Pet-Trailing

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Suchtrupp auf vier Pfoten

Für Hundehalter bricht eine Welt zusammen, wenn der geliebte Vierbeiner plötzlich weg ist – Pet-Trailer helfen den Hund zu finden. Für jeden Hundehalter unvorstellbar ist, dass sein Hund einfach wegläuft und nicht wieder kommt. Doch solche Fälle gibt es immer wieder. Viele gut gemeinte Ratschläge zur Suche eines vermissten Hundes bewirken das Gegenteil. Wie man richtig reagiert und was Pet-Trailer alles können, lesen Sie in diesem spannenden Artikel.

Hundeliebhaber zitterten mit, als diesen Sommer Noodles verschwunden war. Drei Tage lang wusste ihr Halter nicht, ob er seine Cocker Spaniel Hündin jemals wiedersehen würde. Bei einem Autounfall war Noodles aus dem zerborstenen Fenster geschleudert worden und dann unter der Leitplanke verschwunden. Nachdem die sofortige Suche erfolglos geblieben war, startete ihr Halter eine Suchaktion per Facebook. Er selber campte an der Unfallstelle – bis drei Tage später Noodles plötzlich hinter ihm auf dem Feld stand. Verwirrt, verängstigt, aber froh, mit ihrem Halter und den zwei weiteren Familienhunden wieder vereint zu sein.

24 Stunden warten
In der Regel kommen Hunde wieder zurück an die Stelle, an der sie entlaufen sind“, sagt Frank Weißkirchen vom Tiersicherungsdienst „Hund entlaufen“ in Duisburg. Der 55-Jährige ist einer der ersten Pet-Trailer Deutschlands. „Gerade bei jagdlich motivierten Rassen wird oft viel zu früh gesucht“, so der Fachmann für Tiersuche. Besser sei es für mindestens 24 Stunden am Ort zu bleiben. Innerhalb dieser Zeit kämen die meisten ganz von alleine an diesen Ort zurück. „Wenn dann allerdings niemand mehr da ist, dreht der Hund eben noch eine Runde und ist wieder weg.“ Weißkirchen kann sich in solche Sorgen gut hineinversetzen. „Einer meiner Rüden würde wohl nur ein paar Minuten bei mir bleiben, wenn ich ihn ableine. Danach ginge er alleine los.“ Kenne der Hund den Weg von zahlreichen Spaziergängen her, könne man dem Vierbeiner vertrauen und zu Hause auf ihn warten. „Hat der Hund erstmal seinen Spaß gehabt, kehren die meisten von alleine nach Hause zurück. Das kann allerdings auch mal einen halben oder ganzen Tag dauern“, sagt der Pet-Trailer.

Seit 1997 sichert Weißkirchen professionell Hunde und Nutztiere. Zum Pet-Trailing kam er, nachdem er 2003 zur Sicherung eines angeschossenen Hundes gerufen wurde. Diesen hatte zuvor ein extra aus der Schweiz angeforderter Tiersucher mit seinem Suchhund aufgespürt. Weißkirchens Interesse war geweckt. „Was der kann, das kann ich auch“, dachte er. Gedacht, getan. In Anlehnung ans Mantrailing bildete er seine Spinone Italiano Hündin Shania selber aus. Eine offiziell anerkannte Ausbildung zum Pet-Trailer gab es damals wie heute nicht – ein Manko, das Weißkirchen mit intensiven Ausbildungskursen für Hund und Halter zum Pet-Trailer zu beseitigen sucht.

