Oldies but Goldies: Unsere 14 gemeinsamen Jahre

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Hunde-Omas und -Opas sind etwas ganz Besonderes. WUFF holt die grauen Schnauzen vor den Vorhang und stellt in jeder Ausgabe einen Hunde-Oldie vor. In dieser Ausgabe erzählt Kerstin Z. über ihre 14 gemeinsamen Jahre mit Jack-Russell-Terrier-Rüde Henry.

Der nach wie vor quirlige Jack-Russell-Terrier-Rüde Henry kam am 10. April 2008 in einem Reitstall in der Nähe von Gmunden (OÖ) zur Welt. Über ein Inserat im Internet wurde Kerstin Z. auf den Wurf aufmerksam, und da sie gerade eine schwere Zeit durchmachte, war sie auf der Suche nach einem Welpen, der wieder Freude in ihr Leben bringen sollte: »Als ich das Inserat und die Fotos sah, wusste ich irgendwie aus dem Bauch heraus, dass ich dort meinen neuen Wegbegleiter finden würde. Außerdem fand ich es irgendwie witzig, dass der Vater der Welpen Tschaikowski hieß, benannt nach dem russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski.« Kerstin zögerte nicht lange und fuhr mit ihrem Vater nach Oberösterreich, um den Wurf zu begutachten. Für Kerstin war schnell klar, für welchen Welpen sie sich entscheiden würde: »Henry stach mir sofort ins Auge. Er war dreifarbig und ein Rüde – genau das, was ich gesucht hatte.«

Herzensbrecher Henry
Bereits bei der Heimfahrt von Oberösterreich nach Wien bewies der kleine Henry, dass er genau der Richtige war und wickelte seine neue Familie gekonnt um den Finger: »Die erste Autofahrt werde ich nie vergessen. Mein Vater und ich holten ihn ganz stolz ab, klein Henry saß in der Reisetasche und schleckte uns die ganze Fahrt ab. Um uns war es sofort geschehen«, erinnert sich Kerstin Z. Zu Hause angekommen stand die Zusammenführung von Welpe Henry und dem bereits im Haushalt lebenden Jack-Russell-Terrier-Rüden Filou an. »Die Zusammenführung verlief völlig komplikationslos. Filou freute sich sehr, dass er wieder einen Partner hatte, der mit ihm gemeinsam die Welt unsicher machen konnte und mit dem er durch dick und dünn gehen konnte«, beschreibt Kerstin die Ankunft und die ersten Tage mit Filou und Henry.

Aber nicht nur bei der Zusammenführung stellte sich Henry als sehr unkompliziert heraus, denn »er war sehr schnell stubenrein und sehr gelehrig. Aber seine Rasse konnte er echt nicht abstreiten – intelligent, quirlig, gerne draußen, sehr aktiv und ständig unterwegs, um die Welt zu entdecken. Wer einen Jacki hat, weiß genau, was ich meine«, erzählt Kerstin lachend. Für beide Jack Russell Terrier waren bzw. sind die Urlaube am Wörthersee in Kärnten immer ein Highlight. Dort konnten sie ihre große Leidenschaft, das Schwimmen, so richtig ausleben: »Beide liebten das Wasser. Wir haben jedes Jahr Urlaub am Wörthersee gemacht – unsere Hunde waren natürlich immer dabei. Man hat sie kaum aus dem Wasser bekommen, wie kleine Fischotter sind sie herumgeschwommen. Ich musste sie regelrecht aus dem Wasser locken, von allein wären sie wahrscheinlich nie rausgekommen. Für Henry ist der Wörthersee bis heute ein Paradies«, weiß Kerstin.

Der intelligente kleine Henry hatte auch schnell heraußen, wie er sein Ersatz-Frauchen, die Mutter von Kerstin, um den Finger wickeln kann, damit sie zügig und schnell seine Wünsche und Bedürfnisse erfüllt: »Er liebt es, meine Mutter auf Trab zu halten. Sie hatte er schnell gut abgerichtet, typisch Jack Russell! Man könnte fast sagen, er ist eine kleine Kampftarantel, der genau weiß, wie er seinen Willen durchsetzen kann.« Henry liebt es generell mitten im Geschehen zu sein, egal wo und wann: »Henry genießt lange Autofahren, besonders dann, wenn er den Tag mit uns im Stall bei den Pferden verbringen kann. Wenn wir im Stall angekommen sind, ist er meistens gleich mal auf eigene Faust unterwegs. Wo man ihn aber nicht lange suchen muss, ist, wenn meine Stute ihr Futter bekommt und sie gemeinsam aus einer Futterschüssel fressen. Da geht mir jedes Mal das Herz auf, wenn ich die Zwei so sehe.«

