Hundeberufe: Der Warnhund

0
1987

Alarmanlage auf vier Pfoten

Um einen Hund zum Warnhund ausbilden zu können, sollte er schon im Welpenalter bestimmte Verhaltensweisen zeigen, z.B. Reaktionen auf verändertes Verhalten oder eine ungewöhnliche Körperhaltung des Menschen. Der Warnhund muss den Diabetes-Patienten im Idealfall schon VOR der einsetzenden Unter- oder Überzuckerung warnen und nicht erst
aufgrund eines ­Kommandos agieren, wie z.B. Drogenspürhunde, die in einer klassischen
Ausbildung auf einen bestimmten Geruch konditioniert werden. Warnhunde müssen eine besonders enge und innige Beziehung zu ihrem Menschen aufbauen. So einen Hund zu finden ist eine Kunst.

Wie findet man einen Warnhund?
Warnhunde werden in Deutschland erst seit gut 10 Jahren eingesetzt, in den USA, Australien, Schweden, in den Niederlanden und in Großbritannien seit gut 15 Jahren. Wie erwähnt, ist es schwierig einen Hund, der dieses Talent hat, den Patienten vor einem epileptischen Anfall oder vor der Unter- bzw. Überzuckerung zu warnen, zu finden. Im Gegensatz zum Anzeigehund, der erst dann Hilfe holt, wenn der Anfall schon eingetreten ist, agiert der Warnhund schon Minuten VOR dem Anfall. Zum Anzeigehund können bei Eignung viele Hunde ausgebildet werden, da diese auf das bereits eingetretene veränderte Verhalten ihres Menschen reagieren. Das Talent zum Warnhund, also eine Aktion zu zeigen, BEVOR der Notfall eintritt, muss der Hund jedoch von Geburt an haben.

Auf der Suche nach einem Warnhund müssen im Vorfeld sehr viele Welpen von fachlich kompetenten Trainern beobachtet werden. Im Alter von wenigen Wochen beginnen talentierte Welpen von allein, Menschen auf Veränderungen aufmerksam zu machen. Dabei ist es vorerst nicht so wichtig, um welche Veränderungen es sich handelt. Dies kann auch erst mal nur eine eigenartige Körperhaltung oder ein ungewöhnliches Verhalten des Menschen sein. Der Welpe sollte von alleine mit Anstupsen und/oder enger Kontaktaufnahme darauf reagieren.

Welche Rassen sind geeignet?
Eine konkrete, rassespezifische Eignung kann hier schwer angegeben werden, da die Eignung zur Ausbildung enorm vom Grundwesen und Charakter des Hundes abhängig ist. Wie erwähnt, muss der Hund von alleine agieren und nicht erst nach Aufforderung reagieren. Bevorzugt werden mittelgroße bis große Rassen, wie Labrador und Golden Retriever, die auch am häufigsten in diesem Bereich ausgebildet werden. Geeignet sind, bei genügend Talent, alle Rassen, die nicht wesentlich kleiner als 50 cm Schulterhöhe sind, da der Warnhund z.B. Medikamente/Notfalltäschchen apportieren muss, auch wenn diese erhöht auf einem Regal liegen. Epilepsiewarnhunde ­müssen zusätzlich in der Lage sein, den Halter körperlich zu unterstützen, z.B. ihn vor einem Sturz bewahren. Weiter sollte der Hund Hilfe holen und/oder ein Notfalltelefon bedienen können. Kleine Rassen sind dafür weniger geeignet, wobei es natürlich auch hier Ausnahmen gibt.

Abgeraten wird in der Regel von Rassen mit ausgeprägtem Wach- oder Schutztrieb. Braucht der Patient schnell die Hilfe von Fremdpersonen, kann ein zu hoher Schutztrieb des Hundes die Helfer behindern.

Einführung in die Arbeit als Warnhund
Nun habe auch ich sehr lange gedacht, dass der Warnhund einen anderen „Körpergeruch“, im Sinn von „anders riechen“, anzeigt. Dem ist jedoch nicht so. Der Warnhund reagiert auf die sinkende Sauerstoffsättigung des Blutes, die bei den Patienten eine für den Hund auffällige andere Atemfrequenz auslöst. Ein Diabeteswarnhund kann also auch als Epilepsiewarnhund und umgekehrt oder für beides eingesetzt werden. Anders als bei der Ausbildung klassisch auf Geruch konditionierter Hunde wird bei einem Warnhund das angeborene Verhalten verfeinert, konzentriert und gefestigt. Das A und O in der Ausbildung bildet ein enger Bindungsaufbau zum Halter. Der Hund muss selbstbewusst und nervenstark sein, um seine Arbeit auch dann zu leisten, wenn der Halter durch einen Anfall oder Ohnmacht ausfällt.

