Oskar: Happy End für Roten Riesen

0
538

Da die Mannschaft vom Tierheim mich auch einmal sehen wollte, begleitete ich meinen Mann Klaus zusammen mit unserem Podhalaner Mischou am 4. September 2002 im voll gepackten Auto nach Bitterfeld. Aus seinen Erzählungen kannte ich sie alle, denn nach jeder Fahrt hatte mir Klaus begeistert von dem großen Engagement berichtet, mit dem das gesamte Team während der großen Flut sich um die vielen verängstigten und kranken Tiere kümmerte, obwohl sie nahezu alle persönlich von der Flut sehr stark betroffen waren. (Siehe dazu auch WUFF 10, S. 11ff!) Wie würden sie mich empfangen? –

Das war eine Wiedersehensfreude! Auch ich fühlte mich sofort akzeptiert und dazu gehörig. Viel gab es zu erzählen. Und nach einiger Zeit wurde mir das Tierheim gezeigt. Und so kamen wir auch zu den Zwingern mit den großen „Wachhunden“, die kaum noch eine Chance auf ein neues Zuhause hatten.

Begegnung mit dem „Roten Riesen“
Plötzlich fiel mein Blick auf einen großen roten Wuschel, der mich unheimlich an meinen geliebten Schafhund „Bär“ erinnerte. Die Mitarbeiterin sagte mir, „Der wird nicht mehr abgeholt und wird auch immer hier bleiben müssen, da er ängstlich und doch „zornig“ ist. Hat außerdem eine arge Ohrentzündung, die er sich nicht behandeln lässt.“ Ich konnte nicht anders. Ich musste einfach in seinen Zwinger hinein, habe dann ganz, ganz leise mit ihm gesprochen, mich ganz klein gemacht, damit er merkte, dass ich ihm nichts tue.
„Oskar!“ Dieser Name war auf einmal da. „Oskar!“ Aber er blieb auf Distanz, stand auf seiner Hütte, knurrte verunsichert, machte aber dabei wie eine kleine Katze „Milchtritte“. – Er kam nicht zu mir her, schaute mich nur an. Trotz der Dämmerung konnte ich es erkennen. Da war etwas in seinen Augen, das mich tief in meinem Innersten berührte. „Oskar! – Bär!?“ – Ich habe ihm versprochen, dass ich ihm helfen werde. Und sein Blick verfolgte mich, als ich ging, gehen musste. „Oskar, ich lasse dich nicht im Stich!“

Auf der Heimfahrt habe ich meinem Mann von Oskar erzählt und mir überlegt, wie man dem „Kleinen“ helfen könnte. – Am nächsten Tag dann fuhr Herr Heider von „unserem“ Tierheim Feucht mit Medikamenten nach Bitterfeld. Ich konnte nicht anders, ich rief ihn während der Fahrt an und fragte, ob er den Hund nicht nach Feucht mitbringen könnte, denn dort in Bitterfeld hatte er keine Chance auf Vermittlung. Er aber meinte, das Tierheim sei auch so schon voll, und er könne höchstens kleine Hunde mitbringen. Schade!

Oskar ist da!
Am Freitagmittag plötzlich ein Anruf: „Oskar ist da!“ – Er hatte ihn also doch mitgebracht! Bin sofort ins Tierheim gefahren, in seinen Zwinger rein – und … kein Schafhund! Nein! Im hellen Tageslicht war es deutlich zu sehen: Das dicke Fell waren „Fellplatten“, total verfilzt! Armer Oskar! Also bin ich erst einmal mit ihm Gassi gegangen. Und dann habe ich mir einen stabilen Kamm besorgt und die alten Fellplatten behutsam und ganz vorsichtig heraus gekämmt. Er war die Fellpflege nicht gewohnt, aber er hat sich voller Vertrauen hingelegt, den Kopf auf meinen Füßen, und hat mich angeschaut. Ich habe immer ganz leise mit ihm gesprochen. Wir wussten beide: Wir gehören zusammen. Und wie im Märchen von H.C. Andersen, wo aus dem hässlichen Entlein ein stolzer Schwan wurde, so verwandelte sich mit jedem Bürstenstrich der wilde „rote Riese“ in einen wunderschönen Irish Wolfhound-Mix, meinen „Mischlings-Champ“ Oskar!

>>> WUFF STELLT VOR

Oskar im neuen Zuhause!

Sofort hatte ich mein Herz an ihn verloren, zumal Oskar mich so sehr an meinen über Alles geliebten Schafhund Bär erinnerte – seine Augen, sein Blick, sein Wesen! Es gab nur ein großes Problem. Würde unser Mischou, ein selbstbewusster Herdenschutzhund, ihn akzeptieren? Auch ihn hatten wir als Notfall-Hund aufgenommen – wie alle unsere Hunde vor ihm. Würde unser betagter Kater Samson vor dem roten Riesen sicher sein? So gewöhnten wir sehr behutsam die Tiere aneinander, ehe wir Oskar ganz zu uns nach Hause holten.

Um es kurz zu machen: Es hat geklappt! Wir sind nun ein harmonisches Rudel, eine glückliche Familie, in der jeder seinen Platz hat! Oskar lernt schnell, was man ihm all‘ die Jahre vorenthalten hat, in denen er als „Wachhund“ sein Leben fristen musste. Meinen Mann hat er inzwischen auch „um die Pfote gewickelt“, Mischou lebt auf und verträgt sich ausgezeichnet mit Oskar, der ihn allerdings bereitwillig anerkennt und schon mal für ihn an den Zaun läuft, wenn sein „Chef“ bellt. Und so ist es auch für Mischou ein schönes Leben, wenn man andere die Beinarbeit machen lassen kann. Oskars Ohren sind nahezu ausgeheilt, denn mit Geduld und Konsequenz lässt er sich behandeln. Ach, es gäbe noch so viel zu erzählen …

>>> WUFF STELLT VOR

Schutzengel aus dem Hundehimmel?

Oskar wurde von einem Ehepaar als Wachhund im Zwinger gehalten, was aber nicht „funktioniert“ hat. So übernahm ihn der Schwiegersohn zum Bewachen seines Gartens, und es wurde ihm noch ein Schäferhund mit „dazu gestellt“. – Aber auch das war ein „Fehlschlag“, denn beide Hunde gingen öfter auf „Wanderschaft“. Eines Tages wurde bei einem solchen Ausflug der Schäferhund vom Zug überfahren. Oskar bewachte seinen toten Freund und ließ keine Menschen an ihn heran. Schließlich verjagte man ihn. Oskar trieb sich dann umher, bis er schließlich eingefangen und im Tierheim Bitterfeld abgegeben wurde.

Sein Besitzer holte ihn nicht mehr ab ab, und so hätte Oskar wohl bis an sein Lebensende im Tierheim verbringen müssen, wenn nicht Mechthilde aus dem fernen Franken zu ihm gekommen wäre. Ob da vielleicht ihr geliebter Schafhund „Bär“ im Hundehimmel als Oskars Schutzengel seine Pfoten im Spiel gehabt hat?

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT