Hundemassaker in Bukarest

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Lange vor der politischen Wende in Rumänien wurden sehr viele Staatsbürger aus ihren kleinen Häuschen in der ländlichen Umgebung der Hauptstadt Bukarest in die neu erbauten riesigen Wohnsilos, meist vielstöckige Plattenbauten, zwangsübersiedelt. Die Haustiere durften zwar mitgenommen werden, aber die Besitzer mussten sehr hohe Abgaben für ihre Vierbeiner berappen. Aufgrund ihrer Armut waren viele gezwungen, ihre Hunde auf die Straße zu setzen. Dort wurden sie von ihren ehemaligen Haltern weiterhin versorgt. Denn den Tieren Futter zu geben und auf ihr Wohlergehen zu achten, war für die Menschen selbstverständlich. Durch die gute Versorgung der Hunde kam es in der Folge natürlich zu deren überdurchschnittlicher Vermehrung.

Problem Hundevermehrung
Nach der rumänischen Revolution des Jahres 1989 hat sich an der Situation der Straßenhunde nur wenig geändert. Verzweifelt haben die verantwortlichen Behörden und Politiker Anfang der 90-er Jahre versucht, die Hundepopulation zu verringern. In grausamen Aktionen wurden immer wieder Tiere brutal getötet. Das Problem konnte allerdings nie gelöst werden. Im Gegenteil, die Hundevermehrung ging weiter. 1994 waren erstmals Tierschützer aus Österreich und Deutschland vor Ort, um sich mit diesem Phänomen auseinander zu setzen. Es wurden Tiere eingefangen, kastriert, gesund gepflegt und wieder an ihre angestammten Plätze zurück gebracht. Die Bemühungen wurden anfänglich belächelt. Der unermüdliche Einsatz der Tierschutzorganisationen wurde aber belohnt. 1997 verfügte der damalige Oberbürgermeister ein Tötungsverbot der Straßenhunde.
Er unterzeichnete mit der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN einen Vertrag für ein gemeinsames Kastrationsprogramm.
In den Folgejahren wurden Zehntausende Tiere kastriert. Leider konnten aber die 40.000 geplanten Kastrationen pro Jahr nicht erreicht werden. Dafür gab es zwei Gründe: Erstens haben einige Tierschutzorganisationen ihre zugesagte Hilfe nicht geleistet, und zweitens – und noch wichtiger – die Mitarbeiter der Stadt Bukarest konnten nie die notwendige Anzahl an Hunden einfangen. Und das, obwohl modernstes Fangmaterial zur Verfügung gestellt wurde und auch intensive Schulungen der Hundefänger angeboten wurden.
Im Dezember 1999 wurde ein von VIER PFOTEN umgebauter Operationsbus vor Ort gemeinsam mit der Fondation Brigitte Bardot vorgestellt und in Betrieb genommen. Diese fahrende Einrichtung sollte an öffentlichen Plätzen die Möglichkeit der Kastration an Hunden anbieten.

Anderer politischer Wind
Im Sommer 2000 wurde in Bukarest ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Herr Traian Basescu gewann die Wahl und versicherte, das Kastrationsprogramm weiterführen zu wollen. Die Umbesetzung im Rathaus führte auch zu einem Personalwechsel im Bereich des Veterinärdienstes. Diese Behörde ist verantwortlich für die Abwicklung des Streunerhundeprojekts.
Im Herbst 2000 schlug die Meinung des Oberbürgermeisters ins Gegenteil um, und er proklamierte die Tötung der Hunde als einfachste Lösung des Problems. Die Reaktionen aus der Bevölkerung folgten auf den Fuß. Empörung und die Aufforderung an Basescu, das Problem human zu lösen, folgten. In mehreren Gesprächen von Tierschützern mit Basescu konnte im Februar 2001 eine Fortführung des Kastrationsprojekts vereinbart werden. Am 1. März 2001 wurde ein neuer Vertrag zwischen dem Bukarester Rathaus, der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN und der Fondation Brigitte Bardot unterzeichnet.
Das mediale Interesse an der neuen Regelung im In- und Ausland war gewaltig.

Neues Programm: 100.000 Hunde kastrieren
Am selben Tag startete auch das neue Programm. Innerhalb von zwei Jahren sollten 100.000 Hunde kastriert, geimpft und adoptiert oder wieder an ihre alten Plätze zurück gebracht werden. Der erste Monat verlief erfolgversprechend. 2.400 Tiere wurden eingefangen und kastriert, 1.900 davon fanden einen Besitzer, und das, obwohl die Infrastruktur noch nicht vollständig fertig gestellt war. Die Zusammenarbeit zwischen den Tierschützern und dem neuen Veterinärdirektor Rasvan Taru funktionierte – an den Gegebenheiten gemessen – zufriedenstellend. Im Großen und Ganzen dachten wir aber an eine schöne Zukunft für die Streuner von Bukarest.
Umso überraschender kam dann die Entscheidung des Oberbürgermeisters Basescu im April 2001. Genau am 19.4.2001 gab er nämlich eine Verordnung heraus, in der er die Veterinärbehörden anwies, die gefangenen Hunde sofort zu töten. Den Menschen von Bukarest verbot er mit dieser Anordnung auch die Adoption von Hunden. Die Tierheime wurden am selben Tag hermetisch abgeriegelt und mit Polizeigewalt verteidigt. Tumulte vor den städtischen Einrichtungen waren die Folge. Die Leute wollten ihre Tiere zurück haben. Wie sich später herausstellte, wurden auch Privathunde getötet, die in die Tierheime zur Behandlung gegeben wurden. Mitarbeitern von Tierschutzorganisationen wurde der Zutritt untersagt.

Präsident Iliescu verurteilt grausame Hundemorde
Diese Maßnahmen stellen nicht nur einen Bruch des Vertrages vom 1.3.2001 dar, sondern sind auch mit der ethisch-moralischen Verantwortung einer modernen Gesellschaft unvereinbar und auf das schärfste zu verurteilen. Selbst der Staatspräsident Rumäniens, Herr Ion Iliescu, hat die Vorgehensweise des Bukarester Bürgermeisters öffentlich gerügt und ihn aufgefordert, das Problem auf eine humane Weise zu lösen. Nur durch internationale Proteste kann Druck auf die verantwortlichen Politiker gemacht werden. Der Premierminister Herr Adrian Nastase muss aufgefordert werden, diese Tötungsaktion sofort zu unterbinden.

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Protest-Postkarten-Aktion

Die Streunerhunde von Bukarest brauchen Ihre Hilfe! Allen WUFF-Abos liegt eine Protest-Postkarte bei. Schicken Sie diese bitte nach Bukarest!
Haben Sie WUFF aus dem Kiosk (oder fehlt die Karte), bestellen Sie die Protest-Postkarte bitte bei VIER PFOTEN!
In Österreich:
VIER PFOTEN-Stiftung für Tierschutz
Sechshauser Str. 48, A-1150 Wien,
Tel.: 01/ 8950202-0
Faz : 01/ 8950202-99
E-mail: [email protected]
http://www.vier-pfoten.at

<//a>In Deutschland:
VIER PFOTEN e.V., Große Brunnenstr. 63a, D-22763 Hamburg,
Tel.: 040/ 399249 0
Fax : 040/ 399249 99
E-mail: [email protected]
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