Nach 13 Jahren gibt es kaum ein europäisches Land, aus dem er noch nicht angefordert wurde. „Ausländische Anfragen kommen meist von Vereinen und Züchtern“, erzählt Weißkirchen. „Gerade bei Übergaben von Straßenhunden ­passieren oft Missgeschicke und ein Hund büxt mitten im Nichts aus.“ Sowieso schon vom Transport verschreckt, sind die Tiere dann schnell im Gebüsch verschwunden und Transporteure sowie freiwillige Helfer mit der Situation überfordert. „Zuchtrüden und Zuchthündinnen wiederum machen sich gerne mal eigenständig auf den Weg nach Hause.“ In Deutschland sind es zudem viele Privatpersonen, die seine professionelle Hilfe suchen. Spezialisiert hat sich Weißkirchen auf die Suche nach entlaufenen Hunden. „Wir suchen zwar alle Haus- und Nutztiere, zu 80 Prozent sind es jedoch Hunde“.

Brauche keine Denker sondern Arbeiter
Die Spuren verlaufender Tiere spürt Weißkirchen heute nicht mehr mit Shania, sondern mit Winston und Schnösel auf. Die fünf- und achtjährigen Bloodhound-Rüden sind jahrelange Profis auf dem Gebiet. Weißkirchens dritter Bloodhound, Yuma, ist noch in der Ausbildung. „Azubi“ steht auf seinem Halsband. Bewusst hat sich Weißkirchen für seine Mission, entlaufende Vierbeiner aufzuspüren, Rüden ausgesucht. „Hündinnen sind zwar intelligenter und denken selber viel mit. Ich brauche aber keine Denker, sondern ­Arbeiter.

Suchhund sein will gelernt sein
In knapp einem Jahr wird auch für Yuma das große Schnüffeln beginnen. Dann wird er die rund zwei Jahre ­dauernde Ausbildung zum Pettrail-Hund erfolgreich beendet haben. Anfangs wurde nur einmal die Woche trainiert. „Mehr würde der Hund mental nicht aushalten“, erklärt Weißkirchen. Erst nachdem die „Basics“ sitzen, wird das Training auf zweimal pro Woche ­gesteigert. „Intensiveres Training wäre für das Hundeverständnis einfach zu viel“, so der Pet-Trailer. Leider gäbe es noch immer viel zu viele von solch „verheizten“ Suchhunden, wie ­Weißkirchen die Hunde nennt, die im Training nicht vernünftig aufgebaut wurden. „In der Grundausbildung ­lernen Hunde möglichst schon im ­Welpenalter, dass es eine Verbindung zwischen einer Spur und einem ­Geruchsträger gibt“, erklärt ­Weißkirchen die Basics.
Zu diesem Zeitpunkt unterscheidet sich die Ausbildung laut Weißkirchen nicht groß vom Mantrailing, auch danach würde zuerst noch mit Menschen gearbeitet. „Hat der Hund die Basics verstanden, wechselt man auf Tier plus mehrere Menschen, die den „entlaufenden“ Hund weiterreichen während sie sich entfernen.“ Dies sei nötig, damit keine zweite Referenzspur entstünde, die der Suchhund eventuell verfolgen könnte. Auch neue Aufgaben werden später immer mit Menschen trainiert, zum Beispiel wenn eine Katze auf einem Baum aufgestöbert werden muss. All dies muss zudem auf verschiedenen Untergründen und Wetterverhältnissen geübt werden. Das dauert. „Das zu erlernende Spektrum ist wirklich extrem breit. Eis, Regen, Schnee, Sonne, Bäche, Wasser im Allgemeinen – es gibt so vieles, das den Geruch verändert und der Hund alles kennenlernen muss“, so Weißkirchen.

