NICO und der alte Mann

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Nico und ich hatten unseren Spaziergang entlang der Mürz beendet und befanden uns auf dem Heimweg. Wir kamen bereits zum Altersheimpark und schlenderten in der milden Junisonne die schön geräumten Wege mit den gepflegten Anlagen entlang. In gewissen Abständen fanden sich Bänke, die zum Verweilen einluden. Dies wurde auch sehr gerne von den alten Leutchen des Heimes angenommen. Nico machte wiederholt seine Aufwartung, indem er stets auf die Leute zuging und sich streicheln ließ.

Etwas weiter vorne war eine Bank, wo ein alter weißhaariger Mann mit zwei Damen saß. Eine befand sich in einem Rollstuhl, die andere saß neben ihm. Nico sah mich kurz an, dann steuerte er direkt auf das Trio zu und hockte sich vor dem Mann hin. Dieser sah erstaunt auf meinen kleinen Freund und meinte: „Ja, was ist denn mit dir, Hundchen? Du kennst mich doch nicht. Bist du ein lieber Kerl!" und streichelte seinen Kopf. Ich meinte lächelnd: „Nun ja, vielleicht möchte er Sie kennenlernen, das ist eben seine Sympathiekundgebung." Der Mann lud mich ein, neben ihm ein bisschen Platz zu nehmen. Ich willigte gerne ein, das war auch im Sinne meines kleinen Schwerenöters.

Nico lehnte sich an das Bein des alten Mannes, feixte und sah ihn mit seinen braunen Augen freundlich an. Dieser meinte mit versonnenem Blick: „Was geht bloß in deinem Köpfchen vor, du bist anscheinend etwas Besonderes, wie?"

In der Folge erzählte er mir ein bisschen aus seinem Leben, während er Nicos Kopf kraulte. Ich hatte schon bemerkt, dass der sympathische Alte einen etwas fremdländischen Akzent hatte. Er hatte ein bewegtes Leben hinter sich und war mit seinen 82 Jahren geistig und körperlich noch ganz gut beisammen. Ich erfuhr von ihm, dass er gebürtiger Ungar war, eine Zeit lang in Jugoslawien gelebt hatte und später viel von der Welt gesehen hatte. Er war Kunstmaler und hatte sich schon einen ganz guten Namen gemacht. Durch sein etwas unstetes Leben war er nie in den Genuss einer eigenen Familie gekommen. Heute täte es ihm ein bisschen leid, aber er betreue nun eben ein wenig die beiden älteren Damen. „Somit habe ich doch noch eine Aufgabe, die ich sehr gerne ausübe", meinte er verschmitzt. Wir plauderten noch ein Weilchen, und dann verabschiedete ich mich sehr herzlich von ihm und den beiden alten Damen. Nico verteilte noch schnell feuchte Handküsse. Der Alte versicherte mir, dass er sich sehr freuen würde, wenn wir uns wiedersehen würden. „Wissen Sie, in meinem Alter ist jeder Tag kostbar", meinte er sinnend. Ich versprach’s ihm gerne, und wir zogen heimwärts.

In den folgenden schönen Junitagen kam es immer häufiger vor, dass uns unser Rückweg beim Altenheim vorbeiführte. Nico hielt jedesmal Ausschau nach dem Alten, und meistens erblickte er ihn im Kreise älterer Damen. Ich wurde stets eingeladen, mich zu ihnen zu gesellen, und ich kam mit Nico dieser Aufforderung gerne nach. Nico genoss es sehr, er sonnte sich im Kreise seiner Fans, ließ sich streicheln und liebkosen und versprühte gekonnt seinen Charme. Wenn es mal regnete, saßen wir in der großen Empfangshalle im Altenheim und „hielten dort Hof". Auch die Pflegerinnen kannten meinen kleinen Racker schon gut und hatten immer ein liebes Wort für ihn. Wie oft hörte ich die Worte: „Der kleine liebe Kerl ist eine Bereicherung unseres Daseins und ein wahrer Gesundbrunnen, wir danken Ihnen sehr für Ihren Besuch."

Es war Anfang Juli, ein schöner warmer Tag, als wir wieder das Portal des Altenheimes anpeilten. Heraußen saßen einige alte Damen, aber unseren weißhaarigen Freund konnte ich nirgendwo entdecken. Auf meine Nachfrage sah ich Tränen in den Augen so mancher Dame. „Herr Ferenc ist heute Nacht verstorben. Er ist sanft entschlafen", erfuhr ich schließlich. Ich war sehr bestürzt. Nico stand da und ließ seine schöne buschige Rute zu Boden hängen. Es sah aus, als hätte er das auch verstanden. Ich erinnerte mich, dass Herr Ferenc sich vor ein paar Tagen intensiver von Nico verabschiedet hatte, als er es sonst getan hatte. Ich sprach den Damen mein aufrichtiges Bedauern aus, und wir verabschiedeten uns. Nachdenklich zog ich mit meinem kleinen Freund heimwärts. Der alte Mann hatte trotzdem in seinem Leben durch Nico noch ein bisschen Freude erfahren – und das ist gut so.

IHR MISCHLINGS-CHAMP

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