Hundstage: Tipps für einen entspannten Hunde-Sommer

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Der Sommer ist eine wunderbare Jahreszeit. Viele Hundehalter verbringen einen Großteil ihrer ­Freizeit draußen oder fahren sogar mit ihrem vierbeinigen Freund in den Urlaub. Nicht alles, was uns Spaß macht, ist jedoch immer erquicklich für unsere Hunde. Für Hundehalter haben wir hier ­einige hilfreiche Tipps zusammengestellt, damit auch dieser Sommer Mensch und Hund in angenehmer ­Erinnerung bleibt.

Gesundheits-Check
Die Tage sind lang, Mensch und Hund verbringen die Freizeit, wann immer es möglich ist, draußen. Viele Hundehalter brechen nun zu ausgedehnten Wanderungen auf. Bewegung tut gut, allerdings sollte vor ungewohnten und ausdauernden Freizeitaktivitäten ein Tierarzt aufgesucht werden. Dies gilt besonders für junge und alte sowie übergewichtige und chronisch kranke Hunde. Aufenthalte im Ausland oder im Hochgebirge sollten im Vorhinein sorgfältig vorbereitet werden. Flüge, lange Autofahrten und Aufenthalte in südlichen Ländern belasten unsere Hunde und sind auch gesundheitlich nicht unbedenklich. Nicht zu unterschätzen sind diverse sogenannte Mittelmeererkrankungen, und so könnte bereits ein kurzer Urlaub die Gesundheit des Hundes nachhaltig beeinträchtigen. Den Sommer­urlaub mit seinem Hund in heimischen Ge­filden zu verbringen ist nicht un­bedingt die schlechteste Lösung.

Langsam angehen
Zur Gesunderhaltung des Hundes und des Menschen gehört es, vor ­ausdauernden Freizeitbeschäfti­gungen wie Wanderungen ein ­Aufbautraining einzuplanen. Gerade dann, wenn das Tempo und die ­Aktivitäten im Jahr sonst eher moderat sind. Keinesfalls sollte völlig untrainiert zu langen und schweren Wanderungen aufge­brochen werden, sondern allmählich Dauer und Schwierigkeitsgrad der Etappen gesteigert werden. Dies gilt insbesondere für Touren  im Hochgebirge, da der ­Sauerstoffgehalt der Atemluft dort niedriger ist.

Haut und Haar
Besondere Aufmerksamkeit sollte auf die Haut und die Pfotenballen gerichtet werden.  Nicht immer ist ein Eincremen der Ballen vor einer ­Wandertour sinnvoll, da manche Cremes die Haut unnötig ­auf­weichen und dann erst recht ­empfindlich ­werden lassen. In jedem Fall ­empfiehlt es sich die Pfoten inklusive der Zwischen­zehenhaut regelmäßig auf Verletzungen zu untersuchen. Im ­Notfall kann ein Pfotenschuh gute Dienste erweisen. Durchaus an­geraten kann es sein, wenig oder sogar unpigmentierte Hautstellen mit einem Sonnenschutz einzucremen.

Immer mehr Hunde leiden an Haut­erkrankungen und Allergien, selbst Pollenallergien werden bei Hunden festgestellt, die sich in ähnlichen ­Symptomen wie beim Menschen äußern können. Um dem Hund ­während des Sommers Erleichterung zu verschaffen, wird des Öfteren empfohlen, den Hund zu scheren. Hierzu gibt es allerdings sogar unter Experten ganz gegensätzliche Ansichten. Was das Beste für den eigenen Hund ist, klärt man am besten mit dem Tierarzt.

Insekten und Parasiten
Mancher Hund ärgert sich über brummende Insekten vor seiner Nase und schnappt nach ihnen. Einen absoluten Notfall stellt ein Insektenstich im Kopfbereich, insbesondere im Maul dar, da die Atemwege sehr schnell zuschwellen können und akute Erstickungsgefahr besteht. Rasch anschwellende Stiche und Ver­änderungen der allgemeinen Befindlichkeit des Hundes weisen auf eine allergische Reaktion oder sogar auf einen allergischen Schock hin. In ­diesem Fall muss der Hund umgehend zu einem Tierarzt gebracht werden. Verzögerungen oder die Anwendung von Hausmittelchen wären in dieser Situation kontraproduktiv und könnten mitunter aufgrund der Verzögerung des Behandlungsbeginns lebens­bedrohliche Folgen haben.

Parasitenprophylaxe
Informationen zum aktuellen Stand der Parasitenprophylaxe holt man sich sinnvollerweise beim Tierarzt, vor einem geplanten Auslandsaufenthalt ist dies dringend angeraten. Nicht immer sind chemische Präparate eine schlechte Wahl, denn auch natürliche Mittel auf der Basis ätherischer Öle können die Haut und Schleimhäute des Hundes stark reizen und wirken zudem nicht immer zuverlässig.

Thermoregulation
Wenn wir Menschen unter Hitze­perioden und schwül-heißem Wetter leiden, so tun dies unsere Hunde noch viel mehr. Selbst gesunde Hunde sind im Sommer weniger ­belastbar, denn ihr Organismus ist ständig damit beschäftigt, dafür zu sorgen, nicht zu überhitzen, die innere Körper­temperatur aufrechtzuerhalten. Hunde haben kaum Schweißdrüsen, die meisten davon befinden sich an den Pfotenballen. Der eigentliche Wärmeaustausch erfolgt beim Hund nicht, wie beim Menschen, durch das Schwitzen über die Haut, ­sondern mittels Hecheln. Beim Hecheln ­(Polypnoe) wird Feuchtigkeit, die sich im Maulbereich, in Lunge und Atemluft befindet, verdunstet. Bei diesem Prozess wird dem Körper Wärme entzogen und dadurch das Blut gekühlt. Ein Hund erhöht seine Atemfrequenz von durchschnittlich 40 Atemzügen auf bis zu 300 Atemzüge pro Minute. Beim Hecheln wird die Atemtiefe herabgesetzt. Bedeutend ist: der Hund gibt dabei sehr viel Wasser ab, sodass ihm eine entsprechend hohe Menge Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden muss, möglichst mehrfach und über den Tag verteilt.

Stress, stehende Luft und körperliche Aktivitäten erhöhen den Wasser­bedarf noch einmal. Sollte sich der Hund zu lange in der Sonne oder in einem geschlossenen Raum auf­halten, kann selbst durch das Hecheln die innere Körpertemperatur nicht mehr aufrechterhalten werden, eine lebensbedrohliche Überhitzung kann die Folge sein. Aus diesem Grund ­sollte sich ein Hund im Sommer niemals ohne Aufsicht in einem geschlossenen Raum oder an einem sehr warmen Ort aufhalten. Das Auto wird zur tödlichen Gefahr, auch wenn es im Schatten steht!

Mit dem Hund auf Reisen
Auf einer längeren Autofahrt  – möglichst in den kühleren Stunden – gilt es, ausgiebige Pausen einzuplanen. Bei geöffneten Fenstern kann die Zugluft eine Bindehautentzündung der Augen verursachen. Hunde sollten ihren Kopf deshalb nicht aus dem fahrenden Auto halten dürfen und ­cabriofahrende Hundehalter tun gut daran, ihrem Hund tatsächlich eine geeignete Hunde­brille aufzusetzen. Auch wenn die Klimaanlage eine große Erleichterung für Mensch und Hund darstellt, darf diese nicht zu kalt eingestellt sein und der Luftstrom Mensch und Tier nicht direkt treffen.

Nicht in allen Transportmitteln sind Hunde erlaubt. In Bahnen und ­anderen öffentlichen Verkehrsmitteln, wie Ausflugsschiffen, Seil- oder Bergbahnen,  gibt es außerdem trotz bestehender Mitnahmeerlaubnis häufig Auflagen im Rahmen der „Gefahren­abwehr“ (vorherige telefonische Abklärung zu empfehlen!): so dürfen manche Hunderassen oder Hunde ab einer bestimmten Größe nur mit Maulkorb reisen. Sollten Sie dies in Erwägung ziehen, ist eine ausreichende Gewöhnung daran ratsam. Nylonmaulkörbe sind dafür ungeeignet, da sie die im Sommer so notwendige Thermoregulation durch das Hecheln kaum gewährleisten.

Draußen unterwegs
Wenig bekannt ist, dass unsere ­Hunde genau wie wir Menschen unter hohen Schadstoffkonzentrationen und erhöhten Ozonwerten leiden können. Ein Spaziergang am Abend wird oftmals angeraten, jedoch sind Gehsteige und Asphalt an heißen ­Sommertagen noch sehr stark aufgeheizt. An ­solchen Tagen empfiehlt sich ein ­entspannter Morgenspaziergang, wenn die Luft noch kühl ist. Da es jetzt sehr früh hell wird, ist dies auch für Berufstätige eine gute Alternative.

Während der heißesten Stunden des Tages gehören Mensch und Hund am besten in den Schatten oder sogar ins Innere. Hunde können meist selbst nicht abschätzen, wann ein ausgiebiges Sonnenbad ein Ende haben sollte. Auf Signale wie vermehrtes Hecheln sollte der Hundehalter schnellst­möglich reagieren.

Besonders gefährdet zu überhitzen sind kurzköpfige Hunde wie Möpse, nordische Rassen, Hunde mit dichtem sowie mit dunklem Fell. Straßenlärm, hohe Temperaturen, ­ungewohnte Belastungen, all das kann unsere ­Hunde überfordern. Auch ist ihre Konzentrationsfähigkeit bei der sommerlichen Hitze mitunter eingeschränkt. Bewegung ist gut, sollte aber in Zeiten größerer Hitze keinen Wettkampf­charakter annehmen. Es kann nicht oft genug betont werden: Jetzt gehört immer ausreichend Trink­wasser ins Handgepäck, egal wie kurz der ­Spaziergang auch sein möge.

Wasserspaß
Eine Abkühlung im Wasser ist ­generell eine angenehme Möglichkeit, die Hitze des Sommers zu überstehen. Wie für uns Menschen gilt auch für Hunde: Kein Sprung eines über­hitzten Körpers in ein kaltes Gewässer. Ein ­unbedarfter Sprung in ein unbe­kanntes Gewässer kann auch für unseren Hund üble Folgen haben: Schnitt­wunden an den Pfoten oder Ver­letzungen des Bandapparates sind nur einige der Risiken. Manche Gewässer sind gerade im Sommer gesundheitlich wegen verschiedener Bakterien und deren Toxinen sowie diverser ­Einzeller gar nicht unbedenklich (s. auch Kasten S. 40 unter „Gefahren“).

Unsere Hunde sollten kein Salz­wasser, Chlorwasser  oder abgestandenes Wasser aus Seen, Tümpeln oder ­Pfützen trinken. Nach einem aus­giebigen Bad hilft eine Dusche mit Süßwasser, das Fell zu reinigen. Die Ohren sollten nach einem Bad auf Schmerzempfindlichkeit kontrolliert werden, eine Ohrinfektion kann sich auch ein Hund zuziehen.

Im nicht zu tiefen Wasser und unter Beobachtung des Menschen kann Schwimmen für unsere Hunde sogar einen gesundheitsfördernden Effekt haben. Wasserscheue oder un­sichere Hunde sollten aber keinesfalls zu einem Wasserabenteuer gezwungen, sondern eher sanft ermutigt werden. Ängstliche Hunde verlieren manchmal ihre Scheu, wenn ein Hundekumpel Vorreiter ist und Freude im kühlen Nass hat.

Die richtige Ernährung
Hunde haben im Sommer wie wir Menschen mitunter schon einmal einen geringeren Appetit. Das ist prinzipiell kein Grund zur Sorge. Schwächelt der Hund jedoch und zeigt Symptome wie Erbrechen und/oder Durchfall, könnte hinter seinem ver­änderten Appetitverhalten eine Erkrankung stecken. Generell sollte man seinen Hund nicht ­überfüttern, dies gilt insbesondere für die Sommer­zeit. Hier kann es durchaus angeraten sein, die Anzahl der Mahlzeiten zu erhöhen und entsprechend kleinere Portionen zu füttern.

Tabu sollten auch im Sommer Lebensmittel sein, die wir Menschen so sehr mögen, dazu gehören Süßigkeiten und Speiseeis. Gegen ein Stückchen Apfel oder Banane ist jedoch gar nichts einzuwenden. Wasser und Nassfutter sollten nicht eiskalt serviert werden. Füttert man Nassfutter, ist unbedingt darauf zu achten, dass dieses kühl gelagert wird. Essenreste im Napf sollten unverzüglich entsorgt ­werden, weil im Sommer alles sehr viel ­schneller verdirbt.

Alternative Beschäftigungen
Leckerchen-Suchspiele in Haus und Garten oder Fährtensuchen am ­Morgen sind eine interessante Alternative zu einem Spaziergang in der Hitze, zu dem eigentlich weder Mensch noch Hund so richtig Lust haben. Bei Hunden, die sich gut ­kennen und vertragen, kann auch eine Toberunde im heimischen Garten oder auf einer schattigen Wiese verabredet werden, bei der der Mensch jedoch sorgsam beobachtet, wann die Hunde die ersten Symptome von Überfor­derung zeigen.
Brennt die Sonne vom Himmel herab oder prasselt gerade ein Gewitter­regen hernieder, so kann man auch im Sommer im Hausinnern eine ange­nehme Zeit mit seinem Hund verbringen. Man könnte einige Grundkommandos auffrischen oder lustige Tricks einüben, die den Hund auch geistig fordern. Oder man nutzt die Mittagszeit für ein ausgiebiges gemeinsames Nickerchen.

Gesund und fit durch den Sommer
Ruhe und Entspannung tun gerade an heißen Sommertagen Not. Haben Hunde die Wahl, so dösen sie im Sommer gerne im Schatten, wie es wild lebende Hunde und Wölfe gerne tun. Sie verschlafen oft den Großteil des Tages. Wir tun uns und unseren Hunden also keinen Gefallen, wenn wir von ihnen in dieser Zeit körperliche und geistige Höchstleistungen erwarten. Wenn wir insgesamt darauf achten, was uns und unseren Hunden gut tut, so kann der Sommer dennoch zu einem unvergesslichen Erlebnis für Mensch und Hund werden.

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Karin Joachim studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Bonn und leitete lange Jahre ein archäologisches Museum in Rheinland-Pfalz. Heute veranstaltet sie Kultur- und Naturführungen, Familienwanderungen und thematische Stadtbesichtigungen für Mensch und Hund in und um Bad Neuenahr-Ahrweiler unweit von Bonn. Zur Zeit begleitet sie Airedale Terrier Hündin Lina. www.forum-mensch-hund.de 

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