Hundezucht in den USA: – Hunderasse schützt nicht vor einem Leben im Tierheim

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Wie viele Hundezüchter ­brauchen wir eigentlich? ­Diese Frage stellt sich vor allem an­gesichts der überfüllten Tierheime, die aus allen ­Nähten platzen und zu rund 25% mit Rassehunden besetzt sind, wie der Kognitionsbiologe und WUFF-Autor Dr. Marc Bekoff erklärt.

Verantwortungbewussten Hunde­züchtern sagt man nach, dass sie „glückliche, gesunde Hunde unter sauberen und artge­rechten Bedingungen“ züchten wollen, während Massenzüchter und „Hundefabriken“ bekannt sind für grausame Bedingungen, unter denen sie Hunde vermehren. Während ich überzeugt davon bin, dass es tatsächlich verantwortungsbewusste Züchter gibt, die sich um die Rasse, die sie züchten, sorgen, bin ich zu 100% gegen Hunde­vermehrer. Dennoch würde ich mir grundsätzlich eine stärkere Gegenposition von Tierschutzorganisationen gegen die Zucht von Hunden wünschen, im Wissen um die Millionen von Hunden, die in den US-amerika­nischen Tierheimen leben müssen und von denen hier jährlich 60% ein­geschläfert werden!

Rasse schützt nicht vor Tierheim
Interessanterweise sind etwa 25% der Hunde in den Tierheimen Rasse­hunde, sodass also Rasse nicht vor einem Tierheimleben schützt. Außerdem wurde mir gesagt, dass die Angabe von 25% Rassehunden, die ein neues Zuhause suchen, noch eine sehr niedrige Schätzung sei, weil es bei manchen Rassevereinen ­Rettungsnetze gibt, die sich um ­solche Hunde kümmern und diese daher nicht in die Tierheimstatistiken einfließen. Wie auch immer, so sind auch 25% ein sehr hoher Wert, der zeigt, dass Rasse keine Garantie darstellt, ein schönes Hundeleben führen zu dürfen.

Kein Ende der Hundezucht zu erwarten
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, seriöse und sachliche Diskussionen über Hundezucht zu führen anstatt beleidigende Streitgespräche. Es ist nämlich sehr unwahrscheinlich, dass es zu einem Ende der Hundezucht kommen wird. Vielmehr müssen wir uns darauf konzentrieren, das Geschäft der Hundezucht umzuleiten und eine radikale Reform zu initiieren.

Wir sollten nicht Merkmale ­züchten dürfen, nur weil sie den Menschen gefallen, aber für den Hund – besten­falls – bedeutungslos sind. Und natürlich sollten wir keine Hunde mit anatomischen, funktionellen oder genetischen Krankheiten und Leiden züchten, die zu einem beeinträchtigten Leben der Hunde führen, zu ­Leiden, Schmerzen und vorzeitigem Tod.

Man könnte hier einwenden, dass die sehr beschränkte und sorgfältig überwachte Zucht von „Service­hunden“ zu berücksichtigen wäre, da sie für spezielle Fähigkeiten gezüchtet würden, welche einigen wenigen Menschen, die sie brauchen, helfen, und auch weil diese Hunde selbst meist bei ihren Besitzern ein gutes Leben führen können. Aber ­natürlich könnte man ja auch Hunde aus Tierheimen für solche Aufgaben aus­bilden!

Hundezucht reformieren
Ich kann hier nicht alle Gründe und Beispiele für Argumente anführen, die für eine Fortführung der Hunde­zucht sprechen. Dennoch bin ich der Meinung, dass der große Teil der Hunde­zucht, so wie wir sie heute ­kennen, auf einfache Weise beschränkt und reformiert werden könnte, ohne dass wir weniger Hunde haben, welche die Bedürfnisse vieler Menschen erfüllen können, die ihr Zuhause mit diesen wunderbaren vierbeinigen ­Lebewesen teilen möchten. Das wäre eine ­win-win-Situation für die Hunde und für die Menschen.

Als ich einen Artikel über verantwortungsvolle Hundezucht las, dachte ich mir, dass der American Kennel Club (AKC) ein Interesse daran haben müsste, dem verantwortungslosen Vermehren von Hunden und den Hundefabriken ein Ende zu setzen. Doch meine Annahme war falsch. Es zeigte sich, dass der AKC bekannt dafür ist, „auch gegen nur geringste Veränderungen zum Wohle der Hunde in Welpenfabriken“ zu sein. Außerdem scheint der AKC die Interessen von kommerziellen Großzüchtern zu vertreten, die auch den größeren Teil seiner finanziellen Einnahmen bedeuten. Dies, obwohl die Mehrheit der Mitglieder kleine Züchter sind, von denen viele auch tatsächlich verantwortungsbewusst züchten.

Hunde aus dem Tierheim nehmen
Weil ich verstehe, dass viele Menschen ihren Lebensunterhalt mit dem Züchten von Hunden verdienen und dieses Geschäft daher nicht aufhören wird, erwarte ich mir von Tierschutzorganisationen, Hundefreunde aufzufordern, keine Hunde bei solchen Massenzüchtern zu kaufen. Anstatt durch den Kauf von Welpen bei ­Züchtern den Kreislauf der ­Hundezucht immer weiter aufrechtzuer­halten, sollten sie vielmehr Hunden aus den Tierheimen ein neues Zuhause geben. Immerhin sind 25% der amerikanischen Tierheimhunde Rassehunde, wenn es schon ein solcher sein muss.

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Dr. Marc Bekoff
Der Autor Marc Bekoff ist Professor a.D. für ­Ethologie und Evolutionäre Biologie an der Colorado Universität in Boulder USA. Für seine wissenschaftliche Arbeit hat er viele Auszeichnungen erhalten, darunter auch die Guggenheim ­Mitgliedschaft und den»Exemplar Award« für lange Beiträge von musterhafter Beispielhaftigkeit der Animal Behavior Society. Bekoff hat über 30 Bücher und drei Enzyklopädien veröffentlicht, schreibt regelmäßig über ­Hunde, Kognition und Gefühle von Tieren sowie Naturschutz für das Online-Portal Psychology Today. Zudem betreibt er die Internetpräsenzen www.marcbekoff.com und, zusammen mit der Primatenforscherin Jane Goodall, www.ethologicalethics.org.

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