Makler-Assistent auf vier Pfoten: English Setter Oscar testet Immobilien auf Hundetauglichkeit

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Stilvoller Altbau, Grünruhelage, komplett saniert, familienfreundlich … Immobilienmakler schöpfen für ihre Anzeigen aus dem immer gleichen Begriffsreservoir. Ein Wiener Unternehmen hat es erweitert und spricht nun auch Hundebesitzer an.

Wer auf die Homepage immovos.at­ der Dr. Vospernik Immobilien GmbH geht, der kann die angebotenen Häuser und Wohnungen nach den üblichen Kriterien selektieren – oder aber er wählt den Button Hunde(T)raum und gelangt direkt zu Objekten, in denen sich der vierbeinige Begleiter richtig wohl fühlt. Hier sind Hunde nicht nur erlaubt, sondern die Immobilie wurde eingehend auf Hundetauglichkeit getestet. Dafür »bürgt« Makler-Assistent Oscar, ein vierjähriger English-Setter-Rüde, der tatsächlich bei der Erst-Besichtigung dabei ist. Domizile, die seinen Ansprüchen und denen von Hundebesitzern genügen, erhalten das Label »Haustierfreundlich«.

»Für uns ist das mehr als nur ein Marketing-Gag«, sagt Geschäftsführer Dr. Anton Legerer. Er wisse, wie schwierig es für viele Hundehalter sei, eine geeignete Wohnung zu finden. Eigentlich darf der Eigentümer weder in Österreich noch in Deutschland generell ein Haustier verbieten. Vor Kurzem hat der Oberste Gerichtshof in Wien festgestellt, dass man Hunde und Katzen halten darf, wenn nichts anderes vereinbart ist. Klauseln, die Tiere in der Wohnung grundsätzlich untersagen, seien nichtig. Nach diesem Urteil kommt es darauf an, was ortsüblich ist, und die Anschaffung eines Haustiers muss dem Vermieter nicht einmal mitgeteilt werden.

Legerer verweist zudem auf die große Bedeutung von Haustieren für die Psychohygiene von Menschen, gerade im städtischen Raum. Sein Unternehmen ist vor allem in Wien tätig und in einer Stadt dieser Größe sei es eine besondere Herausforderung, Wohnraum zu entdecken, der haustiergerecht ist. Dabei sei das für die Wohnzufriedenheit der Halter von beispielsweise Hunden genauso relevant wie die üblichen Kriterien Wohnfläche, Raumaufteilung etc., so der Immobilien-Experte. »Wir wollen daher das Augenmerk darauf richten und damit einen Benefit vor allem für unsere Vierbeiner erreichen.«

In der Praxis aber würden Bewerber mit Hund trotz der rechtlichen Situation häufig schlicht abgelehnt, berichtet Immobilienmaklerin Elisabeth Preissl von Vospernik, die Besitzerin von Oscar. »Warum ein Mieter nicht genommen wird, muss ja gar nicht begründet werden.« So sei sie gemeinsam mit Legerer auf die Idee gekommen, sich speziell um diese Klientel zu kümmern. Anhand einer Checkliste werden nun alle Immobilien von Vospernik daraufhin überprüft, wie es sich dort mit Hund lebt. »Im Grunde hat mich Oscar selbst darauf gebracht«, schmunzelt Preissl. Er sei extrem neugierig und spaziere in jeden offenen Hauseingang, wenn ihn niemand zurückhalte.

Detaillierte Checkliste
Wie der Vermieter zu Hunden steht, ist nur ein Punkt auf Oscars Checkliste. Ebenso schaut er sich an, ob die Wohnung einen Garten hat, wo er in der Umgebung gerne spazieren gehen würde und wie weit die nächste Hunde-Auslaufzone entfernt ist. Es sollte genügend Platz fürs Körbchen sein, Hunde-Senioren bevorzugen die Erdgeschoss-Wohnung oder freuen sich über einen Lift und auch jüngere Artgenossen mögen glatte Böden eher wenig. Für langhaarige Rassen ist eine Badewanne nicht schlecht und für alle Hunde-Besitzer interessant, wo sich der nächste Tierarzt und das nächste Geschäft für Futter, Leckerlis etc. befinden. Diese Merkmale stehen auf der Checkliste des Makler-Assistenten Oscar, werden je nach Objekt mit einem Haken und Entfernungsangaben versehen sowie in die Vorstellung des Objekts aufgenommen.

