Neuropsychologie & Motivation: Militärhundeausbildung der US-Air Force

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Neue Wege in der Hundeausbildung
In einer vergangenen Ausgabe (s. WUFF 4/00) habe ich meinen Besuch in den USA als Leiter eines Mondioringseminars bereits beschrieben. Diesmal möchte Ihnen von einem beeindruckenden Besuch in Texas erzählen: Beim Department of Defense, Military Working Dog School der Air Force Basis Lakeland. 450 Zwinger, mehrere Hektar grosses Gelände, 180 Militärhundeführer, Ausbilder, Wissenschaftler (!) und Personal zum Pflegen, Bürsten (!) und Füttern der Hunde und Reinigen der Zwingeranlage. Stewart hat mich dazu eingeladen. Ich muss sagen, dass dieser Besuch mich sehr beeindruckt hat. Die USA haben im Militärhundebereich als eine der ersten Nationen neue Wege beschritten.

Ziviler Spezialist bei der Air Force
Dr. Stewart Hilliard, PhD. (Neuropychologie) ist der private, wissenschaftliche Trainer und Leiter der Military Working Dog School der Air Force Basis Lakeland. Neben ihm steht noch ein Major an der Führungsspitze, der für die militärischen Belange zuständig ist. Das ist einmalig und neu. Meines Wissens gibt es das nur noch an einem Ort in Deutschland, wo ein privater, französischer Ausbilder in einem Angestelltenverhältnis die Hunde einer Spezial-Polizeihundestaffel ausbildet. Das ist meiner Meinung nach auch sehr sinnvoll. Ohne dem militärischen und polizeilichen Hundeausbilder im „Beamtenstatus“ zu nahe treten zu wollen, ist es doch so, dass im privaten Hundeausbildungsbereich ein riesiges Potential an exzellenten Ausbildern da ist, die es im Militär oder bei der Polizei nicht so gibt. Es ist schade, wenn dieses Potential, aus welchen Gründen auch immer, nicht genutzt wird. Die Polizei- und Militärhundeausbilder in Amerika gehen da sehr erfolgreich andere Wege, wie Sie gleich erkennen werden.

Neuropsychologe & Hundeausbilder
Stewart hat einen Doktor in Neuropsychologie und ist erfolgreicher Sporthundeausbilder in den Sparten IPO und französischer Ring in den USA. Über diese „hundeausbilderische“ Grundlage kam er als Privatmann zum Militär. Er hat nun verschiedene Tätigkeiten in der Air Force Basis Lakeland. Erstens ist er wissenschaftlicher Leiter einer Versuch- und Spezialausbildungs-Station, zweitens Hundetester und Einkäufer, drittens Zuchtverantwortlicher des Militärhundezuchtprogrammes, viertens Problemlöser bei Problemhunden und fünftens Berater im Ausbildungsprogramm. Im Folgenden werde ich auf alle diese Bereiche einzeln eingehen.

– Wissenschaftlicher Leiter
Als ich gerade zu Besuch war, hatte Stewart – zusammen mit einem (ebenfalls privaten) Assistenten – einen interessanten wissenschaftlichen Versuch laufen. Beide wollen nachweisen, dass es die „Alzheimer Krankheit“ auch bei Hunden gibt (siehe Kasten).

– Hundetest und Einkauf
In den USA ist es nicht anders als in Europa: Der Bedarf an Diensthunden ist gross und wächst. Meistens werden aber dem Militär nur Problemhunde oder zu aggressive Hunde angeboten – Hunde, die man los werden möchte. Die Militärhundeführer sind sehr oft Newcomer, die vorher noch nie Hunde hatten. Also keine idealen Voraussetzungen, um ein gutes Team zu bilden. Stewart hat einen Preisrahmen, innerhalb dessen er die Hunde kaufen darf. Er testet die Hunde, ob sie seinen Anforderungen an einen Militärhund entsprechen und ob sie optisch gesund sind. Alle Hunde werden auch geröntgt und tierärztlich untersucht. In der Air Force Basis gibt es eine eigene Tierarztstation. Dann folgen kurze Tests, ob der Hund schussschwach, ängstlich oder überaggressiv ist. Natürlich werden nur bestimmte Hunderassen genommen, je nachdem, ob man einen Schutz- oder einen Suchhund benötigt.

