Ist das unser Europa?

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Frau Ilse Glösl aus Gerasdorf (Niederösterreich) ist keine reiche Frau. Doch sie verzichtet gerne auf persönliche Annehmlichkeiten, wenn sie das Elend der Tiere in der Slowakei nur ein wenig lindern kann. Fast jede Woche besucht die Österreicherin ihre Mitstreiter vom Tierheim Sloboda Zvierat („Freiheit für Tiere“), um den Menschen dort Mut zu machen. Sie schrieb mir folgenden Brief über die Verhältnisse vor Ort und ihre Arbeit:

„Im Tierheim befinden sich zusammengepfercht auf 65 qm 135 Hunde und viele Katzen. In den 4 qm großen fensterlosen Zwingern leben oft bis zu 10 Hunde pro Zwinger. Zusätzlich befinden sich in den sechs Auffangstationen in anderen Städten weitere 450 Hunde. In der Slowakei gibt es noch immer viele Tierheim genannte Tötungsstationen für Tiere, Sloboda Zvierat gehört nicht dazu. In diesen Tötungsstationen werden Hunde, die keinen Besitzer haben, nach 28 Tagen erbarmungslos liquidiert. Dr. Eva Cechowa, die vor vier Jahren das Tierheim Sloboda Zvierat (es war ursprünglich auch ein Tötungsheim) übernahm, weigerte sich vom ersten Tag an, die Tiere zu töten. So hatte sie viele Schwierigkeiten mit dem Staat und bekommt auch keine finanzielle Unterstützung …

Da muss ich helfen …
Als ich vor eineinhalb Jahren das Tierheim das erste Mal sah, die Hunde abgemagert, krank, die engen dunklen Zwinger ohne Tageslicht, ohne Auslauf, kaputte Kanäle (wodurch es überall furchtbar stank), zum Fressen nur ausgekochte Knochen mit Brot, da wusste ich: Da muss ich helfen. So begann ich mit meinen Ersparnissen Futter zu kaufen. Leider war das Geld bald aus und ich begann, bei Bekannten und Firmen um Futter zu betteln. Immer wenn mein Auto voll mit Futter war, fuhr ich ins Tierheim. Oft haben sie mich an der slowakischen Grenze wieder zurückgeschickt, und dann war ich ganz verzweifelt. Ein paar Tage später probierte ich es immer wieder, bis es mir gelang, mit dem Futter durchzukommen. Das Tierheim-Team war über die Hilfe aus Österreich überglücklich. Es sind 500 Hunde, die zu versorgen sind. Aber wenigstens einige Tage in der Woche bekommen alle Hunde und Katzen keine braune Knochenbrühe und verschimmeltes Brot – und das ist doch auch schon etwas.

In der Slowakei dürfen frei laufende Hunde getötet werden
Das Sloboda Zvierat-Team leistet in der Bevölkerung viel Aufklärungsarbeit. In der Slowakei ist es gesetzlich erlaubt, dass Jedermann einen frei herumlaufenden Hund oder eine Katze töten darf. Es gibt natürlich viele Sadisten, denen es Spaß macht, Tiere zu quälen oder zu töten. Als ich einmal ins Landesinnere fuhr, sah ich oft in den Dörfern Mistkübel mit toten Hunden. Sogar einen Schubkarren voll toter weißer Spitze habe ich gesehen. Ich war an diesem Tag fix und fertig und konnte wochenlang sehr schlecht schlafen. Ich war sehr traurig. Was sind das nur für Menschen? Leider ist das in der Slowakei an der Tagesordnung. Ein paar Leute bringen mir jetzt monatlich Futter. Es ist erst ein Anfang, aber für mich ist es ein großer Schritt. Das Tierheim-Team und der Vorstand sind hochanständige, ehrliche und ganz große Tierliebhaber. Ich schätze sie alle sehr. Sie sind so dankbar, dass ich manchmal ganz beschämt bin …“

Sie hat viel erreicht!
Und in den vergangenen eineinhalb Jahren hat Ilse Glösl vieles zuwege gebracht. So konnte der defekte Kanal repariert werden, und die Hunde müssen nicht mehr knöcheltief in einer Fäkalienbrühe stehen. Vor einem Jahr stellte der Staat ein größeres Grundstück zum Bau eines neuen Tierheimes zur Verfügung. Doch für die Finanzierung will niemand aufkommen. Mit Hilfe einer holländischen Stiftung und einer englischen Organisation, die insgesamt etwa 30.000 Euro spendeten, konnten die Fundamente jetzt fertig gestellt werden. Für mehr reichte das Geld nicht. Die Zeit drängt, denn das alte Tierheim gehört der Veterinärmedizinischen Universität, die das Heim wegen Eigenbedarf schließen lassen will.

Ilse Glösl versucht nun verzweifelt Sponsoren und private Spen-der zu finden, damit das neue Tierasyl doch noch fertig gestellt werden kann, bevor die Tiere aus dem alten Heim müssen. „Ich hoffe so sehr, dass sich mein Traum vom neuen Tierheim erfüllt und ich es noch erleben darf, wenn es fertig ist!“

WUFF-Leser, die den armen Tieren in der Slowakei ein wenig Weihnachtsfreude bereiten wollen, spenden bitte auf folgendes Konto:
– Ilse Glösl-Tierhilfe, Kto.Nr. 624.999, Raiffeisenbank-Gänserndorf, Bankleitzahl 32092,
– oder setzen sich mit Ilse Glösl direkt unter ihrer Mobil-Telefonnummer +43 (0)664-6362034 in Verbindung.