Qualität der Spur
Gerade auf harten, geteerten Böden und bei Sonne ist es für den Suchhund besonders schwierig, eine Spur zu verfolgen. „Aufgrund der Untergrundstruktur hält sich der Geruch auf harten Böden nicht so lange wie auf grünen Böden“, meint der Pet-Trailer. Bei Sonne und Hitze wiederum verbrenne die Spur schneller. Optimal für den Erhalt einer Fährte sind 10 bis 15 Grad, grüner Boden und Feuchtigkeit. Bei diesen Verhältnissen bleibt eine Spur lange erhalten. Selbst nach 120 Stunden verspricht dann eine Suche noch Erfolg – eine Frist, die für Weißkirchen normalerweise die Obergrenze für einen erfolgversprechenden Suchbeginn bildet. Denn: Je frischer die Spuren sind, desto höher ist auch die Chance das entlaufende Tier rasch zu finden. Daher setzten Pet-Trailer ihre Suche meist nicht am Punkt des ursprünglichen Verschwindens, sondern an dem der letzten Sichtung an.

Wäre Noodles nicht an die Unfallstelle zurückgekehrt, an der glücklicherweise ihr Halter noch immer auf sie wartete, hätte dieser vielleicht auch irgendwann die Dienste eines Pet-Trailers in Anspruch genommen. „Viele Tierhalter melden sich erst, wenn ihr Tier bereits einige Tage vermisst wird“, weiß Markus Burk­­hardt, Pet-Trailer aus Kärnten. „In den ersten Tagen haben die Tierhalter dann meistens selbst gesucht und dabei leider viele zusätzliche Spuren „gelegt“ die dem entlaufenen Tier nicht helfen und zudem die Arbeit der Suchhunde erschweren“, weiß Burkhardt aus Erfahrung. Der einzige, hauptberufliche Pet-Trailer Österreichs sucht mit seinen zwei Labradoren Mia (4,5 Jahre) und Eddi (2 Jahre) außer Vögel und Reptilien jede Tierart. Als ausgebildeter und geprüfter Mantrailer-Trainer hatte er sich vor ein paar Jahren dazu entschlossen, ausschließlich entlaufene Tiere zu suchen. Nun sucht er nicht nur entlaufende Hunde, sondern gründete den Pet-Trailer Verein in Österreich und bildet andere Hunde und ihre Halter zu Pet-Trailer-Teams aus. Mittlerweile gibt es bereits mehr als 20 vom Verein Pet-Trailer geprüfte Einsatzteams in ganz Österreich. Beide Pet-Trailer, sowohl Burk­­hardt als auch Weißkirchen, arbeiten heute im gegenseitigen Austausch und intensiv daran, einen länderübergreifenden Qualitätsstandard zu etablieren.

Haben Hund und Halter ihren neuen Job erlernt und die Abschlussprüfung erfolgreich bestanden, geht es los. Damit die Suchhunde wissen, wonach sie überhaupt suchen müssen, bekommen sie eine Geruchsprobe. Dafür eignen sich die verschiedensten Geruchsträger. So befindet sich der individuelle Geruch eines entlaufenden Tieres zum Beispiel in seinem Blut, Kot, Urin, Sperma oder auch Haaren aus dem Fell. Optimal bleibt ein Geruch allerdings an großen und weichen Trägern wie Decken und Kissen haften. Kleine, harte Gegenstände hingegen sind weniger geeignet, wenn auch nicht unmöglich. „In vielen Fällen stellt ein brauchbarer Geruchsträger leider das größte Problem dar“, meint Burkhardt. Doch selbst dann wird der Suchhund die Spur aufnehmen. Es ist nur etwas schwieriger und anstrengender für ihn. Oft befindet sich auf den Geruchsträgern auch der Geruch des Halters. „Dann ist es unbedingt notwendig, dass dieser zumindest am Start mit dabei ist, damit der Suchhund ausschließen kann, wen er nicht suchen muss“, so der Fachmann.

