Mit Hunden auf der Insel Losinj

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Der istrische Abend empfängt uns mit einer kühlen Begrüßung, der von der Bora die in sattem Grün stehenden Hänge an die Küste herabgeweht wird. Um drei Minuten nur haben wir die Fähre versäumt, die im April lediglich im Stundentakt zwischen Brestova an der Küste und Porozone, einem winzigen Fischerdorf auf der Insel Cres, verkehrt. Stampfend enteilt sie dem Ufer und wir müssen uns auf eine Stunde Wartezeit einrichten, die jedoch durch Gespräche mit anderen Wartenden und durch das gemeinsame Herumtollen mit Aaron und Ricko, unseren beiden Schäferhunden, rasch vergeht.

Schlingernde Überfahrt
Als wir uns endlich auf der Fähre befinden, die in schlingernden Bewegungen durch die dunkelblaue Wellenlandschaft rollt, erklimme ich das Aussichtsdeck, während Sabina bei den Hunden bleibt, die im Fond des Autos die Überfahrt zubringen, einfach, weil sie sich dort in vertrauter Umgebung geborgener fühlen. Vor allem Aaron schätzt es außerordentlich, daß er nicht, wie bei unserer ersten Überfahrt im Frühling 1994, aufs Aussichtsdeck gezerrt wird, damit auch er sich, wie wir glaubten, an der herrlichen Aussicht erfreue. Seine Furcht vor dem auf- und abwippenden Fährschiff und der asynchron dazu auf- und abtauchenden Insel machte sich damals auch prompt als immer lauter werdendes Winseln bemerkbar, das schließlich in ein hysterisches Heulen überging, sodaß wir unsere beiden Schäfer umgehend ins Auto verfügten, um bei den anderen Urlaubern, die uns in Unkenntnis unserer wahren Absicht bereits drohende Blicke zuwarfen, nicht vollends als Tierquäler zu gelten.

Auf der Insel 
Nach einer halbstündigen Überfahrt setzen wir auf der Insel Cres den letzten Teil unserer Reise fort, die uns von Purkersdorf bei Wien über Graz, Spielfeld, Ljubljana und Opatja (ital. Abazia) bis hierher geführt hat. Eine Stunde noch dauert die Fahrt dann über Cres und Osor, einer 4000 Jahre alten ehemaligen Römersiedlung an den einander nur hauchdünn verfehlenden Landzungen der Inseln Cres und Losinj, bis Nerizine, einem verschlafenen Küstenort auf der Insel Losinj. Und weil wir und die Hunde nach der fast zehnstündigen Fahrt, die zahlreichen Hundepausen miteingerechnet, rechtschaffen müde sind, begeben wir uns in unserem Quartier sogleich ins Bett.  Der nächste Morgen empfängt uns dann mit jenem überwältigen Schauspiel, das sich zu unseren Füßen entfaltet und das den Hauptgrund darstellt, weswegen wir so oft als möglich von Purkersdorf hierher enteilen: Ein mit klaren Frühlingsfarben durchwirkter Inselstreifen, der sich bis zur Küste spannt, in seinem Zentrum das sonnenbeglänzte Meer, in tausenden Blautönen spiegelnd, dahinter schließlich das im Sonnenlicht wie hingepinselte Grün der sanften Hänge der Insel Cres.

Ab zum Hafen
Nichts hält uns Vier jetzt mehr, wir eilen die schmale Straße hinunter, die ins Zentrum von Nerizine führt, überqueren den kleinen Hauptplatz und sind auch schon am winzigen Hafen. Der würzige Geruch des Meeres steigt uns in die Nase und geht von dort geradewegs ins Blut, das sich über diese mediterrane Auffrischung aufwallend erfreut. Rickos Verbundenheit mit dem türkisfarbenen Wasser fällt noch um einige Grade intensiver, freilich auch etwas ritueller aus: Wie jedes Jahr springt er auch jetzt von der Kaimauer ins Wasser, könnte er jauchzen, er würde seinen Sprung mit einem solchen Laut begleiten und dann dreht er im Hafenbecken ein paar fröhliche Runden, bis auch ihm das aprilfrische Wasser zu kühl wird.
Als er wieder aus dem Wasser klettert, läßt er uns am Geschmack des Meeres teilhaben, indem er sich genau vor uns stehend, kräftig schüttelt, daß die glitzernden Tropfen zwischen seinen nassen Zotteln und unseren nackten Beinen nur so fliegen. Unser Dank an ihn fällt verhalten aus und nachdem wir alle, außer Aaron, der sich in geziemender Entfernung aufgehalten hat, um den Hafen olfaktorisch zu erkunden, naß geworden sind, ziehen wir uns ins Hauptplatzcafe auf einen "Kava" zurück. Dort bestaunen die Passanten unsere beiden Hunde, die diszipliniert am sonnenbeschienenen Boden kauern, keine Minute die zahlreichen Katzen aus den Augen lassend, die ebenso frech wie desinteressiert über den Platz streunen.

Bademöglichkeiten auch für Hunde
Die Insulaner auf Cres und Losinj sind große Hunde kaum gewohnt, sie selbst halten sich kleine Mischlingshunde, die laut und verwegen die Straßen unsicher machen und für die Gehorsam und Disziplin Fremdsprache sind, wie für uns die kroatische. Der Respekt indes, mit denen die Menschen hier Touristen mit Hunden begegnen, steht im Einklang mit einer Freundlichkeit, die zurückhaltend, aber ehrlich ist. Allen Hundehaltern seien diese beiden Inseln als Feriendomizil (vorwiegend Privatquartiere) empfohlen. Vor allem in den Monaten März bis Juni und September bis November verirren sich nicht allzuviele Touristen hierher, zudem zählen diese Monate zu denen mit stabilem Wetter. Baden kann man etwa ab Anfang Mai bis tief hinein in den November, auch für Hunde gibt es, von einigen Ausnahmen abgesehen, reichlich Bademöglichkeit.

Paradies aller Sinne
Die folgenden zehn Tage verbringen wir damit, all das zu genießen, was das adriatische Gestade zwischen Nerezine und Veli Losinj im Überfluß bereithält: Köstliche Meeresfrüchte, fruchtigen Inselwein, sonnenflirrende Wärme, die frühlingshaften Duftspuren der kürzlich aufgekeimten Inselvegetation von der Kirschen- und Apfelblütenpracht über die würzigblauen Rosmarinblüten bis hin zum süßen Ginsterduft. Wir fühlen uns in eine Welt voll Farben, Licht und Düften versetzt, in der wir es uns mit maghrebinischem Gleichmut 10 Tage lang behaglich einrichten. Bis, naja, bis wir Vier halt wieder die Rückreise antreten müssen, melancholisch, weil wir unsere Insel verlassen, in freudiger Erwartung indes auf die Rückkehr im Oktober. "Ajde Bog – Dovidenja do slijedece Posjete Losinj" (Bis bald – Auf Wiedersehen bis zum nächsten Besuch – Losinj).

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