Im düsteren Reich der PARASITEN

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2.2.2 Insekten: Saugläuse (Anoplura) und Flöhe (Siphonaptera)
Neben den Holzböcken gehören die Flöhe und Läuse zu den bekanntesten Ektoparasiten der meisten Warmblüter, also auch der Hunde und des Menschen. Eine ganze Reihe von alten Volksweisheiten, Sprichwörtern und auch Witzen deutet auf ihre Popularität hin. Bis in die Neuzeit hinein war vor allem ein Floh, der „Indische Rattenfloh“ (Xenopsylla cheopis) als Überträger der Pest eine tödliche Bedrohung für den Menschen und hat im Lauf der Geschichte Millionen von Todesopfern gefordert und hierbei ganze Landstriche entvölkert.

Ursprung freifliegende Blutsauger
Die Flöhe und Läuse, von ursprünglich freifliegenden Blutsaugern abstammenden Formen sind durch ihre Bindung an den Wirt und durch den Verlust ihres Flugvermögens zu echten Ektoparasiten geworden. Bedingt durch diesen Übergang von freilebenden Formen zu den parasitären wurde ein Reihe von Umgestaltungen des Körpers notwendig.
Die Saugläuse ernähren sich ausschließlich vom Blut von Säugetieren, das sie nach Durchbohren der Haut mit ihren stilettförmigen Mundwerkzeugen aufsaugen. Wie viele andere blutsaugendes Insekten auch, so leben die Läuse wiederum in Symbiose mit bestimmten Bakterien und Hefen, die sie mit lebensnotwendigen Substanzen versorgen, die im Blut der Säuger nicht vorhanden sind. Infolge ihrer Lebensweise sind die Läuse klein, abgeflacht und flügellos. Von der Fülle der parasitären Läuse (zu denen auch die „Federlinge“ der Vögel zählen) ist in unseren Breiten nur die bis zu 2,5 mm große Hundelaus (Linognathus piliferus) für den Hund von Bedeutung. Befallen werden hauptsächlich Kopf, Hals und der Rücken. Ein starker Juckreiz veranlaßt den Hund zum Kratzen, die befallenen Stellen führen zu bakteriellen Entzündungen. Bei sehr starkem Befall kommt es beim Hund zur Abmagerung und Blutarmut. Die Hundelaus geht in aller Regel nicht auf den Menschen über.

Flöhe nur zur Nahrungsaufnahme am Wirtstier
Im Vergleich zu der heterogenen Gruppe der Läuse bilden die weltweit verbreiteten Flöhe eine recht einheitliche Ordnung der Insekten. Die Adulten stellen sich als kleine und sekundär ungeflügelte Insekten dar, die seitlich stark abgeflacht sind. Ihr Chitinpanzer ist stabil und schwer zu knacken. Die Füße sind mit starken Klauen versehen, womit sie sich an den Haaren (oder Federn) ihres Wirtes festklammern. Die Flöhe sind alle blutsaugende und in der Regel vorwiegend temporäre Ektoparasiten mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen; ihre Wirte sind ausschließlich Warmblüter (Vögel und Säuger), auf denen der Floh sich hauptsächlich nur zur Nahrungsaufnahme aufhält. Sie sind nicht stark auf ein bestimmtes Wirtstier spezialisiert. Auffällig in seiner Größe ist das dritte Beinpaar, das sie zu den bekannten Weitsprüngen befähigt.
Das „Sensilium“ ist ein den Flöhen typisches Organ am Hinterleib, das auf feinsten Luftzug, aber auch auf die Körpergerüche eines potentiellen Wirtes reagiert. Während ihrer Metamorphose laufen sie eine vollkommene Verwandlung durch; ihre beinlosen madenartigen Larven leben noch nicht parasitär, sondern fressen tote tierliche und pflanzliche Stoffe sowie das von den erwachsenen Flöhen ausgeschiedene unverdaute Blut.

Flöhe stark im Zunehmen
Die Anzahl der Flöhe scheint in den letzten Jahren stark zugenommen zu haben, was nicht zuletzt auf die für diese Parasiten idealen Lebensbedingungen in unseren geheizten Wohnungen zurück geführt werden kann.
Menschen- (Pulex irritans) und Hundefloh (Ctenocephalides canis) gehören wohl mit zu den bekanntesten Parasiten, wobei der Hundefloh auch den Menschen als Wirt ansieht und bei ihm parasitiert. Ein Flohbefall bedeutet für die meisten Menschen, da sie gegen die Stiche sehr empfindlich sind oder sogar allergisch reagieren, eine große Unannehmlichkeit; vor allem ist es der starke und tagelang anhaltende Juckreiz, der das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen stark beeinträchtigt. Sollte ein Hund gegenüber den Flöhen allergisch reagieren, so kann nur dringend angeraten werden, ihn nicht zu Zuchtzwecken einzusetzen.