Schwerstarbeit für den Hund
Nicht immer ist gleich die erste Suche von Erfolg gekrönt. Manchmal kommt es vor, dass die Pet-Trailer die Suche an einem bestimmten Punkt abbrechen müssen. So wie im Fall einer 90 kg schweren Dogge aus Deutschland, die ihrem neuen Zuhause in Österreich gleich erstmal entlief. „Wir haben die Dogge über einen Zeitraum von 13 Tagen gesucht und konnten sie immer wieder sichten – in unsere Lebendfalle ging sie leider nicht“, erinnert sich Burkhardt. Letztlich wurde der alte Halter, der zehn Tage im ­Krankenhaus lag und daher nicht früher kommen konnte, eingeflogen. „Nach nur drei Stunden war die Dogge wieder da – mittlerweile wog sie nur noch 69 kg“, erinnert sich Burkhardt. Es bedurfte immer wieder neuer Anläufe die Dogge zu suchen, da Schnüffeln für Suchhunde extrem anstrengend ist.

Wunderorgan Nase
Beim Schnüffeln wird die hundliche Nase zum Hochleistungsorgan. Die eingeatmete Luft wird in mehreren Vorräumen der Hundenase befeuchtet und erwärmt. Danach gelangt sie in den hinteren Teil der Nasenhöhle. Dort befindet sich die Riechschleimhaut, die sich bis zu den Stirnhöhlen ausdehnt. Mit rund 150 Quadratzentimetern, auf denen sich 125 bis 300 Millionen Riechzellen befinden, ist sie im Vergleich zum Menschen riesig. Die Anzahl der Riechzellen variiert jedoch je nach Rasse erheblich. Während Deutscher Schäferhund und Beagle auf jeweils 225 Millionen kommen, liegt ein Mops eher am unteren Ende der Skala. Daher eignen sich kurznasige Hunde auch weniger als Einsatzhunde. Schnüffelkönig ist mit 300 Millionen Riechzellen der Bloodhound. Dementsprechend können sie auch besser riechen. Um beim Schnüffeln die Duftstoffmoleküle in intensiver Menge zur Riechschleimhaut zu transportieren, atmet der Hund bis zu 300-mal pro Minute in kurzen Stößen ein und anschließend aus. Dies ist für den Hund wahrlich Schwerstarbeit. Denn: Je schwieriger ein Geruch zu identifizieren ist, desto länger dauern die Schnüffelperioden. Die Pausen wiederum werden kürzer. Dementsprechend erhöht sich die Herzfrequenz stark, die Körpertemperatur steigt. Daher lassen Burkhardt und Weißkirchen ihre Suchhunde nur maximal 90 Minuten arbeiten.

Nicht jeder ist ein Fall für den Pet-Trailer
In Österreich wird die Zahl der jährlich vermissten Tiere auf 3.000, in Deutschland gar auf 300.000 geschätzt. Doch nur die wenigsten sind ein Fall für die kaninen Spürnasen. Die meisten der entlaufenden Hunde kommen sobald man ihnen ein Leckerchen vorhält. Sie können leicht gefangen und ihrem Halter zugeführt werden. Der Pet-Trailer wird eher für aussichtslosere Fälle hinzugezogen. Mehrere Anrufe pro Tag bekommen die beiden Suchhunddienste. Gerade am Wochenende, wenn Hundehalter ihre Tiere frei laufen lassen und im Sommer, sobald sich Tiere vermehrt im Garten und auf Weiden befinden, klingeln ihre Telefone häufiger. Um Weihnachten und Silvester stehen sie dann nicht mehr still. Für Pet-Trailer hat die Hochsaison begonnen.

Doch nicht jeder Anruf endet mit einer aktiven Suchaktion. Nur in weniger als der Hälfte aller Fälle rücken die Pet-Trailer aus. „Meistens kann man bereits im Vorfeld richtig beraten, so dass je nach Fall ein aktiver Sucheinsatz oft gar nicht mehr nötig ist“, erzählt Burkhardt, der hauptsächlich auf österreichischem Terrain unterwegs ist. „Nicht gesucht werden Tiere, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach frei und unverletzt bewegen.“ Denn speziell bei Katzen, aber auch bei frei laufenden Hunden, gilt es abzuwägen, ob man das Tier mit Suchhunden nicht immer weiter wegtreiben würde. „Meist geht es zuerst vorrangig darum, die Tierhalter richtig anzuleiten, was sie tun können, um ihr Tier in einem näheren Umfeld zu halten oder im besten Falle natürlich wieder bis nach Hause zu lotsen.“ Für eine erschwerte Suche wie zum Beispiel in Maisfeldern stehen Pet-Trailern zudem verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Den Umständen entsprechend kommen bei Suchaktionen auch Wärmebildkameras und Drohnen zum Einsatz.

