Recht erfolgreich: Welpen sind nicht gefährlich

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Die Hundegesetze oder –verordnungen der jeweiligen ­Bundesländer waren schon oftmals Gegenstand von Artikeln in WUFF. Es liegt daher der Gedanke nahe, dass irgendwann einmal eigentlich alles ­Wesentliche zu den in diesen Regelwerken verbrieften Vorschriften gesagt sein müsste. Weit gefehlt, wie der nachfolgende Sachverhalt zeigt.

Eine Rottweilerzüchterin aus Hessen hatte einen Wurf mit einigen Welpen zu verzeichnen. Sämtliche Welpen verkaufte sie im Alter zwischen acht und neun Wochen an entsprechende Interessenten.

Plötzlich meldete sich die zuständige Ordnungsbehörde und verhängte gegen die Züchterin ein Bußgeld, weil sie die Welpen vor der Abgabe nicht beim Ordnungsamt angezeigt habe. Denn Rottweiler seien – auch wenn sie Welpen seien – gefährliche Hunde im Sinne der HundeVO und unterlägen der Anzeigepflicht des § 15 Abs. 1 derselben. Dort heißt es:

§ 15 Mitwirkungs- und Mitteilungspflichten

(1) Erhält die Halterin oder der Halter Kenntnis davon, dass es sich bei ihrem oder seinem Hund um einen gefährlichen Hund handeln könnte, hat sie oder er der zuständigen Behörde dies unverzüglich anzuzeigen.

Gegen den Bußgeldbescheid hat die Züchterin allerdings Einspruch eingelegt. Das daraufhin mit der Sache befasste Amtsgericht Dieburg sprach sie mit Urteil vom 05.07.2012 frei (Az.: 43 OWi 8000 Js 13362/12).

Das Amtsgericht war insofern der Auffassung, dass die Züchterin nicht gegen § 15 Abs. 1 HundeVO ver­stoßen hatte. Denn – so das Gericht –

„schon der Wortlaut der Vorschrift weckt erhebliche Zweifel, ob diese auf einen Wurf Welpen überhaupt anzuwenden ist."

So sieht es aus. Denn die Vorschrift ist dem Grunde nach so formuliert, dass ein Halter zunächst bereits einen Hund besitzt und zu einem späteren Zeitpunkt erfährt, dass es sich bei diesem um einen gefährlichen Hund handeln könnte. Das ist bei selbst gezüchteten Rassehundwelpen allerdings nicht der Fall.

Darüber hinaus handelt es sich bei Welpen – auch wenn sie der Rasse Rottweiler angehören – nach wohl schwerlich zu widerlegender Ansicht des Gerichts – nicht um gefährliche Hunde. Denn von Rottweilerwelpen im Alter von höchstens neun Wochen geht keinerlei Gefahr aus, so dass auch die Anzeigepflicht des § 15 Abs. 1 HundeVO nach Meinung des Gerichts nicht gegeben ist. Daran soll auch der Umstand nichts ändern, dass die HundeVO für Rottweiler eine Gefährlichkeit vermutet. Denn eine solche Vermutung kann – so das Gericht – auch widerlegt werden, was hier allein durch das Alter der Hunde erfolgt sei, das eine Gefährlichkeit definitiv ausschließt.

Viel schöner hätte das Gericht sein Urteil kaum begründen können.

Vielleicht überlegt sich danach der ein oder andere Gesetz- oder Verordnungs­geber doch noch einmal, seine Regelungen zu modifizieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt …

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