Bevorzugte Körperstellen
Der Hundefloh bevorzugt beim Hund weiche Hautstellen an Schenkelinnenseite, Bauch, Schwanzwurzel und Ohren. Dem aufmerksamen Hundebesitzer fallen die dunklen Krümel (Blut im Flohkot) auf, die der Hund beim Bürsten verliert, besonders wenn man ihn hierzu auf eine helle Unterlage stellt.
Die Eiablage, sofern sie nicht im Hundefell erfolgt, geschieht im Lager des Hundes bzw. in Wandspalten und Bodenritzen. Bei geeigneten Temperaturen und einer ausreichend hohen Luftfeuchtigkeit schlüpfen nach maximal zwei Wochen mit Borsten versehene Larven als das erste Entwicklungsstadium, die sogenannten „Drahtwürmer“. Nach weiteren zwei Häutungen spinnt sich der Floh am Ende des dritten Larvalstadiums in einen Kokon ein, um diesen als geschlechtsreifer Adulter nach frühestens ca. 18 Tagen und bei Anzeichen eines sich nähernden Wirtes zu verlassen. Fehlt dieser Anreiz zum Schlupf, kann der Floh noch mehrere Monate in seinem Kokon verharren; bei geeigneten Bedingungen kommt es in diesem Fall zu einem Massenschlupf.

3. Schlussbetrachtung
Unser neunteiliger Spaziergang durch das düstere Reich der Parasiten ist zu Ende. Wir haben gesehen, daß von diesen – trotz allem Abscheu, Ekel und auch Ängsten, mit denen wir ihnen im Alltag in der direkten Konfrontation begegnen – bei näherer Betrachtung eine Faszination ausgeht, der man sich nur schwer entziehen kann. Parasiten sind keine ägyptische Plage, der wir hilflos ausgeliefert sind, sondern ein Stück natürliche Umwelt – also Alltag – von uns und unseren Hunden, mit der wir leben müssen.
Die Bedrohung, die von Parasiten ausgeht, soll nicht relativiert werden, soll aber auch nicht andererseits zu Panikreaktionen führen. Wer diese Tiere und ihren Entwicklungszyklus kennt, hat den Kampf gegen sie schon fast gewonnen! Aber besser als alle Medikamente ist die Prophylaxe: Es soll keinem Hundebesitzer die Freude am Umgang mit seinem Tier genommen werden, und beim normalen sozialen Umgang mit dem Hund drohen dem Menschen keine Gefahren, wenn der Hund regelmäßig aufmerksam beobachtet und die elementaren Spielregeln der Hygiene beachtet werden. Dies gilt natürlich insbesondere für Kleinkinder, für die tatsächlich von ihrem geliebten vierbeinigen Freund (so er parasitär infiziert ist) erhebliche gesundheitliche Risiken und Bedrohungen ausgehen können. Man sollte aber nie vergessen, daß die Menschheit bei ihrem jahrtausendealtem engsten Kontakt zu der sie begleitenden Art Canis lupus f. familiaris trotz mancher Krankheitsfälle nicht an Parasiten ausgestorben ist.

An dieser Stelle eine dringende Bitte an alle Hundebesitzer, die eigentlich selbstverständlich sein sollte: Verstehen Sie bitte auch diejenigen Mitmenschen, die keinen Spaß an Hunden haben, und vermeiden Sie durch IHREN wohlerzogenen Hund die mögliche Konfrontation. Lassen Sie Ihren Hund niemals (niemals!!) auf Kinderspielplätzen im Sandkasten oder anderen Stellen, wo Kinder spielen, sich lösen. Alleine hierdurch ließe sich schon ein gutes Stück der immer mehr zu beobachtenden aufkommenden neuen Hundefeindlichkeit abbauen – vielleicht schon deshalb, weil den Hundegegnern ein Hauptargument verloren geht!

Im nächsten WUFF finden Sie eine posterartig aufgemachte bebilderte Übersicht über den Entwicklungszysklus des Flohs und die Hauptangriffspunkte der Flohbekämpfung zum Herausnehmen, sowie ein Verzeichnis über weiterführende Flohliteratur.

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