Zunehmend Malinois
So wie in anderen Ländern steigt auch in den USA ganz enorm der Anteil an belgischen Schäfern, insbesondere der Malinois. Manchmal werden auch spezielle Linien des holländischen Schäfers genommen, aber da gibt es zu wenig für den Diensthundegebrauch geeignete, laut Stewart. Der früher sehr beliebte Deutsche Schäferhund erlebt leider auch in den USA als Diensthund einen leichten Rückwärtstrend. Der Grund dafür ist die kontinuierlich sinkende körperliche Belastbarkeit dieser Rasse. Denn auch in den USA überwiegen lt. Stewart die Schönheitslinien der Schäfer gegenüber den Leistungszuchten. So hat sich Stewart auch für ein Zuchtprogramm mit Malinois und nicht mit Deutschen Schäfern entschieden. Dazu später mehr.

Eigene Hundezucht
Wenn die Hunde aufgenommen werden, durchlaufen sie zuerst ein Akklimatisierungsprogramm mit verschiedenen Ausbildungen. Da baut Stewart gerade etwas Neues auf. Er sagt, daß er zwar bereits vieles ändern konnte, aber Manches dauert halt seine Zeit. Da es zuwenig geeignete Hunde gibt, hat Stewart nun ein eigenes Zuchtprogramm aufgebaut.

– Zuchtverantwortlichkeit
Stewart zeigte mir seinen Zuchtrüden. Optisch ein sehr schöner, knapp 4 Jahre alter Malinois (siehe Foto). Er wurde in den USA gezüchtet und ist ein guter Sporthund im französischen Ring 3. Zuchtgrundlagen für diesen Rüden sind französische Arbeitslinien von der „deux Pottois“-Seite her. Ein kräftiger mittelgrosser Hund, der mir einen sehr guten und selbstsicheren Eindruck machte. Dabei immer freundlich und nicht überdominant. Stewart ist erst am Anfang seines Zuchtprogramms. Er sagt, die Linien beim Malinois zurückzuverfolgen, sei viel schwerer als beim Deutschen Schäfer: „Beim Malinois muss ich mich viel mehr auf den Hund selbst verlassen, als auf die Namen von mir bekannten Zuchtlinien. Wenn ich z.B. an die Züchter der französischen Arbeitslinien denke, dann röntgen diese in der Regel ihre Malinois nicht, da sie meinen, wer die körperliche Leistung im französischen Ring im höchsten Level im obersten Niveau halten könne, müsse auch gesund sein. Denn sonst könnte er solche Sprünge wie im französischen Ring nicht meistern.“ (zur Erklärung siehe Kasten ganz unten). Ich glaube, dass jedenfalls Stewart mit seinem Zuchtrüden eine sehr gute Wahl getroffen hat. Erste Würfe waren zu über 95% im Einsatz sehr erfolgversprechend. Wie es tatsächlich längerfristig sein wird, wird erst die Zukunft erweisen.

– Problembeseitiger
Ich hatte das Vergnügen, an einem Tag zu kommen, an dem Stewart zwei Problemhunde zu behandeln hatte. Einer davon war ein Hund, der plötzlich eine Schussschwäche aufwies. Im amerikanischen Militärhundetraining wird in jedem Training geschossen. Im täglichen Einzeltraining hat Stewart diesen Hund wieder schussverträglich gemacht. Bei meinem Besuch zeigte er keinerlei Probleme mehr beim Schiessen.
Der zweite Hund hatte plötzlich eine Überaggressivität gezeigt und zwei Hundeführer gebissen, die ihn im Dienst geführt hatten. Auf meine Frage hin, warum sie den Hund nicht einschläfern, wie dies oft üblich ist, meinte Stewart, dass der Staat viel Geld für diesen Hund und seine Ausbildung bezahlt habe und er ausserdem ein guter Hund (holländischer Schäfer) sei. Er versuche nun, den Hund wieder „hinzukriegen“ und arbeite daher die nächsten Wochen mit ihm.
Als erstes versuchte Stewart, dem Hund einen Maulkorb anzulegen, was auch (mit Futtermotivation) mehrfach ordentlich gelang. Einmal zeigte er aber plötzlich wieder ein überaggressives Verhalten. Zum Glück hatte da Stewart gerade einen Zivilbeissarm und einen IPO Lederanzug an und der Hund den Maulkorb um. Auf die Frage, wieviele Problemhunde er so täglich habe, sagte mir Stewart, dass zumeist so 3-5 Hunde zu ihm gebracht würden, die er zuerst alleine und dann mit den Militärhundeführern zusammen trainiere.

