Protest auf dem Podest!

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"Mali’s, wollt ihr ewig siegen?“ das haben sich anscheinend die Leistungsrichter des SVÖ (Österr. Verein für Deutsche Schäferhunde) in Unterordnung und Schutzdienst zu Ende der Veranstaltung gedacht, als bereits ab dem ersten Antrittstag am Freitag, den 13. Oktober, Karl Kührer mit Malinois Daneskjold Joker in Führung lag, am Samstag gefolgt von Horst Müller mit Malinois Conan le Bosseur auf Platz 2 und Mario Scheidbach mit Malinois Hilou vom Siefelerberg auf Platz 3. In weiterer Folge waren zum Zeitpunkt vor dem letzten Start von Karin Strecher mit ihrer DS-Hündin Akira vom Patscherkofel acht Malinois unter den ersten zehn.
Daß dieses vorläufige Ergebnis unter den Funktionären des SVÖ einigen Unmut hervorrief, konnte man aus verschiedenen Bemerkungen heraushören. Zählte doch diese Veranstaltung nicht nur als Qualifikation zur FCI-Weltmeisterschaft, sondern auch als Generalprobe für die WUSV-WM (Weltmeisterschaft für Deutsche Schäferhunde), die 2002 in diesem Stadion stattfinden wird.

Was nicht sein darf …
Nach dem Motto „was nicht sein darf, das kann auch nicht sein“ agierten die Richter bei der Bewertung der letzten Starterin dieser Staatsmeisterschaft. Da die DS-Hündin Akira vom Patscherkofel läufig war, mußte sie als letztes an den Start gehen und durfte demnach auch vorher noch trainieren, da ihr das zu einem früheren Zeitpunkt versagt war. Während dieser Trainingspause konnte allgemein beobachtet werden, daß sich die beiden Richter für die Unterordnung und den Schutzdienst auf einer Bank zusammensetzten und sich besprachen. Über den Inhalt dieses Gespräches kann man natürlich nur Vermutungen anstellen. Jedenfalls ist so eine Vorgangsweise sicher nicht als korrekt anzusehen. Was sich anschließend abspielte, brachte die Gemüter der Zuschauer zum Kochen. Was bis dahin nur vermutet wurde, schien sich zu bestätigen.
Eine Unterordnung mit ständigen starken Führerhilfen brachte noch 90 Punkte ein, ein wahres Geschenk im Vergleich zu vielen anderen Arbeiten, die sichtlich besser waren und niedrigere Bewertungen erhielten. Die Krone aber setzte der Richter im Schutzdienst auf. Eine schaumgebremste Schutzarbeit, die sich als allgemein schwache Leistung darbot, wurde mit 94 Punkten belohnt, um einen Punkt höher als die des Malinois Daneskjold Joker, der bis dahin in Führung lag. Wer die drangvolle, kompromißlose und überzeugende Arbeit von Joker gesehen hat, kann hier die Welt nicht mehr verstehen.

Schutzdienstrichter ausgepfiffen
Als bekannt wurde, daß der Staatsmeistertitel nicht an Karl Kührer, sondern an Karin Strecher ging, brach auf der Tribüne die Hölle los. Schutzdienstrichter Günther Müllegger wurde vom empörten Publikum ausgepfiffen, die Malinois bekamen tosenden Applaus und Beifallsrufe. Sogar einige namhafte Hundesportler aus dem Schäferhunde-Lager gratulierten Karl Kührer als „wahren Staatsmeister“.
Die Malinois-Leute formierten sich und beschlossen, aus Protest gegen diesen offensichtlichen Boykott ihrer Rasse, ohne ihre Hunde an der Siegerehrung teilzunehmen. Das löste heftige Kritik unter den Funktionären des SVÖ aus. Man drohte „das würde Konsequenzen haben …“.

Drohung der SVÖ-Funktionäre
Der SVÖ scheute sich dann auch nicht, einen Artikel in den O.Ö. Nachrichten zu platzieren, unter dem Titel „gelbe Karte für Hundeführer“, worin die „Spitzenleistung“ von Karin Strecher bejubelt wird, die Nächstplatzierten als schlechte Verlierer bezeichnet wurden, die ihre Hunde bei der Siegerehrung in den Käfig sperrten (welcher Käfig??) und Josef Schallegruber, Vizepräsident des SVÖ, nach der Vorstandssitzung mit der Aussage „Das wird die gelbe Karte geben !“ zitiert wurde. Da fragt man sich nur, ob man hier bei der richtigen Veranstaltung war? Dazu ist noch zu bemerken, daß auch einige DS-Hundeführer ohne Hunde zur Siegerehrung erschienen!

Ohne Hunde am Stockerl
Jedenfalls liessen sich die betroffenen Hundeführer nicht einschüchtern und so standen Karl Kührer als Zweit- und Horst Müller als Drittplatzierter ohne Hunde auf dem „Stockerl“. Die anderen Teilnehmer, die mit einem Malinois gestartet waren, stellten sich auf der linken Seite des Stadions geschlossen ohne ihre Hunde auf, bis auf einen Hundeführer, der selbst Obmann einer SVÖ-Ortsgruppe ist. Dieser fand scheinbar nicht den Mut, sich mit seinen Mitstreitern zu solidarisieren.
Wie sich nachträglich herausstellte, suchte man jedenfalls nach einem Sündenbock, der für die Protestaktion verantwortlich zu machen sei. Die Wahl war schnell getroffen. Wer konnte es anders sein, als der um den Staatsmeistertitel gekommene Karl Kührer. Dieser ist selbst Leistungsrichter im ÖKV und Gebrauchshundereferent im ÖGV. Ihn kann man am besten mit Sanktionen behaften, wo er doch unter anderem als Mannschaftsführer bei der kommenden FCI-WM nominiert war.

