Im düsteren Reich der Parasiten

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2.1.2.2. Bandwürmer Teil II
Im Vergleich zu den Vertretern der Gattung Echinococcus (siehe letzte Ausgabe) ist der weltweit vorkommende Gurkenkernbandwurm Dipylidium caninum relativ harmlos. Er ist die am häufigsten auftretende Bandwurmart im Dünndarm ungepflegter heimischer Hunde und befällt auch Katzen. Bei zumeist Kindern, die sich an den im Hundefell befindlichen Wurmlarven bei zu engem Kontakt oral infizierten, tritt er ebenfalls gelegentlich auf. Allerdings geht vom Gurkenkernbandwurm keine Gefahr für den Menschen aus.

Schwer bewaffnet
Der Scolex des bis zu einem halben Meter langen ausgewachsenen Wurms ist mit vier Saugnäpfen und Haken bewaffnet. Seinen Namen erhielt er wegen des nach einem Schrumpfungsprozeß gurkenkernartigen Aussehens der ca. zehn Millimeter langen Endproglottiden. Diese abgeschiedenen Proglottiden enthalten bis zu 30 Eiballen, in denen sich pro Ballen bis zu einigen Dutzend larvenhaltige Eier befinden und bei dem Schrumpfen der Proglottide auf Reiskorngröße frei werden.
Der Gurkenkernbandwurm ist im Gegensatz zu vielen anderen Cestoden nicht an den Fleischverzehr seiner Wirte angepaßt, da seine winzig kleine Finne (0,5 mm) im Hundefloh vorkommt. Die erwachsenen Flöhe als Blutsauger nehmen die Eier des Gurkenkernbandwurmes nicht auf, diese werden durch ihre nahe dem Hundelager lebenden Larven gefressen, in denen sie heranreifen. Der Befall des Hundes erfolgt durch sein Knacken und Schlucken der infizierten Flöhe. Schon nach drei Wochen kann Dipylidium im Hundedarm geschlechtsreif sein und während seiner mindestens einjährigen Lebensdauer Eier produzieren.

Schlittenfahren
Der befallene Hund verspürt einen starken Juckreiz am After, was ihn zu „Schlittenfahren“ veranlaßt und woran der Halter leicht die Infektion des Hundes erkennen kann. Weitere Krankheitssymptome beim starken Befall des Hundes sind mit Verdauungsstörungen einhergehende Abmagerung und allgemeine Apathie.

Wird bis zu 30 Jahre alt
Sehr viel gefährlicher ist da schon der Befall mit dem ebenfalls weltweit vorkommenden Fischbandwurm Diphyllobothrium latum, der erwachsen auch im Dünndarm des Menschen und fischfressender Säugetiere vorkommt. Er erreicht riesige Ausmaße und soll im Extremfall bis zu 15 m lang werden können; im Hundedarm werden Längen von mehr als drei Metern kaum überschritten. Es besteht vermutlich ein Verhältnis zwischen Wurmlänge und Körpergröße des Wirtes bzw. der Dimension des Wirtsdarmes. Die Größe des Wurmes scheint aber nicht durch die Anwesenheit anderer Arten vermindert zu werden.
Typisch ist der Scolex mit zwei engen Sauggruben. Auch erreicht er mit einem Maximalalter von bis zu 30 Jahren einen Rekord innerhalb der Cestoden. D. latum kann in ausgewachsenem Zustand bis über 4.000 Proglottiden ausbilden, beim Menschen wurden Befallsraten bis zu 60 Individuen festgestellt (die dann allerdings „nur“ je einen Meter lang waren!). Die mikroskopisch kleinen Eier gelangen mit dem Kot ins Freie; eine Larve entwickelt sich, wenn das Ei ins Wasser gelangt, wobei diese Larve dann einen Kleinkrebs („Hüpferling“, Copepode) befällt und dabei in den Nahrungskreislauf von Fischen gerät. In der Fischmuskulatur reift eine infektionsfähige Larve heran, die beim Verzehr von rohem Fisch durch den Mensch (oder beim Verfüttern hiervon an den Hund) sich innerhalb von einem Monat bis sechs Wochen zu einem geschlechtsreifen Fischbandwurm weiterentwickelt, der die den Zyklus schließenden Eier produziert.
Ein geringfügiger Befall des Hundes bleibt oftmals wegen des Fehlens ausgeprägter Symptome unbemerkt. Der Nachweis erfolgt über die mikroskopische Untersuchung des Kotes. Die Schädigung des Wirtes – auch des Menschen – beruht weniger auf dem Nahrungsentzug, sondern auf der Wirkung giftiger Exkrete, die den Blutfarbstoff aus den roten Blutkörperchen zerstören und beim Menschen das Krankheitsbild der Bandwurmanämie verursachen. Diejenigen Stadien des Fischbandwurmes, die der Hund ausscheidet, sind für den Menschen nicht infektiös, da der obligatorische Zwischenwirt der bereits erwähnte Kleinkrebs ist.