Die Resonanz auf das neue Angebot sei sehr gut, erzählt Legerer. Zwar müssten die Makler so im Vorfeld mehr abklären – Oscar benötigt ein wenig Unterstützung! – der Aufwand lohne sich aber. Schließlich gab es in Österreich 2020 über 800.000 Hunde, in Deutschland fast elf Millionen, wobei die Corona-Pandemie zu einem starken Anstieg gegenüber den Vorjahren geführt hatte. Eine sehr große Zielgruppe also, die in Sachen Wohnungssuche bisher eher vernachlässigt worden ist. Oscar ist ein Sympathieträger und die Exposés mit seinem Logo fallen einfach auf. Wichtiger sei aber der konkrete Nutzen für die Kunden, betont Preissl. Wer mit Hund auf Wohnungssuche gehe, verstecke den ja oft eher. »Bei uns ist er willkommen und wir sagen auch ehrlich, welche Immobilien mit einem Vierbeiner nicht geeignet sind oder wo höchstens ein kleiner Hund möglich ist. Wir möchten so mit unserem Gütesiegel auch die artgerechte Tierhaltung erleichtern.«

Hund nicht verstecken müssen
Eine super Sache seien diese Checklisten, meint ein Wiener Lehrer, der bei der Suche nach einer Wohnung für sich und seinen jungen Labrador auf Vospernik Immobilien stieß. Zunächst einmal habe er die Präsentation auf der Website vor allem lustig gefunden. Oscar, der seine schwarze Schnauze einfach überall reinstecken muss. »Ich habe sofort das Bild im Kopf gehabt, wie dieser Setter durch Wien und das Umland streift.« Schnell entdeckte der 45-Jährige eine von Oscar empfohlene Wohnung und bei der Besichtigung kam die Maklerin dann tatsächlich mit ihrem vierpfotigen Gehilfen. Klar, das Gespräch sei völlig anders als sonst verlaufen. Kein »Da muss ich erst einmal mit dem Vermieter reden«, kein »Na ja, da muss ich einmal schauen. Macht er denn auch nichts kaputt?« Stattdessen gab es gleich Informationen, die für Hundehalter wichtig sind. »Die stimmten alle mit Oscars Checkliste überein. Der hat wirklich gut gearbeitet. Und man kann über [email protected] sogar mit ihm kommunizieren«, lacht der Labrador-Besitzer.

Bei einem Kauf eines Hauses ist es in der Regel kein Problem, wenn ein Hund zum Haushalt gehört. Doch auch hier würden die Kunden den Service einer Vorauswahl begrüßen, so Preissl. Viele haben keine Lust, das alles zu recherchieren, und Hunde haben eben definitiv auch Ansprüche an das neue Heim der Familie. Inzwischen gibt es sogar schon Verkäufer, die jahrelang mit Hund in ihren eigenen vier Wänden gelebt haben und diese nun gerne wieder an Hundebesitzer weitergeben möchten. Preissl versteht das, denn so mancher hänge sehr an seinem Zuhause. Wenn er aus beruflichen oder anderen Gründen umzieht, möchte er es in guten Händen wissen und sich oft auch eine Fellnase vorstellen, die durch seinen Garten tobt. Eine Kundin Preissls, die demnächst auswandern möchte, kann das nur bestätigen: »Wenn ich aus beruflichen Gründen nach Deutschland gehe, soll in mein Wiener Haus wieder jemand mit Hund einziehen.« Immobilien-Tester Oscar hat das schon eingehend beschnüffelt und für gut befunden!

Interessante Links

OGH kippt Hundeverbot in Wohnungen
Artikel in Tageszeitung »Der Standard«
https://tinyurl.com/vf3f8t2h

Eine Million mehr Haustiere in der Pandemie
Artikel in »ZEIT Online«
https://tinyurl.com/2sy3ydec

Immovos
https://immovos.at

 

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