Lotte zieht ein
Leider musste Kerstin im Jahr 2017 ihren Filou gehen lassen, was für Henry mindestens genauso schwer war wie für Kerstin. Doch Kerstin wollte wieder einen zweiten Hund. Diesmal sollte es ein Hund aus dem Tierschutz werden, und so zog die Hündin Lotte 2017 bei Kerstin ein. Lotte ist ein griechischer Straßenhund, die neben ihrem toten Bruder gefunden wurde. Lotte hatte das Glück, gerettet zu werden und kam mit etwa vier Monaten zu Kerstin. Die Zusammenführung war diesmal nicht ganz so einfach: »Am Anfang war Henry nicht so erfreut, da er ja erst kurz zuvor seinen best Buddy Filou verloren hatte. Doch Lotte bemühte sich sehr um seine Gunst. Es dauerte zwar etwas, aber jetzt können die beiden nicht ohneeinander«, erinnert sich Kerstin.

Kämpfer Henry
Viele Jahre war Henry ein kerngesunder Hund, doch mit sechs Jahren begann sein linkes Auge Probleme zu machen. Das zu trockene Auge muss seitdem täglich mit einer Salbe behandelt werden, ist aber dank der Medikation stabil und bereitet dem Rüden keine Schmerzen und beeinträchtigt ihn auch nicht im Alltag. Doch nur zwei Jahre später – im Jahr 2016 – die Diagnose Cushing: »Als ich erfahren habe, dass Henry Cushing hat, eine Krankheit, die auch lebensverkürzend ist, hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Aber zum Glück sind wir an Priv.-Doz. Dr. med. vet. Florian Zeugswetter von der Vetmeduni Wien verwiesen worden, der Henry fantastisch betreut und es ihm sehr bald wieder besser ging. Mittlerweile bekommt er regelmäßig seine Medikamente, deren Dosierung zwar je älter Henry wurde von Dr. Zeugswetter angepasst werden musste, aber Henry kam gut zurecht und war bald wieder ganz der Alte – munter, aufgeweckt und voller Tatendrang. Mittlerweile lebt Henry seit sechs Jahren mit Cushing. Mitte 2022 sind leider dann auch inoperable Tumore auf den Nieren und der Leber dazugekommen. Zuerst war ich wieder total am Boden und niedergeschlagen, aber mein kleiner Henry mit seinem großen Kämpferherz lässt sich nicht unterkriegen. Es erstaunt und freut mich riesig jeden Tag aufs Neue, wenn ich sehe, wie munter und am Leben interessiert er ist – trotz seiner Krankheiten und seinem Alter!«

Wenn Kerstin an die vergangenen 14 Jahre – mit all den Höhen und Tiefen – denkt, gab es immer eine Konstante an ihrer Seite, die sie immer wieder aufgemuntert hat – den kleinen Henry. »Wir möchten uns bei unserem kleinen Kämpferherz bedanken, dass du für uns so stark bist. Ein Leben ohne dich wird nicht dasselbe sein. Du bist ein fester Bestandteil unserer Familie – wie ein Fels in der Brandung. Wir wünschen uns so sehr, dass du uns noch lange nicht verlässt.«

Steckbrief

Name: Henry
Geschlecht: Rüde
Alter: 14,5 Jahre
Rasse: Jack Russell
Lieblingsfutter: Alles Fressbare, seine Lieblingsspeise ist Banane, die muss ich auch immer mit ihm teilen – daran führt kein Weg vorbei.
Lieblingsbeschäftigung: Überall dabei sein, schlafen, kuscheln (wenn er will), Autofahren und meine Mutter auf Trab halten.

Neue Serie: Mein Hund aus dem Tierschutz

Mit dem Porträt über Henry endet die Serie »Odies but Goldies«. Es soll aber nicht das Ende von berührenden Geschichten über Ihre Hunde sein. Ab der nächsten Ausgabe wollen wir über Hunde berichten, denen Sie nach einem Leben in Not und Elend ein Leben in Geborgenheit, Sicherheit und mit viel Liebe ermöglichten – Hunde, die Sie aus dem Tierschutz haben.

Tierschutzhunde haben oft eine bewegte Geschichte hinter sich, die wir von Ihnen erfahren und erzählen möchten. Schicken Sie uns die Lebensgeschichte Ihres Tierschutzhundes und alles über sein Leben bei und mit Ihnen. Natürlich brauchen wir auch viele Fotos in guter Qualität (bitte beim Mailen nicht verkleinern!). Schicken Sie alles per Mail ([email protected]). WUFF bringt Ihren Tierschutzhund groß raus.

 

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Martina Bartl ist erfahrene Hunde- und Pferdehalterin und seit rund 15 Jahren Journalistin. Sie hat sich auf die Fachgebiete Pferde & Reiten und auf Hunde spezialisiert.

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