Der Halter ist meist dabei
Von Profis wie Weißkirchen und Burkhardt wäre Noodles also erstmal nicht gesucht worden. Solange eine Sichtung vorliegt, rücken Schnösel, Winston, Mia und Eddi mit ihren Trailern nicht aus. Der Cocker Spaniel war jedoch mehrmals gesichtet worden und offensichtlich äußerst mobil. „Den mobilen ängstlichen Hund zu suchen ist Unsinn, da der nur vor einem weglaufen würde“, erklärt Weißkirchen. „Ein Pet-Trailer sollte in der Regel nur ausrücken, wenn der Hund seit 48 Stunden nicht mehr gesichtet wurde, mit Leine unterwegs ist und somit irgendwo festhängen könnte, wenn der Hund alt, krank oder verletzt ist, also relativ immobil ist.“ Ansonsten habe der Pet-Trailer keine Chance, den Hund zu finden. „Nach drei Tagen ohne Sichtung ist es allerdings egal, ob ein Hund mobil und ohne Leine unterwegs ist, dann muss man suchen. Denn ein Trailer hat nur ein begrenztes Zeitfenster, in dem er zuverlässig arbeiten kann“, gibt Weißkirchen zu bedenken. Rückt allerdings der schwanzwedelnde Suchtrupp aus, kann auch er nur den Aufenthaltsort des vermissten Hundes ermitteln. Sichern sollte den gefundenen Hund letztlich seine Bezugsperson. Diese muss daher meist vom Start bis zum Ende dabei oder zumindest rasch abrufbar sein. Denn: sobald der Hund gefunden ist, muss der Pet-Trailer mit seinem Suchhund Abstand halten. Hängt der gesuchte Hund zudem fest, besteht immer die zusätzliche Gefahr, dass der Hund aggressiv wird oder in Panik verfällt. Zur Not kann ein Tier von den Pet-Trailern aber auch per Futterfalle oder Distanzbetäubung eingefangen werden.

Nicht immer gehen nur frei laufende Hunde verloren. Gerade bei jagdlich motivierten Hunden spielen die Leinen eine zentrale Rolle. Jagdhunderassen wie Golden Retriever oder Labrador Retriever werden von ihren Haltern gerne mit möglichst flexibler Leine spazieren geführt. Flexi-Leinen bergen allerdings eine verkannte Gefahr. „Wenn sie einem aus der Hand fallen, fliegt der Kasten dem Hund auf den Hintern und er gibt Vollgas“, weiß Weißkirchen. Auch Schleppleinen rutschen Haltern oft aus der Hand. „Meist schleifen Halter die Leine locker hinter sich her. Rennt der Hund jedoch plötzlich los, gibt es einen Ruck und mit dem Hund ist auch das Leinenende weg“, so der Pet-Trailer. Meist verheddert sich dann die Leine auf einem Feld und der Hund bleibt hängen. So auch in einem aktuellen Fall Weißkirchens. Der 5-jährige Golden Retriever war seiner Halterin samt langer Schleppleine entkommen. „Bereits ein Jahr zuvor hatte die Dame ihren anderen Hund begraben müssen und war zudem gerade mit Krebs diagnostiziert worden. Nun war auch ihr anderer Hund weg und sie hatte alle Hoffnung verloren, ihn lebend wiederzusehen“, erzählt Weißkirchen. Der Golden Retriever hatte sich im Raps verheddert und war Dank Schnösel innerhalb von nur 15 Minuten gefunden. „Beim Anblick ihres geliebten Vierbeiners brach die Dame vollkommen in sich zusammen“, erinnert sich der Pet-Trailer an den hoch emotionalen Moment. „Dann weiß man wieder, wofür man den Job macht.

