Meine zweite ­ Heimat Afrika

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Alles begann mit einer „herrenlosen“ Mail, bei deren ­Beantwortung ich noch nicht ahnte, dass ich gerade meine zweite Heimat gefunden hatte. Kommen Sie mit auf eine kurze Reise in die schönste Zeit meines Lebens.

Ich arbeitete damals nach meinem absolvierten Zoologiestudium bei einer Tierschutzorganisation im Büro. Nicht sonderlich glücklich, als mir diese Mail eines Tierheimes für Straßen­hunde in Tansania in die Hände fiel und mich nicht mehr losließ. Die Bitte nach finanzieller Unterstützung war darin gestellt, welche von der Tierschutz­organisation leider abgelehnt wurde. Deswegen ­meine persönliche Nachfrage, ob denn auch eine Volontärin helfen würde. „Und wie“, war die Antwort des ­tansanischen Tierheimes. Ich war vorab schon so begeistert von diesem Projekt, dass ich kurzerhand meinen Job ­kündigte und ziemlich blind ­meinem Herzen nach Tansania folgte. Von Hunden hatte ich zugegeben noch sehr wenig ­Ahnung, dachte aber, dass ich das ­fehlende ­Wissen hoffentlich durch meine Tier­liebe wettmachen könnte. Und das konnte ich auch.

Auf nach Afrika
Und so stand ich kurze Zeit später in Tansania, umringt von den Hunden des Tierheimes. „Mbwa Wa Africa“, ­übersetzt „Die Hunde Afrikas“, heißt das Projekt und wurde von einem deutschen Pärchen – Sandra und Jens – ins Leben gerufen. Das Tierheim liegt idyllisch am Fuße des Mount Meru direkt am Arusha Nationalpark. Anfangs war ich doch überfordert mit all den Hunden auf einem Haufen, doch schon bald fühlte ich, dass das genau der Platz ist, an dem ich schon immer sein wollte. In den folgenden Monaten half ich Sandra unzählige Welpen durchzubringen und großzuziehen, ging spazieren, verteilte Medizin, verarztete Wunden, half bei Impfkampagnen und Kastrationskliniken oder verteilte einfach nur Streicheleinheiten. Ich war einfach nur glückselig, gebraucht zu werden, etwas Sinnvolles zu tun, zu sehen, wie Tiere aufblühen, wenn man ihnen Gutes tut, und dabei auch noch von Sandra und Jens so wertgeschätzt zu werden. Das alles machte meine Zeit dort zur schönsten meines Lebens, weshalb ich auch beschloss, nach einem kurzen Aufenthalt zu Hause, für weitere 4 Monate zurück zu kommen.

Natürlich gab es auch traurige Momente. Hunde, für die jede Hilfe zu spät kam, Hunde, die ganz plötzlich starben, Welpen, die einfach zu schwach waren, und auch unsere alten Hunde gehen zu lassen, die ihre letzte Zeit bei uns verbracht hatten. Es war jedes Mal schlimm. Doch auch genau das gehörte nun mal dazu und schweißte uns alle umso mehr zusammen.

Sandras und Jens‘ Leitsatz: „Wir wollen, dass die Hunde hier eine wundervolle Zeit haben und richtig glücklich sind,“ nahm sich jeder, der mithalf zu Herzen und machte meiner Meinung nach den Unterschied zu vielen anderen Tierheimen aus. Wenn die Hunde glücklich sind, sind die Menschen auch glücklich, und diese Energie hat man jeden Tag gespürt.

Fidhuli – Lächeln ins Gesicht ­gezaubert
Vor meinem Reiseantritt war ich mir auch sicher, keinen Hund mit nach Hause zu nehmen, und schlug mich auch die erste Zeit wacker. Ließ wehmütig alle meine Lieblinge in ihre neuen Zuhause ziehen und wünschte ihnen ein tolles Leben. So ging das weiter, bis es mich natürlich doch erwischte. Fidhuli schaffte es. Ein total verwurmter Welpe, der mich bei seiner Ankunft in einer Kartonbox alle Sorgen vergessen ließ und mir einfach nur ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Auch bei ihr wehrte ich mich noch lange, obwohl ich heimlich oft davon träumte sie mitzunehmen, bis eine (mir nicht sehr sympathische) Familie kam und „meine“ Fidhuli haben wollte. Ich konnte es einfach nicht. Ich hätte sie am liebsten geschnappt und versteckt. Alles in mir versperrte sich. Und so nahm ich Sandra schnell zur ­Seite, woraufhin sie der Familie schmunzelnd mitteilte, dass Fidhuli leider schon vergeben sei. Und so kam es, dass dieser kleine Welpe nun als ausgewachsene Hündin schlafgrunzend neben mir auf der Couch liegt, während ich diese Zeilen schreibe. Und noch immer bringt sie in mir das gleiche Gefühl hoch wie bei unserer ersten Begegnung.

Es gäbe noch so viel zu erzählen. Von Amoni, unserem Tierpfleger, der im Umgang mit Hunden einfach nur magisch ist, und das in einem Land, wo Kinder schreiend vor kleinen Welpen weglaufen. Von Mousy und Fiona, die durch eine glückliche Fügung zusammen ihre 15 Welpen großzogen. Von Einheimischen, die sich durch die Aufklärungsarbeit von „Mbwa Wa Africa“ plötzlich um Hunde sorgen. Von Maureen, die in Schulen geht, um Tierschutz zu lehren. Davon, den Traum zu verwirklichen, mehr Hunden helfen zu können und und und …

WUFF-INFORMATION

Weitere Infos über Projekte von Mbwa Wa Africa und Unter­stützungsmöglichkeiten (Spenden
oder ­Mitgliedschaften mit Paypal möglich) finden Sie hier:http://mbwa-wa-africa.org
Mbwa Wa Africa auf Facebook: http://www.facebook.com/MbwaWaAfricaAnimalRescue

Pdf zu diesem Artikel: tierheim_afrika

 

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