Makabre Kuriosität
Als Sonderfall, bei der der Mensch als normaler Zwischenwirt (!) für einen Fischbandwurm fungiert, sei hier am Rande als makabre Kuriosität D. theileri erwähnt, der in mehreren Arten großer afrikanischer Carnivoren lebt. In Nordkenia sind die nomadisierenden Massai stark von dem Wurm, den sie mit dem im Trinkwasser befindlichen infizierten Copepoden aufnehmen, befallen. Stirbt ein Stammesangehöriger, so wird dieser in einem flachgründigen Grab mehr verscharrt als beerdigt, bzw. wird die Leiche am Boden niedergelegt und mit Steinen bedeckt. Diese Leichen werden oftmals von Hyänen wieder ausgegraben und beim Fressen infizieren sich diese Grabräuber.
Die auch für den Laien bekanntesten Cestoden wie Rinder- und Schweinebandwurm gehören der artenreichen Gattung Taenia an, von denen einige als Parasiten des Hundes auftreten. Ihr Scolex weist vier Saugnäpfe sowie einen Hakenkranz als Befestigungsorgane auf.
Der Hund beherbergt mehrere Arten teilweise auffällig langer Bandwürmer dieser Gattung (siehe Kasten), die bei starkem Befall zum Darmverschluß führen können. Ihre infektiösen Larvenstadien finden sich zumeist in einem für den Hund typischen Futtertier. Nach durchschnittlich sechswöchiger Reifezeit nach Aufnahme dieser Larvalstadien werden die Würmer geschlechtsreif und beginnen mit der Eiproduktion. Ihre Lebenserwartung liegt bei zwei bis fünf Jahren.
Nicht unerwähnt soll bleiben, daß ebenfalls die Finnen anderer Cestoden, bei denen der Hund nicht Endwirt ist, ihn befallen können. Diese im Gehirn heranwachsenden Finnen verdrängen bzw. zerstören Hirnanteile, wobei der Hund mit Verhaltensauffälligkeiten, insbesondere motorischen Störungen, reagieren kann.



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Übersicht:

Zu Ihrer Orientierung. Welche Parasitenthemen in welchem WUFF?
Teil 1 (September 1999):
1. Allgemeine Ökologie der tierischen Parasiten
Teil 2 (Oktober 1999):
2. Parasitologie des Hundes: Übersicht
2.1. Endoparasiten Übersicht
2.1.1. Einzellige Endoparasiten
Teil 3 (November 1999):
2.1.2. „Wurmförmige“ Endoparasiten Übersicht
2.1.2.1.Trematoden (Saugwürmer)
Teil 4 (Dez., Jan. 1999/2000):
2.1.2.2. Cestoden (Bandwürmer I)
Teil 5 (Feb. 2000):
2.1.2.2. Cestoden (Bandwürmer II)
Teil 6 (März 2000):
2.1.2.3. Nematoden (Fadenwürmer)
2.1.2.4. Weitere Endoparasiten
Teile 7 bis 9 (April, Mai und Juni 2000)
2.2. Ektoparasiten (Übersicht)
2.2.1. Spinnentiere (Zecken und Milben)
2.2.2. Insekten (Saugläuse und Flöhe)
3. Schlußbetrachtung



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Band’lwürmer

T. pisiformis entwickelt sich als Larve in Kaninchen und Hasen und bedeutet hier natürlich eine Gefahr für insbesondere Jagdhunde. Die im Darm des Zwischenwirtes geschlüpften o­ncosphaeren dringen in die venösen Kapillaren in der Darmwand ein und werden über die Pfortvene zur Leber verdriftet, wo sie als Finne bis zur Erbsengröße heranreifen. Der bis zu zwei Metern lange geschlechtsreife Wurm kann eine starke Abmagerung des Hundes verschulden.

Der über einen Meter lange T. ovis kommt in seiner Jugendform in der Skelettmuskulatur und im Herz von Schaf und Ziege vor, ähnlich ist der zweieinhalb Meter lange T. cervi als Larve bei einheimischen Reh- und Rotwild zu finden.

Der „Quesenwurm“ T. multiceps erreicht als Adulter im Darm von Hunden eine Länge von einem Meter. Seine o­ncosphaere entwickelt sich vornehmlich im Gehirn von Schafen als Zwischenwirt innerhalb von sechs Monaten zu einer hühnereigroßen Finne. An deren Innenwand sprossen (als eine Form der ungeschlechtlichen Vermehrung) zahlreiche Scoleces und verursachen infolge des mechanischen Druckes auf das Gehirn auffällige Zwangsbewegungen. In seltenen Fällen kann auch der Mensch von T. multiceps befallen werden und zeigt dann im fortgeschrittenen Zustand, wie das Schaf, die gleichen Symptome der „Drehkrankheit“

Bei T. serialis geht der Name auf die große Anzahl von Scoleces zurück, die an der inneren Finnenblasenwand in Längsreihen angeordnet sind. In Ausnahmefällen bedroht er auch den Menschen.

Ob der den Fuchs befallende T. crassiceps auch im Hund als Endwirt sich entwickeln kann, ist umstritten.

Bei T. multiceps und T. serialis erfolgt die Infektion des Menschen durch aus den Proglottiden abgestossenen Eier, die mit winzigen Kotpartikeln im Hundefell hängen. Beim Spielen und unvorsichtigem Hantieren mit dem Hund werden diese durch den Mund aufgenommen.

 

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