Bereits am Anfang der Ausbildung muss festgelegt werden, WIE der Hund warnt. Soll der Hund ausdauernd bellen, Pfoten auflegen oder mit der Nase stupsen, engen Körperkontakt aufnehmen oder den Halter einfach nur hartnäckig „anstarren“. Bei Kindern bevorzugt man gerne das Hinlegen, den beharrlichen Blickkontakt oder so schnell wie möglich eine Hilfsperson zu holen.

In der gängigen Unterordnungsarbeit sollte vom Warnhund, genau wie bei Assistenzhunden, nicht absoluter Gehorsam verlangt werden. Diese Hunde müssen selbständige Entscheidungen treffen, dürfen sich bei einem Notfall nicht durch gegebene Befehle beeinflussen, behindern oder wegschicken lassen und müssen sogenannte „intelligente Kommandoverweigerung“ zeigen. Natürlich braucht auch ein Warnhund eine gute, solide Grunderziehung, die sich jedoch auf die Grundkommandos beschränken sollte.

In Deutschland sind die Ausbildungskriterien und Prüfungsinhalte nicht einheitlich geregelt. Die Kosten von ca. 5.000–10.000 Euro werden von der Krankenkasse nicht übernommen.

Der Diabetikerwarnhund
Die Ausbildung, sprich, das Verfestigen des angeborenen Warntalentes, nimmt im Durchschnitt etwa +/- 18 Monate in Anspruch. In der Regel wird der Welpe direkt bei „seinem“ Patienten ausgebildet, so kann auf individuelle Bedürfnisse am besten Rücksicht genommen werden. Es kann jedoch auch ein bereits vorhandener Hund, der diese Begabung zeigt, weiter ausgebildet werden. Die wichtigsten Fähigkeiten und Aufgaben des Diabetikerwarnhundes:
• Enge Beziehung zu seinem Menschen, gepaart mit außerordentlicher Beobachtungsgabe.
• Beharrliches Warnen (je nach Bedarf Bellen, Anstupsen, Pföteln usw.)
• Der Hund darf sich nicht wegschicken lassen.
• Apportieren des Blutzuckermessgerätes, einer Notfalltasche und/oder der Medikamente.
• Bei Unterzuckerung Bringen von Kohlehydraten in Form von Säften oder Traubenzucker.
• Falls doch eine Bewusstlosigkeit auftritt, lernt der Hund über ein Notfalltelefon Hilfe zu holen.
• Der Hund muss im Falle einer Bewusstlosigkeit nach dem Notruf eng bei seinem Halter bleiben.
Anmerkung: Ein Notfalltelefon ist ein Telefonapparat mit einer Extra-Taste mit eingespeicherter Notrufnummer. Der Hund lernt diese Taste mit der Pfote oder der Nase zu betätigen.

Der Epilepsiewarnhund
Die Ausbildung gleicht der zum Diabetikerwarnhund in Anspruch und Dauer. Epilepsiewarnhunde haben es leichter mit dem Warnen, da sich beim Epileptiker nicht nur die Sauerstoffsättigung im Blut verändert, sondern auch die Körperhaltung und die Muskelbewegungen. Zusätzlich zu den schon oben angeführten Aufgaben sollte der Epilepsiehund auch das können:
• Ein Telefon oder Handy bringen
• Den Halter im Straßenverkehr sichern, ggf. stützen und z.B. durch körperlichen Einsatz davon abhalten, vor einem drohenden Anfall Treppen zu steigen
• Kommandoverweigerung: Der Hund darf sich nicht durch Kommandos oder körperliche Einwirkung des Halters hindern oder wegschicken lassen.

