Ohne Maulkorb: Das Recht auf hunde­gerechte Ernährung

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Nachdem sich in der letzten Ausgabe der hochgeschätzte
Dr. Hellmuth Wachtel zum Trend der veganen/vegetarischen Hundeernährung geäußert hat, möchte ich, Herr Meier, meines Zeichens ein CARNI-Omnivore, noch meinen Senf zu diesem Thema dazu geben …

Ich habe bereits meinen eigenen Tierversuch zu dieser ­Problematik gemacht und mir sowohl einen Napf Gemüse als auch einen Napf mit Fleisch servieren lassen – ratet mal, welchen ich zuerst geleert habe?! „Wer einen Hund hält, muss ihn artgemäß ernähren“, steht in der Hunde­haltungsverordnung. Das ist wahrscheinlich der erste Streitpunkt zu diesem Thema, denn, wie bereits geschrieben, sind wir Hunde CARNI-Omnivoren, also FLEISCH- und Allesfresser. Wir haben sogar extra Geschmacksknospen für Fleisch auf unseren Zungen! Darf man uns dann, um menschlich-ethischen Ansprüchen gerecht zu werden, das Fleisch vorenthalten?

Die Erfahrung zeigt, dass es bereits sehr schwierig ist, ohne eine vernünftige Berechnung eine bedarfsdeckende Ration für uns mit Fleisch selbst zuzubereiten; ohne Fleisch oder sogar komplett ohne tierische Produkte wird das Ganze dann richtig schwierig. Im Rahmen meiner Schnüffelarbeit bin ich auf eine Dissertation aus München gestoßen, in der es heißt, dass die veganen Welpen im Alter von 8 Wochen nur etwa die Hälfte des erwarteten Körper­gewichts aufwiesen. Ist das nicht erschreckend? Eine weitere Studie existiert von PETA, bedauerlicher­weise wurde in diesem Lobesgesang auf vegane Hundeernährung die Kontroll­gruppe gleich ganz weggelassen – und trotzdem kommt man da zu dem Schluss, dass vegane Hunde gesünder leben?! Außerdem ist man sich in allen ­Arbeiten zu diesem Thema einig, dass eine bedarfsdeckende Ration ohne tierisches ­Protein nur möglich ist, wenn Supplemente zugefüttert werden. Und zu diesen Supplementen muss ganz klar gesagt werden, dass sie an meinen ­Kollegen, nämlich unzähligen Labor­beagles getestet wurden …

Wenn man den veganen Gedanken weiterverfolgt, dürfte ich mein ­schickes Lederhalsband auch nicht mehr tragen, dafür ein Nylonhalsband, das nachhaltig die Umwelt verschmutzt, weil es im Gegensatz zu Leder nicht verrottet. Dazu kommt, um bei der ganzheit­lichen Betrachtung zu bleiben, dass wir Hunde ja, trotz der fleischlosen Ernährung, unseren Proteinbedarf irgendwie decken müssen. Wodurch? In der Regel (ich habe mich im Internet durchs Sortiment an vegetarischen/veganen ­Hundefuttermitteln gewühlt) durch Soja, und das ist ohne Genmanipulation nur selten erhältlich. Von den langen Transportwegen ganz abgesehen, denn Soja wird in hiesigen Gefilden so gut wie nie angebaut.

Die ganze Diskussion um Tier- und Umweltschutz muss sich also weiter drehen als nur um den Vegetarismus. Ich bin sicherlich der Letzte, dem das Wohl der Nutztiere am hübschen ­Beagle-Po vorbeigeht, schließlich war ich mit meinem Frauchen (sie ist Tierärztin) jahrelang in Bayerns Kuhställen unterwegs. Ich mag Kühe – nicht nur im Napf. Bei uns zuhause wird Fleisch gegessen, aber sehr bewusst und nicht täglich, die Kühe bzw. deren Haltungsbedingungen kannten wir z.T. persönlich.
 
Tiere darf man nutzen, d.h. man darf sie auch essen/fressen. Es sind ja Nutztiere. Nur ist man ihnen dafür etwas schuldig, nämlich Respekt und ein artgerechtes Leben, wie es auch uns Hunden zusteht. Und da haben es die Frauchen und Herrchen in der Hand, woher sie ihr Fleisch, auch das für das Hundefutter, beziehen.

Und da liegt der Hund begraben, es gibt nur noch Extreme: Die, die komplett jeden Verzehr von tierischen Produkten ablehnen, was ja, wenn man für sich selbst die Entscheidung trifft, legitim ist. Aber bitte nicht für uns Hunde, oder – noch schlimmer – für Kinder. Und dann gibt es die, die beim Discounter täglich ihr vakuumiertes Stück Kuh oder Schwein kaufen, ohne sich auch nur eine Sekunde lang Gedanken darüber zu machen, dass das mal ein Tier war, das sicherlich kein so tolles Leben geführt hat wie der geliebte Hund zuhause auf dem Sofa.

Warum sollte das Leben einer Kuh weniger wert sein als das eines ­Hundes? Aber auch andersrum, um an den Anfang anzuknüpfen: Warum sollte das Leben einer Kuh über dem eines Hundes stehen? Beide haben ein artgerechtes Leben verdient, ob sie nun als Steak oder als bester Freund des Menschen nützlich sind. Wer also ein Problem damit hat, seinen Hund seiner Art gemäß mit Fleisch zu ernähren, der sollte sich wohl besser ein Karnickel anschaffen – bzw. mindestens zwei, denn auch Kaninchen haben ein Recht auf ein artgerechtes Leben!

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Strodtbeck, Tierärztin, vierfache Hundehalterin und WUFF-Lesern durch mehrere
Artikel bereits gut bekannt. Verhaltensmedizinische Beratungen gemeinsam mit
PD Dr. Udo Ganslosser. Website: www.einzelfelle.de, www.strodtbeck.de

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