„Kampfhundesteuer“ – Eine Stadt in Schieflage

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Gegen den Widerstand der Bevölkerung wurde in Wiesloch (Baden-Württemberg) eine „Kampfhundesteuer“ eingeführt. Und das, obwohl es in dieser Stadt nur 15 davon betroffene Hunde gibt, mit denen es darüber hinaus auch noch nie zu Zwischenfällen gekommen ist. Wer hat also ein Interesse an dieser sog. Lenkungssteuer?

Wie schafft es eine Kleinstadt mit rund 26.000 Einwohnern und 15 sog. Listenhunden in die Medien und erntet die Kritik der Hundehalter? Man führt eine „Kampfhundesteuer“ in der Höhe von 495 Euro im Jahr ein, und das, obwohl in dieser Stadt keine Unfälle mit diesen aufgelisteten Hunden bekannt sind. Auch die Steuer für „normale“ Hunde wurde auf 99 Euro für den ersten und 198 Euro für jeden weiteren Hund angehoben. Wer ist die treibende Kraft für diese aus Sicht der Hundefreunde ungerechtfertigte Steuer? Könnte es sich vielleicht sogar um reine Willkür oder Geldbeschaffung handeln?

Wiesloch hat also gegen den Widerstand der Bevölkerung die „Kampfhundesteuer“ eingeführt, von der es keine Möglichkeit der Befreiung gibt. In meinem Online-Hundemagazin dogaktuell.de bezeichnete ich dies als Rassenhass und Rassendiskriminierung, was dem Oberbürgermeister Dirk Elkemann offensichtlich gar nicht gefiel. Er verwies auf die Definition von Rassendiskriminierung, wonach der Begriff nur für Menschen gelte, und sagte in der Gemeinderatssitzung: „Man sollte auf sprachliche Hygiene achten, denn wir kommen sonst in Schieflage.“ Das ist natürlich nicht meine Absicht. Der Begriff wird wahrhaftig so definiert, wie es der Oberbürgermeister verlauten ließ. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass der Begriff „Rasse“ nur bei Tieren und Kulturpflanzen Anwendung findet. So gibt es bei Hunden verschiedene Rassen, wie beispielsweise den Labrador und den wiederum gibt es in den Farben Schwarz, Gelb und Braun. „Menschenrassen“ hingegen gibt es nicht. Menschen in „Rassen“ zu unterteilen ist nach genetischen Forschungen zur menschlichen Population überholt. Achten wir auf die sprachliche Hygiene, so können wir die Begriffe „Rassenhass“ und „Rassendiskriminierung“, entgegen der vom Herrn Oberbürgermeister zitierten Definition, nur auf Tiere und Kulturpflanzen, nicht aber auf Menschen anwenden, da es bei diesen keine unterschiedlichen Rassen gibt.

Wiesloch in Schieflage
In Schieflage geriet Wiesloch nun aber dennoch. Weniger wegen der sprachlichen Hygiene als vielmehr wegen der „Kampfhundesteuer“. Ein Hundehalter aus Wiesloch war durch familiäre Umstände finanziell am Limit angelangt. Die erhöhte Kampfhundesteuer konnte er nicht auch noch erbringen, weshalb er nach einem neuen Platz für seinen Hund suchen musste. Er hatte ihn einst aus dem Tierschutz übernommen. Seither lebte der Hund mit ihm und seinen beiden kleinen Kindern ohne Probleme und Vorkommnisse zusammen. Nun muss er sich von ihm trennen. Nicht nur für ihn und den Hund eine Tragödie, sondern gerade auch für die Kinder. Der Hund war für sie Vertrauter und Spielkamerad. Nun muss er weg, weil der Hund, der nie etwas Böses getan hat, angeblich gefährlich ist. Wie soll den Kindern mit solchen Erlebnissen der Unterschied zwischen gut und böse, zwischen lieb und gefährlich vermittelt werden? Hat der Herr Oberbürgermeister dafür eine sprachlich hygienische Erklärung? Immerhin erklärte sich der Stadtrat Bernd Lang für ein Interview bereit (siehe ­unten).

Facebook-Gemeinschaft schreitet ein
Da den Gemeindevertretern die Sorgen und Nöte ihrer Gemeindemitglieder absolut gleichgültig zu sein scheinen, traten die empörten Hundefreunde der Facebook-Gruppe „Nein zur Rassendiskriminierung in Wiesloch – gleiche Steuer für alle Hunde“ ein und sammelten den Differenzbetrag, damit der Hund bleiben kann. Ein Jahr ist gesichert, doch was geschieht dann? Dem Gemeinderat scheint dies egal zu sein, solange die Kasse stimmt. Die Bürger scheinen kein Problem mit einzelnen Hunderassen zu haben. Bei einer Online-Umfrage der Rhein-Neckar-Zeitung stimmten bei der Frage „Wiesloch – Sind Sie für eine Kampfhundesteuer?“ 95,23% für Nein. Ein Armutszeugnis für die Politik in Wiesloch.

Alle Berichte zu diesem Thema können Sie unter http://www.dogaktuell.de mit dem Suchbegriff Wiesloch finden und ­nachlesen.

Interview: Stadtrat Bernd Lang zur Hundesteuer in Wiesloch

Die Redaktion der lokalen Internet-Zeitung wiwa-lokal.de hat den Stadtrat Bernd Lang (FDP) zur „Kampfhundesteuer“ in Wiesloch befragt und um eine Stellungnahme gebeten. Bernd Lang ist „Teilzeit-Hundehalter“ eines (Zitat) „besterzogenen, liebsten und bravsten Familienhundes in ganz Wiesloch – eines Ridgebacks“. Den auf die Liste gesetzten Hunden scheinen diese positiven Eigenschaften von den verantwortlichen Politikern generell abgesprochen zu werden.

Weiters führt Stadtrat Bernd Lang gegenüber wiwa-lokal.de aus: „Allerdings muss ich auch gestehen, wenn mir ein Kampfhund begegnet, und mag er noch so an der kurzen Leine mit dickem Lederhalsband nahe am Herrchen oder Frauchen geführt sein, so habe ich schlichtweg Angst. Für den Besitzer ist das wahrscheinlich völlig unverständlich. Aber die Hunde scheinen das zu bemerken und schauen mich oft ganz merkwürdig an, wenn sie vom Besitzer voller Stolz – glücklicherweise ohne bei mir physischen Schaden angerichtet zu haben – vorbeigeführt werden. Im Ernst: Zum einen bestimmt der Empfänger immer die Botschaft, zum anderen, woher soll ich wissen, ob der Besitzer und der Hund nicht nur bei der Wesensprüfung, die schon lange zurückliegen kann, gut drauf war, sondern auch aktuell ist. Ich kann den bisherigen Stellungnahmen nicht folgen, die den Eindruck erwecken wollen, als könnten die geächteten Rassen genauso erzogen und gehalten werden wie alle anderen Hunderassen.

Es ist schlichtweg schockierend, dass persönliche Befindlichkeiten von einzelnen Politikern offenbar die Triebfeder für eine solche „Kampfhundesteuer“ sind.

Pdf zu diesem Artikel: kampfhundesteuer_wiesloch

 

1 Kommentar

  1. Alle Hundebesitzer in Wiesloch sollten am Bürgermeisteramt demonstrieren und verlangen, dass alle Hunde gleich viel bezahlen sollten UND, dass es eine Katzensteuer geben sollte. Weiter sollten alle Hundebesitzer die einen Spurhund etc. sich weigern diese einzusetzen bis diese Ungerechtigkeit beseitigt ist.