Recht illusionär: Das Heimtierzuchtgesetz

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Die Zucht von Hunden ist in Deutschland nur eingeschränkt reglementiert. Prinzipiell kann – bis zu einem gewissen Rahmen – jedermann ohne nennenswerte behördliche Kontrolle Hunde züchten und Welpen verkaufen. Förderlich im Sinne einer Zucht gesunder Hunde ist dies aber eher nicht.

Tierschützer fordern es schon seit Langem: Ein Heimtierzuchtgesetz, in welchem der Staat jedem noch so kleinen ­Hobbyzüchter verbindliche Vor­gaben in puncto Sachkunde, Zuchtstätte, Auswahl der Zuchttiere etc. macht. Weiter wird eine behördliche ­Kontrolle der Züchter durch die jeweils zu­ständigen ­Amtsveterinäre verlangt, ferner die behördliche (Über-) ­Prüfung bzw. auch die Anerkennung von Zuchtverbänden oder -vereinen.

„Wilde“ Vermehrung von Hunden
Aus der Sicht der Tierschützer ist dies verständlich; viele Tierheime ­stehen vor dem wirtschaftlichen Kollaps, die Zwinger sitzen voll mit schwer vermittelbaren Hunden und der Nachschub schnell verkäuf­licher Welpen aus dem Ausland ist schier unerschöpflich. Die „wilde“ Ver­mehrung von Hunden erscheint ­insofern ­sicherlich kontrapro­duktiv.

Anders sehen dies oftmals – ­wenngleich dies nicht für alle gilt – die Zuchtverbände und -vereine, ­welche staatlicher Kontrolle mitunter ­skeptisch gegenüberstehen.

Möglicherweise sollte allerdings einmal ein ganz anderer – an dieser Stelle vielleicht überraschender – Blick­winkel gewählt werden: Wie sieht es denn aus der Sicht des Hundes aus? Finden es Hündinnen toll, als Gebärmaschinen gehalten und von gewissenlosen Vermehrern bei jeder Läufigkeit belegt zu werden? Ist die Englische Bulldoggenhündin glücklich darüber, ihre Welpen einmal mehr mittels Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen, weil es auf natürlichem Wege nicht mehr funktioniert? Freut sich ein Hund, der kaum laufen kann und etliche Operationen hinter sich hat, darüber, dass beide Elterntiere unter schwerster Hüftgelenks­dysplasie litten und trotzdem mit­einander verpaart wurden?

Es gibt zu viele unseriöse Züchter
Nun ist es zweifelsohne so, dass es viele verantwortungsbewusste Züchter in Deutschland gibt, und zwar unabhängig davon, ob sie unter einem Verband züchten oder nicht. Es gibt aber auch (zu) viele, die schlicht und ergreifend einfach nur Geld ­verdienen wollen und eben nichtmals davor zurückschrecken, mit kranken Hunden zu züchten. Und genau dieses Klientel entzieht sich oftmals recht geschickt behördlichen Kontrollen. Denn jedenfalls derjenige Züchter, dessen Zucht als gewerbsmäßig gem. § 11 Abs. 1 Nr. 3a TierSchG eingestuft wird (was in der Regel bei drei oder mehr fortpflanzungsfähigen Hündinnen im Bestand bzw. bei drei oder mehr Würfen pro Jahr angenommen wird), unterliegt der Überwachung durch den zuständigen Amtsveterinär.

Die Einstufung als gewerbsmäßig zu unterlaufen ist für findige Zeit­genossen allerdings keine große Herausforderung; da werden munter ­Hunde umgesetzt, über Familien­mitglieder Welpen verkauft usw.

Was spricht also dagegen, die Zügel anzuziehen? In anderen Bereichen der Tierzucht geht dies nämlich auch, wie etwa das TierZG (Tierzuchtgesetz vom 21. Dezember 2006 (BGBl. I S. 3294), zuletzt geändert durch ­Artikel 16 des Gesetzes vom 9. Dezember 2010 (BGBl. I S. 1934)) zeigt, welches – vereinfacht dargestellt – für Rinder und Büffel, Schweine, Schafe, Ziegen sowie für Hauspferde und Hausesel und deren Kreuzungen gilt.

Sicherlich ist dieses Gesetz recht landwirtschaftlich geprägt, wobei die Betonung durchaus auch auf dem wirtschaftlichen Teil des Wortes liegt. Denn das Gesetz verfolgt nach seinem Wortlaut u.a. auch die Ziele, die Wirtschaftlichkeit (insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit) der tierischen Erzeugung und diejenige der von den Tieren gewonnenen Erzeugnisse zu verbessern.

Allerdings bezweckt das Gesetz zwei weitere, entscheidende Punkte:

1. Die Leistungsfähigkeit der Tiere unter Berücksichtigung der Tier­gesundheit zu erhalten und zu v­erbessern und
2. eine genetische Vielfalt zu erhalten.

Leistungsfähigkeit und genetische Vielfalt
Allein diese beiden Ziele in der Hunde­zucht konsequent unter staatlicher Überwachung bei jedem Züchter durchzusetzen; wer kann da ernsthaft Einwendungen vorbringen? Dass die genetische Vielfalt verkümmert, wenn hochdekorierte Deckrüden hunderte von Welpen zeugen, muss jedem klar sein. Inzucht und die Verpaarung miteinander verwandter Hunde tun ihr Übriges. Dass sodann nur mit gesunden Hunden gezüchtet werden darf, sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht.

Heimtierzuchtgesetz
Wenn der Staat es daher ernst meinte, als er im Jahre 2002 in Artikel 20a unseres Grundgesetzes als Staatszielbestimmung auch den Tierschutz statuierte, sollte er umgehend die Zucht von Hunden (und natürlich auch diejenige von anderen Heimtieren) sinnvoll in einem Heimtierzuchtgesetz reglementieren. Alles so weiter laufen zu lassen, wie es gegenwärtig passiert, ist weder zu verantworten noch tierschutzrechtlich hinnehmbar.

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