Eine Österreicherin in Neapel
Ingrid Stummer aus Zwerndorf (Niederösterreich) hat ihre Kindheit in Italien verbracht und sich ihren Traum eines kleinen Häuschens bei Neapel erfüllt. Ein Wermutstropfen für die österreichische Lehrerin ist das herrschende Tierleid in Süditalien. Die Not der Tiere ist unbeschreiblich und mit der Situation in Österreich in keiner Weise zu vergleichen. Hunde oder Katzen werden von ihren Besitzern einfach auf die Straße geworfen und ihrem Schicksal überlassen. Am Straßenrand entdeckt man immer wieder angefahrene oder totgefahrene Tiere. In den ländlichen Regionen vegetieren unzählige Hunde an kurzen Ketten oder in winzigen Zwingern dahin. Mit der von ihr gegründeten Initiative „Tierhilfe Süditalien“ unterstützt Ingrid Stummer das Tierheim „San Francesco“ bei Neapel, in dem mehr als 600 Hunde leben. Weitere Hunde sind in Auffangstationen oder bei privaten Tierfreunden untergebracht. Die tägliche Versorgung der Tiere leistet eine einzige Frau mit einem Helfer. Anna, die gute Seele des Tierheimes, kümmert sich aufopfernd und unter primitivsten Umständen um ihre 600 vierbeinigen Schützlinge. In einem bescheidenen Behandlungsraum werden die Findlinge medizinisch versorgt und gesund gepflegt.

Auch im „San Francesco“-Heim herrscht Mangel, und die Unterkünfte sind baufällig. Immer wieder organisiert Ingrid Stummer Futter und Medikamente, die sie nach Neapel bringt. Und immer, wenn sie die Inschrift beim Eingang des Tierheimes liest, weiß sie, dass sie nicht aufhören wird, den armen Tieren zu helfen: „Rispettare il dolore di chi non ha parola e il diritto di chi non ha difesa … e il dovere di un uomo che siritenga civile (Pflicht jedes Menschen, der sich für zivilisiert hält, ist es, den Schmerz dessen zu achten, der keine Worte hat, sowie das Recht dessen, der sich nicht verteidigen kann“). WUFF-Leser, die helfen wollen, können auf das folgende Tierschutzkonto spenden:

Kto.Nr. 77775162, PSK, Bankleitzahl 60000, Kennwort „Italien“ oder setzen sich mit Ingrid Stummer privat unter der Telefonnummer +43 (0)2284-2354 in Verbindung.

Damit bald wieder ein mit Futter beladenes Auto der Hoffnung Richtung Neapel losfahren kann …

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Wir sind Europa

Mit diesem Slogan werben Politiker für ein geeintes Europa in der EU. Doch angesichts der schrecklichen Zustände in der Slowakei, Ungarn, Rumänien oder Spanien, wo mittelalterliche Tötungslager, Vergasungen und Vergiftungen nach wie vor Realität sind, müssen wir fragen, ob das wirklich unser Europa ist. Einheit muss nicht zuletzt einheitliche Standards im Tierschutz bedeuten und auf keinen Fall darf der gemeinsame Standard der kleinste Nenner sein.

Solange in einem europäischen Land Lebewesen ungestraft misshandelt und gequält werden dürfen, sind die verantwortlichen Politiker nicht reif für ein geeintes Europa. Jeder von uns kann einen Beitrag leisten, damit die Tierquälerei in unseren östlichen und südlichen Nachbarländern ein Ende findet. Protestschreiben an die jeweiligen Botschaftsvertreter sind ein wirksamer Weg dorthin.

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Stellen, an welche Sie Ihren Protest gegen das slowakische Gesetz, nach dem freilaufende Hunde getötet werden dürfen, richten können:

Slowakische Botschaft in Wien,
Armbrustergasse 24, A-1190 Wien,
Tel.: 01-3189055 , Fax: 01-318 90 60

Botschaft der Slowakischen Republik in Berlin, Pariser Straße 44, D-10707 Berlin,
Tel.: 030-88 92 6-20, Fax: 030-88 92 6-222,
E-Mail: [email protected]

Premierminister Nicolás Dzurinda,
Adresse wie slowakische Regierung
E-Mail: [email protected]

Slowakische Regierung: Úrad vlády Slovenskej
republiky, Námestie slobody 1, 813 70 Bratislava, Slowakische Republik, Tel.: +421 2 5729 5111, Fax: +421 2 5249 7595,
E-mail: [email protected] 

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Hunde-Import ist keine Tierschutzlösung: Nur Vor-Ort-Hilfe auf Dauer sinnvoll!

Viele Tierschützer bringen – gutgemeint – massenweise Hunde aus Ungarn, Slowakei, Griechenland, Italien, Slowenien, Türkei oder Spanien nach Österreich oder Deutschland. Das mag in vielen Fällen die einzige Rettung sein und bei Einzelschicksalen auch absolut vertretbar, doch ist es auf Dauer keine Lösung. Im Gegenteil, es gibt mittlerweile sogar österreichische Tierheime, die Welpen aus dem Ausland aufnehmen, weil sie bei der Vermittlung mehr Geld bringen, dafür aber ihre Türen verschließen für heimische herrenlose Hunde und diese ihrem Schicksal überlassen.

Langfristig ist nur die Unterstützung der ausländischen Tierschutzvereine vor Ort die einzige Chance, Tierleid zu beenden. Wie auch Tierschützerin Ilse Glösl in ihrem Brief betont: „Meine große Aufgabe ist es, vor Ort zu helfen. Es hat keinen Sinn, einfach nur die Hunde nach Österreich oder Deutschland zu bringen, wenn unsere Tierheime schon selbst überfüllt sind.“

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