„Pass auf mit den Hund!“

0
775

Ruhrgebiet/NRW. Es sind oft die kleinen Sachen, die das Leben heiter machen. Und heiter sind wir hier im Ruhr­gebiet, auch wenn die Kommunen chronisch pleite, die Durchschnittseinkommen im Vergleich zu ­anderen ­Regionen geringer und die Zukunftsprognosen ­düster sind.

Es geht ja gelegentlich auch eine Nummer kleiner. So ein Hunde­spaziergang am Sonntagmorgen beispielsweise kann große Freude auslösen. Gesagt getan, den Hund geschnappt und losmarschiert. Nach wenigen Minuten begegnete dem Verfasser dieser kargen Zeilen eine Frau mit einem kleinen Jungen, wie sich später herausstellte „Omma“ Gerti und Sebastian. Kleine Anmerkung für die Krisengewinnler aus dem Süddeutschen: Wir Ruhris sind zwar PISA-Verlierer, aber stolz darauf. Darum heißt es im Ruhrpott „Omma“ (die Betonung liegt auf dem „M“) und nicht Oma (mit Betonung auf dem „O“). Dies indes nur am Rande.

Jedenfalls erwies sich Sebastian als großer Hundefreund und kam mit wieselflinken Schritten auf uns zu gelaufen. Und „Omma“ hinterher, laut rufend: „Sebastian! Pass auf mit den Hund!“ Geschätzte drei Meter vor dem Point-of-no-Return bekam sie ihn an der Kapuze seines ­hellblauen Anoraks (merke: Jungs hellblau, ­Mädchen rosa) zu fassen und erklärte ihm, dass er nicht einfach fremde Hunde begrabbeln dürfe, weil diese das manchmal nicht mögen und ­beißen oder ­kratzen könnten. Sebastian lauschte mit ­großen Ohren und Augen.   

Natürlich durfte er danach unsere Hündin streicheln. Anschließend sind wir noch ein Weilchen zusammen ­spazieren gegangen und Sebastian hatte großen Spaß.

Gerti war übrigens klasse. Sie erzählte von ihren eigenen Hunden, die sie früher hatte. Und davon, wie sie ihren Kindern und Enkelkindern eingebläut hat, dass man nicht einfach unbekannte Hunde anfassen soll, weil manche Hunde das nicht mögen oder bei unbedarften Berührungen auch mal schnappen könnten usw. Sie handhabe das auch heute noch so und ernte manchmal irre oder wirre Blicke junger Mütter, die offenbar davon ausgingen, dass die Hundehalter dafür verantwortlich ­seien, dass ihren Kindern nichts passiere, wenn die Kleinen sich auf einen Hund stürzten. Dafür habe sie keinerlei Verständnis. Als Kind hätte sie sich auch einmal einen Schäferhund geschnappt, der sie dann gekratzt habe. Ihr Vater, bei dem sie sich beschwert hatte, sagte daraufhin: „Recht so! Der Hund will genauso wenig von jedem angetatscht werden wie du!“   

Dann trennten sich unsere Wege.

Tja. Wenn nur alle diese Einstellung hätten! Aber Gerti hat schon Recht. Heutzutage sehen sich Hundehalter in solchen Konstellationen oftmals Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen ausgesetzt. Denn die Haftung als Tierhalter setzt kein Verschulden voraus, d.h. der Halter eines Hundes haftet für den Schaden, den sein Tier verursacht. Sicherlich trifft die Aufsichtspflichtigen des Kindes ein Mitverschulden, welches schadensmindernd angerechnet wird. Aber ganz aus der Haftung kommt der Hunde­halter oftmals nicht. Denn gerade Kinder sollen besonders geschützt werden.

Daher merke: Der Ruhri trifft zwar manchmal den Kasus nicht, hat aber in der Sache Recht. Also gilt: „Pass auf mit den Hund!“ … und zwar sowohl als Hundehalter als auch als Erziehungsberechtigter oder Aufsichtsperson eines Kindes.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT