Hunde der Indianer

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Hunde bei den Cheyenne Indianern
Manche Wissenschafter meinen, daß die nordamerikanischen Indianer Wölfe domestiziert hätten, wobei allerdings keine entsprechenden Funde diese interessante Theorie belegen. Und selbst wenn wir diese Theorie akzeptieren, wissen wir gar nichts über diese Domestikation, da es vor der Ankunft des weissen Mannes in Amerika keinerlei schriftliche Zeichen gegeben hat. Der Vorgang der Domestikation wird hingegen sehr wohl in indianischen Mythen und Legenden beschrieben. So berichtet eine im heutigen Bundesstaat Wisconsin lebende Legende der Cheyenne Indianer:
„ … Great Medicine zeigte dem Volk der Cheyenne eine Bisonherde, aber die Indianer hatten keine Möglichkeit, der rasch wandernden Herde zu folgen. Um zu überleben, fingen die Cheyennes einige Wolfswelpen und benutzten sie für Transportzwecke. Zusätzlich bewachten diese Tiere in der Nacht die Camps der schlafenden Indianer. Erfolgreiche Jagd bedeutete ausreichende Nahrung. Davon profitierten auch die domestizierten Wölfe, die sich rasch vermehrten …“
Jede Legende besitzt einen wahren Kern: Schon die frühen Einwohner Nordamerikas benutzten Hunde zur Bewachung der Camps und für den Transport von Zelten. Dies kann man auf vielen indianischen Zeichnungen erkennen.

„Hundestamm“ Cherokee
Die Cherokee Indianer siedelten früher auf dem Territorium der heutigen Bundesstaaten von Nord- und Südcarolina und Teilen von Georgia. Die ersten weissen Einwanderer bezeichneten die Cherokee als „Hundestamm“. Denn in ihrer Religion, den Legenden und Ritualen, kommen sehr viele Hunde vor. Nach Aussagen der Cherokee seien Hunde schon immer Bestandteil ihres Stammes gewesen, was die Theorie unterstreicht, daß die Hunde mit den ersten Einwanderern aus Asien gekommen sind. Eine Legende besagt, daß ein Hund die Cherokee Indianer durch die rechtzeitige Warnung vor einer sintflutartigen Überschwemmung vor der Ausrottung bewahrt hat, was den großen Respekt dieses Stammes gegenüber Hunden erklärt. So lebten die Hunde bei ihnen gleich ihren Kindern.

Arktische Hunde
Aber nicht in allen Indianerkulturen waren Hunde gleichermaßen vorhanden und dort, wo es Hunde gab, wurden sie oft für sehr unterschiedliche Zwecke benutzt. Die Stämme der Eskimos, Inuit, Aleut und Iglulik, bewohnten den nördlichen Teil des amerikanischen Kontinents, nachdem sie aus Asien eingewandert waren. Alle vier Stämme waren Jäger, deren Lebensweise durch das sehr harte arktische Klima bestimmt wurde. Die ersten Hunde dieser nördlichen Stämme waren große Tiere, mit einem sehr dichten und langen Fell. Ihre Ruten waren aufwärts gerichtet und sie ähnelten dem Aussehen von Wölfen. Sicherlich sind sie die Ahnen der heutigen sog. nordischen Hunderassen.

