Jägerschaft fordert Überarbeitung des Wolfmanagement-Plans

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Mit 18.000 Exemplaren in Mitteleuropa keine gefährdete Art – Population sollte dem jeweiligen Biotop angepasst sein

Wien (APA) – Mit der Rückkehr des Wolfs auch nach Österreich sieht die heimische Jägerschaft Handlungsbedarf. Unter anderem betrifft dies die Überarbeitung des Wolfmanagement-Plans 2012, wie es in einem am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier heißt.

Wölfe dürfen hierzulande aufgrund ihres absoluten Schutzstatus weder in ihrem Bestand reguliert noch bejagt werden. „Dennoch wollen wir uns rechtzeitig der gesellschaftspolitischen Frage stellen, inwieweit diese Großraubtiere als Schadens- und Konfliktverursacher mit ihrem erneut vermehrten Aufkommen in der heimischen Kulturlandschaft wesentliche Interessen der Jäger berühren“, so der Kärntner Landesjägermeister Ferdinand Gorton, derzeit Vorsitzender des Dachverbands „Jagd Österreich“. Seit dem Management-Plan 2012 haben sich die Ausgangslage bzw. die Rahmenbedingungen verändert, argumentieren die Weidmänner. Damit alle Interessen gleichberechtigt berücksichtigt werden, müsse die länderübergreifende Koordinierungsstelle für den Braunbären, Luchs und Wolf (KOST) reaktiviert werden.

Der Jägerschaft gehe es u.a. um einen gesellschaftspolitischen Diskurs bezüglich der Frage, ob überhaupt und wenn ja, wo und in welcher Anzahl Wölfe in einer von intensiver Alm- und Weidewirtschaft sowie touristischer Nutzung geprägten Kulturlandschaft ihren Platz haben. Zudem sieht man sich mit dem Positionspapier in Übereinstimmung mit den Agrarreferenten der Bundesländer, die sich dafür ausgesprochen haben, rechtzeitig Möglichkeiten zur Regulierung der Bestände zu schaffen.

„Jagd Österreich“ fordert zudem die Übernahme sämtlicher durch Wölfe verursachter Schäden bzw. Präventionskosten durch die öffentliche Hand. Die Daten aus dem Wolfsmonitoring sollten zentral gesammelt und das Wildtiermanagement um diese Raubtiere erweitert werden, insbesondere durch die Schaffung von „Wolffreihaltezonen“. Neben durchziehenden einzelnen Exemplaren hat sich am Truppenübungsplatz Allentsteig in Niederösterreich ein Rudel etabliert. Aber auch in ganz Europa ist diese Tierart auf dem Vormarsch, weshalb die Population in Mitteleuropa (ohne Russland und Ukraine) auf 18.000 Exemplare geschätzt wird. Deshalb sei keines der Kriterien einer gefährdeten Tierart erfüllt.

Da Rot-, Reh- und Gamswild die Hauptbeute darstellen, würde es bei einer entsprechenden Population zu einer dauerhaften Beunruhigung und in weiterer Folge zu Schälschäden am Wald und auch einer Gefährdung der Schutz- und Bannwälder durch Hungerfraß im Winter kommen, befürchten die Weidmänner. Durch die leichte Verfügbarkeit der Weidetiere wären hier gravierende Auswirkungen zu befürchten. Angedachte Schutzmaßnahmen seien jedoch problematisch, etwa durch die Gefährdung von Fußgängern und ihrer Hunde durch Herdenschutzhunde. Einzäunungen seien in den Bergen schwer oder gar nicht umsetzbar.

Deshalb müssten Wölfe Teil eines ganzheitlichen Wildtiermanagements sein, auch um die Population in einer an das jeweilige Biotop angepassten Dichte zu halten. Sollten die Schäden überhandnehmen, sollte rechtzeitig in die Bestände eingegriffen werden. Die Regulierung sei kein explizites jagdliches Ziel. „Allerdings werden in absehbarer Zeit wohl erneut die Jägerschaften zur Problemlösung herangezogen, ohne selbst Verursacher zu sein“, heißt es im Positionspapier.

 

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