Hunde lernen immer!

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Die operante Konditionierung
Eine der wichtigsten Arten zu lernen ist das Lernen durch Versuch und Irrtum (Trial and Error), auch als instrumentelle oder operante Konditionierung bekannt. Belohnen wir z. B ein Verhalten des Hundes mit einem Spiel, Leckerchen oder Aufmerksamkeit, so bewirken wir damit, dass dieses Verhalten zukünftig häufiger gezeigt wird. Erhält der Hund beispielsweise auf den täglichen Spaziergängen eine Bestätigung/Belohnung für jeden Blickkontakt, den er uns unaufgefordert schenkt, so wird der Hund dieses Verhalten immer öfter zeigen.
Der Hund unterscheidet dabei jedoch nicht, ob es sich um ein vom Menschen unerwünschtes oder erwünschtes Verhalten handelt. Das unbeabsichtigte Belohnen unerwünschter Verhaltensweisen hat daher folgenschwere Auswirkungen. Das einmal so Gelernte ist nur sehr schwer rückgängig zu machen. Beispielhaft sei an dieser Stelle das Beruhigen eines ängstlichen Hundes bei Gewitter genannt. Der Hund fühlt sein Verhalten durch die Streicheleinheiten des Menschen bestätigt. In der Folge werden sich die Angstzustände des Hundes verstärken.

Die klassische Konditionierung
Bei der klassischen Konditionierung wird ein ursprünglich auslösender Reiz durch einen ursprünglich neutralen Reiz ersetzt. Beispielhaft sei hier das Futterexperiment von Pawlow genannt. Der Hund, der bei Wahrnehmung seines Futters zu speicheln begann, bekam jeweils kurz vor der Fütterung einen Glockenton zu hören. Nach entsprechenden Wiederholungen reichte bereits der Glockenton allein aus, den Hund – auch ohne Wahrnehmung von Futter – zum Speicheln zu bringen. Der Hund verknüpft also stets gleichzeitig Erlebtes miteinander und speichert dieses „Gesamt-Erlebnis" ab. Da der Hund in der Gegenwart lebt und sich weder an die Vergangenheit erinnert noch in die Zukunft blickt, ist hierbei das „Timing" von großer Bedeutung.
Für die Belohnung des Hundes gilt: Möchte ich meinen Hund für richtiges Verhalten belohnen, so sollte die Belohnung möglichst zeitgleich mit dem gezeigten Verhalten erfolgen, spätestens jedoch bis 2 Sekunden danach. Andernfalls verknüpft der Hund die Belohnung bereits wieder mit dem nächsten Verhalten. Die Belohnung für schnelles Herankommen muss augenblicklich erfolgen und nicht erst, wenn sich der Hund z.B. hinlegt um auszuruhen. Eine dann erst erfolgte Belohnung verknüpft der Hund mit dem Liegen.

Konsequenzen / Der „Teufelskreis"
Das Wissen um diese Erkenntnis lässt uns aber auch die Konsequenzen erkennen, die sich als Folge häufigen Bestrafens des z.B. nach einer unerwünschten Jagd zum Halter zurückkehrenden Hundes ergeben: Der Hund verknüpft die Bestrafung grundsätzlich mit dem Zurückkommen zum Halter, niemals jedoch mit dem in der Vergangenheit liegenden unerwünschten Jagdverhalten. Die Folge ist, dass der herangerufene Hund aus Angst vor erneuter Strafe nicht mehr zuverlässig zum Halter zurück kommt. Der „Teufelskreis" beginnt.

Das „Hundeplatzsyndrom"
Viele Halter meinen, die umgehend belohnte erwünschte Verhaltensweise des Hundes müsse nach einigen Wiederholungen für alle Zeiten zuverlässig gelernt sein. Weit gefehlt. Auch hier gilt wieder die Regel, dass der Hund stets gleichzeitig Erlebtes miteinander verknüpft. Am eindrucksvollsten lässt sich das am „Hundeplatzsyndrom" erläutern. Woche für Woche wird mit dem Hund auf dem Hundeplatz trainiert. Das erwünschte Verhalten zeigt er dort zuverlässig, denn es wurde dort zig mal wiederholt und belohnt. In anderer Umgebung jedoch gehorcht der Hund nur sehr zögerlich und unzuverlässig.

Variable Umgebung
Der Hund hat gelernt, dass die Umgebung „Hundeplatz" fest zum Bestandteil der jeweiligen Übung gehört. Soll der Hund die Übung dann in anderer Umgebung zeigen, so ist er verunsichert, weil sich die Variable „Umgebung" auf einmal geändert hat. Es ergibt sich daraus unweigerlich die Konsequenz, dass ein Verhalten, welches der Hund zuverlässig und unter verschiedenen Bedingungen zeigen soll, auch unter variierenden Bedingungen geübt werden muss.
Die zu einer Übung gehörenden „Variablen" sind u.a.:
1. Umgebung
2. Der Grad der Ablenkung
3. Die Dauer des gezeigten Verhaltens
4. Die Entfernung des Hundes zum Halter.

Keine Überforderung!
Man kann immer wieder Halter beobachten, die bereits nach einigen Wiederholungen in reizarmer Umgebung von Ihrem Hund erwarten, dass er das geübte Kommando – z.B. in Gegenwart fremder Hunde – bereits zuverlässig über einen längeren Zeitraum ausführt und Herrchen/Frauchen sich zudem noch einige Meter entfernen kann.
Auch hier gilt, dass immer nur eine Variable verändert werden darf. Entweder ist das die Umgebung, die Ablenkung, die Dauer des Verhaltens, die Entfernung zum Hund, die Ausführung des Kommandos aus der Bewegung usw. Die gleichzeitige Veränderung mehrerer Variablen führt zur Verunsicherung des Hundes und wirkt sich kontraproduktiv auf das Lernverhalten aus.
Es ist daher sinnvoll, einen Trainingsplan für den Hund zu erstellen, wobei Sie die Trainingsvariablen gezielt verändern können. Mit den unterschiedlichsten Bedingungen regelmäßig konfrontiert, steigt die Geschwindigkeit, mit der Neues erlernt wird, überproportional an. Übung macht den Meister!

Lernen durch Imitation: Schlechte Beispiele verderben gute Sitten
Immer, wenn Sie mit mehreren Hunden unterwegs sind, neigen unsere Vierbeiner dazu, insbesondere die jüngeren, sich den Aktivitäten der anderen anzuschließen und sich deren Verhaltensweisen – leider meist die schlechten! – abzuschauen und anzueignen. Gehen Sie beispielsweise neuerdings mit einer Gruppe spazieren, in der sich ein Hund dadurch hervor tut, dass er eine Fährte als erster riecht und dann auf und davon ist, wird sich Ihr sonst so zuverlässiger Vierbeiner in der Regel davon anstecken lassen und mit der Zeit ebenfalls eine Karriere als „Fährtenprofi" machen. Meist erlernt der Hund die schlechten Angewohnheiten anderer schleichend und ohne dass der Halter den jeweiligen Situationen eine größere Bedeutung beimisst. Das Erwachen kommt oft erst, wenn sich das schlechte Verhalten bereits sehr weit gefestigt hat und dann nur durch größere Anstrengungen wieder abgewöhnt werden kann. Auf die gleiche Art und Weise übertragen sich aber auch die positiven Verhaltensweisen der großen Vorbilder. Sie sollten sich dessen ständig bewusst sein und das Verhalten Ihres Hundes immer genau beobachten, damit Sie umgehend eingreifen können.

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