Feindbild Malinois
Wenn bei solchenVeranstaltungen nicht mehr die Leistung der Hunde objektiv bewertet wird, sondern nur die Vereinspolitik im Vordergrund steht, ist es schlecht um den Hundesport bestellt. Der SVÖ stellt sich hier nur ein Armutszeugnis aus, wenn er zu solchen Mitteln greifen muß, um einen Sieg zu erringen. Der Malinois ist vielen SVÖ-Funktionären zum Feindbild geworden, weil er im Laufe der letzten Jahre dem Deutschen Schäferhund als Gebrauchshund Nr. 1 in Sport und Dienst immer mehr den Rang abläuft. Bei den großen Turnieren und Weltmeisterschaften ist er immer im Spitzenfeld zu finden.
FCI-WM 2000: Weltmeister und 14 Malinois unter den ersten 20. Diese Liste läßt sich beliebig fortsetzen. Der SVÖ sollte hier keine Polemik betreiben, sondern endlich seine Zuchtstrategie ändern. Der Deutsche Schäferhund wird immer mehr zum „Schauhund“ degradiert, Gesundheit und Leistungsfähigkeit mehr und mehr außer Acht gelassen. Rittmeister von Stephanitz würde sich im Grab umdrehen, wenn er sehen könnte, was aus seinem Deutschen Schäferhund geworden ist.

Vereinspolitische Diktatur?
Es ist eine ungeheure Anmaßung des SVÖ, Drohungen gegenüber Hundeführern auszusprechen, die es wagen, von ihrem demokratischen Recht Gebrauch zu machen und zu demonstrieren, und es entsteht der Eindruck einer vereinspolitischen Diktatur. Wer sich getraut, an dem großen SVÖ Kritik zu üben, dem steht postwendend ein Disziplinarverfahren ins Haus. (Beispiel: SVÖ-Nachrichten Oktober, Leserbrief des Hrn. Jürgen Fritz mit Stellungnahme von Dr. Wolfgang Tauber).

Superleistung des Hundeseniors
Gratulieren kann man bei dieser Staatsmeisterschaft jedenfalls den Malinois zu ihren hervorragenden Leistungen und Horst Müller mit seinem Conan le Bosseur, der nunmehr im neunten Lebensjahr noch immer erfolgreich am Wettkampfgeschehen teilnimmt und bei dieser Veranstaltung den nunmehr dritten Rang belegte.



>>> WUFF – INFORMATION


ÖKV Staatsmeisterschaft für Schutz- und Gebrauchshunde 2000

1. Karin Strecher, Akira v. Patscherkofel, DSH (99/90/94/283)
2. Karl Kührer, Jocker Daneskjold, Malinois (97/93/93/283)
3. Horst Müller, Conan le Bosseur, Malinois (98/86/96/280)
4. Mario Scheidbach, Hilou v. Siefelerberg, Malinois (96/94/90/280)
5. Max Kohlbauer, Zorro v. Wernberg-Köblitz, DSH (98/92/90/280)
6. Ursula Fuchs, Amy v. Schnellen Fuchs, Malinois (91/90/95/276)
7. Karl Tusch, Jita v. Hirschtal, Malinois (93/90/92/275)
8. Georg Sammer, Devil v. Greifenring, Malinois (94/89/92/275)
9. Jürgen Schwendinger, Apoll v. Wolfsrudel, Malinois (98/85/92/275)
10. Franz Spitzer, Max v. Spitzer, Malinois (94/86/94/274)


>>> WUFF – INFORMATION


Einzelwertung, FCI-WM 2000

Wie uns Helga Zeller vom HSV Feldkirch-Montfort mitteilt, haben wir in der letzten Ausgabe im Kasten mit den Einzelwertungen Karl Tusch mit Cita du Hirschtal vergessen. Wir bitten um Entschuldigung und veröffentlichen nochmals die nunmehr korrigierte Liste.

1. Knuth Fuchs (Klemm v. Roten Falken), D., Malinois (A96, B99, C95)
2. Edgar Scherkl (A´Desert der Sonne entgegen), D., Malinois (A95, B95, C98)
3. Verrengia Arsiero (Quipsos des deux Pottois), CH. Malinois (A94, B96, C97)

Ränge der Österreicher:
12. Karl Tusch (Cita du Hirschtal), Malinois (A98, B90.5, C94)
17. Markus Schwendinger (Ithos du Colombophile), Malinois (A97, B92.5, C91)
18. Christian Hinteregger (Nelson du Colombophile), Malinois (A97, B94, C89)
29. Maria Obersberger (Cliff v.d. Siegerschmiede), DSH (A92, B90, C92)
56. Paul Meidlinger (Marco), DSH (A84, B90.5, C88)
75. Oswald Zach (Utz vom Patscherkofel), DSH (A75, B94.5, C75)


>>> WUFF-DISKUSSION


Diskutieren Sie mit!

– Wie ist Ihre Meinung zu den Vorgängen rund um diese Staatsmeisterschaft?
– Sind Sie der gleichen Meinung wie die Autorin, daß der Deutsche Schäferhund immer mehr zum Schauhund degradiert wird?
– Was denken Sie über Demokratie oder Diktatur in Hundevereinen?
– Post (und Foto?) an WUFF Diskussion, A-3034 Maria Anzbach. E-mail: mosser@wuff.at


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