Die Bedeutung der Hunde in der Evolution des Menschen

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Die Vermutung, dass Hunde den Aufstieg des Menschen in der Evolution zum „Weltbeherrscher“ ­wahrscheinlich verursacht, zumindest aber begünstigt haben, äußerten die Forscher Carlos A. Driscoll und David W. Mcdonald kürzlich im Journal of Biology.

Menschen sind biologisch Primaten, die sich für das Leben in Steppen und Savannen und durch eine soziale sowie auch räuberische Lebensweise spezialisierten. Dabei entstand ihre aufrechte Haltung und die Verlängerung der unteren Gliedmaßen, also der Beine. So konnten die Menschen Pflanzenfresser in Gruppen verfolgen, diese so ermüden und erlegen. Dadurch wurden sie zu den ausdauerndsten Jägern im Tierreich, die neben den Löwen, Afrikanischen Wildhunden (die man besser mit der ursprünglichen Bezeichnung „Hyänenhunde“ be­nennen sollte) und wenigen anderen in Gemeinschaft jagen. Dabei wurden sie auch für maximale geistige Leistungen selektiert, und das machte sie für die „Weltherrschaft“ fähig.

Haushunde  
Alle Hunde stammen vom Wolf ab, und sie waren auch die allerersten domestizierten Haustiere. Anscheinend gab es bereits die ersten domestizierten Wölfe vor 33.000 Jahren, doch die sind offenbar in der letzten Eiszeitperiode verschwunden. Demnach entstanden die ersten ­Haushunde der Neuzeit vor etwa 12-15.000 Jahren, was mit dem Beginn der Sesshaftwerdung des Menschen nach seiner Jäger- und Sammlerperiode zusammenfällt. Das bedeutet jedoch, dass es anscheinend dazu erst der Hilfe durch die Anwesenheit des Hundes bedurfte, um die nunmehr entstehenden ständigen Niederlassungen mit den dadurch erstmals sich ansammelnden Gütern und dort sesshaft wohnenden Menschen vor Raubtieren und mensch­lichen Feinden zu schützen.

Die Voraussetzung war jedoch, dass die domestizierten Wölfe bestimmte neue Eigenschaften entwickelten, vor allem das spezielle Warn- und Schutzverhalten des Haushundes. Wölfe dagegen warnen ja ihre Rudelangehörigen und ihre Jungen nur durch kurzes Blaffen, um nicht etwa Bären auf ihre Jungen in den Höhlen aufmerksam zu machen. Die Hunde jedoch als domestizierte Wölfe mussten dieses Verhalten wesentlich ändern. Denn nun sollten sie ihre Menschen wirkungsvoll alarmieren, dies auch beim Schlaf in der Nacht in Höhlen oder in den ersten Hütten. Eine solche Alarmierung erfolgte durch andauerndes Bellen, was wiederum in heutiger Zeit nun auch uns Menschen öfter stört.

Steinzeitliche „Alarmanlage“
Erst damit war der domestizierte Wolf zu einer sehr wirkungsvollen „Steinzeit-Alarmanlage“ als Schutz vor Raubtieren wie auch vor menschlichen Feinden und Dieben geworden. Zugleich aber war dies auch eine wichtige Voraussetzung für die Möglichkeit, auch für den Menschen nutzbringende Wildtiere zu domestizieren und diese nun wirksam schützen zu können. In letzter Konsequenz war nun der Mensch erst mit Hilfe des Hundes auch in der Lage, Acker­früchte anzubauen, zu schützen und aufzubewahren. Und die nunmehr domestizierten Nutztiere, zunächst Schafe und Ziegen, später auch Schweine, Rinder und schließlich Pferde, verbesserten wesentlich die Versorgung mit Lebensmitteln. Beim Schutz und der Überwachung der neuen Niederlassungen waren die Hunde ebenfalls eine unerlässliche ­Hilfe. Ja, sie waren Helfer für fast alles, Transporte, Warnung vor und Verteidigung gegen Gefahren, Hilfe bei der Jagd, Schutz vor Raubtieren und Überfällen etc.

Das machte es den Menschen nun erstmals möglich, Reichtümer anzusammeln und zu bewahren. Hunde machten ihr Leben sicherer, man konnte nun die Verfügbarkeit von Lebensmitteln durch den Anbau von Ackerfrüchten und die Zucht von Haustieren vermehrt ausgestalten und erhalten. Aber auch die Jagd auf Wildtiere konnte durch die Hilfe der Hunde gleichfalls weit erfolgreicher durchgeführt werden.

Als es später im Nahen Osten gelang, kleine Hunde zu züchten, wurde dadurch auch der Schutz vor Schädlingen wie Ratten und Mäusen und die Bejagung von Dachsen, Füchsen und Kaninchen wesentlich verbessert. Auch die Kurzbeinigkeit der Dachshunde des Mittelalters war dabei ein Fortschritt.

Ganz wesentlich wurde die Hundehaltung auch durch den Umstand erleichtert, dass Hunde u.U. nur mit Getreide­produkten ernährt werden können, wenngleich auch Fleisch ­weiterhin eine wesentliche und oft unerlässliche Nahrung für sie geblieben ist. Somit konnte der Hund, obwohl grundsätzlich ein Fleischfresser, sich leicht an die neuen Verhältnisse durch den nun Ackerbau treibenden Menschen anpassen (s. auch Hans Mosser, „Die gemeinsame Evolution von Mensch und Hund – auch beim Futter“, in WUFF 6/2013). So entstanden mit der Zeit Hunderassen in allen Größen, von großen kräftigen Doggen bis zu den kleinsten Schoßhunden. Eine derartige Varianz gibt es bei keinem anderen Haustier.

Weltbeherrschung mit und durch den Hund
Wir sehen also, dass der Hund auch das einzige Haustier geblieben ist, das dem Menschen überall hin ­folgen konnte, von der Arktis bis in die Urwälder der Tropen, und überall hat er so als einziges Säugetier die Weltherrschaft des Menschen ermöglicht und unterstützt. Spezielle Hunderassen haben heute besondere Eigenschaften für die vielseitigsten Bedürfnisse des Menschen, wie etwa die Jagd, den Polizeidienst, aber auch für Blinde und Menschen mit ­anderen Behinderungen, um nur einige zu nennen. Abschließend sei aber auch darauf hingewiesen, dass durch Fehler bei der Hundezucht diesen unseren Bedürfnissen leider nicht selten auch geschadet wird.

LITERATUR

■  Driscoll C A, Macdonald D W (2010) Germonpré M et al (2009) Fossil dogs and wolves from Palaolithic sites in Belgium, the Ukraine und Russia ­osteomety and ancient DNS and stable ­isotopes, J. of Archeologigal ­Science 36:473-490

■  Pang et al, mTDNA Data ­indicate a Single Origin of Dogs South of Yangtze River, Less Than16,300 Years Ago, from Numerous Wolves, Mol. Biol. And Ev., p. 2849-2854

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