Lucky, der Allesvernichter …

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Luckys Name ist Programm. Seine Mutter und Geschwister ­wurden vom Bauern, wo er geboren wurde, erschlagen. Er entkam nur durch Zufall dem Tod, weil ein tierliebender Mensch ihn in letzter ­Sekunde mitgenommen hatte. Schlussendlich landete Lucky bei Familie Kainrath, der er viel Freude, aber auch Sorgen bereitet hat.

Wir hatten uns schon lange überlegt, ob wir uns einen Hund anschaffen sollten. Allerdings hatte meine Tochter (damals 7 Jahre alt) große Angst vor Hunden, weshalb wir uns nicht sicher waren, ob eine Entscheidung für einen Hund eine kluge wäre. Eines Tages erhielten wir Nachricht von einem guten Bekannten, dass ein Hund, der bis dato sehr armselig gelebt hätte, zu vergeben wäre. Ohne große Hoff­nungen machten wir uns auf und ­lernten auf einem Bauernhof Lucky kennen. Damals war Lucky 14 Wochen alt und hatte schon einiges in seinem kurzen Hundeleben erlebt: Seine ­komplette Hunde-Familie war von einem Bauern erschlagen worden, er selbst hatte nur durch Glück überlebt. Denn bevor auch Lucky erschlagen werden sollte, wurde er von einem Menschen, der Mitleid mit ihm hatte, mitgenommen. Darum wurde er auch Lucky getauft.

Trotz dieser tragischen ­Geschichte waren wir allerdings immer noch skeptisch, ob wir Lucky bei uns aufnehmen sollten, dies eben vor allem, weil meine Tochter so große Angst vor Hunden hatte. Wir nahmen Lucky für vorerst ein paar Stunden „zur Probe“ mit (so dachten wir). Aus den „paar Stunden“ wurden schlussendlich fast vier abenteuerliche, aber doch auch wunderbare Jahre mit Lucky.

Im April 2008 kam Lucky zu uns
Lucky war ein Allesvernichter – kein Müll, keine Taschentücher (seine ­Lieblingsmahlzeit), keine Mauer oder auch nur ein einen Moment nicht beobachteter Teller waren sicher vor ihm. Leider auch keine Meerschweinchen, die Lieblinge meiner ältesten Tochter, die er in einer Blitzaktion verputzte (dies ausgerechnet an ihrem Geburtstag). Er liebte es auch, die Nachbarsenten sowie unsere Hasen zu jagen (so er die Chance hatte).

Bellen war sein zweites ­Lieblingshobby
Vor allem bei Spaziergängen bellte er gerne Jogger, Radfahrer, Traktoren, Schäferhunde oder Kühe an. Allerdings war er kein „Raufer“, denn ihm ging es dabei nur ums „Anpöbeln“. Außerdem liebte er totes Getier und Beute. Eine Geschichte ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Eines Tages auf einem Spaziergang fanden wir einen Rehkopf, den er doch glatt mit ins Auto schleppte und dort auf Leben und Tod verteidigte, auch vor uns.

Wir besuchten alle Hundeschulen mit ihm, beginnend von der Welpen­schule bis hin zu einem Hundecoach, den wir extra holen ließen, um Luckys Negativ­seiten, wie das bereits erwähnte Jagen, Allesfressen oder Bellen, wenn schon nicht vollkommen zu unterdrücken, so doch in normale Bahnen zu leiten, aber alles ­nützte nichts. Der Hundecoach meinte nur, dass in Lucky eine Mischung von Jadgterrier, Pinscher und Appenzeller zu finden sei, dass eine ­vollkommene Unterordnung nicht stattfinden wird können. Lucky war einfach der ge­borene Anführer und Jäger.

Aber abgesehen von diesen ­durchaus negativen Seiten war er auch ein Charmeur und Schmuser, manchmal gar folgsam (so er wollte), außerdem brachte er meiner Tochter bei, ­keine Angst vor Hunden zu haben, und beschützte uns mit seinem Leben. Hundedamen gegenüber zeigte er sich stets von seiner besten Seite, mochten die Damen noch so groß und gefährlich sein, mit Lucky ­spielten sie immer. Auch wurde er mit fast vier Jahren langsam ruhiger und auch ­folgsamer und anhänglicher als in ­seiner Anfangszeit mit uns.

Leider war es seine große Angst, die Lucky nach fast vier Jahren ohne Vorwarnung von uns riss: Er hatte zeit­lebens furchtbare Angst vor Schüssen und Knallern. Am 29.12.2011 ging mein Mann mit ihm spazieren, dies um zumindest sein Geschäft verrichten zu können. Was wir nicht ahnen konnten; im Nachbarhaus wurde bereits am 29. eine Art Vor-Silvester gefeiert, dies mit üblichen Knallereien etc., die allerdings erst begannen, als mein Mann und Lucky die Wohnung bereits verlassen hatten. Lucky hörte die Knallerei, riss sich von meinem Mann los und verschwand im nahegelegenen Wald.

Seit diesem Tag ist Lucky spurlos verschwunden. Wir haben überall nach ihm gesucht, die Polizei verständigt, sind in die Tierheime, zu Tierärzten. Auch in den jeweiligen Sozialen Netzwerken wurde sein Bild verteilt. Aber alles nützte nichts. Er war schon zuvor öfter mal ausgerissen, aber jedes Mal nach Hause zurückgekehrt. An diesem Abend leider nicht. Am schlimmsten für uns ist die Tatsache, dass Lucky fünf Minuten von unserer Wohnung entfernt spurlos verschwand. Bis heute vermissen wir ihn schmerzlich und hoffen immer noch, dass er eines Tages zurückkommt, denn er hat unser aller Leben bereichert.

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