Das eigentliche Training
Das eigentliche Militärhunde-Training wird von Sergeants geleitet, die schon länger im „Hundedienst“ sind. In der Regel werden die Hunde einem Militärdienstleistenden für 2 Jahre zugeteilt. Manchmal ist man auch 4-5 Jahre zusammen. Ausser bei den Einsätzen bleibt der Hund immer in der Air Force Basis. Der Militärdienstleistende nimmt den Hund nie mit nach Hause. Bei Dienstende wird der Hund dann einem neuen Hundeführer zugeteilt. Sie haben dort Hunde im Einsatz, die über 8 Jahre alt sind. Alte Hunde werden nicht eingeschläfert, sagt Stewart. Momentan sind alle über 10 Jahre alten Hunde in seiner „Alzheimer-Studie“ im Einsatz. Manchmal kam es vor, dass ein Hund, der zu alt für den Dienst wurde, seinem vom Militär ausscheidenden Partner mit nach Hause gegeben wurde.

– Berater im Ausbildungsprogramm
Auf meine Fragen zum Training der Militärhundeführer und dem Können der Hunde und Hundeführer, meinte Stewart, ich dürfe mir das Training für den Diensthundeeinsatz in der US Armee nicht allzu genau ansehen und auch nicht zuviel erwarten. Der Vergleich zwischen meinem Diensthund Padouk und „seinen“ Armeehunden sei ein Unterschied wie Tag und Nacht. Stewart hat Padouk bei einer Vorführung schon einmal gesehen. Er bezeichnet auch das Niveau der Militärhundeführer als eher niedrig und meinte, es entspreche nicht einer Leistungssportlerbasis, sondern eher einem spezialisierten Breitensport auf Militärhundebasis. Das war auch meine Meinung. Dieser derzeitige Zustand ist aber völlig verständlich, denn die Hundeführer kommen ja erst gerade neu zu einem Hund und auch die Ausbilder sind nicht die erfahrensten Hundeausbilder oder Hundesportler. All das ist Stewart nun dabei, langsam zu ändern. Er will das Niveau aller deutlich heben. Bei seinen Fähigkeiten bin ich überzeugt, dass ihm dies gelingen wird, denn man sieht bereits die ersten Erfolge seiner bisher zweijährigen Tätigkeit auf der Airforce Basis.

Wofür Hunde in der US-Army?
Als ich mit dem Major, der die militärische Leitung über hatte, über die Hundestaffel sprach, war ich von seiner offenen Art überrascht. Ich frug ihn direkt und leicht provokativ, was denn der US Armee ihre Hunde eigentlich „brächten“? Stellen sie für die Armee tatsächlich eine Hilfe dar? Der Major meinte recht offen, dass die US-Army bei ihren zahlreichen weltweiten Einsätzen zwar auch einiges NICHT erreicht habe, aber in diversen Einsätzen seien ihre Diensthunde zum Einsatz gekommen und hätten mehrere Menschenleben gerettet. Auch Militärhunde hätten ihre Leben gegeben. Ohne ihre Partnerhunde fühlten sich viele Soldaten schlecht. Als Beispiel nannte er mir den Vietnamkrieg. Die Patrouillen, die Diensthunde im Einsatz hatten, seien in über 40% weniger oft in Hinterhalte geraten oder angegriffen worden als solche ohne Diensthunde. Damals hätten sie leider viel zu wenig Diensthunde im Einsatz gehabt. Es gab einfach kaum welche. Und genau dieses Manko wollen sie jetzt für die Zukunft beheben. Sei es im Suchhundebereich (Sprengstoffe, manchmal nach Vermissten) oder im Schutzhundebereich (Bewachen, Patrouillen, Schutzeinsatz). Einmal mehr war ich beeindruckt, wie ein Armee-Experte für den Hund im Militäreinsatz plädierte.

