Kleiner Methusalem: Tobi, 21 Jahre alt

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21 Jahre alt ist Tobi, ein Dackelmix aus Wien. Im Alter von 10 Jahren war Tobi in die „Midlife Crisis“ gekommen und depressiv geworden, doch die Vergrößerung der ­Familie durch einen zweiten Hund konnte ihm wieder Lebensfreude geben. Und auch der Menschennachwuchs wurde in Tobis Herz geschlossen.
Mit 21 Hundejahren ist Tobi tatsächlich ein kleiner Methusalem. Die eine oder ­andere Eigenheit, die sich allmählich entwickelt hat, wird von Frauchen und ­Herrchen ­dennoch dankbar akzeptiert.

Geboren wurde Tobi – ein ­wunderbarer Hund, in dem die Vorzüge vieler Rassen vereint sind – im Frühling 1990. Im Alter von 5 Jahren zog er bei uns ein. Mit ungefähr 10 Jahren bekamen wir das Gefühl, dass unseren kleinen Freund die Kräfte verließen. Das Interesse an seinen Hundefreunden, an Ausflügen, am Futter, eigentlich überhaupt am Leben ließ rapide nach. Ein Check beim Tierarzt endete zu unserer Erleichterung – aber auch Verwunderung – mit der Diagnose „absolut gesund“. Im Nachhinein würden wir sagen, Tobi hatte die „Midlife Crisis“.

Ein zweiter Hund kommt ins Haus
Nun wagten wir ein Experiment, um Tobi wieder Freude am Leben zu geben: ein zweiter Hund, Nanok, ein stürmischer und temperamentvoller Rüde kam zu uns. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, und der geduldige Tobi ließ sich wirklich viel gefallen, vor allem Nanoks Lieblingsbeschäftigung, Tobis Ringelschwanzerl ins Maul zu nehmen und ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Auf Spaziergängen übernahm Tobi die Beschützerrolle und passte gut auf seinen neuen Spielgefährten auf. Von Tag zu Tag konnten wir zusehen, wie Tobi wieder glücklicher wurde. Es schien, als sei er mit seiner neuen Aufgabe zufrieden.

Menschennachwuchs
Nun, die Jahre vergingen, und im ­Hause von Tobi, der Kinder nie so richtig ­leiden mochte, gab es Menschen­nachwuchs. Überraschender Weise schloss Tobi 2006 das erste Baby und zwei Jahre später das zweite von Anfang an in sein riesengroßes Hunde­herz. Im Gegensatz zu Nanok war er niemals eifersüchtig. Oft legte er sich neben die Babys, als wollte er sie bewachen oder auch nur um zu zeigen, dass er sie mag. Jetzt wo die Kinder etwas größer sind, lässt sich Tobi geduldig streicheln. Die Kinder lernten sehr schnell, vorsichtig mit Hunden umzugehen. Ein einziges Mal hat er gebrummelt, als die Kinderhände an seinen Haaren zupften. Die Kinder haben dadurch gelernt, dies nicht mehr zu tun. Und Tobi musste auch nie mehr brummeln.

Aber Tobi kann deutlich mehr als sich nur streichen zu lassen. Mit Vorliebe läuft er mit unserem Nachwuchs im Haus an der Leine herum und zeigt mit ihnen verschiedenste Tricks, wobei er sich auch gerne mal was Neues einfallen lässt. Zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehört aber „intelligentes“ Hundespielzeug, bei dem er sich viele selbstgebackene, für Tobi nach Traditioneller Chinesischer Medizin maßgeschneiderte Hundekekse verdienen kann. Draußen unterwegs ist Tobis Leidenschaft nach wie vor das Mäuse­jagen.

Polsterstiege auf die Couch
Viele von Ihnen werden sich fragen, und ist Tobi gesund? Ja er ist es, einzig manche Dinge verändern sich mit den Jahren: Sein Fell hat sich von schwarz zu grau gefärbt. Diesen Silvester merkten wir, dass wohl auch sein Gehör nachlässt, denn es war der erste Jahreswechsel, den unser Tobi verschlafen hat. Allerdings ist das Geräusch der sich öffnenden Kühlschranktür nach wie vor Garant dafür, dass Tobi seinen Lieblingsplatz verlässt. Alle Wege – Stadtspaziergänge mag er besonders – legt er aber noch immer auf seinen eigenen vier Pfoten zurück, einzig über Stiegen wird er seit zwei Jahren getragen, um seinen doch langen „Dackelrücken“ zu schonen. Zu seinem Lieblingsplatz, einem Couchsessel, haben wir ihm eine Polster­stiege gebaut, damit er nicht mehr so hoch springen muss. Doch jeden ­Morgen fragen wir uns, warum eigentlich, denn den Weg ins Bett findet er auch ohne Stufe.

Tobis Spielverhalten wird zusehends weniger, wobei er sich von ausgewählten Spielfreunden (meist richtige Jungspunde) noch immer zum Spielen motivieren lässt. Zuhause hat er vor einigen Monaten eine neue Eigenart entwickelt, er mag es gar nicht, wenn wir länger telefonieren. Je länger ein Gespräch dauert, desto heftiger wird Tobis Brummen, bis es in ein Bellen übergeht, so als wollte er sagen, und wer beschäftigt sich mit mir? Ja, und dieses Verhalten zeigt schon, dass er – so wie eh und je – immer und überall dabei sein will, was er natürlich auch darf, manche Dinge verändern sich eben auch mit den Jahren nicht.
Liebes Tobilein, danke für die vielen unvergesslichen Jahre; wir hoffen noch auf eine lange schöne gemeinsame Zeit!

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