Odyssee um einen ausgesetzten Rotti

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Nur der Zivilcourage und der Hartnäckigkeit einer engagierten Wiener Hundehalterin ist es zu verdanken, dass bei einem ausgesetzten Rottweiler in Wien Vorbesitzer ausfindig gemacht ­wurden und sich diese nun in einem Strafverfahren wegen Verdachts auf das Aussetzen eines Hundes ­verantworten müssen. Brigitta M. hat nicht locker gelassen und zahlreiche Stellen, vom Wiener Tierschutzhaus über den Österr. Hundehalterverband, zwei Stadtrat-Büros, den Wiener Tier­ombudsmann bis hin zur Magistratsabteilung 60 mit der Angelegenheit befasst. In diesem Bericht schildert sie ihre Erlebnisse mit den Behörden und wie es mit dem ausgesetzten Rotti weitergeht.
Schon vorab auch die Information: Der Rotti sucht noch immer ein neues Zuhause …

6. Mai 2010, morgens um kurz nach sechs. Ein schreckliches Gewitter in Wien, es schüttet in Strömen. ­Jaqueline verlässt mit ihrer Hündin die Wohnung, um Gassi zu gehen. Im Hof zieht die Hündin ihr Frauchen plötzlich zu den Mülleimern. Dort hängt, an einer Teppichklopfstange angebunden, ein Rottweiler mit einem Ledermaulkorb, völlig durchnässt.

Jaqueline ruft mit dem Handy das Wiener Tierschutzhaus Vösendorf an. Ja, man würde kommen, aber es würde noch etwas dauern, heißt es. Zufällig komme ich mit meinem Hund dazu und will helfen. Wir versuchen, den Rottweiler von der Stange loszumachen, um ihn selbst ins Tierheim zu bringen. Der Rotti nimmt zwar Leckerli, aber in dem Moment, wo man an seine Leine fasst, beginnt er zu knurren. Weil der Maulkorb nur aus Leder ist, trauen wir uns dann nicht weiter hin. Der Hund hat mehrere Hundemarken am Halsband hängen. Gegenüber unseren beiden Hunden zeigt er sich friedlich.

Wir warten. Es schüttet noch immer, der Rotti ist erschöpft und müde, er legt sich nieder und ihm fallen die Augen zu. Das Herz blutet uns bei diesem Anblick. Wir rufen die Polizei, vielleicht können die zwischenzeitlich helfen. Eine Stunde später sind die Beamten da, aber sie trauen sich nicht zu dem Hund hin, können aber anhand der Nummer auf der Hundemarke, die wir ablesen konnten, den Namen des Besitzers feststellen. Die Beamten fordern noch mal die Tierrettung an.

Jaqueline und ich müssen nun gehen. Die Beamten versichern uns, den Rotti nicht allein zu lassen. Sie wollen bei dem Hund bleiben, bis die Tierrettung eintrifft. Wir trocknen zuhause noch die nassen Hunde ab und müssen dann ins Büro.

Tierheim: Besitzer ausgeforscht, aber falsche Handynummer
Am selben Tag gegen Mittag kontaktiere ich das Tierschutzhaus Vösendorf und will wissen, wie es weitergeht. Man habe den Besitzer des Hundes noch nicht erreicht, heißt es dort. Vier Tage später rufe ich wieder an, und man sagt mir, dass die anhand der Hundemarke ausgeforschte Handy­nummer falsch ist, der Besitzer daher nicht kontaktiert werden ­konnte. Dafür sei aber ohnehin die Magistratsabteilung (MA) 60 der Stadt Wien zuständig. Ich interessiere mich auch noch für eine ­finanzielle Patenschaft für „unseren Rotti“. Man sagt mir zu, Informationen zu ­schicken, bislang sind keine gekommen.

MA 60: Hundemarken auf einmal unleserlich
Nun kontaktiere ich die MA 60, weil ich wissen will, warum ein Besitzer nicht auszuforschen ist, wenn er doch eine Hundemarke für seinen Hund hat. Denn für diese musste er die Hundeabgabe entrichten. Außerdem will ich wissen, wie solche Menschen, die ihren Hund aussetzen, bestraft werden.