Zivile Experten bei der Armee
Als ich den Major darauf ansprach, was Zivilisten wie Stewart im Militäreinsatz zu suchen haben, meinte er: „Ohne zivile Partner wie Stewart gibt es keine erfolgreichen Militärhundeführer.“ Wenn die besten Leute im privaten Bereich seien, dann würde die US Armee sie eben dort suchen und einstellen. Für die Armee sei es nie ein Problem gewesen, zivile Experten aller Sparten im Armeebereich einzusetzen.

Training für Einsatz bei Flugzeugentführung
Stewart zeigte mir bei meinem Besuch weitere Anlagen, die der Diensthundeausbildung dienen. Zum Beispiel trainieren sie auf Flugzeugrümpfen „Air-hi-jacking“ und Sprengstoff- und Drogensuche. Zu „Air-hi-jacking“: Da werden Hunde trainiert, die bei Flugzeugentführungen miteingesetzt werden können. Weiters ist eine kleine Siedlung aufgebaut, in der ebenfalls nach Sprengstoff und Drogen gesucht und auch Schutzhundetraining gemacht wird.
Nochmals zurück zum Schutzhundetraining: Je nach Ausbildungsstand der Militärhundeführer wird dies in mehreren Stufen gemacht. Das Training, das gerade bei meinem Besuch ablief, war sehr einfach aufgebaut. Ich würde sagen, es war ein Training, einander kennenzulernen und sich aneinander zu gewöhnen. Dies praktizierten die Militärhundeführer während etwa einer Stunde. Dabei wurde ein Hindernisparcour absolviert. Ein interessantes Detail: Jede/r Hundeführer/in kam einmal in die Kreismitte und schoss mit einer 9mm Pistole in die Luft. Der Hund musste gleichgültig daneben stehen. Er durfte keine Angst zeigen, aber auch keine Aggressivität. Ein interessanter Unterschied zwischen Amerika und Schweiz. HundeführerInnen in den USA werden an der Waffe ausgebildet, tragen im Dienst ständig eine Waffe und dürfen mit einem Hund Schutzhundeausbildung machen. Frauen im Militär in der Schweiz dürfen das nicht, sondern werden nur in der Such- und Katastrophenhundeausbildung eingesetzt.

Aircondition im Hundeanhänger
Stewart zeigte mir die ganze Air Force Basis von Lakeland. Ein sehr interessantes Detail war das Marsch- und Exerzierfeld. Dort übten andere Gattungen der Air Force gerade exerzieren. Rund um das mehrere Fussballfelder grosse Exerzierfeld waren Flugzeuge aller Arten und jedes Alters abgestellt. Alle waren in Kampfeinsätzen gewesen und dienten nun als Museumsstücke. Toll die alten Bomber aus dem 2. Weltkrieg mit ihrer Abschussstatistik und der Black Bird, das schnellste Flugzeug der Welt. Ein weiteres Detail: Haben Sie das Foto mit den riesigen Hundeanhänger gesehen (links oben)? 20 Hunde passen da rein. Der Anhänger ist vollklimatisiert. Nach jeder Fahrt wird er von den Soldaten gereinigt.

Zum Schluss
Der Tag ging schnell vorbei. Ich bin Dr. Stewart Hilliard für diese Einladung sehr dankbar. Er hatte vorher mein Mondioringseminar in Texas besucht und meine Diensthundevorführung und die Mondioring Prüfung gesehen. Er hat mich für November 2000 als Diensthundeausbilder für das Militär eingeladen. Das gleiche Angebot kam von den K9 Texas Polizisten aus Brownsville. Der Texas K9 Polizist Lee Hendricks aus Brownsville, der am Mondioring Seminar das beste Brevet absolvierte, versprach mir sogar, mich eine Nacht mit auf Hundestreife zu nehmen! Das würde mir natürlich riesig gefallen. Sein Chef Jim hat mich ebenfalls im November als Diensthundetrainer für ein paar Tage eingeladen. Ich hoffe, ich kann das alles kombinieren. Es würde mich riesig freuen, wieder nach Texas zu gehen und mit meinen Artikeln in WUFF werden Sie Anteil daran haben. Bis dann!