Menschlicher Leithund
Der Stamm der Iglulik bildete seine Hunde für die Jagd auf Moschusochsen aus und verwendete sie auch für das Aufspüren der Atemlöcher der Seehunde in der sonst durchgehenden Eisdecke. Nachdem ein Seehund gefangen war, wurde das Fleisch mit Hilfe des Hundes ins Camp gebracht. Die Methode des damaligen Transportes im Schlittengespann ist sehr interessant. Es gab nämlich keinen Leithund („leading dog“), sondern ein neben dem Schlitten laufender Mensch erfüllte diese Funktion. Die Begegnung der Gespanne mit Wölfen oder Eisbären war gar nicht so selten und so waren die Ledergeschirre für die Hunde so angefertigt, daß man die Hunde in Sekundenschnelle davon befreien konnte.
Bei den Karibu-Eskimos gab es hingegen – verglichen mit anderen ethnischen Gruppen des Nordens – relativ wenige Hunde. Sie jagten nämlich keine großen Meeressäugetiere, sondern folgten den Herden der Karibus. Wer aber keine Hunde hatte, mußte selbst den Schlitten mit seinen Habseligkeiten ziehen. So wurden Hunde auch bei diesem Stamm sehr geachtet und erhielten menschliche Namen. Im Winter wurden sie jeden zweiten Tag gefüttert, im Sommer hingegen mußten sich die Hunde ihre Nahrung selbst erjagen.
Die Hunde des Stammes der Eskimos von Nordalaska lebten ständig im Freien und durften niemals in die menschlichen Behausungen, auch nicht in den kältesten Wintern. Sie wurden einmal täglich mit Walrossfleisch gefüttert, daß die Eskimos selbst nicht aßen. Bei erfolgreichen Ergebnissen im Fischen, bekam ein Hund auch schon einmal einen Fisch ab.

Sechster Sinn
Die Hare-Indianer lebten zwar weiter südlich, hatten aber ebenfalls nordische Hunderassen, wenngleich diese sehr viel kleiner waren. Der Stamm der Hare betrachtete Hunde wegen ihrer großen Nasenleistung als ihren sechsten Sinn. Jede Familie konnte gerade einen Hund mitfüttern; so tötete man oft die weiblichen Welpen, da nicht mehr Hunde durchgefüttert werden konnten. Verglichen mit Rüden erhielten auch erwachsene Hündinnen weniger Futter, Aufmerksamkeit und Zuneigung. Die Kinder der Hare-Indianer wuchsen stets in Gemeinschaft mit Hunden auf.
Eine Legende des Haida-Stammes (im heutigen Kanada) spricht von der Rettung einer jungen Frau aus den Fängen eines Bäres durch einen mutigen Hund und seinen jungen Herrn.

20 Hunde pro Familie
Die Bedeutung der Hunde in den Great Plaines, dem zentralen Teil der heutigen USA, war wiederum völlig anders. Die Lebensgrundlage der dort lebenden Indianerstämme war die Jagd auf den Buffalo. Zumindest ein Teil der Hunde wurde auf diese Jagden mitgenommen. Die Stämme waren immer unterwegs und folgten der Wanderung der Buffaloherden. So wurden Hunde auch für den Transport von Zelten benutzt. Die durchschnittliche Indianerfamilie besaß etwa 20 Hunde und wegen dieser großen Zahl war es wahrscheinlich nicht üblich, daß man den Hunden Namen gab. Soviele Hunde zu füttern, war damals kein Problem, da es große Buffaloherden und somit reichlich Fleisch gab.
Die Situation änderte sich jedoch dramatisch im 17. Jahrhundert, als Wildpferde die Territorien dieser Indianerstämme erreichten. Diese Mustangs waren direkte Nachkommen der Pferde, die im 16. Jahrhundert von den Spaniern in die Region des heutigen Florida gebracht wurden. Die Zähmung dieser wilden Pferde und ihre Verwendung für die Jagd schränkten die Bedeutung von Hunden zunehmend ein. Schließlich verwendete man sie nur noch für die Bewachung der Camps. Nur der ebenfalls in dieser Region lebende Stamm der Poncas bildete Hunde noch für die Jagd auf Biber und Bisamratten aus.

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Prähistorische canide Säugetiere

Über Hunde im vorzivilisatorischen Amerika gibt es keinerlei schriftliche Aufzeichnungen. Unsere Kenntnisse stammen daher nur aus archäologischen Funden. Diese belegen, daß es auf dem amerikanischen Kontinent Säugetiere aus der Gruppe der Caniden schon zu einer Zeit gegeben hat, als noch keine Menschen in dieser Region lebten. Das älteste dieser caniden Säugetiere war „Daphoenodon“, das vor 20 Millionen Jahren gelebt haben soll. Sehr viel später traten „Osteoborus“ und „Hemicyon“ auf, die aber alle wieder ausstarben, bevor der Mensch den amerikanischen Kontinent betrat. Dies soll – nach Angaben der Wissenschafter – zwischen 70.000 und 10.000 v. Chr. der Fall gewesen sein, mit dem Hauptteil der Besiedelung etwa um 30.000 v. Chr.