Die gegenteiligen Emotionen erleben ­Pet-Trailer leider auch. Denn nicht immer werden die Tiere lebend gefunden. Zwar handelt es sich bei den sogenannten ­Totfunden um einen extrem niedrigen Prozentsatz. Doch ist es für alle Beteiligten traurig und zudem meist ein ­grauenhafter Anblick. Entgegen land­­läufiger Meinung sind es weniger Autounfälle, sondern Züge, die den Vierbeinern zum Verhängnis werden. Da sich Hunde gerne entlang der Zuggleise bewegen, werden sie vom Sog eines Schnellzugs mitgerissen.

Im Fall des Falles
Damit es erst gar nicht so weit kommt, ist es wichtig, dass man sich als Tierhalter von Anfang an möglichst richtig verhält. Dazu gehört auch, seinen Liebling nicht in Panik zu versetzten. Blinder Aktionismus ist folglich fehl am Platz. Meist macht der Halter allerdings bereits umgehend seinen ersten Fehler: Besorgt schreit er seinem Hund hinterher, mit jeder Minute wächst die Sorge um den Vierbeiner und damit auch die Panik in der Stimme. Gleichzeitig ändert sich der Geruch des Halters. „In einem solchen Moment riecht, klingt und bewegt sich der Halter anders als sonst. Alles Faktoren, die den Hund verängstigen. Natürlich kommt der Hund dann nicht“, erklärt Weißkirchen.

In den sozialen Medien kursiert zudem der Tipp, für den Hund eine Spur zu legen. Ein Ratschlag, bei dem die Pet-Trailer nur seufzen. „Die Hundedecke in hundert Stücke zu schneiden und zu verteilen, damit der entlaufende Hund diese als Spur verfolgen kann, ist vollkommener Unsinn“, kritisiert Weißkirchen diesen gutgemeinten Hinweis. „Das macht es dem Suchhund nachher unmöglich, die Spur zu verfolgen. Er wird jedes einzelne Deckenteil finden, aber nicht den entlaufenden Hund.“ Viel besser sei es laut Weißkirchen, eine Geruchsspur aus Fisch oder Hühnerbrühe zu ziehen.

Auch vor Suchgemeinschaften warnt Weißkirchen. „Das ist zwar gut gemeint, doch ein entlaufender Hund ist zuerst einmal stark verängstigt und eventuell panisch. Er reagiert instinktiv mit Flucht auf ihn suchende Fremde. In Heerscharen rufend herumlaufende Menschen verunsichern den Hund somit noch mehr und treiben ihn förmlich vor sich her.“ Das erschwert nicht nur den Pet-Trailern die Suche, es kann sogar das Leben des Hundes gefährden. So entging Noodles nur knapp dem Tod, als sie von den mobilisierten Helfern unabsichtlich auf die Autobahn getrieben wurde. Zum Glück passierte nichts – weg war die Cocker-Dame trotzdem wieder. Dennoch kam Noodles wieder. Denn: Ausgebüxte Hunde laufen meist eine Strecke in Form einer Blüte – solange sie nicht komplett von ihrer instinktiven Route abgebracht werden. Nachdem sie im wahrsten Sinne des Wortes eine Runde gedreht haben, kommen sie in der Regel wieder zum Ausgangspunkt zurück – um danach, falls der Halter dort nicht mehr ist, eine weitere Runde zu drehen. Daher gilt: Am besten ruhig bleiben und sachlich an die Sache herangehen. So schwer es auch fallen mag, in puncto Hundesuche ist ­weniger meist einfach mehr.

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