>>> WUFF – INFORMATION


20 Jahre Diensthundeausbildner:
René Sagarra über das Ausbildungswesen im Diensthundebereich bei Securiy, Polizei und Militär

Seit über 20 Jahren führe ich Diensthunde in der Security. In dieser Eigenschaft kam ich mehrfach in Situationen, wo mein Partner (d.h. mein Diensthund) mein Leben verteidigen musste. Ich bin als Diensthundeausbilder in verschieden Ländern tätig. In der Schweiz machen Security Diensthundeführer unter der Regie der örtlichen Polizei, mit ihr zusammen sogar Einsätze. Das ist in anderen Ländern zum Teil nicht denkbar. Ich war Nacht-Einsatzleiter in „Wollgroth/Zürich“ (Häuserbesetzer-Szene in der Schweiz) und in der Schweizer Drogenszene am Lettensteg, bekannt auch als „Needleparc“. Dort war ich über 4 Jahre als Diensthundeführer im Einsatz. Bis diese Szene endlich stillgelegt wurde, hatte ich mehrere brenzlige Situationen nur dank meines vierbeinigen Partners lebend überstanden.

„Alte deutsche Schule“
Ich habe intensiven Kontakt mit anderen Diensthundeführern aus allen Bereichen der Sicherheit, Polizei und Militär, die sich für Schutzhunde in Extremeinsätzen interessieren. Die Schutzhundeausbildung der Diensthunde im deutschsprachigen Raum basiert meistens noch auf der „alten deutschen Schule“ mit Armmanschetten und Zivilmanschetten. Auch die Diensthundeprüfungen der meisten Länder haben immer noch Teile der nationalen (deutschen) SCH-H's oder der IPO. Bei mehreren Besuchen der Ausbildungen bei der Polizei in Deutschland und der Schweiz konnte ich das verfolgen.

In welche Richtung?
Unter uns Diensthundeführern gibt es immer wieder Diskussionen, welche Richtung der Diensthundeausbildung die für den Einsatz sinnvollste ist. Nach meiner Erfahrung fällt es den älteren Semestern in der Diensthundeausbildung (die sind momentan am Ruder) schwer, Neues anzunehmen. „Was sich seit Jahren bewährt hat, ist gut“ sind Aussagen, die ich immer wieder höre. Erst in den vergangenen Jahren beginnt langsam ein Umdenken. Dies wohl auch, weil immer wieder Diensthunde im Einsatz ums Leben kommen, da der Hund nur nach Schema F trainiert wurde und sich die „Gegnerschaft“ dadurch leicht auf die Hunde eingestellt hat. Frankophone Länder lassen schon seit Jahren ihre nationalen Ring-Sportarten in die Diensthundeausbildung miteinfliessen. So z.B. in Frankreich der französische Ring, in Holland KNPV oder in Belgien der belgische Ring. In den USA, überhaupt in ganz Nordamerika, nennt man eine ähnliche, verwandte Diensthundeausbildung K9 (phonetisch klingt dies gewollt „canine“).

Diensthundeausbildung: Mondioring als Basis
Zurück zum Mondioring, meiner Basis der Diensthundeausbildung. Dort können im Training und bei den Prüfungen nur selbstsichere, im BEUTETRIEB und NICHT im WEHRTRIEB ausgebildete Hunde über eine lange Prüfungszeit (45 Minuten) bestehen. Weiters wird ein intelligenter, sich laufend auf neue Situationen einstellender Hund gefordert. Zusätzlich muss er unter absoluter Kontrolle des/der Hundeführers/in stehen. Weiter muss er belastbar sein und Freude am Einsatz haben. Aber nicht in einer Weise, dass er, im Einsatz kaum aus dem Auto genommen, alles was links und rechts ist nur noch beissen will. Gerade das konnte ich leider bei Polizeidiensthundeeinsätzen in einigen Ländern erleben. Ich verlange von meinem Diensthund, dass ich mit ihm bei einem Einsatz jederzeit ohne Probleme durch eine Menschenmenge durchlaufen kann, ohne dass er kaum mehr kontrolliert werden muss. Diese Informationen zur Erklärung über meinen Hintergrund als Diensthundeausbilder.



