Recht nachdenklich – Aus allen Rohren geballert …

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Als Hundehalter hat man es heutzutage nicht leicht. Es gilt ­zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Satzungen zu ­beachten; des Weiteren wird mitunter ein – im wahrsten Sinne des Wortes – dickes Fell ­benötigt, wenn sich Nachbarn über zu lautes Gebell oder unangenehme Gerüche beschweren bzw. Jogger, Radfahrer und ­Spaziergänger sich durch oder von Hunden belästigt fühlen. Doch ein viel nachdenklicher stimmendes Problem ist der Umgang vieler Hundehalter untereinander.

Denn eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass zwischen Hundehaltern – da man zumindest die Liebe für den Hund miteinander teilt – ein vernünftiger, rücksichtsvoller oder auch einmal nachsichtiger Umgang gepflegt wird. Leider ist dies immer seltener der Fall. Vielmehr werden selbst bei geringfügigen Auseinandersetzungen zweier Hunde Anwälte eingeschaltet, Strafanzeigen erstattet und Ordnungsämter aufgefordert, gefälligst Leinen- und Maulkorbzwang zu verhängen, die Gefährlichkeit des ach so aggressiven Hundes des anderen festzustellen etc. Teilweise werden Tierarztrechnungen in marginaler Höhe Gegenstand zivilrechtlicher Verfahren, „weil es ja ums Prinzip geht".

Muss das alles sein?
Wenn vor 25 oder 30 Jahren zwei Hunde im Wald rauften und der eine sich dabei verletzte, wurde darum in aller Regel kein großes Aufheben gemacht. Allenfalls bei schwereren Verletzungen mit kostenintensiven Tierarztbehandlungen wurde der Vorfall der Tierhalterhaftpflichtversicherung gemeldet oder man hat sich über die Kosten geeinigt. Aber wer wäre damals auf die Idee gekommen, einen Anwalt mit der Schadensregulierung zu beauftragen oder den anderen Hundehalter beim Ordnungsamt anzuzeigen?

Natürlich hört der Spaß auf, wenn ein Hund mehrmals auffällt oder ein Hunde­halter schlichtweg unverantwortlich mit seinem Tier und den von diesem ausgehenden Gefahren umgeht. Aber tut es wirklich Not, bei jedem noch so profanen Gerangel gleich das Ordnungsamt und den Amtsveterinär mit der Vorstellung einzuschalten, „wer als Erster anzeigt, gewinnt"? Was ist denn, wenn beim nächsten Vorfall der andere Hundehalter schneller ist?

So ein bisschen mehr Nachsicht, Gelassenheit und vor allem etwas Solidarität stünde so manch‘ einem Hundehalter nicht schlecht zu Gesicht. Als um das Jahr 2000 herum in vielen Bundesländern sog. Kampfhundeverordnungen erlassen wurden gab es so etwas wie Solidarität einmal. Auf etlichen Demonstrationen gegen diese Verordnungen fanden sich bundesweit auch zahlreiche Hundehalter gar nicht betroffener Rassen ein, die den Haltern von Bullterrier & Co. beistehen wollten. Heute ist davon leider wenig übrig geblieben. Viele sehen nur ihren eigenen kleinen Vorteil, der mit teils brachialem Ellenbogeneinsatz durchgesetzt werden soll.

Nur – um welchen Preis? Macht das Halten von Hunden Spaß und Freude, wenn etliche Hundehalter nur noch mit Kamera bewaffnet oder zu zweit spazieren gehen, um notfalls schnell Beweise sichern zu können oder einen Zeugen parat zu haben? Das ist so ähnlich wie einen Pauschalurlaub in der Absicht zu buchen, von morgens bis abends Reisemängel zu dokumentieren, um anschließend den Reisepreis zu mindern. Was soll das denn – mit Verlaub – für ein Urlaub sein?

Gelassen, freundlich, rücksichtsvoll, vielleicht manchmal auch etwas nachsichtig sollte der Umgang der Hundehalter miteinander sein. „Aus allen Rohren zu ballern" mag vielleicht in manch‘ einer Lebenslage berechtigt sein; bei einer Hunderauferei ist dies indes ganz gewiss nicht der Fall.

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