicht recht zu sehen, der Schweif wird immer länger und länger, bis er herausfällt. Der Cowboy sieht auf den Boden, meint „oops“, steigt ab, hebt das Schweif-Ding auf und und ruft nach seiner Gehilfin. Als ich merke, dass es sich um ein Toupet handelt, kann ich mich nicht mehr halten vor Lachen, worauf ich ein paar böse Blicke ernte.

Calf Roping
Nachdem es hier keinen einzigen Schattenplatz für die Wuffis gibt, und dieser Pleasure-Bewerb etwas langweilig ist, die Pferde schlapfen ziemlich emotionslos dahin, gehen wir wieder zu der anderen Arena, wo inzwischen das „Calf-Roping“ begonnen hat. Eine Freundin hat mich zwar davor gewarnt, mir diesen Bewerb anzusehen, da er meiner tierliebenden Seele nicht gut täte, aber neugierig, wie ich bin, muss ich das natürlich sehen. Bei dieser Disziplin wird ein Kalb aus dem Galopp mit einem Lasso eingefangen, dabei fliegt das junge Tier auch schon einmal durch die Luft, dann wird das andere Ende des Lassos am Sattelhorn befestigt, der Reiter springt ab, läuft zu dem inzwischen liegenden Rind und fesselt es an drei Beinen. Leider komme ich gerade dazu, wie eines von diesen armen Dingern wirklich durch die Gegend segelt, das Pferd ein paar Schritte zurückgeht und das junge Rind, an der Kehle gefesselt nachschleift, dann kommt der Cowboy dazu, verschnürt das Kalb wie ein Weihnachtspaket und es liegt im Dreck, völlig verängstigt. Das gefällt mir wirklich nicht, allerdings haben die nächsten zehn Teilnehmer auch kein Glück mehr und erwischen keines der Kälber, die inzwischen anscheinend gelernt haben, auszuweichen. Jedes dieser jungen Rinder, das es geschafft hat, zu entkommen, wird von mir mit grossem Applaus belohnt, wodurch ich mich auch anscheinend nicht beliebt mache.

Aggressive Artgenossen
Nachdem wir also ein paar Stunden zugesehen haben, die Wuffis wieder Kontakt mit anderen Hunden hatten, die grössenteils allerdings in bellenden Wutausbrüchen endeten, da all diese Tiere nur an Leinen und dünnen Halsbändern befestigt waren oder auch an Ketten und durch die Reihe aggressives Verhalten zeigten, packe ich meine Wuffis wieder ins Auto und beruhige sie mit den Worten, dass nicht alle ihre Kollegen so wild seien.
Wieder zurück auf der Ranch, beginne ich langsam unsere Sachen zu packen, denn bald geht es auf zu unserem letzten, langem Abenteuer! Mehr darüber im nächsten WUFF.

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