>>> WUFF – INFORMATION


Alzheimer auch bei Hunden
Der Neuropsychologe Dr. Stewart Hilliard prüft Hunde, die zum Teil aus dem Militärprogramm, zum Teil aus anderen Versuchsprogrammen kommen. Diese Hunde müssen mindestens 9 Jahre alt sein. Vorzugsweise werden Beagles genommen, aber auch ältere Diensthunde, die nicht mehr zum Einsatz beim Militär kommen.

Die Alzheimerbox
Die Prüfungsvorrichtung, die Stewart erfunden hat, ist sehr einfach. Sie sehen sie auf dem Foto in diesem Kasten. Der Hund befindet sich in einer Box, die vorne aufgemacht werden kann, damit er das Futter mit dem Kopf aus einem von zwei verdeckten Löcher holen kann. Diese Löcher sind mit zwei kleinen roten Plastikdeckel verdeckt, in denen die gleichen Futterstückchen sind, wie sie dann in jeweils eines der beiden Löcher kommen!
Nun wird in genau festgelegten Serien/Abständen in eines der beiden Löcher ein Futterstücken gelegt. Da aber – wie erwähnt – in beiden Plastikdeckel, welche die Löcher bedecken, ständig ein solches Futterstücken unzugänglich vorhanden ist, kann der Hund sich nicht auf den Geruchssinn verlassen, wo er sich nun ein Stück Futter holen kann, sondern er muss sich die Reihenfolge der Serie (10 Wiederholungen) merken. Denn er hat jeweils nur einen einzigen Versuch, den Plastikdeckel wegzuschieben und das Futter aus dem Loch zu holen.
Das wird mit verschiedenen Hunden in verschiedenen Altersstufen gemacht und die Resultate werden mit dem Computer ausgewertet. Der Versuch ist kurz vor dem Abschluss. Stewart hat mir gesagt, mit diesem (und einem weiteren) Versuch könne er zweifelsfrei nachweisen, dass die „Alzheimer Krankheit“ bei den Hunden ebenfalls existiere.

Zeigen Art und Menge des Sprengstoffs an
Ich wurde dann noch zu einem anderen Versuchsraum geführt, wo Hunde in der Sprengstoffsuche ausgebildet wurden. Ziel dieses Versuches war es, dass die Hunde sowohl die Sprengstoffmenge und das Sprengstoffmaterial anzeigen sollen!!! Das ist meiner Meinung nach einmalig. Die Resultate dieses Versuchs sollen besser sein als erwartet.

Nur mit Motivation
Wichtig ist auch hier, immer wieder zu betonen, dass die Hunde nur mit Motivation und Futter zu solch einmaligen Versuchs- und Ausbildungsleistungen gebracht werden! Die Hunde, die in der „Alzheimer Box“ waren, hatten Riesenspass bei der Suche nach dem Futterstück. Ich habe bei einem Versuch mitgemacht und da hatten die Hunde bessere Erfolge als ich in der Erlernung der Serie, in welcher Reihenfolge das Futterstück in welchem Loch war. Ich wäre ein schlechter Versuchshund – oder habe ich schon Alzheimer?



>>> WUFF – INFORMATION


Palisade im französischen Ring

Französische Züchter röntgen ihre Hunde oft nicht, weil sie die französische Palisade quasi als ausreichenden Beweis der Gesundheit ansehen. Die Palisade im französischen Ring hat keinen schrägen Abgang wie im Mondioring und muss hin und zurück gesprungen werden. Für den Hund ist das eine Wahnsinnsleistung. Ich finde, dass die dort gesprungenen 2.30 Meter eine jahrelange Überbelastung für den Hund darstellen. Das war auch einer der Gründe, warum ich mit meinem Hund mit dem französischen Ring aufhörte. Über die französische oder andere nationalen Ringsportarten kann ich allerdings in diesem Artikel aus Platzgründen nicht weiter diskutieren.


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