Alltag mit dem haarigen Helfer
Der Alltag kann sich für Patienten mit einer chronischen Erkrankung umständlich und schwierig gestalten. Einfach mal shoppen gehen, in einem Café sitzen oder abends unbeschwert weggehen, erscheint für gesunde Menschen völlig normal. Mit einem Warnhund können auch chronisch kranke Menschen ein fast völlig normales Leben führen. Sie müssen nicht ständig über ihre Krankheit nachdenken. Erstaunlicherweise warnen Hunde auch dann zuverlässig, wenn rundherum viele andere Eindrücke auf sie einwirken.

Ein Warnhund ermöglicht vor allem Epileptikern ein weitgehend selbständiges Leben zu führen, einen eigenen Haushalt zu führen und sich so viele Freiheiten zu erhalten. Auch die Nächte gestalten sich entspannter, da die Hunde ihre Halter auch während des Schlafes immer im Auge behalten. Sie wecken ihre Menschen im Notfall durch Bellen auf und/oder sogar, indem sie sich auf den Halter legen.

Ähnlich wie beim Signalhund für gehörlose Menschen ist die Freizeit eines Warnhundes spärlich. Der Hund muss seinen Halter immer in „Auge und Nase“ haben und darf möglichst nicht von der Seite des Halters weichen.

Der Warnhund in Rente
Es kommt auf die persönlichen Umstände und das Umfeld des Patienten an. Ist der Halter des Warnhundes mehrfach eingeschränkt, kann vom Ausbilder für den Hund ein neues Zuhause gesucht werden. Kann die Versorgung des Hundes in der Familie des Patienten gewährleistet werden, könnte der Hund selbstverständlich auch dort verbleiben.

Zum Helfer geboren
Ein paar dieser fantastischen Hunde konnte ich während der Ausbildung und bei ihrer Arbeit beobachten. Es war eine „Gänsehaut-Erfahrung“ zu sehen, mit welcher Leidenschaft diese Hunde ihren Menschen von sich aus helfen wollten. „Mein Leben hat sich sehr zum Positiven verändert. Ich gehe nun wieder optimistischer an jeden Tag heran,“ hat mir eine Betroffene erzählt und „Irgendwie kann ich die Hilfe eines Hundes leichter ­annehmen und akzeptieren als die eines Menschen – vielleicht, weil der Hund keine Ansprüche stellt und nichts von
mir erwartet.

Berufsbild Warnhund

Welche Rassen sind für diese Ausbildung geeignet?
• Alle Rassen, die nicht kleiner als 50 cm Schulterhöhe sind.
• Rassen mit sehr hohem Wach- und Schutztrieb sollten gut getestet werden, ob sie „Fremdhilfe“ beim Halter zulassen würden.

Welche Voraussetzungen sollte der Hund mitbringen, um diesen Beruf auszuüben?
• Nervenstärke, Selbstbewusstsein, körperliche Kraft, intelligente Kommandoverweigerung, außerordentliche Beobachtungsgabe und den Willen zu einer sehr engen Bindung an den Halter.

Wie lange dauert die Ausbildung?
• Ca. 18 Monate, in der Regel direkt beim zukünftigen Halter.

Welche Ausbildung muss der Hund absolvieren?
• Auswahl des geeigneten Welpen/Hundes von einem kompetenten Ausbilder.
• Ausbildung im Grundgehorsam.
• Beharrliches Warnen, Kommandoverweigerung, der Hund darf sich nicht wegschicken lassen.
• Apportieren (Blutzuckermessgerät, Notfalltasche und/oder Medikamente).
• Bringen von Kohlehydraten in Form von Säften oder Traubenzucker.
• Über ein Notfalltelefon Hilfe holen.
• Bei Bewusstlosigkeit des Halters nach dem Notruf eng beim Halter bleiben.
• Den Halter körperlich unterstützen (vom Treppensteigen abhalten oder stützen).

Wie viel kostet diese Ausbildung?
• Ein fertig ausgebildeter Warnhund kostet ca. 5.000 – 10.000 Euro.

Wie lange kann der Hund diesen Beruf ausüben?
• Abhängig von der körperlichen Gesundheit des Hundes. Lässt der Geruchs- und/oder Sehsinn nach, muss der Hund aus der Arbeit genommen werden.

Wie sieht die Rente des Hundes aus?
• Es kommt auf die persönlichen Umstände des Halters an. Ist der chronisch Kranke und/oder seine Familie in der Lage, sich um mehrere Hunde zu kümmern, kann der Hund im Haushalt bleiben.

Pdf zu diesem Artikel: hundeberufe_warnhunde

 

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT