Ihre Meinung – Diskussion zum Artikel „Kind oder Hund? Wer hat das größere Recht auf freies Leben?“

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In Heft 10/2017 erschien in WUFF ein Artikel – eine wahre Begebenheit, bei der ein Kind vom Nachbarshund in den Kopf gebissen wurde. Seither lebt das Mädchen – Zaun an Zaun – mit seinem „vierbeinigen Täter“ in dauernder Angst. Wer hat das größere Recht auf ein (angst)freies Leben? Das Kind oder der Hund? Wir haben anhand dieses Artikels zur ­Diskussion aufgerufen. Lesen Sie hier die Meinungen der WUFF-Leser und Leserinnen.

Versagen auf allen Seiten
Wer diesen Bericht im letzten Hundemagazin gelesen hat, ist natürlich wie ich schockiert. Leider muss man aber sagen, dass solche ­Ereignisse keine Seltenheit sind. Kind oder Hund sollte keine Frage sein, sondern ein Handeln zum Vorschein bringen. Aber leider haben fast alle Beteiligten bei diesen Ereignissen Fehler gemacht, die Behörden, auf die man sich verlassen sollte, versagt. Nur zwei Beteiligte konnten nichts dafür. Das ist das Mädchen und der Doggenmischling. Aber gerade diese beiden baden die Unfähigkeit der Verantwortlichen aus. Die Hundehalterin, die mit dem Hund überfordert ist, hält den Hund durch Überforderung an der Kette. Weiters wird dem Hund dann noch das Spazieren­gehen gestrichen. Was dann rausgekommen ist, lesen wir in diesem Bericht. Den nächsten Fehler machen die Eltern durch Unkenntnis. Das Kind darf mit einem Energie-überladenen Hund spielen. Was ich noch weniger verstehe, ist die nicht konsequente Umsetzung der Maßnahme der Behörde gegenüber dem Hund bzw. der Hundehalterin. Warum wird der Zaun nach so einem schlimmen Ereignis von Seiten der Hundehalterin nicht so hoch gebaut, dass der Hund nicht über den Zaun springen kann? Fehler über Fehler. Dieser Bericht ist in meinen Augen echt Hardcore und hat mich sehr erschüttert und ich hoffe für mich und alle anderen Hunde­halter, dass wir nie in eine solche Situation kommen.
Sven-Hannsen Sonntag

Der Hund hat gemacht, was er immer macht …
Ja, dieser Vorfall wäre zu 100 % zu verhindern gewesen. Diesen Vorfall hätte es nie gegeben, wenn die Hundehalterin auch nur im Ansatz der Hundesprache/des Hundeverhaltens mächtig wäre. Sie hat meiner Meinung nach alles, was man falsch machen kann, falsch gemacht. Der Hund lebt an der Kette, wird mit Wurfspielen/Beute-jagen (Ball, Stöckchen etc.) ausgelastet und er zerfetzt „seine Beute“ (Ball etc.), der Hund beobachtet das Kind. Dies allein reicht aus. Und trotzdem lädt sie die Nachbarn zu sich und ihrem Hund ein, animiert das Kind zum Stöckchen-werfen. Dann die unglückliche Ver­haltenskette: Das Kind wird unsicher, stolpert, schreit, der Hund sieht „seine Beute“ und tut das, was er „erlernt“ hat – nur war es nicht der Ball, sondern das Kind. Der Mut des Vaters ist hervorzuheben, denn ohne ihn hätte das Kind keine Chance gehabt. Ich wünsche der Familie viel Erfolg bei der Trauma-Verarbeitung.
Christine Koller

Die Ignoranz einiger Hundehalter ist (sorry) zum Kotzen
Seit 1975 halte ich große, nicht gerade einfache Hunde – in Zahlen 9 (darunter 6 durchgeknallte). Zur Zeit einen erwachsenen Rottweiler aus sehr schlechter Haltung. Er mag keine Männer und das äußert sich nicht nett. Aber meine Umwelt hat nicht darunter zu leiden! Er trägt einen Polizeimaulkorb und ich habe meine gefahrlosen Ecken für den Gassigang – und wir arbeiten dran; das Grundstück ist „Fort Knox“. Warum weigert man sich einen hohen Zaun zu setzen? Es wäre nichts passiert. Die Ignoranz einiger Hundehalter ist (sorry) zum Kotzen. Ich erlebe es oft – viel zu oft. Hund UND Kind haben ein Recht auf angstfreies leben! Man kann Lösungen finden – sogar gemeinsam!
Hille Heinlein

Nur Umzug kann die seelischen Narben heilen
Ein toller, sachlich recherchierter Artikel von Ana Hesse, danke dafür! Ich selber habe in meiner Zeit als Trainerin auch zwei solcher Fälle erleben müssen. Es ist dramatisch, was sich bei solchen Fällen in den betroffenen Familien abspielt, ganz besonders dann, wenn man, wie in diesem Fall, sich eigentlich nur ein neues Haus kaufen kann. Wie sollen die Familie und natürlich auch deren Tochter jemals wieder locker mit dem Nachbarshund umgehen? Wann geschieht das nächste Unglück, weil der Hund unbeaufsichtigt ist, die Kette/Leine kaputt geht oder der Mensch unachtsam ist und eine Tür auf lässt? Nein, für mich gibt es nicht die Frage Kind oder Hund. Menschen haben Vorrang. Und wenn der Staat hier nicht vernünftig eingreift (Hund in andere Hände, möglicherweise auch in bessere), kann man der Familie eigentlich nur einen Umzug empfehlen. Es kann in dieser Phase auch nicht darum gehen, wer schuld ist, oder nicht, und schon gar nicht, wer mehr Rechte hat, dort zu leben. Dieses Kind kann eigen­ständig seine Situation nicht ändern, und außer, durch einen Riesen-Zaun unter Beachtung aller Sicherheitsvorkehrungen kann sich die Familie vor der Ignoranz der Hundehalterin nicht schützen. Dieser Umstand erscheint mir nicht dazu geeignet, wieder Sicherheit und Ruhe in das Leben der Familie zu bringen.
Katharina Queisser

Behördenversagen
Hier handelt es sich doch wohl um einen tragischen Einzelfall, tragisch sowohl für das Kind als auch den Hund. Die ­Halterin hat offensichtlich keinerlei Sachkunde und ist nicht in der Lage, den Hund zu erziehen. Sie traut sich nicht mit dem Hund auf die Straße, der Hund gibt einen geworfenen Stock nicht wieder her, wird an einer Kette gehalten – hier mangelt es an grundlegenden Kenntnissen des Umgangs mit Hunden. Ich verstehe allerdings nicht, inwieweit den Behörden „die Hände gebunden“ sind. Da die Hundehalterin anscheinend uneinsichtig ist und behördliche Auflagen (z.B. Erhöhung des Zaunes) nicht umsetzt, haben diese sehr wohl nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar im Rahmen der allgemeinen Gefahrenabwehr die Pflicht, hier einzuschreiten. In einem solchen Fall muss der Hund entzogen werden, d.h. er wird in das nächste Tierheim gebracht, das Platz hat. In heutiger – zunehmend hundefeindlicher – Zeit, wo ein Lefzen-Heben schon als nicht hinnehmbare Aggression interpretiert wird, dürfte es doch nicht so schwer sein, diese unerträgliche Situation zu beenden. Ich wünsche der jungen Familie und auch dem bedauernswerten Hund von ganzem Herzen, dass dieser Fall ein gutes Ende findet.
Gisela Kürten

Zu wenig Kompetenzen, was Problemlösungen angeht
Beim Lesen dieser wahren Geschichte kamen bei mir Erinnerungen vom Herbst 2013 hoch. Ich begleitete meine damals 6-jährige Tochter auf ihrem vermeintlich sicheren Schulweg, als ich von einem Schäferhund angegriffen und gebissen wurde. Die Familie hat mein Mitgefühl. Unerträglich, Tag für Tag dieser belastenden Situation ausgesetzt zu sein! Ich sehe immer mal wieder Menschen, die keine Idee davon haben, was respektvoller Umgang bedeutet und wie man diesen pflegt. Aber eine derart schwere Bissverletzung verharmlosen zu wollen zeigt, dass die Halterin der Verantwortung keinesfalls gerecht werden kann. Derartigen Entwicklungen muss Einhalt geboten werden! Das dachte man wohl auch, als Listen angefertigt wurden, von Hunderassen, die einfach mal so stigmatisiert wurden. Wir haben womöglich doch noch zu wenig Kompetenzen, was Problemlösungen angeht. Es sind doch in den meisten Fällen die Halter und die Haltungsbedingungen – und unser Umgang mit Fehlern.
Annelies Hebart

Denn sie weiß nicht, was sie tut …
Es ist schwer, zu der Situation Stellung zu beziehen. Es zeigt eine Hundehalterin, die nicht weiß, was sie tut, und der ­Meinung ist, richtig zu handeln. Ein Mensch mit Handicap, der einen großen Assistenzhund hat, ist auch nicht körperlich dazu in der Lage, diesen Hund zu führen. Weil er es aber gelernt hat, kann er es durchaus, denn gegenseitiges ­Vertrauen und Akzeptanz muss gegeben sein. Leider meinte diese Hunde­halterin trotz dieser Kettenhaltung und der Nicht-Auslastung des Hundes diesen genau zu kennen. Eine fatale Entwicklung und schlimme Fehleinschätzung, deren Folgen das Kind ein Leben lang begleiten werden. Allerdings steht auch die Stadt in der Pflicht. Der kleine Zaun ist kein Hindernis für den Hund und für seine Nachbarschaft eine unzumutbare Situation, die sofort abzustellen ist.
Cornelia Schröder

„Nicht-Listenhunde“ dürfen beißen …?
Das arme Kind. Nicht nur die Schmerzen und nun auch noch die ständige Angst. Die rücksichtslose Haltung der Hunde­halterin ist nicht zu verstehen. Eigentlich wäre es doch sicher einfach, den Zaun so zu sichern und auch mit einem Sichtschutz zu versehen, so dass sich Kind und Hund sicher in ihrem jeweiligen Garten bewegen können. Ganz abgesehen davon, dass eine Entschuldigung nach einem solchen Vorfall das Allermindeste ist, was man erwarten kann. Ein Wunder, dass der Hund noch nicht vom Amt eingezogen wurde. Könnte es sein, dass es daran liegt, dass es sich um keinen „Listenhund“ handelt? Ich hatte 10 Jahre eine Stafford-Hündin und war ständig in Sorge, dass sie keinen Menschen, geschweige denn ein Kind, auch nur falsch anhustet. Listenhunde wurden (und werden) schon bei kleinen Vergehen ihren Haltern weggenommen und teilweise eingeschläfert. Und dieser Hund hat ein Kind schwer verletzt und lebt weiter bei seiner offensichtlich nicht nur unfähigen, sondern auch uneinsichtigen Halterin. Solche Halter sind es, die uns Hundehalter in der Öffentlichkeit als verantwortungslose Egoisten aussehen lassen.
Cornelia Arnhold

Fordere lebenslanges Hundehalteverbot!
Als langjährige Halterin von „gebrauchten Hunden“ und ohne eigene Kinder kann ich kaum noch an mich halten! Es versteht sich wohl von selbst, dass ein Kinderleben schützenswerter ist als das Leben von irgendeinem „Knud“. Da die Halterin weder einsichtig noch in der Lage ist, Knud verantwortungsvoll zu führen, muss der Hund eingezogen werden. Außerdem gehört dieser Unperson (merkt man ja an den Argumenten) ein lebenslanges Hundehalteverbot auferlegt. Um Knud tut es mir echt leid, auch dieser Hund war mal ein unschuldiger, lieber Welpe und kann nichts dafür, was irgendwelche Schwach­köpfe aus ihm gemacht haben. Wenn er keine Chance hat, von Experten (z.B. Hellhound Foundation) gerettet zu werden, und wir uns hoffentlich einig sind, dass ein Leben im Zwinger für voraussichtlich die nächsten 4-6 Jahre nicht lebenswert ist, wäre Euthanasie die gnädigste Lösung. Man muss doch mal die sprichwörtliche Kirche im Dorf lassen, immerhin hat die arme Kleine bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung die nächsten 70-80 Jahre mit Hundephobie vor sich!
Beate Kettenburg

Letzte Information
Kurz vor Redaktionsschluss hat uns von der Hundeschule „Kids & Dogs Schaumburg“ (die Hundeschule der Autorin) folgende Nachricht erreicht: „Wie die hiesige Presse heute vom Veterinäramt erfahren hat, wird der Hund bei der Halterin bleiben. Diese habe die Sachkunde bestanden und der Wesenstest fiel positiv aus. Ob das Grund zur Freude für den Hund ist, bleibt fraglich. Für die Eltern ist gerade eine Welt zusammen­gebrochen.“

Auch wir sind fassungslos aufgrund dieser Entwicklung. So manch freundlicher und ungefährlicher Hund wird nur aufgrund seiner „falschen“ Rassezugehörigkeit behördlich beschlagnahmt, andere Hunde haben einen „Freibiss“ und werden bei einer offensichtlich unfähigen Halterin belassen – bis zum nächsten Biss …
Redaktion WUFF

Pdf zu diesem Artikel: leserdiskussion_kind_hund

 

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