Vom Amtstierarzt Dr. Manfred S. erhalte ich die Antwort, dass die Nummer auf der ­Hundemarke un­leserlich sei, sonst wäre der ­Besitzer schon ausgeforscht worden. Und natürlich werde das Aussetzen eines Hundes bestraft, vorausgesetzt man kennt den Besitzer. Doch mit dieser Antwort kann ich mich nicht zufrieden geben. Ich erkläre dem Amtstierarzt, dass wir ja die Marke lesen konnten und auch die Polizei sowie das Tierheim den ­Besitzer feststellen konnten. Lediglich die angegebene Handynummer sei falsch gewesen. Dazu erhalte ich aber keine Antwort mehr.

MA 60 reagiert nicht
Im Verlauf des Monats Mai kontaktiere ich noch mehrmals die MA 60, erhalte aber dort keine Antworten auf meine Fragen und auch keine Informationen. Da ich dies als Unhöflichkeit gegenüber einem Bürger empfinde, wende ich mich am 16. Juli 2010 mit einem E-Mail sowohl an die zuständige Stadträtin Ulli Sima als auch an die Leiterin des Wiener Tierschutzhauses, Dr. Madelaine Petrovic und verlange Aufklärung. Eine Kopie des Mails schicke ich an den Österreichischen Hundehalterverband (ÖHV) und den Wiener Tierschutzombudsmann.

Vom Präsidenten des ÖHV, Dr. ­Mosser, erhalte ich sofort die Antwort, er würde im Tierschutzhaus nachfragen. Daraufhin kommt auch sofort eine Reaktion von Dr. Petrovic, die mir mitteilt, von Dr. Mosser von der Ange­legenheit erfahren zu haben. In einem E-Mail informiert mich die Leiterin des Tierschutzhauses, dass der Rotti seit dem 30. Juni wieder ein neues ­Zuhause habe. Ich freue mich. Das Tier hat einen guten Platz.

Nun geht’s also doch
Nun erhalte ich auch ein E-Mail aus dem Büro der Stadträtin Ulli Sima, in dem man mich über die Unzuständigkeit von Sima informiert, man habe das Mail an Stadträtin Frauenberger und die MA 60 weitergeleitet. Aus dem Büro Frauenberger erhalte ich am 21. Juli die Information, dass eine Aufklärung der Angelegenheit über die MA 60 in die Wege geleitet worden sei. Und rund zwei Wochen später, am 6. August, teilt mir Amtstierarzt Dr. Manfed S. in einem Schreiben mit, dass man den Besitzer mittlerweile habe feststellen können. Man habe auch „entsprechende Maßnahmen getroffen, die wir leider aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mitteilen dürfen.“ Die Tierombudsstelle Wien informierte mich dann noch genauer, dass durch die Hunde­marken, die der Rotti um den Hals trug, zwei Vorbesitzer ausfindig gemacht werden konnten, die nun aufgrund des Verdachts des verbotenen Aussetzens von Tieren angezeigt werden. Die Verfahren würden nun laufen.

Der ausgesetzte Rotti sucht ein neues Zuhause
Wie man von einem Vorbesitzer erfuhr, heißt der ausgesetzte Rotti Jimmy. Der Hund bekam zunächst im Tierschutzhaus Wien einen sog. Betreuungspaten. Dieser nahm ihn nach ein paar Wochen ganz zu sich. Doch schon am 5. August brachte er Jimmy wieder zurück ins Tierheim, weil er mit der Haltung des Hundes überfordert sei.

Jimmy hat nun eine neue Betreuungs­patin und es gehe ihm ganz gut, sagt mir die Leiterin des Tierheims. Er wird nun noch einige Stunden Hunde­training bekommen, bevor er wieder vergeben wird. Wer sich für Jimmy interessiert, kann sich im Tierschutzhaus Vösendorf informieren
(Tel. 01/ 699 24 50 – 0).

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