Aus asiatischen Wölfen domestiziert
Die Beringstraße, die Amerika und heutiges Asien voneinander trennt, war damals teilweise Tundra, die das heutige Westsibirien und Alaska miteinander verbunden hat. Die aus Asien einwandernden Menschen waren nomadische Jägerstämme, die es bereits verstanden Feuer zu entfachen, einfache Werkzeuge herzustellen und Hütten aus Holz zu errichten. Diese Menschen brachten Hunde mit sich und man glaubt, daß dies damals die einzigen Haustiere gewesen seien. Diese Hunde seien aus asiatischen Wölfen domestiziert worden. Diese Theorie gründet auf der Ähnlichkeit der äußeren Morphologie von asiatischen Wölfen und ursprünglichen nordamerikanischen Hundeschlägen.

Vorfahren der Eskimohunde
Einige Wissenschafter vertreten die Theorie, daß Dingos die Ahnen der Hunde auf dem amerikanischen Kontinent seien. Während dies vom Standpunkt des äußeren Erscheinungsbildes nicht unmöglich sein könnte, spricht jedoch einiges dagegen. Im Allgemeinen beziehen wir Dingos auf Australien, wo sie etwa um 3.000 v. Chr., aus Asien kommend, aufgetreten sind. Theoretisch hätten die Dingos erst um 2800 v. Chr. nach Amerika gebracht werden können, die Ausgrabungen bei Fairbanks, Alaska, beweisen jedoch, daß bereits 8000 v. Chr. gleichzeitig menschliche Steinwerkzeuge und wolfsähnliche Schädelskelette vorhanden waren. Diese Schädel zeigen einen relativ kurzen Fang, weshalb manche Forscher diese Hunde als Ahnen der Eskimohunde betrachten.
Drei Skelette, die man in der Gegend des Illinois-River gefunden hat, belegen eine enge Beziehung zwischen Menschen und Hunden im Amerika des Paleozoikums. Ab diesem Zeitraum kennt man Hunde in fast allen Indianerstämmen.

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Hunde bei den Azteken
In den Legenden und Mythen aus Lateinamerika finden sich kaum Hinweise auf Wölfe oder Hunde. Bei den Azteken gibt es die Erzählung einer großen Überschwemmung, die das gesamte Volk ausgerottet hat, mit Ausnahme eines Mannes und einer Frau. Die Legende erzählt, daß der Versuch dieser beiden Überlebenden, Feuer zu machen, Gott Tezcatlpoca sehr erzürnte. Um zu verhindern, daß sein Himmel vom Rauch der feuermachenden Menschen bewölkt würde, verwandelte er die beiden in Hunde. Und so finden sich in weiterer Folge häufig Hunde in Abbildern der Götter Zentralmexikos. Diese Präsenz von Caniden in ihrer Religion war wahrscheinlich die Ursache, daß die Azteken Hunde sehr gut behandelt haben.

Hunde der Mayas
Auch in den Legenden der Mayas haben Hunde einen entscheidenden Anteil. Eine seltsame Geschichte lautet so: Die zwei Ahnen des Stammes, Hunahpu und Xhalanque töteten zwei Hunde, um sie dem Gott des Todes als Opfer darzubringen. Später erweckten sie die Hunde wieder zum Leben, wodurch die Hunde glücklicher als vor dieser Opferung gewesen sein sollen. Da wollte der Gott des Todes von Hunahpu und Xhalanque, daß sie sich selbst opfern sollten. Aber anstatt sich selbst, töteten sie den Gott des Todes und erweckten ihn nachher nicht mehr zum Leben, sodaß nun das Hindernis für ihre Vermehrung beseitigt war und sich der Maya-Stamm entwickeln konnte.

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