Mal Nervensäge, mal Nervenbalsam

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Im Dezember 2001, es war gerade wirklich kalt in Wien, wurde ich von Unbekannten im 14. Bezirk ausgesetzt; genauer gesagt, an einer Parkbank festgebunden. Von der Tierrettung eingefangen, kam ich ins Tierschutzhaus nach Vösendorf, wo ich etwa eine Woche gemeinsam mit einem zweiten Hund in einem der Zwinger zubringen musste. Kurz vor Jahreswechsel an einem beißend kalten Wintertag kamen – wie so oft in dieser Woche – Besucher ins Tierheim. Während mein Zwingergenosse eher missmutig die umherwandernden Personen anknurrte, war für mich klar: Holt mich hier raus! Schließlich musste ich meine beiden neuen Familienmitglieder ja davor bewahren, sich einen der anderen Hunde zu nehmen …"

Keine leichte Aufgabe
Seit damals ist viel Zeit vergangen. Knoxl ist nun 72 cm groß, wiegt etwa 34 kg und ist ein wunderschöner Rüde geworden. Obwohl die Anfangszeit nicht immer ganz einfach war, wurde Knoxls Bindung an uns kontinuierlich stärker. Im Nachhinein gesehen, war die Übernahmezeit mit 6-7 Monaten doch auch eine extra schwierige Aufgabe, weil die Pubertätsphase, die eigentlich mehr in Richtung Verselbständigung geht, bei uns mit unserer Bindungsphase zusammenfiel. Vielleicht hätten wir anfangs nicht sofort einen reinen Unterordnungskurs besuchen, sondern viel mehr Prägungsarbeit machen sollen. Also keine Gruppenkurse, nicht gleich das ganze Programm mit 10 Mensch-Hund-Teams für eine halbe Stunde, dazwischen eine Pause und dann noch einmal das Ganze. Das war und ist für viele Hunde einfach Stress, der besonders Knoxl sicher nicht gerade förderlich war. Bindung kann man schwer aufbauen, wenn rund um einen herum mehrere andere Hunde bellend, kläffend, hechelnd und ähnlich überfordert in ihrer Leine hängen, während alle gleichzeitig „Fuß" üben. Nun ja, irgendwann waren auch wir so klug einzusehen, dass diese Art des Trainings keinen Fortschritt für uns darstellte.

Auf der Suche nach der richtigen Hundeschule
Das war unter anderem auch der Grund, warum wir schließlich in unserer derzeitigen Hundeschule (ÖRV Langenzersdorf bei Wien) gelandet sind. Ausbildungsmäßig waren wir nicht schlecht drauf, allerdings basierte unsere vorherige Arbeit auf positiver Bestätigung mit nur Locken und nicht dem aktiven „Mitarbeiten Wollen", was in Langenzersdorf gefördert wird. Knoxl lernte dort nicht nur sich zu konzentrieren, sondern auch, dass Eigeninitiative belohnt wird. Seit 2,5 Jahren trainieren wir nun mehrmals pro Woche begeistert einige Sparten der Hundeausbildung im Einzelunterricht in kurzen Einheiten. Besonders die Unterordnung hat es uns angetan, wo wir nun die BgH3 mit Vorzüglich abgelegt haben. Aber auch Obedience, Dogdancing, Fährten und kleine Ausflüge in die sportliche Schutzarbeit haben aus Knoxl einen ausgeglichenen, selbstsicheren Hund gemacht, der natürlich auch seine „Fehler" hat (wie z.B. seinen ausgeprägten Jagdtrieb).

Mit dem Hund tanzen?
Nachdem Dogdancing immer mehr verbreitet ist, will ich vielleicht ein bisschen Lust darauf machen. Besonders für Hunde in der Stadt ist es eine tolle Beschäftigungsmöglichkeit! Knoxl und ich machen das selber, ohne Unterricht, zuhause, am Gürtel beim Gassigehen, im Prater etc., wo es uns eben einfällt. Wir können nichts Besonderes, auch deshalb, weil Knoxl eigentlich zu groß für mich ist. Beim Rückwärtsslalom muss Knoxl seinen Kopf einziehen, durch die Arme Springen geht sich knapp nicht aus, und beim Sprung in die Arme bin ich schon mal umgefallen. Ansonsten macht´s halt einfach Spaß, und es gibt immer was Neues zu lernen. Und auch mitten in einer Stadt wie Wien sind den Fantasien keine Grenzen gesetzt: ein Slalom um die Begrenzungspfeiler, eine kurze Unterordnung auf der Wiese im Park, Dogdancing-Tricks am Parkplatz oder Apportieren in einer Hundezone. Als Hund in der Stadt lebt es sich nicht unbedingt schlechter, Kreativität ist allerdings gefragt. Ansonsten ist Knoxl Allesfresser, leidenschaftlicher Schwimmer, macht gern Urlaub und ist seit neuestem Katzenfan.

Resümee
Ich kann als Resümee nur sagen, dass es sich auf alle Fälle lohnt, einem Hund aus dem Tierheim eine Chance zu geben, auch wenn der Anfang vielleicht etwas anstrengender sein mag. Schlussendlich weiß man nicht, was man bekommt, und kann so nach und nach die verborgenen Talente des eigenen Hundes aufdecken, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Knoxl hat mich nun einen Teil meines Studiums begleitet, und ich bin mir sicher, dass er auch ein guter Freund und eine willkommene Abwechslung zu meinem zukünftigen Job sein wird. Wer noch immer nicht genug hat und Knoxl vielleicht auch mal „live" sehen will, der hat auf unserer Homepage (www.knoxl.com) die Möglichkeit, dort gibt’s unter anderem auch einige Videos zu sehen.

IHR MISCHLINGS-CHAMP

Wo bleibt Ihr Mischlings-Champion?

Schicken Sie mehrere möglichst gute Fotos Ihres Mischlingshundes (ev. auch eines von sich selbst) an WUFF, zusammen mit einer kurzen Geschichte und Informationen über Ihren Liebling. Was ist es, das ihn so besonders macht?

– per Mail: redaktion@wuff.at
Hinweise für die elektronische Versendung: Die Bilder bitte im jpg-Format mit einer Auflösung von 300 dpi und ca. 12-15 cm Breite.

– per Post: WUFF-Redaktion
KW Mischlings-Champ
Nerongsallee 48
A-3034 Maria Anzbach

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