Klinik unter Palmen

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1992

Ehrenamtliches Engagement aus Leidenschaft

Die Vorarlbergerin Fabienne Meyer ist eine große ­Hundeliebhaberin und war in den vergangenen Jahren bereits 3 Mal als Volunteer in der Dog Care Clinic in Sri Lanka. Seit 2007 verfolgt die Klinik ­unter anderem ein konsequentes Impf- und Kastrationsprogramm, ­behandelt verletzte Tiere, zieht ausgesetzte Welpen groß und vermittelt sie in einheimische ­Familien. Lesen Sie die Geschichte über die Klinik unter Palmen.

Durch eine Dokumentation werde ich im Sommer 2014 auf die Dog Care Clinic (DCC) in Sri Lanka aufmerksam. Sofort fasziniert beschließe ich Kontakt aufzunehmen und werde sogleich herzlich eingeladen vor Ort zu helfen. Im Februar 2015 ist es dann soweit, mein erster Trip nach Sri Lanka startet. Ich bin sehr nervös und voller Spannung, was mich erwartet. ­„Urlaubs­paradies unter Palmen“ ist das Erste was mir einfällt, wenn ich an Sri Lanka denke. Dort angekommen offenbart sich mir aber ein Bild, das auf den zweiten Blick nichts mit einem Paradies zu tun hat. An jeder Straßenecke blickt einem das Elend aus traurigen Augen entgegen. Ausgemergelte, von Krankheiten und Parasiten befallene, verletzte und von den Menschen nicht beachtete Straßen­hunde, soweit das Auge reicht. Ein Anblick bietet sich mir, den ich so nicht erwartet habe.

Angekommen
Nach einer zweistündigen Autofahrt erreiche ich meine Unterkunft in ­Mihiripenna/Talpe. Diese wird mir von der Klinik angeboten und ist nur 10 Gehminuten von dem Gelände entfernt. Gleich darauf mache ich mich auf den Weg zur Dog Care Clinic, um zu sehen, was mich erwartet. Das Gelände ist einfach der Wahnsinn. 20.000 m², auf denen sich die verschiedenen Hunde­rudel auf einer wunderschönen Gartenanlage frei bewegen können. Eine Welpenstation, wo die kleinen Racker spielen und toben können. Eine „Intensive Care Station“, wo die frisch operierten Hunde unter ständiger Aufsicht in Ruhe wieder genesen können. Zwei Operationstrakte, die steril und nach westlichem Standard eingerichtet sind. Ich bin vom ersten Augenblick an begeistert, denn trotz Fotos und Videos ist der persönliche Eindruck so faszinierend und berührend für mich. Liebevoll werde ich gleich in das Team aufgenommen.

Beliebte Schmuseeinheiten
Mein Aufgabengebiet ist überaus vielfältig. So darf ich teilweise medizinische Assistenz leisten, bin bei der Futtervergabe dabei, füttere die ganz Kleinen mit der Flasche, begleite die Fütterungstouren außerhalb der Klinik, mache Fell- und Ohrenpflege und, was natürlich nicht fehlen darf, ganz viel Schmusen und Spielen. Das kommt am besten bei den Hunden an, denn die meisten von ihnen kennen keine Liebe und sind trotz allem, was sie erlebt haben, liebevoll und zutraulich. Das fasziniert mich auch am allermeisten an diesen Hunden, denn hier kann man sehen, wie tief ihre Liebe ist. So toll die Arbeit auch ist, darf man einen Aspekt nicht außer Acht lassen, und das sind die vielen Bilder, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Man ist so hinundhergerissen zwischen Faszination, Trauer und unendlicher Wut. Denn trotz der Armut in Sri Lanka kann ich die Grausamkeit gegenüber den Tieren nicht nachvollziehen. ­Teilweise werden die Hunde mit Säure oder brühendem Wasser übergossen. Angefahren und einfach schwer verletzt auf der Straße liegen gelassen. Mit schwerwiegenden Verletzungen gerade im Halsbereich, da sie oft mit Stacheldraht oder Stricken festgebunden werden und sich kaum hinsetzen können, vor dem Tor ausgesetzt. Kleine wehrlose Welpen werden in Kartons oder Müllsäcken in den Graben geworfen und sich selbst überlassen. Und das sind nur einige wenige Beispiele an Grausamkeit. Ich habe wirklich großen Respekt vor dem DCC-Team, denn damit jeden Tag klar zu kommen ist eine Belastung, die mich schon nach drei Wochen an meine Grenzen bringt.

Zweite Chance
Was bei mir auch noch einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, sind die Verwandlungen der Hunde. Sie kommen teilweise ohne Fell, übersät von Wunden und Parasiten und sind nach der Behandlung kaum wieder zu erkennen. Die DCC gibt ihnen eine zweite Chance und schenkt ihnen Liebe. Bei meinem zweiten Aufenthalt lerne ich dann die Gründerin und das Herz der Klinik Marina Möbius kennen. Ich bin sofort begeistert von ihrer herzlichen Art und ihrer Liebe zu den Hunden. Leider finanziert sie über 80 % aus eigener Tasche, da es von der Regierung Sri Lankas keinerlei Unterstützung gibt. Sie leistet Arbeit für Mensch und Tier. Das „DCC 50+ Programm“ z.B. unterstützt bedürftige Familien und schafft ihnen ein sicheres Einkommen. Die Rentner müssen sich um einen Hund aus der Klinik kümmern, so bekommen die Tiere ein Zuhause und die Besitzer sind nicht so alleine. Arme und mittellose Menschen können ihre Hunde kostenfrei zur Behandlung, Kastration und Impfung bringen. Mittlerweile wurden schon fast 53.000 Hunde kastriert, nur so kann die Anzahl der Straßenhunde nachhaltig reduziert werden. Über 500.000 Impfungen sorgen dafür, dass die Infektionsgefahr verringert wird. Einheimische bekommen eine Saison unabhängige und sichere Beschäftigung mit einem überdurchschnittlichen Gehalt. Die DCC ist dringend auf die Hilfe von außerhalb angewiesen. Jeder kann helfen, denn jeder Euro zählt. Ich habe auch schon einen sehr tollen Patenhund, den ich monatlich mit einem von mir vorgegebenen Betrag unterstütze. Auch Geldspenden sind sehr hilfreich. Mittlerweile war ich schon drei Mal für das Projekt im Einsatz und werde demnächst wieder für einen Monat vor Ort sein. Ich bin sehr froh, dass ich mich entschieden habe, mir ein eigenes Bild zu machen, zu sehen, dass es Menschen wie Marina Möbius gibt, die sich mit Leib und Seele für das Wohl von Tier und Mensch einsetzen.

Mich haben diese Aufenthalte positiv verändert und nachhaltig geprägt. Ich kann wirklich jedem, der ein Herz für Hunde hat, dieses Projekt empfehlen. Die Dog Care Clinic ist auf jeden Fall einen Besuch und eine Spende wert.

Hintergrund

Helfen und informieren
Sparkasse Villingen-Schwenningen
IBAN: DE 6769 4500 6501 5096 9221
BIC: SOLADES1VSS
Empf.: Dog Care Clinic e. V.
Spende auch über Paypal möglich
http://www.dogcare-clinic.com

Pdf zu diesem Artikel: klinik_unter_palmen

 

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